1. Wie alles begann

Northumbria, um 850 n. Chr.

 

Mitten in einer verregneten, kalten Herbstnacht gellte auf einmal das Schreien eines neugeborenen Babys durch die kleine Siedlung.

Bald danach trat der frischgebackene Vater mit dem nackten Kind auf den Händen, vor die Tür seiner Hütte, reckte das Kind gen Himmel und rief: "Die Götter haben mir einen Sohn geschenkt. Seht her!" Der kleine Junge quittierte die Kälte und den Regen auf seinem nackten, kleinen Körper mit brüllendem Geschrei.

Die anderen Bewohner des Ortes kamen, geweckt von dem Lärm, ebenfalls aus ihren Hütten und betrachteten das Baby in den Armen des stolzen Vaters. Eine der Frauen, die der Mutter bei der Geburt beigestanden hatten, kam schließlich heraus, wickelte den Jungen in ein Fell und musste ihn dem Vater regelrecht aus den Händen reißen. „Er sollte jetzt trinken." Der Vater nickte nur und ließ sich dann von den anderen Leuten beglückwünschen. Er war immerhin der Sohn des Clanchefs und heute war sein erstes Kind geboren worden. Als er wieder in seine Hütte zurückkehrte, lag seine noch erschöpfte Frau auf dem Lager mit seinem Jungen an der Brust. Er betrachtete dieses Idyll einige Zeit, strich dann dem saugenden Baby über das Köpfchen und sagte: "Er soll Magnus heißen." Seine Frau nickte nur. Ihre Aufmerksamkeit galt ganz ihrem ersten Kind und sie war fast genauso stolz auf ihren Sohn, wie ihr Gemahl. Morgen würde sie der Göttin Frig ein Dankesopfer bringen, dafür dass sie ihre Bitten nach einem gesunden Jungen und einer normalen Geburt, erhört hatte.

Magnus wuchs unbeschwert in diesem kleinen Dorf im Nordosten Englands auf. Er eiferte seinem Vater nach, der Krieger war. Er wollte eines Tages ebenfalls gegen die Nordmänner in den Kampf ziehen. Immer wieder überfielen diese üblen Gesellen das Land, raubten und brandschatzten. Sein Großvater war das Oberhaupt der Sippe. Wenn er starb, würde sein Vater das Amt übernehmen und nach ihm wäre er selbst an der Reihe. Darauf bereitete ihn sein Vater schon früh vor. Er übte mit ihm das Kämpfen und das Hantieren mit den Waffen. Magnus gefiel das sehr und er schlug mit seinem Holzschwert auf alles Mögliche ein. Noch war es mehr ein Spiel und er war noch ziemlich klein. Vielleicht sieben Jahre. Inzwischen hatte er noch eine Schwester und einen Bruder bekommen. Seine Schwester kam zwei Jahre später zur Welt und sein Bruder war erst ein Jahr alt. Der machte gerade seine ersten Schritte und plumpste immer auf den Po. Dabei musste Magnus jedes Mal lachen, weil es so komisch aussah.

Mit fortschreitendem Alter wurde der junge Magnus immer schöner. Er hatte die hellblonden Haare und die blauen Augen seiner Mutter geerbt. Sein Vater hatte ein Rotblond, wie seine Schwester. Sie wurde ebenfalls immer hübscher und wenn sie nicht verwandt wären, hätte er sie gern zur Frau genommen. Er mochte sie sehr, doch die beiden zankten genauso, wie andere Geschwister.

Als er vierzehn war, entdeckte er allmählich das andere Geschlecht. Er beobachtete die jungen Mädchen bei ihrer Arbeit. Wenn sie vor den Hütten herum hantierten und genoss ihre verstohlenen Blicke, die sie ihm zuwarfen. Besonders, wenn er mit den Waffen trainierte.

 

Bald war das Fest der Wintersonnenwende und da wollte er seiner Angebeteten näher kommen, in die er sich verliebt hatte. Sie hieß Fanella, hatte kupferfarbenes Haar und war sehr hübsch. Magnus versuchte sie so oft wie möglich zu sehen, aber außer einem Gruß, hatte er noch nicht mit ihr gesprochen. Er war zwar nicht zurückhaltend, aber er wusste nicht so recht, wie er es anstellen sollte. Vor allen Dingen wollte er sich vor ihr nicht blamieren. Da erschien ihm das Julfest bestens geeignet. Vor allem konnte er ihr ohne Zwänge ein Geschenk überreichen, was in der längsten Nacht des Jahres, üblich war.

Sein Vater hatte mit einigen Männern Schweine für den ganzen Clan geschlachtet. Magnus hatte ebenfalls geholfen. Ihm gefiel das Ausnehmen und Zerlegen der Tiere. Ihn erfreute auch die Jagd, auf die ihn sein Vater regelmäßig mitnahm. Das Anpirschen, Auflauern und dann erlegen war aufregend.

