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Γοητέυω – Du Milan, ich Alma


2. November

Die Kugel in meinem Mund zeigte mir nicht die Wahrheit.
Ich fühlte, dass etwas falsch war; verschwommen sah ich die Wirklichkeit, nicht aber das was wahr ist.
Meine Augen wurden trüb, ich spürte die Wirkung nachlassen.
Um mich herum sah ich meine Freunde, lachen, verstohlene Blicke werfen; wir warteten das sie verschwindet.
Ich möchte mir noch eine Kugel nehmen, sie sollte es nicht bemerken; sie sollte mich nicht beeinflussen.
Ich wankte beim gehen, meine Hände zitterten, alles verschob sich. Ich fiel und wusste nichts von der Wahrheit.


Zuhause.

Ich blicke aus dem Fenster und fühle als sei ich draußen, betrachtete mich von dort, doch sähe ich was ich auch jetzt sehe.
Zögerliches Aufrichten, zaghafte Schritte zur Tür.
Die Hand habe ich auf der Klinke als ich ihn höre.
Er schleicht den Flur entlang, seine Füße schweben über dem Boden, dennoch merke ich sein Gewicht.
Für einen Moment nur lasse ich die Lider fallen und atme aus. Dann drücke ich meine schwitzige Hand herunter und die Tür öffnet sich mit leisem Knarren.
Er ist schon auf der Treppe und ich weiß, dass er gehen wird. Zwar nur zum Training, wie jeden Tag, doch ich will es nicht zulassen.
Mehr springe ich als dass ich renne, habe bei den Stufen Angst zu stürzen, doch macht sie mir nichts aus.
Eine lange Treppe und im Flur schließlich bekomme ich ihn zu fassen, meine Hände auf seinen Schultern, ich spüre die sehnigen Muskeln und die weiche Haut.
Und ich höre seine Tränen, fühle sie beinahe auch.
Oder sind es meine eigenen?

„Alma, nicht.“

Ich weine. Ich weine und weine.

Meine Hände krallen sich in das weiche Fleisch und mein Kopf ist an seinen Rücken angelehnt. Doch immer noch weiß ich dass er gehen wird.
Ich schlinge meine Arme noch fester um ihn und bringe uns zu Fall.

Wir fallen langsam. Ich spüre, wie sein Körper geschüttelt wird und fühle die dumpfen Schläge seines Herzens.
Meinen Kopf vergrabe ich in seinem blonden Haar.
Eng umschlungen kommen wir an.

„Alma. Nicht“

sagt er noch, doch ich kann nicht darauf achten.
Ich fühle seine Hand, seine warme, weiche, schöne Hand auf meinem Bauch liegen. Ich spüre den kühlen Atem auf meiner Wange, ich rieche den unverkennbaren Geruch von Sandelholz.
Ich schmecke die salzigen Tränen auf meiner trockenen Zunge.

„Ich kann das so nicht, Alma. Und das weißt Du.“

Ja. Ich weiß es.
Und ich kann es verstehen, natürlich weiß ich es.

„Es tut mir leid. Es tut mir so leid!“

Ich blicke ihn an, sehe die langen, hellen Wimpern.
Noch einmal flüstere ich es.

„Es tut mir leid.“

Ich hatte nicht gewusst was es mit sich brächte, doch ich habe mich für dieses Leben entschieden.
Weil ich weiß was es ist, das ich liebe.
Was soll ich sagen.
Er ist wie ich und doch anders; ich bin wie er und doch anders.
Gelinde gesagt.
Wie war das noch, 'wir sind komplett verschieden – doch zusammen sind wir eins'?

Was ihn begeistert, sein Leben ist für mich unmöglich, doch ebenso ist es das meine für ihn.

„Ich liebe Dich.“ haucht Milan in mein Ohr.

Und ich unterdrücke ein Schluchzen.

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Feenstaub

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