»Ich nehme dir alles!«

Es war noch dunkel draußen, als Garrett von Jacks dröhnendem Lachen geweckt wurde. Schlaftrunken streckte er sich und stellte fest, dass Dionysos nicht mehr neben ihm lag. Murrend setzte er sich auf.

Dass sie ihn auch immer außen vor lassen mussten, wenn etwas interessantes geschehen war!

Er schwang die Beine aus dem Bett und glättete sich die Haare, während er die Zimmertür öffnete.

In der Küche brannte Licht, doch es war niemand da. Die Haustür stand offen und der Junge näherte sich langsam.

Wie ein mittelalterliches Straftribunal standen sie im Kreis um etwas herum, das Garrett nicht erkennen konnte.

»Hm... das Mündel ist aufgewacht«, hörte der Junge eine unangenehme Stimme kichern und bekam Gänsehaut.

Dionysos wandte leicht den Kopf zu Garrett hin und verzog fast unmerklich den Mund zu einem Lächeln.

»Mein Herr ist sehr erfreut, dass der Junge noch lebt, wo doch der Geruch seines Blutes so stark über der Stadt schwebte vor einigen Tagen. Nicht erfreut ist er über den Tod einer unserer Männer. Ihr werdet verstehen, dass er das nicht vergeben kann, oder?«

Garrett trat an seine Freunde heran und spähte zwischen Jacks und Dionysos' Schultern hindurch. In der Mitte saß ein Vampir am Boden.

Er war dreckig, seine Kleidung zerfleddert und er hatte Blut im Gesicht. Offenbar hatte er sich einen Kampf geliefert und ihn verloren. Sonst würde er nun kaum hier im Wald sitzen.

»Ah, guten Morgen, Junge«, wandte der Kerl sich zähneblitzend an Garrett, der ihn nur anstarrte.

»Sprich' nicht mit ihm, Abschaum. Dein Herr ist es, dem nicht vergeben wird. Die Rache für alles wird unsere sein!«, fauchte Dionysos und schlug dem Vampir hart ins Gesicht. Stöhnend kippte dieser nach hinten um, da seine Hände gefesselt waren und er sich nicht auffangen konnte. Doch dann lachte er.

»Oh du großer Dionysos. Ich erzittere vor dir«, höhnte er, »vor dir und dem Gestank nach Fisch, der dich umgibt, du elender Bauerntölpel!«

Dionysos' Brauen zogen sich zusammen. »Gibt es noch etwas, was du sagen willst, bevor ich dich in die Hölle schicke, Hurensohn?«

Der Vampir richtete sich mühsam auf und schnaufte ob der Anstrengung. Er sah Dionysos trotz der Gewissheit seines bevorstehenden Todes starr in die Augen und bleckte die verlängerten Zähne.

»Mein Herr will, dass du dir einer Sache bewusst bist: Er wird dich zerstören. Stück für Stück wird er dir alles nehmen, was du liebst. Deine Kameraden, dein Zuhause... und vor allem den Jungen da! Und dann, wenn nichts mehr übrig ist, dann wird er dich vernichten. Dann wird die Ordnung wieder hergestellt sein und niemand wird einem Straßenköter jemals wieder mehr Respekt entgegenbringen als einem Lord!«

Dionysos lächelte herablassend. »Ich wünschte fast, du könntest Allister noch die Nachricht überbringen, dass man sich Respekt verdienen muss. Aber bedauerlicherweise...«

Er hob die Hand und Garrett riss instinktiv den Kopf herum, weil er nicht sehen wollte, was das fürchterliche Geräusch, das folgte, verursacht hatte.

»Das war ganz klar eine Drohung, die nichts mehr mit der Stadt und dem Blutvorrat zu tun hat«, murmelte Jack bestürzt. Dionysos starrte auf die Überreste und knurrte.

»Das ist persönlich«, sagte Anouk.

»Es war persönlich in der Sekunde, als Allister Garrett das erste Mal bedroht hat und es war persönlich, als er seine Mum ermorden ließ. Es muss jetzt enden!«

Dionysos trat wütend gegen den Körper des Vampirs, der sich knisternd aufzulösen begann. Er hatte keinen Kopf mehr und Garrett wollte nicht wissen, wie er diesen verloren hatte.

