1.16 Tag um Tag, Aug um Aug ...

Neue Heimat

Den Rest des Weges schwiegen wir die meiste Zeit. Die Farm kam immer näher, bis wir schließlich das Tor passierten und wenig später vor einer alten Hütte standen.
„Tank! Da bist du ja!“ Eine Frau stürmte aus dem Haus hinaus. Sehr klein und fast rundlich tauchte die Frau huschend vor uns auf und blieb erst kurz vor der Nase der Pferde ruckartig stehen. „Wer sind denn das? Ich hoffe keine Landstreicher!?“ Sie stemmte die Hände in die breiten Hüften.
„Das sind Kinder Liebste. Reisende, die ein neues Leben in Dorna beginnen wollen.“
„Wenn das so ist. Kommt rein! Das Essen ist gerade fertig!“ Schon huschte sie wieder hinein. Verwirrt sah ich von der Staubwolke der Frau zu meinen Schwestern.
Ich hatte nie so eine überschwängliche Frau erlebt. In einem Moment war sie gereizt im Nächsten, voller überschwänglicher Güte.
„Nehm es ihr nicht übel, sie bekommt nicht viel Besuch.“ Tankred stieg ab und spannte die Pferde aus. Ich half ihm dabei, während meine Schwestern vor der Tür warteten.
Wir brachten die Pferde auf eine Wiese hinter dem Haus. Kaum waren sie frei von den Zügeln, rannten die Drei freudig los. Auf der reise hatten sie sich gut angefreundet. Es machte Spaß ihnen beim Tollen zuzusehen.
„Komm.“ Tankred legte eine Hand auf meine Schulter und führte mich hinein. Seine Frau hatte meine Schwestern bereits hineingeholt. Diese saßen mit großen Augen am Tisch. Die letzten Tage hatte es nur Brot gegeben, vergangene Nacht sogar mit ein wenig Käse. Auf den Tisch nun standen lauter leckerer Sachen. Kartoffeln, Möhren, Nüsse und sogar Eier.
„Setzt euch!“, befahl die Frau. Ich ging dem nach. Ihre Stimme hatte eine liebevolle strenge, der ich lieber nachgehen wollte. „Ihr müsst erschöpft sein. Heute bleibt ihr hier, schlaft euch aus.“ Ich sah hinaus. Würden wir nach dem Essen losgehen, würden wir es sicher vor Anbruch der Nacht schaffen. Als ich wieder zu ihr sah, blickte sie mich bereits streng an. Ich konnte mir denken, dass es ein Nein nicht in ihrem Wortschatz gegen sie gab. Ich nickte also mit einem gezwungenen Lächeln.
„Also Kinder wie heißt ihr.“
„Ich bin Mimi!“, schrie sie gleich los und packte sich ein Ei. Die Frau lachte. Deutete dann auch uns sich etwas zu nehmen.
„So Mimi, wie alt bist du denn?“
„Schon 5!“
„Schon! Man das ist aber ein tolles Alter.“ Stieg die Frau auf Mimis stolze Antwort ein. Sie hatte etwas Gutmütiges und Liebevolles, wie sie Mimi anblickte. Ich meinte auch eine unerfüllte Sehnsucht, in ihren Augen brennen zu sehen. Ob sie selbst keine Kinder hatten? „Und ihr Kinder?“
„Das sind Anora und Tabi“, erklärte Tankred. „Ihr Alter geht auch in der Reihenfolge. Dreizehn und fünfzehn. Nicht wahr?“ beide nickten.
„Schon euch kennenzulernen. Ihr seid wirklich bezaubernd“, schnurrte sie liebevoll. „Und die junge Lady?“ Sie blickte mich an. Wieder antwortete ihr Mann.
„Das ist Amara, wir nennen sie Fuchskind.“ Nun schwieg sie. Ich meinte zu sehen, wie sich ihre Augen für nur einen Moment vergrößerten. Doch es war so schnell vorbei, das ich es mir auch einfach eingebildet haben könnte. Ihr Blick war mir so unangenehm, dass ich an dem Ei knabbernd, tiefer in den Stuhl rutschte.
„So. Fuchskind. Ich meinte einst ein Fuchskind gekannt zu haben, vor langer Zeit.“
„Wenn es nicht in den letzten siebzehn Jahren gewesen ist, war es wohl nicht ich.“ Und beantwortet somit wohl auch ihre nächste Frage. Ihr Blick huschte zu ihrem Mann. Der grinste sie nur an und aß weiter. Ihr Blick kam zurück zu mir.