Inzwischen hatten Magnus und seine zwei anderen Geschwister eine Stiefmutter bekommen. Seine Mutter war vor Jahren an einem Fieber gestorben. Dann hatte sein Vater bald darauf wieder geheiratet. Die Neue war ebenfalls aus dem Dorf und Witwe. Magnus glaubte, dass die Ehe mehr eine Zweckgemeinschaft war. Damit beide versorgt waren. Die neue Frau hatte einen Sohn in die Ehe mitgebracht, den Magnus überhaupt nicht leiden konnte. Der war für ihn ein Versager. Schwächlich und ungeschickt. Auch mochte er seine Stiefmutter nicht. Er war es gewohnt gewesen, bevorzugt behandelt zu werden und sie bevorzugte selbstverständlich ihren eigenen Sohn. Das passte Magnus gar nicht. Gerade den Schwächling. Seinen Status als Erstgeborener und sein Aussehen, hatten ihn eitel und arrogant gemacht. Sein Vater würde Stolz dazu sagen. Er bestärkte ihn darin.

 

Seine Stiefmutter und seine Schwester waren während des Tages mit dem Ausräuchern des Hauses beschäftigt. Damit sollten die Geister des alten Jahres vertrieben werden. Magnus hielt sich deshalb lieber im Freien auf und half mal hier und mal dort mit. Am Nachmittag wurden die aufgespießten Schweine über eine riesige Feuerstelle gehängt, damit sie am Abend gar sein würden. Gegen Abend zogen sich alle in ihre Hütten zurück, um zuerst im engen Familienkreis zu feiern. Überall wurden die Feuer und Lichter gelöscht.

Magnus saß mit seiner Familie ebenfalls im Dunkeln und sein Vater stimmte die alten Lieder an. Nachdem sie gesungen hatten, entzündete jeder eine Fackel und entfachte die Glut des Herdfeuers und die Öllampen im Haus neu. Dann wurde jedes Familienmitglied beschenkt. Magnus war gespannt, was ihm sein Vater überreichen würde. Der war kurz verschwunden und stand dann mit einem länglichen verhüllten Gegenstand vor ihm: "Wickel es aus." Magnus nahm es in die Hände und merkte, dass es schwer war. Neugierig wickelte er das Tuch ab und darunter kam ein neues Schwert hervor. Überrascht riss er die Augen auf und betrachtete es von allen Seiten: "Ein Schwert! Für mich?" Sein Vater lachte: "Ja, dein eigenes. Du bist jetzt schließlich ein Mann und für unsere Sippe gehört es sich so." Magnus war immer noch fassungslos: "Danke, Vater! Das hätte ich niemals erwartet. Mein eigenes Schwert." Immer wieder drehte er es in den Händen und bemerkte gar nicht, dass die anderen schon zum Festessen hinaus gegangen waren. Schließlich fand er sich allein in der Hütte und erhob sich nun ebenfalls. Das Schwert versteckte er bei seinem Schlafplatz, steckte die Bronzekette, die er Fanella schenken wollte, ein und ging zum Dorfplatz. Seine Augen mussten nicht lange nach ihrem roten Haar suchen. Sie saß mit anderen Mädchen zusammen und aß von einem Stück Fleisch in ihrer Hand. Sie und ihre Freundinnen scherzten und lachten. Da bemerkte sie seine Blicke und hielt inne in ihrem Lachen. Magnus senkte verlegen die Augen. Als er wieder zu ihr hinüber schielte, sah sie ihn immer noch an und eine der anderen, flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sicher über ihn. Der Anflug eines Lächelns umspielte Fanellas Lippen, dann wandte sie sich ab. Wie sollte er sich ihr nur nähern? Ansonsten so ein Hitzkopf und nun war er so unsicher. Er musste seinen ganzen Mut zusammen nehmen und es wagen, wenn sie allein war.