»Also? Was tun wir jetzt?«, murmelte der Junge und blickte in ratlose, aber entschlossene Gesichter.

»Allister muss verschwinden, besser heute als morgen. Du, Garrett, bleibst hier. Bitte keine Diskussion jetzt. Dieses Haus ist sicher. Allister könnte direkt davor stehen und würde es nicht sehen.«

Garrett horchte auf. »Das erklärt, warum noch nie ein anderer Vampir hier aufgetaucht ist!«

Dionysos nickte. Der Geheimnisbann konnte nur von ihm selbst gelockert werden. Er wirkte allerdings nur bei Vampiren, deswegen hatte Garrett die Hütte damals finden können.

»Das funktioniert wie mit den Häusern der Menschen. Ohne Einladung von jemandem, der darin wohnt, kann ein Vampir es nicht betreten. Und ohne Einladung von mir findet kein Vampir dieses Haus.«

Der Junge nickte. Er sah ein, dass er den Vampiren in diesem Kampf, gegen Allisters Leute, nicht helfen konnte. Er würde sie nur belasten und daran hindern, voll zu kämpfen.

»Na gut. Aber die Sonne geht gleich auf. Ihr solltet lieber frühstücken und dann etwas schlafen, um Kraft zu sammeln.«

Die Vampire nickten, auch wenn sie am liebsten sofort aufgebrochen wären, um Allister zu erledigen.

 

~

 

»Also wie abgemacht. Du bleibst im Haus. Beschäftige dich wie du willst, nur bleib' drin!«

Garrett nickte. Dionysos hatte, ebenso wie die anderen, fast den ganzen Tag geschlafen. Anschließend waren sie gemeinsam im Wald, um zu jagen. Allen hatte der Geruch nach Wild und Blut angehaftet, als sie zurückgekommen waren.

Dionysos strich dem Jungen das Haar hinter das Ohr. »Wir kommen zurück.«

Garretts Augen wurden glasig, als er nickte und den Kopf abwandte. Der Vampir zog ihn in seine Arme und kicherte leise.

»Oh Garrett«, lachte er und dieser stieß sich von ihm ab.

»Schön, dass du dich amüsieren kannst! Ich kann es nicht.«

Dionysos küsste ihn auf die Stirn und zog ihn wieder an sich.

»Ich würde auch lieber bleiben. Doch ich löffle die Suppe aus, die ich eingebrockt habe.«

Garrett klammerte sich an den Vampir, der glücklicherweise wieder nach Seife und nicht mehr nach Wildtier roch.

»Seid ihr soweit?«, unterbrach Jack die leidvolle Verabschiedung und Garrett wischte sich verlegen die Augen trocken.

»Keine Sorge, Tiger. Wir bringen dir deinen Märchenprinzen schon heil wieder.« Jack lachte, doch Garrett fand das gar nicht lustig.

Er kam sich nutzlos vor. Er wusste, dass er vermutlich draufginge, wenn er mitgehen würde, doch hier sitzen und warten, dass oder ob Dionysos zurückkam... dieser Gedanke machte ihn verrückt. Er hatte Angst um sie alle.

»Wir passen auf uns auf, keine Sorge«, lächelte Anouk und drückte ihn so fest, dass Garrett die Luft wegblieb.

»Leichter gesagt als getan«, brummte der Junge, als sie aus der Tür verschwanden. Dionysos blieb zurück und drückte ihm einen festen, intensiven Kuss auf den Mund, der Garretts Knie weich werden ließ.

»Ich komme wieder. Das habe ich immer getan!«

Der Junge nickte und sah den Vampiren nach, die in der Finsternis verschwanden.

 

Besorgt und unruhig saß Garrett, mit Nikodemus auf dem Schoß, im Wohnzimmer und versuchte, sich auf einen vorhersehbaren Fernsehkrimi zu konzentrieren. Doch sein privater Krimi war zu nervenaufreibend. Seit drei Stunden waren sie nun fort. Der Junge wusste, dass sie gegen Vampire kämpften und dies sicher nicht innerhalb einer Stunde erledigt sein würde, doch er wollte sie alle wieder zuhause haben.

Warum nur hatte er nach dem Tod seiner Mutter; nein, schon davor, nicht einfach seine Zelte abgebrochen und war gegangen?

