Es war einmal eine Bäuerin, die lebte schon lange allein. Ihr Mann war vor vielen Jahren verstorben und Kinder waren ihnen leider versagt geblieben. Das Alter machte ihr zwar schon zu schaffen, ihre Knochen wollten nicht mehr so richtig, doch das hinderte sie nicht daran Feld und Garten immer noch selbst zu bewirtschaften. Seit eh und je hatte sie, damals zusammen mit ihrem Mann, ein Gemüsefeld und ein paar überschaubare Obstbäume und Sträucher von denen es zu leben galt. Nach der Ernte wurden Gemüse und Obst auf dem Markt verkauft und die Überschüsse sauer eingelegt oder zu Marmelade, Gelees und Liköre verarbeitet. Besonders am Herzen jedoch lag ihr der Kräutergarten. Die jeweiligen Gartenkräuter, die sie auf dem Markt nicht verkauft bekam, wurden zum Teil getrocknet oder zu Tinkturen, Extrakte, Essenzen und Salben verarbeitet. Diese Tätigkeit, verlieh ihr in der Gegend sehr schnell den Beinamen Kräuterhexe, was durchaus nicht nachteilig für sie war, denn die Leute kamen vor Nah und Fern, schon fast mit jedem Wehwehchen zu ihr gelaufen und baten um Hilfe. Das brachte ihr natürlich mehr als besagte Arbeit ein, was ihr sehr half, denn die Geschäfte wurden immer weniger und das Geld reichte oft Vorn und Hinten nicht aus.  

Eines Morgens, sie ging in den Garten um frisches Schnittlauch für ihren Quark zu holen, entdeckte sie im Kräuterbeet zwischen dem Rosmarin einen in weiße Tücher gewickelten Säugling, der sie mit großen unschuldigen Augen anschaute.

Mein Gott, was mach ich nur mit diesem Kind, dachte sie und nahm es vorerst mit zu sich ins Haus.

Am nächsten Tag machte eine schreckliche Meldung die Runde. Ein Mann wurde im Dorf Tot aufgefunden, vermutlich von einer Kutsche überfahren. In der Präfektur hielt man ihn auf Grund seiner Kleidung, für einen Stadtstreicher, verfolgte die genaue Ursache aber nicht.

Ob dieser Mann etwas mit dem Auftauchen des Kindes zu tun hat, fragte sich die alte Frau, doch schnell verwarf sie diesen Gedanken der ihr zu abstrus erschien.

Die Tage vergingen, doch nichts geschah. Keine Menschenseele meldete sich oder fragte nach dem Kind und so kümmerte sich die Bäuerin selbst ganz rührend um das Mündel.

Jedoch entstand nach Wochen des Wartens in der Umgebung die Frage – woher hat die alte Bäuerin das Kind. Die aber war klug genug und wusste sich zu helfen, denn das Mädchen war ihr in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen und so erzählte sie jedem der danach fragte … es ist die Tochter meiner jüngeren Schwester. Sie und ihr Mann hatten einen Unfall und um das hilflose Würmchen, wie sie das Kind gern nannte, nicht in ein Heim zu geben, habe sie die Patenschaft und die Pflege übernommen. Das leuchtete den Leuten ein und so wurde im Nu, jegliches aufkommendes Misstrauen im Keim erstickt.

Rosemarie, so taufte die Alte das Mädchen, weil sie den Säugling neben den Rosmarin Kräutern gefunden hatte, wuchs heran und wurde von Jahr zu Jahr schöner. Sie hatte strahlend blaue Augen, goldblond gelocktes Haar, eine Haut wie Porzellan, ein glockenhelles Lachen und ihr Liebreiz verzauberte jeden der mit ihr in Berührung kam.

Ein recht auffälliges Muttermal in Form einer Rose prangte auf ihrer rechten Schulter und fiel der Alten auf, wenn sie das Kind badete. Sie maß dem allerdings keine Bedeutung bei, dachte sich nur, Ein Muttermal, was sagt das schon, so ein Mal hat bald jeder zweite und dieses passt auch noch vortrefflich zum Namen.

Zehn Jahre gingen so ins Land, das Mädchen wuchs heran, beide waren glücklich und jeder behandelte sie als wäre sie der Bäuerin leibliche Tochter.