Als sich die Gruppe der Mädchen langsam auflöste, um zu tanzen, ging Magnus zu Fanella hinüber. Er sagte zu ihr: "Ich warte dort drüben auf dich. Wenn du magst, kommst du." Dabei setzte er sein schönstes Lächeln auf und ging zu den Hütten, wo er auf sie warten wollte. Fanella sah ihm nachdenklich nach. Magnus gefiel ihr schon. Welchem Mädchen nicht. Er war sehr gutaussehend, stark und mutig und er hatte Interesse an ihr. Ihn zum Mann zu haben, brächte sicher viele Vorteile. Auch gehörte er zu der Herrscherfamilie. Sie stand auf und entfernte sich unauffällig vom Festplatz. Als sie in die Schatten der Hütten trat und ihre Augen sich an das Dunkel gewöhnt hatten, erkannte sie Magnus an einer der Wände lehnen. „Schön, dass du da bist. Ich wollte dir etwas geben." Fanella blickte ihn erwartungsvoll an: "Was denn?" „Ein Geschenk." Er kramte in seinem Beutel, den er am Gürtel trug und zog schließlich die Kette heraus. Ein Lederband mit einem bronzenen Anhänger. Es war eine Scheibe mit eingravierten Ornamenten. Fanella nahm sie fast andächtig und betrachtete den Anhänger im Mondlicht: "Danke, Magnus. Es ist wunderschön." „Genau, wie du", sagte er. Das Mädchen kicherte verlegen. Dann fragte er: "Soll ich sie dir umbinden?" Fanella nickte und hob ihr langes Haar aus dem Nacken. Magnus Hände zitterten leicht, als er ihr die Kette umlegte. Ein wenig ungeschickt band er einen Knoten, solange er ihre warme Haut an den Fingern spürte. Dann trat er wieder vor sie, um zu sehen, wie sein Geschenk ihr stand. Fanella schaute auf ihre Brust, wo der Anhänger sich befand: "Wirklich schön. Womit verdiene ich solch ein Geschenk?" Er lächelte: "Weil du mir gefällst." Schon mutiger, nahm er ihre Hand: "Gehen wir ein Stück?" Fanella ließ sich von ihm führen. Bald waren sie bei Magnus Haus angelangt. Sie nahm immer wieder den Anhänger in die Hand und betrachtete ihn. Magnus sah in der Zeit schweigsam auf die verlassenen Häuser. Er wusste nicht, was er reden sollte. Fanella ergriff das Wort: "Es ist so friedlich." „Ja, da hast du recht." Seine Angebetete fröstelte. Sogleich öffnete er die Haustür und bat sie, ihm hinein zu folgen.

Um ein Gespräch zu beginnen, zeigte er Fanella sein neues Schwert. Bewundernd berührte sie es zaghaft. Sie saßen nun beide auf seiner Liegestatt und betrachteten die Waffe. Nach einiger Zeit legte er den Arm um sie, Fanella lehnte sich an seine Schulter und es dauerte nicht lange, bis sie sich das erste Mal küssten. Magnus presste zuerst eher grob seinen Mund auf ihren, wich noch einmal zurück und versuchte es sachter. Nach einigen Küssen mit geschlossenen Lippen, öffnete er seine und spielte mit der Zungenspitze an ihren. Fanella ließ seine Zunge ein und so sanken sie in die Felle. Die Leidenschaft des jungen Mannes war geweckt. Unter den Küssen fuhr er gierig mit den Händen über ihren zarten Körper. Fanella betastete ebenfalls seinen Leib. Er war muskulös und einfach schön. Seine Berührungen berauschten sie ganz. Magnus Mund wanderte von ihren Lippen, über den Hals zum Décolleté. Seine Liebste seufzte, als er sie dort küsste. Eine seiner Hände wanderte in der Zwischenzeit, ihr Bein hinauf und erreichte den Oberschenkel. Bis jetzt stoppte sie ihn nicht und so machte er mit Vergnügen weiter. Er befühlte die zarte Haut an der Innenseite und erst als er sich mehr ihrer Leidesmitte näherte, drückte sie seine Hand weg: "Was machst du da?" „Ich will dich doch nur anfassen. Gefällt es dir nicht?" Fanella sah ihn misstrauisch an: "Ich weiß nicht. Dürfen wir das nicht erst, wenn wir verheiratet sind?" Magnus lächelte: "Doch, das dürfen wir. Ganz bestimmt." Er küsste sie, um ihre Bedenken zu zerstreuen und seine Hand wanderte abermals ihren Schenkel hoch. Als seine Finger das lockige Haar erreichten, schoss eine Welle der Erregung durch seinen Körper. So etwas hatte er noch nie gefühlt. Zaghaft öffnete sie ihre Beine ein wenig weiter, denn sein Streicheln gefiel ihr. Allmählich wurde Fanella neugieriger. Sie tastete nach seiner Mitte und fand das harte, heiße Glied. Magnus stöhnte laut auf, als sie es in die Hand nahm. Fanella erschrak zuerst, wegen seiner Reaktion, aber dann machte sie weiter. Die Anspannung in seinen Lenden wurde beinah unerträglich: "Reib fester!" Als sie es tat, ächzte Magnus immer mehr und schließlich durchfuhr ihn sein Höhepunkt. Erschöpft legte er sich danach neben ihr nieder. Das war viel besser gewesen, als wenn er es selbst tat. Fanella betrachtete angewidert, das Sperma an ihren Fingern und putzte ihre Hand an einem Fell ab. Dann schmiegte sie sich an Magnus Rücken und kraulte sein helles Haar. Nach einer Weile unterbrach er die Stille: "Schön, hier mit dir zu liegen." „Ja, mit dir auch, Magnus." Er drehte sich zu ihr um und fuhr durch ihr kupfernes Haar: "Du bist die Schönste im Dorf, Fanella. Ich möchte, dass du zu mir gehörst." Sie horchte auf bei seinen Worten. Das hörte sich ganz so an, als wolle er sie zur Frau nehmen. Das wäre großes Glück für sie. Trotzdem wollte sie es genauer wissen: "Wie meinst du das, zu dir gehören?" Er fuhr über ihre Brüste: "Dass du immer mit mir zusammen sein sollst." Dieser Satz bestätigte ihre Vermutung, denn direkt wollte sie ihn nicht fragen. Das überließ sie ihm, aber sie küsste ihn dafür. Magnus spürte abermals ein Ziehen in den Lenden, als ihre zarten Lippen sich auf seine legten. Küssend und streichelnd wälzten sie sich auf seinem Schlafplatz, bis Magnus zwischen ihren Beinen lag. Irgendwie passierte es einfach. Sein Glied fand ihre Öffnung, wie von selbst und das fühlte sich so wunderbar an. Fanella schmerzte es anfangs, aber das ließ schnell nach und sein Tun erregte sie doch sehr. Magnus küsste ihren Hals und ihre Brüste, während er sich in ihrer feuchten Höhle bewegte. Das sollte niemals enden, aber er spürte, dass er gleich soweit war. Das mussten sie unbedingt noch öfters machen. Danach lächelte Fanella ihn glücklich an: "Ach, mein lieber Magnus. Nun gehöre ich dir." Er erwiderte ihr Lächeln: "Ja, mein Liebling." Dann sah er in die Richtung aus der die Festgeräusche kamen: "Gehen wir zurück." Sie ordneten ihre Kleider und kehrten getrennt zum Festplatz zurück.