„So. Wie überraschend.“
„Wenn sie meinen. Und ihr Name?“
„Ich bin Runa. Tankreds Frau und Besitzerin eines neuen Pferdes, wie es scheint. Du alter Kautz, bist auch immer für Überraschungen gut!“ Sie schlug ihm auf die Schulter. Es war ein Wunder, dass er nicht zurückkrachte. Tankred, der sehr zerbrechlich aussah, war nichts gegen seine, wenn auch kleine Frau.
Er grinste fast schelmisch und aß weiter. Die übrige Zeit redete seine Frau über alles, was auch immer ihr einfiel. Ob die Ernte, die Helfer oder anderes. Auch wenn wir oft keine Ahnung hatten, was sie meinte, nickten wir nett und lauschten ihren Worten.
Am Abend dann machte sie uns Decken und Kissen bereit, die sie im Wohnraum niederlegte. Dann verzogen sich beide hinaus und redeten eine Weile am Zaun der Pferde. Was zu weit weg war um sie zu belauschen.
„Können wir hier bleiben?“, fragte Mimi. „Die Frau ist nett.“
„Die redet einen um den Verstand“, brummte Anora. „Ich hab schon Kopfschmerzen von ihrem ganzen Gebrabbel.“
„Vielleicht können wir für sie arbeiten. Sie werden sicher noch ein paar Hände brauchen“, begann Tabi zögerlich.
„Nein“, beendete ich das Gedankenspiel meiner Schwester. Alle sahen sie mich an. Trauer lag in ihrem Blick.
„Es ist zu gefährlich. Ich werde gesucht, wenn sie uns hier finden ...“ Ich beendete den Satz nicht. Doch sie alle verstanden. Sie würden ihnen weh tun, meinen Schwestern wahrscheinlich auch. Diese Schuld wollte ich nicht auf meinem Gewissen haben. „Geht schlafen. Morgen ist ein Aufregender neuer Tag.“ Sie legten alle die Köpfe ab, Mimi schloss gleich die Augen und versuchte ihr schluchzen zu unterdrücken. Tabi und Anora starrten noch eine Weile an die Decke, bis sie endlich die Augen schlossen und einschliefen. Mimi hingegen hörte nicht auf und schluchzte bitterlich weiter, sodass ich aufstand und zu ihr kroch.
Ich legte meine Arme um sie und spendete ihr Trost. Wir waren uns seit dem Beginn der Reise schon nicht mehr so nah gekommen. Ich wunderte mich, dass sie nicht zurückwich.
„Du hast es vergessen“, warf sie mir mit zitternder Stimme vor.
„Was?“
„Die Geschichten.“ Ich schluckte schwer. Sie hatte recht, ich hatte in keiner Nacht unser übliches Ritual gehalten.
„Es tut mir leid.“
„Wolltest du es?“ der plötzliche Themenwechseln, verwirrte mich etwas, außerdem hatte ich Angst zu fragen, dennoch tat ich es.
„Was?“
„Diesen Männern wehtun.“ Ich schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch.
„Ich tat, was ich für richtig hielt.“
„Du hast mir Angst gemacht.“
„Ich weiß.“ Sie nahm meine Hand und legte sie fast um sich.
„Deine Augen, sie waren anders.“
„Mimi es tut mir leid, dass du es gesehen hast ...“
„Sie waren rot, wie das Blut.“ Ich erinnerte mich an den Moment, an dem mir das Blut des Mannes in die Augen gespritzt war, dem ich die Ader geöffnet hatte. Natürlich hatte ich für einen Moment nichts mehr gesehen. Doch Mimi hatte es. An Tabi und Anora gedrängt. Starr vor Angst.
„Es kommt nicht wieder vor.“ Sie kuschelte sich an einen Teddy, den sie aus einem der Leinensäcke hinausgeholt hatte, fummelte an seinem Ohr und grübelte scheinbar über etwas nach. Als ich bereits dachte, sie würde gleich einschlafen, sprach sie erneut.
„Ich vermisse sie.“ Mein Körper verkrampfte sich.
„Ich auch, jetzt schlaf Mimi.“ Ich wollte nicht über sie reden, zu groß war der Kloß in meinem Hals, der sich bildete und mich zu ersticken drohte.