Dionysos hatte ihm doch selbst gesagt, dass dieser Ort ohne ihn, Garrett, keinen Sinn mehr für ihn hatte. War das nur so, wenn er sterben würde? Oder galt das auch für seinen bevorstehenden Umzug? Wie gern würde er in seinem Elternhaus wohnen bleiben, ungeachtet dessen, was darin geschehen war. Doch sein Vater würde unmöglich zwei Haushalte finanzieren können und er selbst, Garrett, wollte nach der Schule unbedingt studieren.

Würde Dionysos mit ihm kommen, wenn er ihn nur darum bitten würde?

Jedenfalls hatte er sich damals geweigert, auf Dionysos zu hören und Gatwick zu verlassen. Er war geblieben, aus falsch verstandener Liebe zu einer Heimatstadt, die ihn immer nur belächelt hatte, für die er immer nur ein Sonderling gewesen war. Und das hatte nun auch noch die Menschen in Gefahr gebracht, die wirklich seine Freunde waren.

Seufzend stand er auf und ging in die Küche. Mit einem Becher kalten Kakaos stand er am Fenster und starrte durch die Bäume auf die entfernte Stadt hinunter.

Er stutzte, als er glaubte, Licht in seinem Elternhaus zu sehen. Er angelte nach dem alten Fernglas, das an der Garderobe hing, öffnete die Tür und stieg die Leiter hoch, die auf das Dach führte. Garrett wusste genau, wie weit er sich vom Haus entfernen konnte, ohne den Bannkreis zu verlassen.

Die Sicht auf die Stadt war vom Dach aus klarer und auch sein eigenes Haus war deutlich zu sehen. Er hob das Fernglas an die Augen und tatsächlich, es brannte Licht in der Küche.

Die Vampire hätten ihm gesagt, wenn sie dem Haus einen Besuch abgestattet hätten. Außerdem brauchten sie kein Licht und würden schon wegen den Nachbarn keines einschalten.

Also blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder war jemand sehr Dummes in das Haus eingebrochen, oder sein Dad war nach Gatwick gekommen!

Aufgeregt und in Sorge sprang der Junge vom Dach, stürmte zurück in das Haus und schnappte sich seine Jacke und die Axt. Ein Blick auf sein Handy verwunderte ihn, denn es war keine Nachricht darauf. Es war noch zu früh, um ihn nach London abzuholen. Doch vielleicht maß er Möbel aus?

Es war jedenfalls zu gefährlich, ihn allein zu lassen. Und selbst wenn es ein Einbrecher war, konnte Garrett das nicht einfach so zulassen.

Mit einem kurzen Anfall eines schlechten Gewissens, weil er wieder nicht auf Dionysos hörte, zog er die Tür hinter sich zu.

Der Weg runter zu seinem Elternhaus erschien ihm jedes Mal kürzer, so sehr hatte er sich daran gewöhnt, ihn zu gehen.

Die Ohren gespitzt und aufmerksam, eilte er hinunter und betrat schließlich die Terrasse. Das ungenutzte Auto seiner Mutter stand in der Einfahrt. Beiläufig fragte sich der Junge, ob die Nachbarn merkten, dass das Haus leer und er nicht da war.

Das Küchenlicht brannte, doch als Garrett durch die Scheibe spähte, konnte er niemanden sehen.

Langsam, die Axt im Anschlag, öffnete er die Hintertür. Sie war nicht verschlossen, wie auch das letzte Mal nicht, obwohl Garrett sich sicher war, abgesperrt zu haben. Mit mulmigem Gefühl betrat er das Haus, das er sein Leben lang kannte und innerhalb weniger Wochen zu einem Schauplatz des Horrors geworden war.

Es war still. Die Birne der Deckenlampe summte, doch kein anderes Geräusch war zu hören. Erst Recht kein Robert Pinkerton, der irgendwas ausmaß.

Vermutlich hatten sie, als sie das letzte Mal da waren, blöderweise das Licht brennen lassen!

Garrett wollte schon den Lichtschalter betätigen und zur Hütte zurückkehren, als ihm zum ersten Mal der Geruch auffiel. So vertraut und doch furchterregend. Der Geruch nach Holzkohle und aromatischen Gewürzen, der ihm verriet, dass er nicht allein war.

»Vampir«, murmelte er atemlos, worauf ein Lachen erklang und das Geräusch, das Hände machten, wenn sie applaudierten.

