11. Angst

Knapp eine Woche hörte ich nicht von Samuel. Was mich dazu brachte, mich voll in die Arbeit hineinzustürzen.
Ich hatte es sogar so weit gebracht, dass ich den Kunden überredet hatte, uns eine weitere Chance zu geben. Heute am Freitagmorgen hatten wir den Termin mit Bravur bestanden. Der Kunde war zufrieden und der Vertrag unterzeichnet. Mark war überglücklich und lobte mich in den höchsten Tönen.
Ich wäre sicherlich auch vor Erleichterung geplatzt, doch komischerweise interessierte es mich nicht im geringsten. All meine Gedanken kreisten nur um ein Thema.
Samuel.
Würde ich ihn je wiedersehen? Hatte ich mich mit der Aktion hinauskatapultiert oder war es Ian, der Sam von mir fernhielt?
Kathy und ich hatten uns zwei Mal zum Frühstück getroffen. Die restliche Zeit vergrub ich mich auch zu Hause in Arbeit, in der Hoffnung schnell alles zu vergessen. Doch nun sah es leider für das kommende Wochenende düster aus. Die Berge an Arbeit waren abgearbeitet und keiner der Mädels noch Mark hatten Zeit, was bedrohlich nach einem Heulanfall und einem Eisbecher schrie.
So schlenderte ich Freitagsabends alleine um den See und versuchte mit aller Gewalt das Kopfkino zu vermeiden das sich mir immer wieder in den Sinn drängte. Sam mit einer anderen Frau, Sam wie er mit Ian über mich lästerte. Obwohl ich kaum glauben konnte, dass er ein Mann war, der über jemanden lästern würde. Andererseits, was wusste ich schon über ihn? Er war noch immer ein Fremder. Ein Fremder mit dem ich Dinge getan hatte, die ich vorher nicht zu träumen gewagt hatte.
Früher hatte ich aktiv die Einsamkeit gesucht, heute ertrug ich die Stille kaum, die Gedanken und die Emotion. Ich brauchte Beschäftigung, Ablenkung oder besser.
Sam.
Andererseits würde ich den Teufel tun und nochmal zu dieser Fabrik zu fahren. Mittlerweile war ich mir sogar sicher, dass dieser Ian der Grund für das Ausbleiben seiner Besuche war.
Mein Nachbar Veit hatte sich auch nicht mehr blicken lassen. Was unglaublich typisch für den Mann war! In einem Augenblick keimte in mir die Hoffnung auf, es ging vornan, im nächsten wurde er vom Erdboden verschluckt.

Ich atmete die frische Luft ein. Es war bereits die achte Runde, die ich um den See lief, wodurch langsam meine Beine begannen zu schmerzen. Ich entschied noch ein Stück den angrenzenden Waldweg hinabzulaufen und dann umzukehren. Durch die Bewegung, die Dunkelheit und Luft, stellte sich eine Leiche Müdigkeit ein, die ich vielleicht nutzen konnte.
Die Hoffnung Samuel wieder überraschenderweise in meinem Haus anzutreffen war bereits vor Tagen gestorben. Wahrscheinlich würde mir allein die süße Erinnerung an unser kurzes Intermezzo bleiben.
Ich trottete über den Pfad tiefer in den Wald hinein. An einer lichten Stelle konnte ich eine bekannte Lichtung erkennen, an der ich des Öfteren vorbeigegangen war. Aus Neugier entschied ich mich diesmal, mich auf diese zu begeben. Die Wiese wirkte saftig und weich, weshalb ich mich einfach mal in sie legte.
Ich starrte zu den Baumgipfeln, durch einige der wenigen Lücken konnte man den bereits dunklerwerdenden Abendhimmel bewundern. Die Blätter wehten im leichten Wind, der mir warm um die Nase hauchte.
Es dauerte kaum eine halbe Stunde und aus dem leichten Blau wurde ein tiefes Dunkelblau, das ins Schwarz überging. Die Sonne hatte sich mit dem Mond abgewechselt, dessen Schein nun durch das Blätterdach auf mich niederfiel. Die Blätter tänzelten weiter im kühler werdenden Wind, was mich zum Frösteln brachte. So etwas Schönes hatte ich selten erlebt. Ein Dauergrinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. Genau nach solch einem Frieden hatte ich mich gesehnt.