„Sie hat immer gesagt das wir keine Angst haben müssen. Du bist immer da, du kommst zurück“, flüsterte sie süßlich, als erinnerte sie sich gern an diese Momente. Ich presste die Kiefer aufeinander. Versuchte nicht zu schluchzen. Woher sie auch plötzlich kamen, es rannten mir Tränen die Nase entlang und tropften auf das Kissen. „Sie sagte immer Amara ist da. Ich habe sie manchmal belauscht, wenn du nachts weggegangen bist. Sie wiederholte es immer wieder“, sagte sie glücklich in Erinnerung schwelgend. Die Tränen nahmen mir die Sicht. Ich versuchte wirklich, sie zurückzuhalten, es vor Mimi zu verbergen. „Weinst du?“
„Nein Mimi, ich hab nur was im Auge.“
„Ach so“, kicherte sie mit einer Kindlichkeit, die mir das Herz zeriss. Sie war erst fünf und hatte beide Eltern verloren. Mutter sogar vor ihren Augen abgeschlachtet. Sie hatte gesehen, wie zwei Männer starben, von ihrer eigenen Schwester ermordet und trotzdem lachte sie noch. Nie hatte ich einen mutigeren Menschen erlebt wie Mimi. Sie gab nicht auf, so dunkel die Nacht auch war, sie glaubte an den Morgen. Ich betete, sie würde nie dieses Licht verlieren, würde das kleine Juwel bleiben, was sie war, egal was auch immer noch geschehen würde.
Ich presste die Lippen fest aufeinander, in der Hoffnung das Schluchzen unterdrücken zu können. „Sie hat auch immer gesagt, wie lieb sie dich hat und das wir dich nicht nerven sollen, wenn du nach Hause kommst, nach einem sooo langen Tag.“
„Das hat sie?“ Meine Stimme brach. Wie hatte ich all die Jahre glauben können, sie wäre kalt gewesen? Wieso hatte sie mir diese Regungen nie gezeigt?
„Ja und sie hat oft geweint. Ich glaube, sie hatte auch Angst, dass du nicht zurückkommst. Dann hat sie immer ein Hemd von dir genommen und mit den Göttern geredet.“
„Mimi hör auf“, flehte ich.
„Sie hatte uns wirklich lieb“, schmollte sie, weil sie dachte, ich würde ihr nicht glauben. „Erzählst du mir eine Geschichte?“
„Heute nicht Mimi, Morgen, versprochen. Im unserem neuen zu Hause.“ Sie nickte. Ich küsste ihr, so ruhig ich konnte, auf den Kopf. Dann wartete ich bis sie einschlief und weinte bitterlich um meine verlorene Mutter.

Ich hatte Stunden versucht zu schlafen. Tankred und seine Frau waren vor einer Weile hinaufgegangen, in ihr Schlafzimmer. Seitdem war das Haus still. Ich hätte mich am liebsten in den Schlaf geweint, doch leider sollte es nicht sein.
Also stand ich auf, schlich zur Tür, schnappt mir meinen Stab und ging hinaus. Mein Weg führte mich zu den Pferden, die auf der Wiese schliefen. Ich ging zu ihnen hinein, sie hatte jede Menge Platz auf der Weide. Zuerst setzte ich mich auf den Zaun. Als Tombo von dem Geräusch erwachte, sah er auf und kam gleich zu mir. Er drückte seinen Kopf gegen meinen Bauch. Ich legte meine Hände um ihn und begann ihn zu streicheln, im gleichen Moment flossen erneut dicke Tränen meine Wangen hinab. Ich wusste nicht woher diese Gefühle plötzlich kamen, wie ein Wasserfall begruben mich Trauer und Schmerz. All das, was ich so lange erfolgreich unterdrückt hatte.
„Du wirst ein gutes Leben haben, hier auf der Farm“, versicherte ich Tombo. Der Schmerz des Verlustes war wie mein eigenes Messer, das sich in meine Brust bohrte. „Vielleicht bekommst du sogar Kinder. Ist das nicht viel besser, als bei den Soldaten zu sein?“ Tombo schnaubte, als stimmte er mir zu. Weshalb ich erneut schluchzte. „Ich werde dich vermissen“, enthüllte ich und umarmte seinen Kopf. Er zog sich nicht hinaus, blieb ganz still. Danach ließ ich ihn gehen, ein letztes Mal stupste er mich an und trabte dann davon zu seinen Freunden.