In den nächsten Tagen trafen sie sich immer nur kurz, wo sich die Gelegenheit bot. Da war nur Zeit um ein paar Worte und Küsse zu wechseln. Magnus war glücklich seine Auserwählte erobert zu haben und er freute sich schon darauf wenn sie wieder einige Stunden miteinander verbringen konnten.

 

So ging das viele Wochen und ihre Liebe hielten sie noch geheim. Bis zu dem Tag, an dem Fanellas Vater zu Magnus Vater kam. Magnus sah ihn in die Hütte gehen und dachte sich schon, dass es sicher um ihr Verhältnis ging. Als Fanellas Vater das Haus wieder verließ, sah er Magnus ärgerlich an und gleich danach rief ihn sein Vater. Das klang ziemlich energisch und Magnus machte sich auf eine Standpauke gefasst, was er sich mit diesem Mädchen herumtrieb. Doch die Lage war ernster. Er betrat das Haus. Sein Vater sah ihn jedoch nicht zornig, sondern eher besorgt an: "Mein Junge, wieso hast du mir nichts von deiner Verlobung gesagt?" Magnus traf es, wie ein Schlag: "Verlobung?"

„Ja, mit Fanella. Du hättest dich am Julfest mit ihr verlobt. Das erzählte ihr Vater." Magnus war verwirrt: "Aber ich hab ihr doch nur was geschenkt?" Jetzt lachte sein Vater: "Allerdings, das hast du. Sie bekommt ein Kind von dir." Er erhob sich von seinem Hocker und klopfte Magnus auf die Schulter: "Mein Sohn wird heiraten. Das wird ein Fest." Total überrumpelt stand der Junge in der Hütte und konnte nichts mehr sagen. Kurze Zeit später wussten es alle und freuten sich für die beiden.