Ein brechender Ast riss mich schließlich in die Realität zurück. Ich kam leicht hoch und erblickte kaum zwei Meter vor mir einen weißen Wolf. Mein Körper erstarrte in der Position, er war gewaltig ... und wunderschön im schimmernden Mondschein. Er wirkte sogar größer als der Wolf vom See.
Was sollte ich tun? Wie verhielt man sich gegenüber Wölfen? Ich durfte nicht zu unterwürfig wirken, aber auch nicht zu aggressiv, also was tat man?
Seine eisblauen Augen hatten mich fest im Visier. Sie folgten jeder Bewegung, die ich wagte. Ich begann leicht zu zittern, Adrenalin schoss durch meine Venen. Er rümpfte sichtlich seine Nase, also roch er es.
Meine Angst.
Hier weiter zu sitzen war keine Option, er würde sich nur bedroht fühlen. Also wie schaffte ich es, ohne zu laufen und ohne mich zu bewegen, schnellstens von ihm fortzukommen? Mein Herz bebte. Ein Baum war auch nicht in direkter Nähe. Ich Idiot, was machte ich auch nach Einbruch der Nacht im Wald!
Langsam kam er näher, ich stellte ein Bein auf, worauf er knurrte. Keine gute Idee, ich verharrte in meiner unangenehmen Position.
Warum nahm das Vieh nicht Reißaus! Wölfe sollten scheu sein, doch das war definitiv verhaltensauffällig. Falls ich lebend aus dem Schlamassel rauskam, musste ich unbedingt den Jäger der Region kontaktieren, andererseits war ich im Revier des Wolfs und hätte es wohl besser wissen sollen. Hinter ihm tauchten drei weitere Wölfe auf.
„Ich bin erledigt“, stellte ich fest. Einen von ihnen erkannte ich gleich. Es war der Wolf vom Steg. Anmutig und mit einer lässigen Gelassenheit ging er einen Bogen um einen Busch und gesellte sich neben seinen Weißen Freund. Generell war ein Weißer Wolf in der Region ungewöhnlich. Er war nicht gerade unauffällig in einem so farbenfrohen Wald ...
Als der Weiße sich in Bewegung setzte, bekam ich es mit der Panik zu tun, er umrundete mich, hielt dabei den Kopf nah am Boden. Weshalb mein Herz raste und ich an Schweißausbrüchen litt. „Super.“ Einer der drei weiteren Wölfe mit klaren blauen Augen und Nachtschwarzem Fell kam langsam näher, die anderen beiden in verschiedenen Brauntönen blieben an Ort und Stelle. „Oh bitte, bitte, tu mir das nicht auch noch an“, flehte ich zum Himmel. „Was hab ich dir nur getan?“ Mit einem Ruck setzte ich mich auf, weshalb alle vier zuckten. Die Angst ließ mich leichtsinnig werden.
Mein bekannter Wolf trat näher, den Kopf gesengt, fixierte er mich.
„Braver Wolf.“ Ich nickte zustimmend. „Alles ist gut,wir sind Freunde, weißt du noch? Wo bleibt das blöde Reh, wenn man es braucht ...“ Ich nickte weiter und versuchte auf die Töle einzureden. Langsam wurde ich hysterisch. Mein Bauchgefühl schrie und meine Nackenhaare stellten ich auf. Dass ich den Weißen immer wieder aus dem Sichtfeld verlor, machte mich wahnsinnig.
„Hier muss niemand gefressen werden.“ Der zweite Braune Wolf, dessen Augen so schwarz wie die Nacht wirkten, begann zu knurren. „Alles gut!“ Ich hob die Hände. Was wieder den Weißen zum knurren brachte. „Herrgott.“ Ich grinste bei meinen Worten und das Bild des freundlichen Eindringlings aufrechtzuerhalten.
Doch meine Taktik ging nicht auf, Schwarzauges Knurren wurde aggressiver und tiefer, er machte einen Satz nach vorne.
„Scheiße!“, schrie ich vor Schreck und hielt die Hände schützend vor mir. Doch er war nicht weiter gegangen, hatte scheinbar seinen Angriff nur angetäuscht. Wie es schien, war es auch noch ein Mistvieh!
