Überraschende Freiheit

"Saaav! Hilf mir!"
Ich schreckte hoch. Anscheinend hatte ich trotz des Hungers geschlafen.
Sofort hellwach, konnte ich sehen, wie Yaro von zwei hünenhaften, bis zu den Zähnen bewaffneten Wachen quer durch die Höhle geschleift wurde.
"Ich bin angekettet, falls du dich erinnern kannst", rief ich ihm zu.
Wobei...die Kette war verschwunden. Ich sprang auf und rannte auf einen der Männer zu. Auch ohne meine Waffen schaffte ich es, ihn von hinten zu erwürgen, bis der zweite mich bemerkte. Meine Schritte waren lautlos und sie hatten mich nicht für voll genommen, obwohl Yaro nach mir rief.
Mit dem zweiten Wachen musste ich kämpfen, doch auch er war leicht besiegt. Einige gezielte Tritte in die Magengegend und ein Schlag gegen den Adamsapfel, sorgten dafür. Wer auch immer uns hier festhielt, entweder er wollte, dass wir flohen oder er hatte in die falschen Leute investiert, ohne es zu wissen.
Zumindest waren wir jetzt frei.
Ich riss Yaro vom Boden hoch und zog ihn hinter mir her durch den Tunnel, in Richtung des Lichts.
Ich musste über mich selbst lachen.
Hatte ich wirklich gedacht wir wären frei? Wir waren vielleicht einen Schritt zur Freiheit gegangen. Selbst wenn wir hier raus gekommen wären, wirklich frei wären wir trotzdem nie. Dafür sorgte der Kaiser schon.
Mittlerweile lief Yaro neben mir, ohne dass ich ihn ziehen musste.
Wir liefen im Gleichschritt, doch nur seine schweren Schritte hallten von den Tunnelwänden wider und unsere Körper warfen gespenstische Schatten an die Wand. Abrupt blieb ich stehen
"Was?" Yaro sah mich entgeistert an, "warum bleibst du stehen?"
Zum Zeichen legte ich einen Finger an meine Lippen und tippte an mein Ohr.
War er taub? Man konnte ganz deutlich mehrere Männerstimmen hören.
Und vor allem: musste er so trampeln? Wie sollten wir hier raus kommen ohne gehört zu werden, wenn seine Schritte so laut wie Hufgetrappel nachhallten??
Langsam und vollkommen lautlos schlich ich weiter, immer darauf bedacht mich an der Wand zu halten.
Yaro schien endlich zu kapieren was ich tat und schlich mir, ebenfalls lautlos, im Schatten der Wand hinterher.
In zwei Metern Entfernung befand sich mittlerweile der Ausgang des Tunnels und ich griff vorsorglich zwischen meine Brüste in mein Korsett und holte meine letzte Waffe hervor. So dünn wie ein Blatt Papier, konnte man sie gut zwischen Stofflagen verstecken. Es handelte sich um eine Art Dolch, allerdings war er schmaler und länger als ein gewöhnlicher Dolch. Und sehr viel schärfer.
Den Dolch in der rechten Hand, wagte ich mich direkt an den Ausgang heran.
Anscheinend befand sich unsere Höhle hinter einem großen Saal, ich konnte ihn allerdings nur erahnen, da mit ein riesiger Thron die Sicht versperrte.
Jedoch war es nicht der Thron des Kaisers, den hatte ich schon oft gesehen, wenn ich mal wieder einen Auftrag zu erledigen hatte. Adlige hatten viele Feinde.
Ich konnte mir absolut nicht vorstellen wer auf diesem Thron sitzen sollte. Klar, es gab auch noch andere Kaiser und Könige, aber dazu hätte wir einige Wochen, wenn nicht sogar Monate zurücklegen müssen. So lange war ich definitiv nicht bewusstlos gewesen.
Wo also waren wir und die viel interessantere Frage: wer hielt uns hier fest?
Eine tiefe, laute Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
"Wo zur Höllen bleiben die beiden mit dem Möchtegern Kämpfer aus der Elitetruppe? Es kann doch wirklich nicht so schwer sein!"
Die Stimme war mir vollkommen unbekannt, ließ mich aber auf jemanden in ungefähr meinem Alter schätzen.
Dieser jemand kam jetzt direkt auf uns zu.

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media