Magnus lief noch perplex durch das Dorf. Als er an Fanellas Hütte vorbeikam, sah sie von ihrem Huhn, das sie gerade rupfte auf und strahlte ihn an:" Magnus, Liebster!" Er blieb stehen:" Warum hast du gesagt wir wären verlobt?" Sie runzelte die Stirn:" Aber das sind wir doch. Du hast es in jener Nacht selbst gesagt. Dass wir immer zusammen sein sollen und ich habe dir in diesem Glauben meine Unschuld geschenkt. Willst du mich etwa nicht? Und das Kind?" Tränen stiegen ihr in die Augen und sie strich über ihren Bauch. „ Seit wann weißt du es?" Fanella begann zu weinen: "Seit einigen Tagen. Ich sehe dir an, dass du uns nicht willst." Ihr Weinen weckte ihn aus seiner Lethargie. Er kniete zu ihr hinunter und nahm ihre Hand: "Natürlich will ich dich. Und auch das Kind. Wenn es so sein soll. Ich dachte nur nicht, dass es so schnell passiert. Mein Vater hat mich mit der Heirat und deinen anderen Umständen total überrascht. Verzeih, Liebste!" Er küsste ihre Wange. Fanella wischte ihre Tränen beiseite und lächelte wieder: "Es wird bestimmt alles gut." Da trat ihre Mutter vor die Tür und als sie Magnus bei ihrer Tochter sah, bat sie ihn herein. Fanella sollte aber draußen bleiben. Magnus stand nun vor seiner zukünftigen Schwiegermutter und er wurde einfach dieses beklemmende Gefühl nicht los, das ihn seit dem Gespräch mit seinem Vater, befallen hatte. Er war kaum erwachsen und musste schon für eine kleine Familie sorgen. Vorbei mit dem sorglosen Leben. Sein Clan würde ihm natürlich helfen, aber nun war er für Fanella und das zukünftige Baby verantwortlich. Sie wollte eher praktische Dinge wissen. Wie er sich seine Zukunft mit Fanella vorstellte, wie sie leben würden. Magnus wusste es noch nicht:" Verzeih, aber das kam alles sehr überraschend für mich. Ich werde mit Großvater sprechen." Sie nickte: "Ja, tu das. Unsere Tochter soll es schließlich gut bei dir haben. Du und deine Familie seid angesehene Leute." Magnus nickte nur.

Später zog er sich an den See zurück. Am liebsten würde Magnus davonlaufen. Er sah Fanella schon vor sich mit dem dicken Bauch. Warum musste eine so schöne Sache, solche Folgen haben? Das war doch ungerecht. Sein Vater tauchte auf einmal bei ihm auf:" Ach, hier bist du. Ich dachte schon du bist weggelaufen.", scherzte er. Aber Magnus sah ihn ernst an: "Das würde ich am liebsten. Ich bin noch nicht bereit zum Heiraten, Vater."

„Du musst, mein Sohn. Du hast ihr ein Versprechen gegeben und da jetzt ein Kind unterwegs ist, musst du es einlösen." Er legte Magnus die Hand auf die Schulter:" Keine Sorge! Wir wurden alle mal Vater. Als du zur Welt kamst, dankte ich den Göttern viele Male für dieses Geschenk. Fanella wird dir vielleicht den ersten Sohn schenken. Spätestens dann wirst du stolz sein und dich freuen." Der junge Mann starrte vor sich hin: "Hm, vielleicht." Sein Vater entgegnete: "Du musst dich um nichts kümmern. Ich gestalte alles für eure Vermählung." Magnus Schweigsamkeit machte ihm Sorgen: "Ist es dir so ein Graus ist, sie zur Frau zu nehmen?" Magnus schüttelte betrübt den Kopf: "Ich weiß es nicht, Vater. Ich weiß gar nichts mehr." Der gestandene Mann entfernte sich nickend: "Gut. Denke darüber nach. Aber mach der Familie keine Schande." Der Junge sah ihm nach, bis er verschwunden war. Liebte er Fanella noch? Vermutlich. So schnell verschwand dieses Gefühl doch sicher nicht. Im Moment war er einfach zu verwirrt. Die Zeit würde zeigen, was er noch für sie empfand. Nach einer Weile erhob er sich schwerfällig und trottete zur Siedlung zurück. Das Gespräch mit seinem Großvater stand noch aus und erpicht war er nicht darauf. Wahrscheinlich musste er sich zuerst Vorhaltungen machen lassen, bevor es an das eigentliche Problem ging.

Aus seinem Elternhaus roch es nach Mittagessen. Wieder irgendeine Suppe. Das gab es im Winter meistens und seine Stiefmutter warf alles rein, was sie noch fand. Fleisch gab es selten, außer Magnus, sein Vater und sein Bruder hatten Wild erlegt. Die Schweine wurden für den Festtagsbraten aufgespart. Ab und zu gab es mal ein Huhn. „Magnus, komm. Essen ist fertig." Er ging in die Hütte und setzte sich an den langen, groben Holztisch. Seine Stiefmutter stellte ihm eine Schale mit dampfender Suppe hin. Doch heute rührte er nur lustlos mit dem Löffel darin herum. Sein Vater sah besorgt zu ihm hinüber. Die Laune seines Ältesten gefiel ihm gar nicht. Fanellas Vater war schon nicht begeistert gewesen, dass seine Tochter geschwängert worden war mit ihren vierzehn Jahren. In zwei Jahren hätte das alles schon ganz anders ausgesehen. Aber er hatte sich mit ihm einigen können und Magnus galt als gute Partie. Wenn sein Sohn Fanella ablehnen würde, wäre das eine Schande für seine ganze Sippe. Sie waren die Clanführer und da hatte man sich korrekt zu verhalten. Sein Vater hoffte, dass Magnus noch zur Vernunft kam und schob sein Verhalten auf den ersten Schock.