Der einzige Wolf, der entspannt wirkte, war der Weiße. Er zog wie ein Hai Runde um Runde und dennoch schien er ... amüsiert? Der Wolf vom Steg stand mir am nächsten, er schien aufgeplustert, angriffsbereit. Als sein Freund mit den dunklen Augen einen Schritt näher trat, begann auch er zu knurren. Also ging der Futterneid wohl los ...
„Ich schmecke furchtbar, nur mal so am Rande.“ Er schnappte nach Schwarzauge, der sich wieder ein wenig entfernte. Ich hatte die beiden so im Visier, dass ich die anderen beiden fast vergessen hatte. Erst etwas Kaltes an meinem Ellenbogen ließ es mich realisieren und gleichzeitig aufschreien, wodurch sie wieder zusammenzuckten.
„Hau ab!“ Ich warf die Arme über den Kopf und sah den schwarzen Wolf böse an. Seine Ohren standen weit hoch, sein Blick war erstaunt. Er war neugierig!
„Böser Wolf!“ Wieso redete ich mit dem Vieh!? Der Schwarze verschwand nicht, er setzte sich neben mich und sah mich an. Das Vieh traute sich was! Seine Reaktion und auch sein Verhalten erklärten sich mir nicht. So verhielt sich kein Wolf, nicht wenn er noch ganz bei Trost war.
„Braver Wolf.“ Ich grinste nett und was tat er? Er zwinkerte mir zu. Baggerte er sein Essen an? Ich konnte nicht anders als in ungläubig anzustarren. Konnten das Wölfe? War es Absicht?
„Das glaub ich nicht, ich dreh durch, so muss es sein.“ Der Schwarze legte den Kopf schief, hätte ich nur einen Ball dabei! Ich blickte mich um, mir viel fast die Farbe aus dem Gesicht. Der Weiße war verschwunden, die anderen beiden ebenfalls, was blieb, war der Charmbolzen vor mir.
Ich schluckte schwer und blickte zurück zu dem Wolf der vielleicht ein zucken von mir entfernt saß. Sein Kopf immer noch schief sah er mir direkt in die Augen. Seine blauen Augen wirkten wissen, fast menschlich.
Als ich ihm so in die Augen blickte, beruhigte sich mein Herz und auch mein Körper schien hinabzufahren. Je länger ich sie betrachtete, desto stiller wurde ich. Es tauchte sogar ein bekanntes Gefühl auf. Der Dunst. Er hüllte mich langsam ein, bis ich nichts mehr spürte, nichts mehr dachte. Ich war einfach nur da.
Einen Wimpernschlag später, war alles wie weggeblasen, ich schüttelte mich und rieb mir die Augen. Dann sah ich auf, doch der Wolf war fort. So schnell wie er verschwand, verschwand auch der Dunst.
Hatte ich einen Nervenzusammenbruch erlitten? Einen Anfall? Was war geschehen? Und wieso ließen sie einfach so ab? Was auch immer es war, ich nahm augenblicklich die Beine in die Hand.
Schnellen Schrittes lief ich zum Weg und auf dem direkten Wege nach Hause. So blitzartig war ich wahrscheinlich in meinem ganzen Leben noch nie gelaufen, so gescheind, wie ich meine Veranda erreichte.
Auf dieser erwartete mich schon Veit. Ohne Nachtzudenken sprintete ich ihm in die Arme.
„Gott sei Dank!“ Ich presste ihn fest an mich, ob mir der Dunst noch das Hirn vernebelte?
Mein Puls war erneut auch hundertachtzig.
„So werde ich selten begrüßt.“ Ich ließ von ihm ab.
„Entschuldige.“ Seine Augen wurden schmaler.
„Was ist passiert?“
„Wein. Dann Reden.“ Ich ging mit großen Augen an ihm vorbei, war ich je in meinem Leben einer solchen Gefahr ausgesetzt gewesen? Ich wanderte in die Küche, nahm ein Glas, eine Flasche Wein und ein Bier. Dann ließ mich auf das Sofa fallen. Er folgte mir mit einer besorgten Mine.
Ich reichte ihm die Flasche.
„Danke ... also?“ Ich rieb mir das Gesicht, öffnete dann die Flasche und schenkte mir großzügig ein. Dann nahm ich drei große Schlücke und atmete durch.
„Ich bin spazieren gegangen“, begann ich aufgelöst.