Ich suchte mir ein schönes Plätzchen in der Scheune, entzündete eine Lampe. Die kleine Lampe erhellte gerade so viel, dass ich genug in dem mit Heu befüllten Raum sehen konnte. Dann begann ich mit den Übungen, die mir Tankred immer und immer wieder gezeigt hatte. Konzentrierte mich ganz genau auf meine Bewegungen, die mit jedem Mal geschmeidiger wurden. Immer wieder und immer wieder. Meine Muskeln schmerzten nach einer Weile, doch ich machte weiter. Bis ich jegliches Gefühl von Raum und Zeit verlor und ich eins mit den Übungen wurde.
„Gut so.“ Ich blickte auf, bereits die ersten Sonnenstrahlen tauchten hinter Tankred auf. „Du wirst immer besser.“
„Danke.“
„Du hast dich bereits von einem verabschiedet.“ Ich errötete. Hatte er mich beobachtet? „Ich sah dich mit Tombo am Zaun.“ Ich nickte. „Es war wirklich eine aufregende Zeit.“
„Hast du noch eine letzte Lektion für mich Lehrmeister?“ Er rief sich den Schnauzer.
„Ich habe dir alles gezeigt, was du braucht. Ich kann nur noch mal wiederholen ... glaube an dich und gib nie auf.“ Ich nickte.
„Danke. Für alles.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust.
„Wer weiß, vielleicht ist es kein Abschied für immer.“ Doch wir wussten beide, dass es so war. Wenn er Glück hatte, hatte er noch ein paar friedliche Jahre, doch er war schon Alt. Ein Alter, dass nur selten eine Seele erlebte.
„Wir sollten aufbrechen.“
„Vor dem Frühstück? Runa wird erzürnt sein.“
„Es ist besser, vor dem Chaos des Tages in der Stadt anzukommen.“
„Weise Entscheidung, vielleicht wird aus dir ja doch noch ein richtiger Fuchs.“ Ich lachte auf, ging zu ihm und umarmte ich ein erstes und wohl auch ein letztes Mal.

Meine Schwestern hatten ihre Sachen schnell gepackt. Auch ihr abschied von Tombo, war tränenreich. Vor allem Mimi nahm es mit, sich, wenn auch diesmal nicht blutig, von einem Menschen und einem Tier zu verabschieden, die sie wohl nie wieder sehen würde.
„Seid vorsichtig, ja? Und passt auf eure Habe auf. Die Hauptstadt ist sehr gefährlich, bleibt nachts bloß drin.“
„Das wissen sie“, unterbrach Tankred seine Frau, damit sie uns nicht noch mehr gute Ratschläge erteilte.
„Und ihr wollt sicher nicht zum Frühstück bleiben?“
„Danke aber wir sollten wirklich los. Ich bin ihnen für alles sehr dankbar.“
„Immer wieder“ Ihre liebevolle Stimme und der leicht schräg gelegte Kopf hätte mich in Tränen ausbrechen lassen. Wären davon noch welche da gewesen ...
„Danke für alles“, sagte ich zu Tankred gewendet. „Ohne dich ...“
„Wärst du Sturkopf sowieso hier gelandet. Du bist nun mal ein echtes Fuchskind.“ Auch meine Schwestern umarmten ihn und auch seine Frau.
„Nehmt das!“, Sie drückte Tabi einen Beutel in die Hand. „Ein wenig Essen für den Weg. Lasst euch von niemandem aufhalten und kommt gut an.“
Tabi grinste mit glasigen Augen. Dann wendeten wir uns ohne Pferd und ohne Tankred ab zum Gehen.
„Hey Fuchskind!“, rief er. Ich wendete mich genau rechzeitig um, um etwas aufzufangen, das Tankred mir zuwarf. Verwirrt blickte ich in meine Hand, in dem sich nun sein Stock befand. „Pass gut auf ihn auf, ich hole ihn mir wieder!“ Mein Gesicht erfüllte ein breites Grinsen. Dieser alte Narr.
„Wenn du dann noch lebst, alter Mann!“, rief ich freudestrahlend zurück. Noch nie hatte mir jemand ein so schönes Geschenk gemacht. Ich presste ihn fest an meine Brust und zum ersten Mal in meinem Leben, verspürte ich für einen kurzen Moment keine Sorgen, kein Schmerz, nur Glück.