Fanella hingegen war überglücklich die Frau des attraktivsten, jungen Mannes zu werden. Inzwischen konnte sie sich auch mit dem Gedanken anfreunden, ein Kind zu bekommen. Schließlich war es von ihrem Liebsten. Es würde nächstes Jahr im Sommer geboren werden. Damit waren seine Überlebenschancen schon mal höher, als wenn es ein Winterkind wäre. Fanella nahm das als gutes Omen.

 

Bald stand die Hochzeit unmittelbar bevor. Magnus hatte zusammen mit seinem Vater und Großvater einen weiteren Raum an sein Elternhaus gebaut. Da es aus Holz bestand, war es relativ schnell gegangen. Nun hatten Fanella und er einen abgeschiedenen Teil für sich. An einer Seite des Raumes war die Feuerstelle und das Kochgeschirr, in der Mitte stand ein kleinerer Tisch mit Hockern und an der anderen Seite war die Schlafstätte der beiden. Allmählich freute sich Magnus ebenfalls auf die Vermählung, oder wenigstens auf das Zusammenleben mit seiner Angebeteten.

Das Hochzeitsfest war sehr ausgelassen und alle waren vergnügt. Magnus war wieder glücklich Fanella nun an seiner Seite zu haben. Nun konnten sie sich öfter lieben und das taten sie auch, bis ihr Bauch immer mehr im Weg war.

 

Das Dorfleben nahm seinen gewohnten Lauf, bis zu dem Tag im Frühling, als in der Morgendämmerung die Wikinger angriffen. Die Männer des Dorfes packten sofort ihre Schwerter, als Alarm geschlagen wurde. Auch Magnus und sein Vater. Sie rannten ins Freie und befahlen den Frauen sofort zum schützenden Wald zu rennen. Dann wurden sie kurz darauf in wilde Kämpfe verwickelt. Zum ersten Mal musste Magnus sein Schwert ernsthaft gebrauchen. Er wehrte sich verbissen und verletzte so manchen Nordmann. Sie waren furchterregende Krieger mit gehörnten Helmen und wilden Bärten.

Dann machte sich Magnus schnell auf den Weg zum Wald, um Fanella zu suchen.

Als er über die Wiese hinter dem Dorf lief, entdeckte er einige Leichen im Gras liegen. Da stach ihm plötzlich rotes Haar ins Auge und es durchfuhr ihn siedend heiß. Oh nein! Er rannte voller Entsetzen zu dem Körper hin. Fassungslos blickte er auf ihren reglosen Leib nieder. Sie bewegte sich überhaupt nicht. Magnus fiel neben seiner Liebsten nieder und drehte sie hastig auf den Rücken. Der Anblick ihres blutgetränktes Kleides ließ einen stechenden Schmerz durch seine Brust fahren und es war ihm, als würden sich eisige Klauen in sein Herz bohren. Sie war abgestochen worden, wie Vieh. Eine Wunde in ihrer Brust und die andere in ihrem Bauch. Der Übeltäter wollte auch noch das ungeborene Kind töten.

Magnus zog seine getötete Frau an sich, hielt sie im Arm und schrie seinen Schmerz laut hinaus. Darunter mischte sich auch Wut und er schwor blutige Rache.

Schließlich kehrte er mit ihrem leblosen Körper auf dem Arm zum Dorf zurück. Die Horde der Angreifer war zwar vertrieben, aber es gab herbe Verluste unter den eigenen Männern. Auch sein Großvater war gefallen. Nun wurde Magnus Vater Stammesoberhaupt.

 

Als er noch einige Jahre älter war, schloss er sich den Kriegern an, die regelmäßig gegen die Wikinger kämpften. Er führte lange ein Leben als Söldner, bis er mit Ende Zwanzig in ihre Gefangenschaft geriet. Seine Schönheit, Stärke und Tapferkeit machten ihn, als Kriegsopfer absolut würdig für ihren Stammesgott. Magnus wurde mit zwei anderen Leidensgenossen auf ihr Drachenboot gebracht und sie entführten ihn in ihre Heimat, nach Dänemark. Die restlichen Kriegsgefangenen waren noch auf dem Festland geopfert worden. Er hatte von diesem Kampf nur einen Messerstich in den Oberarm davongetragen. So begann die lange Fahrt in den Norden. Das entsprach nun gar nicht Magnus Vorstellung von einem heldenhaften Tod im Kampf. Er wollte nicht auf einem Opferstein abgestochen werden, wie ein Vieh. Die drei Angelsachsen hockten zwischen diesen furchteinflößenden Nordmännern im offenen, kalten Boot, aber wurden gut behandelt. Sie bekamen genug zu essen, Dörrfleisch und in Salz eingelegter Fisch und Felle für die frostigen Nächte. Einer der Feinde sprach ein wenig angelsächsisch, verpflegte ihre Wunden und erzählte von diesem Stammesgott. Dass er sehr mächtig und stattlich war und von unendlicher Weisheit. Magnus wurde neugierig auf diesen Gott, der körperlich zu sein schien, so wie der Mann erzählte.