„Oh.“ Ein breites Grinsen bildete sich. „Wie schrecklich.“ Ich schlug ihm auf den Arm.
„Ja grausam.“
„Spaß bei Seite. Was hat dich so erschreckt, dass du bleich wie ein Geist wirst?“ Ich tätschelte mein Gesicht, war ich wirklich vor schreck weiß geworden? Ich sah kontrollierend zur Verandatür um mich zu versichern, dass sie auch ja zu war. Hatte ich Angst sie könnten wiederkommen? Eine Angst, die sowohl unbegründet alss auch unsinnig war.
„Ich war leichtsinnig. Befand mich bei Dunkelheit auf der Lichtung hier in der Nähe und habe nicht aufgepasst.“ Er legte eine Hand auf meine, da er wohl gesehen haben musste, dass sie zu zittern begann. Wieso hatte ich nun so eine Angst? War es der Nachhall der Panik, die ich eben noch empfunden hatte?
„Es tauchten Wölfe auf.“
„Wie viele?“
„Es waren vier. Sie ... sie hatten keine Angst, einer saß sogar genau vor mir!“ Er nickte und drückte meine Hand.
„Das ist nicht gut. Ich werde das melden. Nida tu mir einen Gefallen und geh erstmal nicht mehr tiefer in den Wald hinein.“ Ich nickte, er hatte recht. Das nächste Mal würde ich vielleicht nicht so glimpflich davonkommen und als Wolfsfutter enden.
„Es war nicht die erste Begegnung“, gestand ich. Seine Lippen pressten sich zusammen. War er wütend? Doch nicht auf mich? Hatte ich etwas Falsches gesagt.
„Wann?“
„Am See vor ein paar Tagen, einer von ihnen stand am Anfang des Stegs ...“
„Weiter?“
„Nun ja, ich hatte weniger Angst und mehr einen ... im Tee.“ Er grinste knapp.
„Wie sah er aus?“
„Willst du ihn erschießen?“ Etwas in mir hatte Angst, er könnte es selbst in die Hand nehmen. Vielleicht war er Jäger von Beruf? Dienstleistung. Könnte hinkommen, als Hüter des Waldes sorgte er für unsere Sicherheit. Oder nicht?
„Vielleicht habe ich ihn auch schon einmal gesehen.“
„Er war riesig, so riesig habe ich sie nie zuvor gesehen. Sein Fell war mit hellen Brauntönen durchzogen. Seine Augen hatten ein sattes Grün, ein wirklich schönes Grün sogar. Groß, kräftig und angsteinflößend halt. Ich habe keine Ahnung wie ich ihn besser beschreiben soll.“
„Das reicht schon.“ Mir vielen die Augen des schwarzen Wolfs ein. Wie sie mich hypnotisierten und schließlich in den Dunst einhüllten. Konnte man das sagen? Würde er mir glauben? Ich an seiner Stelle würde mich für verrückt halten.
„Da ist noch was“, stellte er fest. Ich schluckte schwer. Sollte ich es ihm sagen?
„Der schwarze Wolf auf der Lichtung, der der mir am nächsten kam. Er hatte ...“
„Ja?“ Seine Hand legte sich auf meinen Nacken. Die Berührung brachte mich aus dem Konzept, ebenfalls gab sie mir ein Gefühl von Sicherheit. Ein Gefühl das ich zu brauchen schien.
„Diese Augen. Es hört sich verrückt an, aber seine Augen waren hypnotisierend. Als würden sie mich Bannen. Plötzlich hatte ich weder Angst noch Panik, da war einfach ... Ruhe und dann im nächsten Moment war er verschwunden.“ Ich blickte ihm tief in die Augen, suchte nach der Wahrheit das er mich für verrückt hielt doch kommischerweise, tat er das nicht. Sein leichtes Grinsen wirkte aufmunternd und sein führsorglicher Blick gab mir Vertrauen.
„Es war dein Körper.“
„Mein Körper?“
„Dein Körper war einer massiven Belastung ausgesetzt. Die Angst, die Panik, die Notsituation hat dich instinktiv reagieren lassen.“
„Das soll instinktiv sein?“
„Ob du es glaubst oder nicht. Todstellen bringt bei den meisten Arten etwas. Das Herz beruhigt sich, dein System fährt runter und die Tiere verlieren das Interesse.“ Ich nickte zustimmend, denn es ergab Sinn. Sie hatten nicht hungrig gewirkt, nur interessiert. Vielleicht war ich deswegen heil aus der Sache ausgekommen.