Dem Jungen rann ein Eisbach den Rücken runter, als eine hochgewachsene, dunkle Gestalt aus der Dunkelheit des Wohnzimmers trat.

Dieses Mal nicht in einen hellen Mantel gekleidet, wirkte die Gestalt gleich weniger wie ein aufgeblasener Dandy.

»Allister«, keuchte der Junge und wollte zurückweichen, doch die Tür hinter ihm schlug zu. Ein weiterer Vampir war hinter ihm ins Haus gelangt und versperrte ihm nun den Ausweg.

»Ich bevorzuge es, mit meinem Titel angesprochen zu werden, doch dir sei vergeben.« Allister lächelte huldvoll, während er vornehm das Gesicht etwas abwandte. Garrett starrte den Mann an, der bei Licht betrachtet überaus attraktiv war, und seine Eingeweide brannten wie Feuer.

»Wie kommst du in mein Haus?«, fauchte er atemlos vor Zorn, was Allister nicht verborgen blieb. Er lachte leise, aber süffisant, und betrachtete seine manikürten Fingernägel.

»Oh, deine liebe Mum fand mich nicht so scheußlich wie du. Mit einem Lächeln hat sie mich hereingebeten, als mir armem Tropf direkt vor eurem Haus das Auto liegenblieb.« Der Vampir zog die linke Augenbraue hoch und lächelte schief. »Naja, sie fand mich zumindest nett, bis ich ihr die Kehle durchschnitt. All das schöne Blut, so eine Verschwendung...«

Garrett packte seine Axt fester und wollte, mit Tränen des Zorns und des Schmerzes in den Augen, auf den Mörder seiner Mutter losgehen, doch Allister gab seinem Gefährten ein Zeichen und dieser schlug ihn nieder.

Stöhnend blieb Garrett am Boden liegen, als der Handlanger seine Axt wegtrat, und Allister sich langsam auf ihn zubewegte. Das schöne Gesicht wirkte interessiert und heiter, als er sich neben Garrett hockte.

»Wenn du jemanden hassen willst, süßer kleiner Garrett, dann hasse Dionysos. Nicht ich habe diese Stadt verdammt, sondern er. Ich bin nur gekommen, um zu nehmen, was mir zusteht. Dazu gehört diese Stadt. Dazu gehörte deine süße Mutter und dazu gehörst du. Er hatte genug Zeit, euch in Sicherheit zu bringen und hat es nicht getan. Sonderbar, wie sich seine Liebe zu dir zeigt, meinst du nicht? So egoistisch... Wie groß kann seine Liebe schon sein?«

»Halt' dein Maul«, stöhnte der Junge, doch seine Augen zeigten deutlich, wie sehr Allisters Worte trafen.

Der Mann lächelte milde arrogant und befahl seinem Handlanger, Garrett zu fesseln und aufzuheben.

»Ich werde ihm zeigen, wie weit es mit seiner Macht ist, wenn ich das besitze, was er liebt!« Allister lachte.

»Er liebt mich nicht... er wird dich umbringen, egal, was du mir antust«, presste Garrett hervor und erntete einen überraschten Blick von dem Vampir.

»So, so. Naja, zumindest scheint er Interesse an deinem mageren Körper zu haben. Das reicht mir. Ich will sehen, was er zu tun bereit ist.«

Er löschte das Küchenlicht und verließ das Haus, gefolgt von seinem schweigsamen Lakaien, der sich Garrett wie einen Mehlsack über die Schulter geworfen hatte.

»Weißt du, Junge, ich hatte gedacht, du wärst etwas klüger. Dass ich dich so leicht aus Dionysos' sicherem Haus locken kann, hätte ich nicht gedacht. Du bist leicht zu durchschauen, wenn es um deine Familie geht und neigst zu impulsiven Handlungen, hm? Hast gedacht, Daddy ist da, hm? Aber anstatt ihn anzurufen und nachzufragen, verlässt du deinen sicheren Unterschlupf und schaust selbst nach. Mir war es die Mühe nicht wert, den echten Daddy herzuholen. Offenkundig war es ja auch nicht nötig.« Allister lachte wieder und hätte es sich bei ihm nicht um den größten Vollarsch überhaupt gehandelt, hätte Garrett sein Lachen als angenehm empfunden. Jetzt war er nur froh, dass seine Haare sein Gesicht bedeckten und der Vampir nicht sah, wie beschämt er war.