Als sie endlich das Dorf erreichten, standen bereits viele Menschen am Ufer und winkten den Heimkehrenden zu.

Magnus und die anderen beiden Männer wurden von den Dorfleuten neugierig gemustert, als man sie, von den Kriegern flankiert, zu einem der Langhäuser führte.

Dort hegten und pflegten sie in nächster Zeit junge, hübsche Frauen. Magnus schäkerte mit ihnen herum und da er ja nicht mehr lange zu leben hatte, vergnügte er sich auch ausgiebig mit ihnen. Sie waren willig und schienen ihn ebenfalls zu begehren. Soweit er sich erinnern konnte, hatte ihn in seinem bisherigen Leben sehr selten eine abgewiesen. Magnus hatte die Rolle des Verführers schon immer genossen und er betrachtete es als persönlichen Sieg, wenn sich eine Frau ihm bereitwillig hingab. Eine mit Gewalt zu nehmen, wäre eine bodenlose Niederlage.

Ihm ging es sehr gut bei den Normannen. Doch vom Dorfleben bekam er kaum etwas mit, da die Gefangenen das Langhaus nicht verlassen durften. Aber die Sklavinnen erzählten freimütig noch mehr von diesem Gott. Alle acht Nächte bräuchte er ein Menschenopfer und ihnen wurde nun diese Ehre zuteil. Leider konnten sie nicht sagen, wie diese Opferung ablief und so wusste Magnus nicht, was ihn erwartete. Das passte ihm überhaupt nicht.

Nach den ersten acht Nächten wurde der erste Gefangene in der Abenddämmerung geholt und kehrte nicht zurück. Als dann nach weiteren acht Tagen der Zweite gehen musste, war Magnus sehr erleichtert, dass ihm noch eine Woche blieb. Die kostete er nun noch mehr aus. Er stopfte sich mit allerlei Speisen voll, besoff sich mit Met und nahm jede Nacht eine andere Sklavin. Die bedauerten sein baldiges Verscheiden sehr. Es wäre ein Jammer, dass er für den Gott sterben müsste. Die Heilung seiner Verletzung war durch ihre fürsorgliche Pflege schon gut vorangeschritten. Er spürte kaum noch Schmerzen im Arm. Doch das würde ihm auch nichts mehr nützen. Magnus versuchte seine Ungewissheit über sein Schicksal zu mildern, indem er die Frauen weiter über den Gott ausfragte. Sie gaben ihm gern Auskunft über ihn. Er wäre sehr stark, wie zwanzig Männer, sehr schön und er wisse alles über Magnus. Der Gott hätte bestimmt, dass er der Letzte sein sollte. Diese Aussage verwirrte den Angelsachsen, aber die Sklavinnen meinten, dass der Gott in die Herzen sehen könne und erkannte, wer gut und wer schlecht war. Das machte den jungen Mann noch neugieriger auf dieses Wesen. Sie sprachen so ehrfürchtig und gut über ihn. Er war wohl keine rachsüchtige Gottheit.

 

Als sie dann eines Mittags das Schwitzbad herrichteten, wusste Magnus, dass die Nacht gekommen war. Es war immer die gleiche Prozedur gewesen. So ein Dampfbad kannte er vorher noch nicht. Ein Mann rieb ihn mit Kräutern ab und goss kaltes Wasser über seine erhitzte Haut. Dann wurde er noch mit aromatisiertem Öl eingerieben und bekam über seine Blöße einen Umhang aus weißem Fuchsfell umgehängt.

Bei Sonnenuntergang eskortierten einige Krieger den Gefangenen zu einem kleinen Boot, in dem drei Priester saßen. Sie trugen helle, lange Gewänder und murmelten etwas, als sie Magnus erblickten. Inzwischen verstand er ihre Sprache ein wenig und hörte heraus, dass er des Gottes wirklich würdig wäre. Das Dampfbad hatte ihn so aufgewärmt, dass er nicht fror, trotz seiner Nacktheit unter dem Umhang. Die Priester ruderten mit Magnus zu einer kleinen vorgelagerten Insel. Dort begrüßten den Angelsachsen Symbole in Baumstämme geschnitzt und ein Pfad aus stilisierten Holzfiguren, führte zu einem steinernen Thron. Sie geleiteten ihn bis auf ein paar Schritte vor den Thron und deuteten an, er solle niederknien. Magnus gehorchte und wartete gespannt auf das Erscheinen des Gottes.