Veit löste sich von mir und stand auf. Er nahm etwas aus der Hosentasche und setzte sich wieder neben mich.
„Hier?“
„Was ist das?“ Es war ein fester Gegenstand eingehüllt in ein feines Tuch.
„Nimm es immer mit, es wird dir helfen, beim nächsten Mal die Kontrolle zu behalten.“ Ich entfernte den Stoff und ließ den Gegenstand in meine Handfläche fallen. Kaltes Metall legte sich in meine Hand. Es war ein Klappmesser mit weißschimmerndem Griff.
„Ein Messer?“ Ich sah Veit fragend an. Was sollte mir eine Klinge gegen einen ausgewachsenen Wolf bringen?
„Glaub mir, es hilft. Allein schon die Gewissheit es dabeizuhaben wird dich nicht erneut in so eine Situation bringen. Versprich mir nur es immer dabei zu haben.“ Ich nickte. Er nahm das kalte Metall aus meiner Hand uns klappte es auf. Das Messer spiegelte das Licht, es war ein außergewöhnlich schönes Exemplar mit Gravur auf der Klinge. Dass gerade ein Messer das erste Geschenk von Veit an mich war, war irgendwie merkwürdig. Wieso lief man mit einem Silbermesser in der Tasche herum? Es ist ja nicht so, das man jeden Tag einem Wolf begegnet. „Wenn du wieder einem von ihnen begegnen solltest, mach die groß und schrei. Das vertreibt sie, wenn nicht, nimm das Messer.“
„Das hilft.“
„Das hilft, versprochen.“ Ich grinste. Er wusste wohl, wovon er sprach.
„Danke.“
„Immer gern.“ Eine kurze stille entstand in dem wir und nur ansahen. Ein prickelnder Moment, in dem mein Bauch voller Schmetterlinge schien. War es nun endlich so weit? Doch aus irgendeinem Grund konnte ich nicht weiter die Klappe halten.
„Du scheinst aus Erfahrung zu sprechen.“
„Die ein oder andere durfte ich sammeln und glaub mir, sie liefen nicht alle gut. Diese Tiere sind gefährlich, wenn sie können, töten sie dich.“ Ich schluckte schwer und nickte nachdenklich. Denn auch wenn ich diesmal davongekommen war, kam es der Nächste vielleicht nicht und nicht alle hatten einen Mann wie Veit an ihrer Seite. Ich fühlte mich um einiges sicherer als er mir das Messer zurück in die Hand legte. Seine Geste hatte etwas Vertrautes und Liebevolles, was mir warm ums Herz werden ließ.

Den restlichen Abend blieb Veit bei mir, es war gut zu wissen, das er da war. Aus irgendeinem Grund hatte ich das Gefühl, ich würde mich fürchten, auch wenn Wölfe keinen Türen öffnen konnten.
Unser zusammen sein lief ruhig und gemütlich, wir plauderten bei Kerzenschein, lernten uns das erste Mal so richtig kennen. Mit jeder Geschichte, die er erzählte, sprang ich weiter auf den Zug Veit auf.
Er erzählte von seiner Familie, seiner Kindheit, doch seinen Job ließ er außen vor. Wenn er ihm unangenehm war, würde ich ihm Zeit geben mir vertrauen zu schenken. Ich konnte nicht sagen, wann ich das letzt Mal so viel gelacht hatte. Veit war ein unglaublich humorvoller Mensch, eine Eigenschaft, die ich sehr an ihm schätzte. So passierte es, dass der Zwischenfall schnell vergessen war und nur noch das hier und jetzt existierte. Er redete über seine Leidenschaft, dass er die Natur liebte und auch sehr gern reiste. Dass dieses Gebiet sein Rückzugsort sei und er froh ist, eine solche Nachbarin wie mich erhalten zu haben.
Als wieder ein angenehmes prickelndes Schweigen eintrat, war es nicht ich die den Moment zerstörte, leider auch nicht er, denn es war sein Handy, dass um zwei Uhr in der Nacht zu klingeln begann. Schnaubend sah er auf den Display.