Doch das Schicksal wollte es, dass die Bäuerin eines Tags erkrankte. Der Arzt stellte ein schweres Herzleiden fest und gab der Alten noch ein halbes Jahr zu leben.

Aufopfernd und liebevoll pflegte Rosemarie ihre Mutter jeden Tag und so verlängerte sich ihr Dasein Monat um Monat. Leider half all medizinisches Können und auch die natürlichen Salben, Tinkturen und Extrakte mit der das Mädchen die Patin tagtäglich pflegte nicht aus ihr Leben zu erhalten. Die Zeit der Lebensverlängerung grenzte schon an ein Wunder, was selbst Gevatter Tod verwunderte, der stetig neben der Alten ihr Bett zu stehen schien und trotz allem nicht in der Lage war sie früher zu sich zu holen. Zwei Jahre dauerte so ihr sanftes Leiden, bis das Gevatter Tod sie nun endgültig mit sich nahm.

Friedlich schlief sie in den Armen ihres Mündels ein, doch nicht ohne vorher ihr Gewissen zu erleichtern und der Rosie, wie sie das Kind gerne nannte, die Wahrheit preis zu geben.

»Rosemarie, mein Kind, du bist nicht meine leibliche Tochter. Ich habe dich in weiße Tücher gewickelt im Kräuterbeet meines Gartens beim Rosmarin, gefunden. Das ist auch der Grund, warum ich dir diesen Namen gegeben habe«, gestand sie ihr, dabei füllten sich ihre alten, gütigen Augen mit Tränen, die sie angesichts der enthüllten Wahrheit, angstvoll auf des Mädchens Reaktion wartend, anblickten.

»Das ist mir völlig gleich«, erwiderte Rosemarie und strich während sie das sagte, liebevoll über das schon lang ergraute Haar der sterbenden Frau. »Für mich bist Du meine Mutter und niemand anders«, sagte sie lächelnd und hauchte auf die zu durchscheinendem Papier gewordene Haut der Alten einen letzten Kuss. Kaum zwei Atemzüge später, schlief die Bäuerin mit einem zufriedenen Lächeln in ihren Armen ein.  

Wenige Tage später trug sie ihre “Mutter“ zu Grabe.

Ernst geworden und in sich gekehrt verlief nun ihr Alltag und auch wenn sie noch ein Kind war, wirkte sie vom Äußeren eher wie eine junge Erwachsene und nicht wie ein dreizehn jähriges Mädchen. Trotz allem übernahm sie ohne jammern und klagen, die zu verrichtende Arbeit die täglich anfiel.

Selbst die vielen Wehleidigen, die zuvor ratsuchend zur heilkundigen Bäuerin gekommen waren, näherten sich, wenn auch nur langsam dem Mädchen das nun alle Kräuter Geheimnisse ihrer Mutter in sich trug.

Es vergingen an die drei Monate, da erschien ein Bote an ihrer Tür, der ihr eine Nachricht überbrachte.

Sie brach das Siegel und entrollte das Dokument. Hierin wurde ihr unvorbereitet mitgeteilt, dass sie mit der Pacht für Grund und Haus im Rückstand wäre und wenn sie nicht bis zum Ultimo des kommenden Monats die Schuld begleiche, müsse ihr der Lehnsherr den Pachtvertrag kündigen und sie das Grundstück verlassen.

Das kam einem Faustschlag ins Gesicht gleich, denn von einer Pacht war nie die Rede und mit dem Geld das sie besaß, kam sie mehr schlecht als Recht über die Runden. Sie konnte sich auch nicht erklären, wie die Bäuerin den zusätzlichen Pachtbetrag, aufgebracht hatte und das über all die Jahre ohne das sie etwas davon mitbekommen hatte.

 

                                                                                         *

Die ersten zaghaften Sonnenstrahlen verkündeten den Beginn eines neuen Tages und da Tag und Nacht nicht die besten Freunde waren, suchten die nächtlichen Schatten ihr Heil in der Flucht. Das war auch der Zeitpunkt, da Uhu, Igel, Hamster, Dachs und Fuchs, die Tiere der Nacht, sich in ihre Quartiere zurück zogen und Rotwild, Wildschwein, Hase, Eichhörnchen, kleine Reptilien, Insekten und Vögel den aufkommenden Tag begrüßten. Das güldene Licht des Morgens brachte die Blätter des Waldes zum Leuchten und überall, von Nah und Fern, erhoben sich tierische Stimmen die den täglichen wiederkehrenden  Kreislauf des Waldes erneut pulsieren ließen.