Zum Abschied hatten wir ihnen gewunken, hatten immer wieder zurückgesehen, bis sie nur noch kleine Punkte an einem Haus waren. Nun waren wir schon ein ganzes Stück gekommen, den Pfad entlang zu den Mauern von Dorna. Wir hatten bisher nicht geredet.
Ich blickte hinab auf den Stock. Tankred hatte sogar ein Lederband an diesem befestigt, sodass ich ihn auf dem Rücken tragen konnte.
„Eure Namen?“, fragte ich nach einer Weile des Schweigens.
„Namen?“ Tabi klang verwirrt.
„Wir brauchen nun neue Namen. Habt ihr euch noch keine überlegt?“
„Doch schon ...“ Ich blickte zu meinen Schwestern.
„Na wie du heißt weiß ich ja“, sagte ich und stupste Mimi an. Sie kicherte.
„Wie wäre es mit Abaddon?“, fragte Anora.
„Woher hast du den denn?“, fragte Tabi etwas entsetzt.
„Keine Ahnung, ich schätze irgendwo aufgeschnappt.“
„Willst du denn so heißen, wir werden dich, sobald wir hinter den Mauern von Dorna sind, genau so nennen. Jeden Tag“, versuchte ich ihr klar zu machen, weil sie zu unsicher klang.
„Dann wohl eher nicht.“
„Was ist mit Arana? Ähnlich wie Anora aber nicht gleich.“
„Es sollte schon etwas anderes sein.“
„Was hast du dir denn ausgesucht?“ Ich zuckte mit den Schultern. Den Namen, den ich Tankred genannt hatte, hatte ich längst vergessen.
„Wie ist Malie? Fragte ich stattdessen.“
„Der ist wirklich schön.“
„Wenn du ihn nicht willst, nehm ich ihn!“, zog Tabi Anora auf.
„Nein! Der ist meiner!“ Ich musste lachen. Dass man sich wegen Namen in die Haare bekommen konnte.
„Und du Tabi?“, fragte ich, bevor sich die beiden in ihren Streit reinsteigern würden.
„Ich habe lange nachgedacht ...“
„Und?“
„Freya ist schön.“
„Also Juwel, Malie und Freya.“
„Jetzt bist du aber dran.“
„Genau!“, stimmte Mimi Tabi zu.
„Wie sollen wir dich nennen?“
„Gute Frage ... Es sollte möglichst etwas Einfaches sein. Damit wir es uns gut merken.“ Ich grübelte kurz.
„Ziva“, schmiss ich spontan ein.
„Also Juwel, Malie, Freya und Ziva.“ Anora wiederholte die Namen ein paar Mal. Ich tat es ihr im Kopf nach. Es waren einfache Namen, die ich mir sicher schnell merken konnte.
„Wie sieht es aus Mimi?“, fragte ich. Sie schnellte zu mir auf und nahm meine Hose in ihre Hände. Sie wiederholte die Namen ebenfalls ein paar Mal. „Meinst du, du kannst sie dir merken?“ Sie nickte schnell und verzog ihren Mund. Natürlich, wie konnte ich auch was anderes denken.
Die Mauern von Dorna kamen Währendessen immer näher. Je näher wir kamen, desto nervöser wurde ich. Ob sie Wegzoll hatten? Wenn ja wie viel? Ich hoffte, wir brauchten keine Papiere. Nicht, dass wir je welche gehabt hätten.
Meine Sorge war jedoch unberechtigt, an den hohen Mauern angekommen, konnte ich nicht mehr als staunen und schmunzeln. Ein gigantisches Tor prangerte in der Mauer, eine Brücke führte über einen Fluss zur Stadt. Auf dieser hatten sich einige Händler eingefunden und versuchten ihre Ware zu verkaufen. Es herrschte, obwohl es so früh war, ein Reges treiben.
Ich betrachtete die hohen Mauern, die in den Himmel ragten. Grobe Steine waren aufeinander gestapelt worden, ergaben ein außergewöhnliches Muster. Ganz anders als ich es in Obino gesehen hatte. Dort war die Mauer nicht annährend so hoch.
„Zieht eure Kapuzen auf. Verliert euch nicht.“ Ich reichte Tabi die Hand, die sie Mimi gab und diese Anora. „Denkt an die Namen.“
Damit betraten wir die Stadt, unser neues Zuhause.


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