„Es tut mir leid. Die Arbeit ruft.“ Damit erhob er sich. Ich konnte kaum fassen, wie schnell der Moment schon wieder vorbei war.
„Danke das du bei mir warst.“
„Ich hoffe, wir können das wiederholen.“ Grinsen begilt ich ihn zur Tür. Man bemerkte seinen Widerwillen. Ich öffnete die Tür, er ging einen Schritt und blieb dann in der Tür stehen. Er wendete sich zu mir. Am liebsten hätte ich mich unter seinem Blick gewunden, denn das Feuer in ihnen, blieb nicht unbemerkt.
„Na dann.“ Meine Wangen brannten.
„Na dann“, wiederholte er. „Bis bald Nida.“ Er packte mir in den Nacken und zog mich an sich. Es ging so schnell, dass ich gar nicht vorbereitet war, auf den Moment wo sich unsere Lippen trafen. Er schmeckte rauchig und süß zugleich, auch ein wenig nach Bier, was nichts Unangenehmes war. Sein Kuss war warm und weich, nicht zu vergleichen mit Samuels Kuss. Es war der Gedanke, der den Moment zerstörte. Er bemerkte mein Sinneswandel. Weshalb er sich von mir löste.
„Entschuldige.“
„Nein! Oh Gott ich muss mich entschuldigen. Ich will nur nicht, dass es zu schnell geht“, versuchte ich zu erklären. Sein Grinsen wurde breiter.
„Natürlich, weil wir ja bisher so rasant vorgegangen sind.“ Ich boxte ihn leicht auf die Brust.
„Du weißt, was ich meine.“
„Gute Nacht Nida.“ Er gab mir noch einen Kuss auf die Wange und wendete sich dann ab.
Ich blieb wie angewurzelt stehen, hatte ich Veit wirklich für Samuel vor den Kopf gestoßen? Einen Mann, der mehr zu mir passte als alle andere? Ich schnaubte und schloss die Tür.
Mein Liebesleben war eine Katastrophe! Was hatte ich nur getan!? Das konnte nicht mein Ernst sein! Der Mann war ein Traum und ich hing an einem Verrücken fest? Ich musste irre sein. Grummelnd stampfte ich hoch. Ging gleich ins Bett. Weitere Dramen konnte einfach ich nicht ertragen.

Um zehn erwachte ich aus meinem Dornröschenschlaf. Ausgeruht war etwas anderes, ich fühlte mich eher wie ein alter vergammelter Zombie. Innerlich tobten meine Gefühle noch immer. Ich war unsicher und verwirrt. Wieso? Wegen Veit?
Mit wackligen Beinen stand ich auf. Ich war so bedeppert, dass ich nach einem Kaffee dürstete. Er würde mich wieder auf die Beine bekommen.
Die Treppe wurde zum Hürdenlauf. Unten mit festem Stand angekommen, sah ich mich um. Ein vertrauter leerer Anblick.
Ich ging in die Küche und setzte Kaffee auf, danach begab ich mich ins Bad und machte mich annährend für mich selbst ertragbar.
Der Kaffe Geruch drang unter die Tür hindurch. Mir lief das Wasser im Mund zusammen, weshalb ich in die Küche stürmte. Einen Moment lang hatte ich den Gedanken etwas gesehen zu haben, doch so schnell er kam, verflog er auch wieder. Geschmeidig schnappte ich mir eine Tasse und ließ das flüssige Gold hineinfließen. Ein Schluck Milch dazu und es war getan. Besser als der Kuss deines Prinzen! Ein großzügiger Schluck ließ mich husten. Ich versuchte nach Atem zu ringen, der Kaffe wollte wohl mehrere Wege hinab probieren, was meine Lunge nicht so prickelnd empfand. Ich ging mit der Tasse zurück.
„Kaffee?“ Ich deutete auf die Tasse, bekam aber nur einen bösen Blick von Samuel. Was hatte ich nun wieder angestellt? „Dann nicht.“ Ich setzte mich auf die Couch und sah ihn an, während ich mir mein Kaffee an die Nase hielt.
„Wer ist es?“
„Wer ist wer?“
„Der Mann, der gestern hier war.“ Woher zum Teufel wusste er davon? Ich blickte in meinen Kaffee, was sollte ich auch sagen. Ich wurde Rot. Wie viel hatte er gesehen?
„Nida“, knurrte er.