Rosemarie wusch sich am Bach den Schlaf aus dem Gesicht, kämmte im Spiegelbild des Wassers ihr Haar und füllte frisches Trinkwasser in eine Karaffe, bevor sie zurück in ihre neue Behausung ging.

Nachdem sie alle Möglichkeiten überdacht hatte und ihr Bewusst wurde, dass sie das ausstehend zu zahlende Salär an den Lehnsherren nie und nimmer zusammen bekommen würde, hatte sie sich entschlossen den Hof zu verlassen.

Sie schaute nicht zurück zum dem Haus in dem sie groß geworden und viele glückliche Jahre verbracht hatte. In einem Bündel hatte sie sich für Unterwegs ein paar brauchbare Sachen zusammengestellt. Die bestanden vorwiegend aus Kleidung, Werkzeuge und nützliche Haushaltsgegenstände.

Zwei Jahre waren seither vergangen.  

Der Wald war nun ihr zuhause, den sie ohne lange zu überlegen betreten hatte und ihn über Stock und Stein, Berg auf und Berg ab und durch Schluchten und Täler zu ihrer neuen Heimat gemacht hat. Angst, nein Angst hatte sie nicht, nur manchmal gegen Abend oder auch in der Früh, wenn die feuchten Morgennebel lautlos über den Waldboden schwebten, hörte sie in der Ferne Wölfe heulen. Das war ein unheimliches Gefühl und da schauerte es ihr schon ein wenig aber gesehen oder begegnet war sie noch keinem.

Um Nahrung brauchte sie sich nicht zu sorgen, denn Beeren, Blätter, Blüten, Wurzeln und Kräuter gab es in Hülle und Fülle – ein Metier das ihr bestens bekannt war. Für reichlich Abwechslung auf ihrem Speiseplan sorgten Bäche, Flüsse und Seen, in denen sich eine unüberschaubare Vielfalt an Fischen und kleinen Krebsen tummelten.

Seit ein paar Wochen hatte es sich Rosemarie in einer recht geräumigen Höhle am Hang einer Hügelkette gemütlich gemacht. Allen Anzeichen nach hatte hier mal ein Bär gehaust, doch das war schon lange her.

Nach dem Mittagessen, es gab frische Bachforelle im Kräutermantel mit einer Beilage aus pürierten Wurzeln, die einen leichten kartoffelartigen Geschmack hatten, wollte sich die Rosie gerade ein wenig hinlegen, als sie Stimmen und Pferdegetrappel hörte.

Sie verließ ihr Versteck und sah fünf Reiter die im gestreckten Galopp durch eine seichte Stelle des nahegelegenen Baches ritten. Sie lachten und riefen sich gegenseitig etwas zu, was sie nicht verstehen konnte. Die  Männer waren jung und von unterschiedlicher Statur, nur der Eine, der der den anderen voraus ritt, erschien ihr irgendwie anders. Das Mädchen wich zurück, denn die Reiter änderten die Richtung und kamen jetzt direkt auf sie zu. Sie zog sich wieder zurück in ihre Höhle.

Sekunden später ritten die Fünf an ihr vorbei. Sie wusste nicht warum aber ihr Herzschlag erhöhte sich, ihr Atem ging schneller, die Handflächen wurden feucht und eine nie gekannte Unruhe befiel sie.

Jetzt war er ganz nah, der Mann der diese kleine Gruppe anführte. Ein hübscher junger Mann, war ihr heimlicher Gedanke. Gekleidet war er wie ein Jägersmann, seine Augen leuchteten Bernsteinfarbend und das braune Haar, das unter seinem Barett hervor lugte wehte wild im strengen Galopp. Sein Lachen zog sie magisch an, dabei zierten kleine Grübchen seine Wangen und seine Zähne strahlten weiß, wie Perlen auf einer Schnur. Ein kleines noch sehr zartes Menjou Bärtchen  zierte seine volle Oberlippe.

Gott lob, kann er mich nicht sehen, dachte sie, hinter ihrem wild gewachsenem Blätter Wirrwarr, der jedem den Blick in ihre Höhle verwehrte sollte, denn sie merkte, dass eine ungewollte Röte ihr Gesicht überzog.