Nachdem er nur kurz den Blick gesenkt hatte und wieder aufsah, saß dieser plötzlich auf dem Thron. Erschrocken zuckte Magnus zusammen. Den Priestern war es ähnlich ergangen, denn ein überraschtes Raunen ging durch ihre Mitte. Dieses Wesen wies ihnen mit einer Hand an, sich zu entfernen, was sie auch sofort taten. Magnus hörte das Rascheln von Gras hinter sich, doch seine Aufmerksamkeit galt nun dem Gott. Der Anblick seiner Erscheinung nahm ihn ganz gefangen. Der Gott hatte langes, rotblondes Haar, blasse, matte Haut und in seinen Augen lag ein übernatürliches Funkeln. Außer einem weißen Tuch um die Hüften, trug er nichts und so bewunderte Magnus auch seinen athletischen Körper. Die funkelnden Augen, oder die langen Nägel erschreckten den Menschen nicht, denn er wusste ja, dass es ein anderes Wesen war. Es war ein Zeichen seiner Göttlichkeit. Magnus Furcht vor dem Tod, war wie weggeblasen. Dann erhob sich der Gott und forderte ihn mit einer Geste auf, es ihm gleichzutun. Solange Magnus aufstand, war der andere plötzlich direkt vor ihm. Das irritierte den Sterblichen. Ohne die Lippen zu bewegen, sagte er, dass Magnus keine Angst haben solle. Im Hintergrund hörte der Krieger das Platschen der Ruder und der Gott legte ihm seine kühlen Hände auf die Schultern. Sie sahen sich in die Augen und Magnus betrachtete, wie gebannt das Funkeln darin. Der Gott zog ihn näher an seine ebenfalls kühle, nackte Brust, strich sein Haar zurück und öffnete das Band seines Umhangs. Das Fell fiel zu Boden und der Gott streichelte mit beiden Händen über Magnus Arme, seine Brust und seinen Bauch. Es verursachte ein wohliges Kribbeln überall und als das Wesen begann seine Wangen und seinen Hals zu küssen, regte sich etwas anderes. Magnus Angst war weit entfernt. Er fühlte die zarten Lippen auf seinen und hörte eine Stimme im Kopf sagen: ‚Du bist wunderschön, mein Freund! Ich werde dich zu einem Gott machen, wie ich es bin. Du wirst ewig leben.‘ Magnus ließ alles zu, was er mit ihm tat. Er war so berauscht von seinen Gefühlen und es spielte keine Rolle. Er war ein göttliches Wesen mit sehr irdischen Bedürfnissen.

Am Ende spürte er den Schmerz am Hals und erstarrte zuerst vor Entsetzen, aber die einsetzende Erregung, während der andere saugte, entspannte ihn wieder. Als Magnus dann im Sterben lag, drückte der Gott dessen Mund an seinen blutenden Hals und der Sterbliche trank. Immer gieriger, und solange stürmten uralte Bilder auf Magnus ein. Von Tempeln in der Wüste, Gelagen und vergossenem Blut auf Steinfliesen. Der Sterbliche begriff, dass er ein Wesen der Nacht werden würde, dass die Sonne ihn töten konnte und dass er das Blut der Menschen trinken müsste. Er sog das ganze Wissen des Gottes in sich auf. Nachdem er Magnus von sich wegschob, fühlte dieser wieder den scharfen Schmerz und den starken Sog. Ab da wurde es dunkel um ihn.

Magnus erwachte in einer tiefen Felsspalte und schon das Herausklettern machte ihm seine neuen Kräfte deutlich. Mühelos erklomm er die steilen Felswände und oben angekommen erwartete ihn der Gott. Er hockte im Gras und stand auf, als er den Neugeborenen sah: „Willkommen in der Götterwelt, Magnus! Du bist noch schöner geworden. Fast überirdisch!" Er reichte ihm frische Kleider, denn Magnus war immer noch nackt und dann erklärte ihm sein Schöpfer noch mehr über sein neues Dasein. Er sagte auch, dass Magnus in der morgigen Nacht, sein erstes Opfer bräuchte. Leider verbrachte er nur eine kurze Zeit bei seinem Schöpfer Eskild. Der erklärte ihm, dass hier nur Platz für einen Gott war. Das sah Magnus ein und nachdem er ihm noch gezeigt hatte, was er als Neugeborener wissen sollte, verließ er notgedrungen seinen Schöpfer.

 

 So begann Magnus Reise durch Europa.

 

 

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