„Mein Nachbar!“ Ich sah ihn an, seine Verärgerung ließ seinen Venen hervortreten. Wieso war er so sauer darüber?
„Dein Nachbar?“
„Ja.“
„Für, wie blöd hältst du mich?“ War ich jetzt die Böse? Beim letzten Mal lief der Spieß noch andersherum!
Ich stand auf, Sam war in Sekundenschnelle bei mir und packte mich am Hals. Aus Schreck ließ ich den Kaffee fallen, die Tasse zersprang und die braune Suppe ergoss sich über meinen teuren Teppich. Es wurde immer kostspieliger mit diesem Mann zusammen zu sein!
„Halte mich nicht für blöd Nida, was hast du mit ihm?“ Ich begam es mit der Angst zu tun, es war längst nicht mehr witzig.
„Er hat mich geküsst, mehr war da nicht.“ Seine Kiefer pressten sich aufeinander. Würde er wieder verschwinden? Diesmal wahrscheinlich für immer.
Er knurrte und küsste mich. Ich verstand es einfach nicht. Verstand nicht, wieso er reagierte, wie er reagierte. Der Kuss war beherrschend, dabei drückte er mich zurück, sodass ich mit ihm auf der Couch landete. Wollte er mir nun zeigen, wem ich gehörte?
Sein Kuss war fordernd, willig mir mal wieder seinen Willen aufzudrängen. Ein hoch darauf, dass ich vorher im Bad gewesen war!
Seine Hände ließen keine Zeit zu verschnaufen, sie legten sich unter mein Top und mit einer fließenden Bewegung war ich es los. Es war wohl mal wieder so weit. Er eilte gleich zum nächsten Teil, der BH und die Pantys flogen hinterher. Danach war er dran.
Ohne dass er mich ran ließ, schmiss er sein T-Shirt fort und öffnete seine Hose. Mein Körper begann zu prickeln, allerdings war mir das Ganze etwas zu schnell.
Alles an ihm signalisierte Mal wieder Sex, weshalb ich so schnell aufheizte, wie er mal wieder aufgetaucht war. Vor Erregung bewegte mein Körper sich unter ihm. Ich konnte es kaum mehr erwarten, zu lange war es schon her.
Er kam hinab und presste seine Lippen auf meine. Kaum zu glauben, dass dieser Mann mich erst nicht küssen wollte!
Seine Hose war fort, nun war mein Slip an der Reihe. Diesmal verschonte er ihn und zog ihn fort. Meine Hände wanderten zu seinem Rücken und packten zu. Es gab mir Halt.
Er knurrte an meine Lippen, das Vibrieren in seiner Brust lies mich aufstöhnen. Der Mann machte mich wahnsinnig! Ich war sein Spielzeug, er hätte alles mit mir tun können, wenn er mich einmal aufgeheizt hatte.
Er ergriff mein Handgelenk und legte er es über meinen Kopf. Das Gleiche machte er mit dem anderen. Nicht schon wieder, schrie es in mir. Er hielt meine Hände mit einer Hand fest. Ein Seufzen entglitt mir, was ihm zum Grinsen brachte.
„Hast du mich vermisst?“ Ich leckte ihm als Antwort über die Lippen. Dann stieß er zu, weshalb ich einen Aufschrei unterdrücken musste.
„Sie mich an Needy.“ Ich öffnete die Augen. Tat was er verlangte und fand völlige Begierde. Dann begann er mit deinen rhythmischen Stößen, denen ein Seufzen folgte. Wie sehr ich ihn vermisst hatte? Was glaubte er wohl! ich war fast wahnsinnig geworden.
„Sam!“, flehte ich und wollte ihn damit bremsen. Ich hielt es kaum noch aus, dabei hatten wir gerade erst angefangen! Er wurde schneller, was es nicht verbesserte.
„Sam bitte!“ Ich wollte, dass es länger dauern würde, es durfte nicht so schnell enden. Es interessierte ihn nicht.
Er spreizte meine Beine bis zum Anschlag. Er wollte, dass ich kam, genau jetzt. Ein Wunsch, den ich ungewollt und umgehend erfüllte.
Ich bäumte mich unter ihm auf, reckte den Kopf zurück und schloss die Augen. Ein Schmerz zog sich blitzschnell durch meinen Körper und ich schrie auf. Hatte er mich gebissen? Ich konnte es nicht genau sagen.
