Über die Heilkunst in der Wikingerzeit

Avicenna war noch nicht geboren und die alten Schriften der Antike gerieten in immer größere Vergessenheit, weil nur wenige Gelehrte des mittelalterlichen Nordeuropas der fremden Schriftsprache mächtig waren.

Noch war die Klostermedizin nicht verbreitet und bis Hildegard von Bingen ihr Kräuterwissen niederlegte, würden noch gute 2 Jahrhunderte vergehen. Was also konnte die Völva Jorunn an medizinischem Wissen beherrschen, um die Menschen ihrer Siedlung zu betreuen?

Vorauszuschicken ist, dass die Vorstellung von Gesundheit und Krankheit bei den Nordmännern eine völlig andere war als bei uns. Die Wikinger waren davon überzeugt, von Natur aus und nach dem Willen der Götter gesund und stark zu sein. Wurden sie krank oder spürten sie Schmerzen, so waren nach ihrem Glauben dunkle Mächte am Werk, deren Kraft durch Zaubersprüche und Pflanzentränklein bekämpft werden musste.(1)

Hierfür waren heilkundige Frauen zuständig. Man bezeichnete sie als Völva, was wegweisend in Bezug auf ihre Aufgaben soviel wie Seherin, Wahrsagerin, Hexe, Prophetin oder Schamanin bedeutet. (4)

Geht man den Möglichkeiten der Völva wissenschaftlich auf den Grund, so darf man ihr ein kräuterkundliches Wissen unterstellen. Von den germanischen und keltischen Völkern gibt es eine Anzahl von Überlieferungen, wie z.B. den De medicamentis liber des Marcellus ,Empiricus’, der die Anwendung verschiedener Kräuter schildert und zugehörige Rezepte festhält. (3, 5)

Hinzu kommen magische Handlungen. Die weisen Frauen sangen Zaubersprüche und legten auf die Wunden Gürtel oder heilende Steine, die eine besondere Kraft hatten, die Krankheit zu vertreiben. Der "lifsstein", der Lebensstein, zog aus den Verletzungen die Entzündungen und das Gift heraus. Die Krieger trugen zum Schutz vor Verletzungen einen Lebensstein entweder im Schwertgriff oder in einem Säckchen um den Hals bei sich. Eine besondere Wirkung erhielten Heilmittel wie Bandagen oder Holzschienen dadurch, dass Zauber- und Wunschformeln darauf geschrieben wurden. (1)

Opfer waren gängig. Es gab tatsächlich eine Göttin der Medizin - Eir (Eira nord. "Hilfe" oder "Gnade"). Ihre Aufgabe war es zum einen, als Dienerin Friggas jede Krankheit, von der die Götterkönigin befallen wird, sofort zu heilen. (2)

Auf der Erde unterrichtete sie sterbliche Frauen in der Heilkunst. Sie zeigte, welche Kräuter zum Heilen geeignet sind und wie man am besten Wunden versorgt. Wenn man ihr im Sommer Opfer bringt, kann sie einem jegliche Krankheiten nehmen.

Ich persönlich nehme an, dass die Wikinger auch medizinisches Wissen von ihren ausgedehnten Handelsreisen mitbrachten. Aufgrund dieser Vorstellung habe ich mir u.a. erlaubt, Jorunn die Kenntnis von der Wirkung des Opiums zu unterstellen.

Quellen:

(1) http://members.tripod.com/norwegen_online/Hauptframe/Wikingergesetze.htm

(2) http://wikinger.de.tl/Eir.htm

(3) http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/EwersMiriam/diss.pdf

(4) https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lva

(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Lorscher_Codex

 

Kommentare

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    Danke für diese äusserst interessanten Informationen, Sophie!

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Feenstaub

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