Plötzlich zügelte der junge Jäger sein Pferd und es hatte den Anschein er könne sie doch sehen, denn er schaute ihr direkt in die Augen. Zwei, drei Atemzüge lang starrten sie sich an, dann schüttelte der Reiter scheinbar verwirrt den Kopf und folgte den anderen, die indes an ihm vorbeigeritten waren.

Die Männer waren schon eine ganze Weile des Weges, doch Rosemarie stand immer noch wie unter Hypnose da und schaute gebannt hinaus. Verflixt noch mal, was ist nur mit mir los? Was geht mich dieser Mann an? Schollt sie sich ins geheim, doch so sehr sie sich auch bemühte, sie bekam diesen jungen Jäger nicht aus dem Kopf. Zwei Tage nach diesem Ereignis entschloss sie sich diesen Platz zu verlassen und weiter zu ziehen. Sie trug sich mit dem Gedanken, wieder unter Menschen zu gehen. Vielleicht finde ich Arbeit in der Küche eines Gasthauses? ging es ihr durch den Kopf und so wartete sie nicht länger, packte ihre wenige Habe zusammen und brach auf.

                                                                        *

 

Am Mittag des kommenden Tages lichtete sich der Wald und die Rosie kam in ein Dorf. Im Hintergrund auf einer Anhöhe erhob sich ein prächtiges Schloss. Irgendjemand feierte im nahe gelegenen Gasthof seinen Geburtstag. Die Röcke der Mädchen und Frauen flatterten im Reigen des Tanzes und die Burschen machten dem weiblichen Geschlecht überschwänglich den Hof. An den Tischen wurde laut gelacht und bei Bier, Wein und Musik ging es lustig zu, so, dass die Stimmung recht ausgelassen wirkte.

Rosemarie betrat den Schankraum, traf auf die Wirtin und brachte ihr Ansinnen hervor.

»Das tut mir jetzt Leid, Mädchen«, begann die Dame des Hauses, »doch seit mein Sohn geheiratet hat und er und meine Schwiegertochter mitarbeiten, sind wir sogar überbesetzt. Aber warte mal! Versuch doch dein Glück einfach in der Schlossküche. Es wird nämlich gemunkelt, dass der König Hochzeitspläne für den jungen Prinzen schmiedet und da wird bestimmt jede Hand in der Küche gebraucht«, verriet ihr die nette Wirtin.

Der Gedanke war nicht von der Hand zu weisen und da lag es nahe den Ratschlag der Wirtin sogleich in die Tat umzusetzen.

In der Schlossküche herrschte ein geordnetes Chaos, doch bis die Rosemarie bis dahin vordringen konnte musste sie an unzähligen Wachen vorbei, die sie jedes Mal nach ihrem Anliegen fragten und sie an einen verwiesen der kompetenter war als sie selbst.

In der Küche angekommen, stand sie jedem im Weg und auf die Frage nach dem Maître de Cuisine schickte man sie von der einen Ecke in die andere. Ein Küchenmädchen sah die hilflos hin und her irrende und sprach sie an: »Wen suchst du denn, kann ich dir helfen?« lautete ihre Frage.

Rosie erklärte der Küchenmagd, was ihr begehr sei. Das Mädchen fackelte nicht lange und zog die leicht überfordert wirkende mit sich. In ihrer Kammer angekommen, gab sie Rosemarie einen Satz Küchenkleidung und sagte: »Hier, zieh das an fürs Erste, wenn es in der Küche wieder ruhiger geworden ist, können wir uns um eine Anstellung für dich kümmern. Dafür hat im Mittagstrubel eh niemand Zeit«, und ihr Lächeln gab Rosemarie neuen Mut.  

Nachdem die edlen Herrschaften versorgt waren, führte sie Adele, so der Name des hilfsbereiten Mädchens, zum ersten Küchenjungen. Der leitete ihr Anliegen weiter und nach einer kurzen Begutachtung stellte man die Neue als Aushilfe ein.

Schnell hatte sie sich eingearbeitet, denn in der Küche war sie praktisch zu Hause. Nachdem eine Woche verstrichen war, machte die Nachricht von der Verlobung des Prinzen die Runde, dafür sollte in vier Wochen ein großes Fest veranstaltet werden zu dem alle Prinzessinnen der umliegenden Länder mit ihren Familien geladen waren.