Er hatte Recht. Anstatt die Situation eine Weile zu beobachten, war er gleich losgerannt und voll in Allisters Falle getappt. Jetzt saß er bis zum Hals in der Scheiße, Dionysos war in Gefahr und wenn ihm oder den anderen etwas zustieß, war das allein seine Schuld!

»Ich sag' es nochmal: Er wird dich töten. Egal, was du tust.«

»Oh, Dionysos ist schwach geworden. Vor hundert Jahren hätte er jemanden wie dich vermutlich erst gebumst und dann ausgesaugt. Heute hegt er dich wie ein Haustier, riskiert sogar einen Revierkampf. Dass er mich töten will, glaube ich auf's Wort. Die Frage ist, ob er das schafft, solange ich dich habe.«

Der Vampir lachte wieder und es hallte von den engen Gassen wider. Garrett fror, doch es war eine innere Kälte und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Er glaubte, er wusste, dass Dionysos siegen würde. Doch würde er als Allisters Geisel das noch erleben? Hatte er das überhaupt verdient, nachdem er sich wiederholt wie ein Idiot in Gefahr begeben hatte und wie die trantutige Jungfer in Nöten gerettet werden musste? Dionysos musste längst die Nase voll haben von ihm, der er niemals gehorchen und den man nicht allein lassen konnte. Ganz offensichtlich!

Er biss sich auf die Lippen, um nicht zu heulen, während die Vampire ihn sonstwo hinschleppten.

»Na, na, Garrett. Wer wird denn da weinen wollen? Du bist mein Gast und von meinen Leuten wird dir kein Leid geschehen...« Allisters Stimme gluckste amüsiert angesichts der Verfassung des Jungen in seiner Gewalt.

»Leck' mich doch!«, stieß Garrett durch die Zähne hervor.

»Na, ich bin nicht so geartet wie Dionysos und du. Ich halte mich an das Normale. Ich passe also...«

Das Lachen in Allisters Stimme drehte Garrett den Magen um und schürte seinen Hass auf diesen Schnösel nur noch mehr. Dass Dionysos ihn nicht ernstnahm, war wesentlich leichter zu ertragen als die Herablassung durch Allister, der ihn mit jedem einzelnen Wort lächerlich machte.

»Hmmm... ich glaube, wir nähern uns unseren hochgeschätzten Widersachern«, säuselte der Vampir und Garrett konnte Ghoulgestank und Holzkohle riechen. Es mussten einige Vampire anwesend sein.

»Dionysos«, murmelte Garrett und Allister lachte.

»Oh ja, der ist da. Er wird hocherfreut sein, zu sehen, wie gut wir uns verstehen.«

Er zog den Jungen von der Schulter des Handlangers und stellte ihn auf die Füße. Anschließend zog er eine Waffe aus dem Mantel. Garretts ungläubigen Blick quittierte er mit einem »Der Effekt macht's!« und stieß ihn auf den kleinen Platz, auf dem in der wattigen Finsternis ein merkwürdiger Kampf Vampire gegen Vampire gegen Ghoule stattfand.

Zuerst wurden die Neuankömmlinge durch das Getümmel nicht bemerkt. Bis sich Allister vornehm räusperte.

Garrett starrte verbissen auf seine Schuhe. Er wollte unter keinen Umständen jetzt in die Augen Dionysos' sehen. Und auch die der anderen nicht. Er hatte sie alle enttäuscht. Wieder einmal. Er war ein dummes Kind.

»Ich störe diese nette Abendgesellschaft ja nur ungern, doch ich erkläre sie für aufgelöst. Wir haben einen Gast heute Abend und keine Zeit, uns mit Hooligans zu prügeln.«

Allister hielt seine schimmernde, weißgoldene Desert Eagle locker an Garretts Kopf, dem stumm eine Träne über die Wange rollte.

»Garrett?!« Dionysos' Stimme drang matt an sein Ohr, doch wurde von Allisters miesem Lachen überdeckt.

»Ich sagte ja, ich würde dir alles wegnehmen, was du liebst, Dionysos. Und mit dem Jungen fange ich an!«

Und er biss Garrett in den Hals.

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