10. Kapitel

Im fensterlosen Pathologieraum war es finster. Weder die abendliche Sonne noch elektrische Lampen erhellten das Dunkel. So fiel Victor nicht weiter auf, dass die starren Augen sein Blickfeld sehr beeinträchtigten. Er hörte, wie sich dem Raum Schritte näherten. Dem Klang nach war es der Assistent. Vermutlich hatte ihn der Pathologe geschickt, um etwas zu holen. Die Tür ging auf und ein Lichtstrahl fiel in den Raum. Noch konnte er nicht erkennen, wer es war. Das Licht wurde angeschaltet und die Schritte erklangen erneut, sie kamen näher. Schließlich bestätigte sich seine Vermutung. Es war der Assistent, welcher nun in Victors Blickfeld trat. Er schaltete die Lampe neben dem Seziertisch an – und erschrak. Sein Blick war auf Victor gerichtet. Der konnte gar nicht verstehen, warum der Gehilfe des Pathologen sich so erschrocken hatte. Als sich der Assistent von seinem Schock erholt hatte, rannte er aus dem Raum und kam wenige Minuten später mit dem Gerichtsmediziner wieder. „Und seine Pupillen haben sich ganz sicher bewegt?“, fragte der Pathologe. „Ja, ganz sicher“, antwortete ihm sein Assistent. „Als ich das Licht am Tisch angeschaltet habe, sind seine Pupillen kleiner geworden. Sehen Sie doch selbst.“ Und er machte die Lampe aus. Als er sie gleich darauf wieder anschaltete, konnte auch der Pathologe die sich verkleinernden Pupillen sehen. Der wiederholte das Experiment noch einmal und stellte dann fest: „Also ist Victor Sander nicht tot. Trotz der Fehlentscheidung der Kollegen kann ich es ihnen nicht verübeln. Schließlich sprach so viel dafür.“ Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Wir sollten auf jeden Fall Herrn Greidt informieren. Herr Sander muss wieder in einen beheizten Raum. Vielleicht taut er doch wieder auf. Und der Arzt sollte seine Gehirnströme messen. Möglicherweise bekommt er so etwas heraus.“

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