Dem entgegen hielt sich sehr hartnäckig das Gerücht, dass der Prinz mit dem verwöhnten hochnäsigen Weibervolk nichts zu tun haben wollte und er sich seine Angetraute selber suchen wolle. Insgeheim kam dem königlichen Jüngling immer wieder das Gesicht im Wald vor Augen, welches er glaubte gesehen zu haben und er spürte dabei eine nicht gekannte Unruhe – das behielt er jedoch für sich.

Trotzdem löste sein Anliegen, sich seine Braut nicht unbedingt unter den geladenen Prinzessinnen auszusuchen, einen königlich familiären Streit aus, was den Prinzen dazu veranlasste dem Schloss den Rücken zu kehren und obwohl man den jungen Königssohn, von höchster Stelle unter Aufsicht stellte, war der am nächsten Tag wie vom Erdboden verschwunden.  

Die Aufregung war groß, alle waren in Sorge, denn der Sohn des Königs war sehr beliebt. Reiter wurden losgeschickt und eine große Suchaktion fand statt, doch der Prinz blieb verschwunden. Am fünften Tag erst kam die erlösende Nachricht – man hat ihn gefunden. Doch der anfängliche Jubel wurde sogleich im Keim erstickt, denn der junge Königssohn wurde von einem Rudel Wölfe angegriffen. Er konnte sich zwar erfolgreich verteidigen, hat sich dabei jedoch Verletzungen am Arm und den Beinen zugezogen.

Umgehend wurde der Medicus gerufen, der den Verletzten versorgte, doch obwohl man ihn von ärztlicher Seite gut versorgt sah, litt der Patient an Appetitlosigkeit, bekam Gliederschmerzen und zeigte Übelkeit und Kopfschmerzen auf. Zwei Tage später war der königliche Arzt mit seiner Weisheit am Ende, denn die Wunden fingen an zu nässen und Fieber setzte ein das stetig stieg. Der gesamte Hofstaat war in Sorge.

Natürlich war der Zustand des Prinzen das Gesprächsthema Nummer 1, auch in der Schlossküche. Nachdem das Küchenmädchen Adele ihren letzten Bericht vom befinden des Prinzen abgeliefert hatte, nahm Rosemarie sie beiseite.

»Adele, um Gottes Willen, ich kann ihm vielleicht helfen«, sagte sie, worauf ihr das Mädchen ungläubige Blicke zuwarf. Die Rosie ignorierte den Blick und erklärte ihr ihren Plan, denn Adele war diejenige die das Essen zum Prinzen bringen durfte und so verbündeten sich die Mädchen.

Jetzt kam die Kräuter Rosie in ihr durch und sie schlich sich heimlich aus dem Schloss um die benötigten Kräuter im Wald und auf der Wies’n zu sammeln. Nachdem sie alle beisammen hatte, bereitete sie einen Tee und eine Paste. Drei Tücher für die Wunde am Arm und die beiden Beinwunden wurden mit der Paste bestrichen, zusätzlich reichte man dem Prinzen jetzt den Tee den die Rosie extra für ihn aufbereitet hatte.

Am Abend tauschten die Mädchen unter dem Vorwand es geht Adele nicht gut, die Plätze. Damit bekam Rosemarie die Gelegenheit dem Prinzen, der schon zu fantasieren begann, die Umschläge zu machen und ihm den Tee einzuflößen. Dabei stellte sie fest, dass der Prinz und der Jäger, dem sie vor einigen Tagen begegnet war, ein und dieselbe Person waren. Wieder pochte ihr Herz wie wild und der Puls raste. Umso gründlicher versorgte sie jetzt den Patienten und vertauschte geschickt die ärztlichen Verbände gegen die mit der Kräuterpaste bestrichenen Tücher.

Tags darauf brachte sie abermals den Tee, denn die Umschläge zeigten ihre Wirkung erst in ein paar Tagen.

»Wer bist du? Ich habe dich hier noch nie gesehen«, fragte der Prinz, der zwischenzeitlich verwirrt aus seinem Delirium erwachte.

»Seien Sie unbesorgt, königliche Hoheit, ich bringe nur den Tee«, versicherte die Rosie schnell.

»Mir ist so heiß«, stammelte er.

»Das gibt sich wieder, Sire, Morgen geht es Ihnen schon viel besser. Ich muss jetzt wieder gehen, Sire«, sagte sie und verließ mit glühenden Wangen das Zimmer.

Am nächsten Tag verbreitete sich die Nachricht, dass das Fieber des Prinzen stagniert.  Adele sah Rosemarie an und wusste nicht was sie sagen sollte.        

»Meinst du es liegt an deinen Kräutern?« fragte sie leise, so dass es die anderen nicht mitbekamen. Doch die Rosie sah sie nur an und lächelte.

Zwei volle Tage vergingen als der König verbreiten ließ, dass der Prinz auf dem Weg der Besserung wäre. Am Nachmittag betrat ein Diener die Küche und teilte Adele mit, sie habe umgehend vor dem König zu erscheinen. Sie verließ die Küche und wartete angsterfüllt im Vorzimmer bis sie vorgelassen wurde.

»Was hat das zu bedeuten?« fragte dieser in einem äußerst strengen Ton. »Der Medicus wollte vorhin die Verbände des Prinzen wechseln und fand stattdessen diese eigenartigen Kräutertücher auf seinen Wunden. Kannst du mir das erklären? Du warst als einzige in seinem Zimmer, natürlich außer dem Medicus.«

»Ich, äh … ich, nein«, stammelte Adele.

»Was soll das heißen – ich, nein«, fragte er erneut und sah sie fordernd an.

»Es, es war noch jemand anderer in seinem Zimmer. Die … die Neue, Sir«, stotterte das Mädchen ängstlich.

Der König wurde ungeduldig und verlangte eine plausible Erklärung, die ihm Adele mit niedergeschlagenen Augen präsentierte. Darauf ließ der König die Neue kommen.

Das Mädchen trat vor den Herrscher und berichtete ohne Scheu.

»Eure Majestät, als ich hörte was gesehen war und die dazugehörigen Symptome erfuhr, wusste ich das kann nur Tollwut sein, bei Wölfen nicht ungewöhnlich. Es gibt aber kein Medikament gegen Tollwut. Ich ging also hin und sammelte die entsprechenden Kräuter, es sind 32 an der Zahl. Dann kochte ich Tee, bereitete eine Paste und ließ mich unter dem Vorwand das es Adele nicht gut geht den Tee servieren. Die Chance stand 1 zu 10 das die Kräuter den Virus herausziehen würden. Gott sei Dank, war es noch nicht zu spät, denn der Virus vermehrt sich in der Wunde und geht dann erst ins Blut und nur in der Wunde kann er gestoppt werden«, Rosemarie wartete auf eine Reaktion.    

»Du bist ein erstaunliches Mädchen«, gestand der König«, »mein Medicus war zu dem gleichen Ergebnis gekommen. Woher hast du deine Kenntnisse«, wollte der Herrscher wissen.

Rosemarie überlegte kurz, dann erzählte sie ihm ihre Geschichte von Anfang an, nur die Begegnung mit dem Prinzen im Wald ließ sie weg und der König hörte geduldig zu.

»Wirklich erstaunlich! Ich danke dir Mädchen, du kannst jetzt gehen«, waren seine abschließenden Worte.

Die Zeit war vergangen wie im Flug und es blieben noch drei Tage bis zu dem Fest an dem sich der Prinz seine Braut aussuchen sollte, genauso wie es der König wollte.  

Der König hatte indes seinem Sohn von dem Wunder das ein Mädchen aus der Schlossküche vollbracht hatte erzählt. Der Prinz seinerseits hatte seinem Vater von einem Traum berichtet, in dem ihm ein Gesicht im Wald erschienen ist, dass ihm im Taumel des Fiebers wiederbegegnet ist und am Schluss waren sich beide einig.

Endlich war der Tag des großen Festes da und als die einzelnen goldverzierten Kutschen mit den verwöhnten und vornehmen Gästen in den Schlosshof einfuhren, erfüllte ein einzigartiger  Lichterglanz das königliche Haus. Zum gleichen Zeitpunkt, ließ der Prinz das neue Küchenmädchen zu sich rufen.

»Liebe Rosemarie«, begann der Prinz und das Mädchen erschrak bei der Anrede. Sie sah verlegen zu Boden und eine leichte Röte überzog ihr Gesicht. »Du weißt es und ich weiß es auch. Du hast mir mit deinen Kräuterkenntnissen das Leben gerettet«, er hob die Hand, weil sie Anstalt machte etwas zu sagen. »Doch nicht diese Tatsache hat meine Entscheidung beeinflusst, sondern unsere Begegnung im Wald war schuld daran. Seit diesem Tag und unser beider wiedersehen während ich im Fieber lag haben mich dazu veranlasst dir jetzt diese Frage zu stellen«, er unterbrach sich kurz und der Rosie schoss das Blut glühend heiß durch den Körper. Sie konnte nicht still stehen, hatte schweißnasse Hände und das Herz wollt ihr im Leib zerspringen, trotz allem versuchte sie sich zu beherrschen.

»Liebe Rosemarie, willst du meine Frau werden?«

Die Frage traf sie wie ein Pfeil ins Herz und sie sagte: »Aber Majestät, ich bin doch nur ein unbedeutendes Mädchen. Sie…«, er ließ sie nicht zu Ende sprechen – unterbrach sie abermals mit erhobener Hand.

»Moment, soweit sind wir noch nicht, noch bin ich keine Majestät, sondern der Kronprinz und eines weißt du noch nicht«, wieder eine Pause, die Rosie fing an zu zittern.

»Bevor du mir eine Antwort auf meine Frage gibst, muss ich dir noch etwas sagen«, er holte tief Luft und sagte: »Rosemarie, du bist eine Prinzessin.«

Jetzt war sie sprachlos. Sie glaubte sich verhört zu haben und schaute ihn ungläubig an, unfähig etwas zu sagen.

»Mein Vater, der König hat auf Grund deines Verhaltens Erkundigungen über dich eingeholt. Er hat mit deiner ehemaligen Präfektur, dem dortigen Sheriff, dem König von Roseneck vom Nachbarland und noch einigen anderen gesprochen. Dabei ist herausgekommen, dass du als Säugling entführt wurdest. Einer deiner Entführer wurde auf der Flucht erschossen und der Zweite hat dich bevor er im Dorf überfahren wurde heimlich in den Garten deiner angeblichen Mutter versteckt«, der junge Adlige ließ ihr Zeit das gehörte zu verdauen.

Jetzt schwirrte der Rosie der Kopf. Sie eine Prinzessin, dass kann gar nicht sein, sie wollte es einfach nicht glauben.

Doch der Prinz war noch nicht am Ende. »Den endgültigen Beweis aber erhielt er durch Adele. Die hat nämlich beim Umkleiden, dass Muttermal auf deiner Schulter entdeckt und das ist das untrügliche Zeichen derer von Roseneck. Die damalige Amme, hat Rosalinde von Roseneck, das ist dein richtiger Name, nach der Geburt an die Entführer weitergegeben, weil man ihre Eltern bedroht hatte. Kurz darauf ist die gesamte Familie bei einem angeblichen Unfall ums Leben gekommen. Später vermutete man, dass es Mord war, wahrscheinlich damit sie nichts verraten konnten«, jetzt schwieg der Prinz und man hätte im Zimmer eine Stecknadel fallen hören können.

Rosemarie alias Rosalinde war total verwirrt. Das gibt es doch gar nicht – ich entführt, ich eine Prinzessin aber das geht doch gar nicht. Ich bin doch nur ein Kräutermädchen, dachte Rosie.

Der Prinz ließ ihr abermals Zeit das gehörte zu verstehen, sagte nichts und sah sie nur an. Wie schön sie doch ist. Ja, sie ist wahrlich eine Prinzessin, waren seine Gedanken.

Es dauerte lange, sehr lange bis Rosalinde begriff, dass sie nicht träumte. Dann endlich sah sie ihn an, direkt in die Augen und sagte ihrem Herzen folgend: »Wenn das alles wirklich so ist, dann sage ich gerne, Ja«, und ein unsicheres Lächeln erschien auf ihren Lippen,

Der Prinz stand auf, ging auf Rosalinde zu und nahm sie in den Arm. Seine Berührung löste einen nie gekannten wohligen Schauer in dem ehemaligen Kräutermädchen aus und als sich ihre Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss trafen, erwiderte sie ihn und versank glücklich in seinen Armen.

Nun konnte das Fest beginnen und die Braut stand auch schon fest. Drei Tage wurde gefeiert, tanzt und getrunken.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie noch heute glücklich vereint.

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beta
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