Ein Brennen fuhr meinen Hals hinab, was meinen ganzen Körper nach und nach einhüllte. Es ließ so schnell nach, wie es kam, augenblicklich danach kam ich. Laut und heftig.
Gefühlte Minuten zog er es hin, bis ich unter ihm zusammenbrach. Ich konnte kaum glauben, wie schnell es gegangen war. Weniger als ein paar Minuten, mehr nicht. Wie hatte er mich so schnell stimulieren können?
Sam löste sich von mir und setzte sich hin. Meine Beine legte er über seine. Ich sah zu ihm auf, er atmete schwer. Sein Blick lag auf meinen Beinen. Woran er wohl dachte? Er sah sehr nachdenklich aus.
Sein Daumen fuhr über meine weiche Haut, es fühlte sich fantastisch an. Diese eigentlich belanglose Berührung brachte mich zum Grinsen. Ich versuchte deinen Blick zu deuten, er sah nicht glücklich aus.
Wie konnte er? Nachdem was wir grad erlebten. Eine Idee flackerte in mir auf, einen Augenblick später saß ich Rittlinks auf ihm. Er sah mich an, es gefiel im gar nicht. Ich wusste es! Er Mann liebte es, die Kontrolle zu haben. Ob ihn je eine Frau so genommen hatte?
„Needy runter.“
„Noup.“ Ich drückte ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Du gehst zu weit.“ Sein Ausdruck wurde kälter, seine Augen eisig.
„Glaube ich nicht.“ Er bekam noch einen Kuss. Ich liebte es, ihn zu necken. Zu spüren, wie sich seine Muskeln anspannten und sein Griff um meine Hüften fester wurde.
„Ich werde dich runterschmeißen“, drohte er.
„Und ich werde dich reiten wie einen Bullen“, hauchte ich an seine Lippen. Sein Blick veränderte sich, es reizte ihn. Er sagte nichts, er blinzelte nur zwei Mal mehr, es wirkte, als kämpfte er mit sich selbst.
Mit einem Ruck setzte er mich auf sein Glied, es fühlte sich Fantastich an. Ohne weiter zu zögern, begann ich damit ihn zu nehmen, wie er es so oft mit mir getan hatte. Erst langsam dann immer schneller. Diesmal hatte ich die Oberhand. Ich konnte genau sehen, wie er unter mir süße Qualen litt. Seine Hände blieben auf meiner Hüfte und hielten mich. Ich stöhnte an seine Lippen und beobachtet ihn dabei genau, wie er auf jeden einzelnen Ton reagierte.
Ein Prickeln breitete sich aus, ich konnte verstehen, was er daran so liebte. Meine Finger glitten in sein Haar und pressten ihn näher an mich. Mein Blick lag fest auf ihm, als ich bemerkte, wie sich die Situation endlich auch für ihn zuspitzte.
„Komm für mich“, hauchte ich an seine Lippen und biss sie neckend. Sein Griff wurde fester, er riss den Kopf in den Nacken. Ich konnte es kaum glauben, als er wirklich kam. Ich ritt ihn weiter, um zu sehen, wie er darauf regieren würde. Süße Qualen breiteten sich auf seinem Gesicht aus. Er wollte es an meinem Hals verstecken. Ich ließ ihn nicht. Jeder Ausdruck, der in verließ, war für mich. Dafür hatte ich immerhin gearbeitet.
Ruckartig änderte sich die Situation, trotz das ich auf ihm saß übernahm er die Führung. Seine Hände begannen, mich auf und ab zu bewegen. Er blickte mir genau in die Augen, jetzt war ich wohl dran.
Er drängte sich kräftig in mich und hüllte mich aus. Wieso war der Mann so groß? Ich stöhnte leidenschaftlich auf, gleich wäre es so weit. Meine Hände in sein Fleisch gebohrt. Ich wollte ihn, ich wollte ihn so sehr, dass es schon schmerzte.
Die ganze Woche hatte ich ihn vermisst, selbst der Kuss hatte mich nicht gereizt, weil ich ihn wollte. Diesen dummen, eigensinnigen Mann. Ich schmiss den Kopf in den Nacken und genoss jede weitere Sekunde. Als ein elektrischer Impuls das Feuer entfachte, küsste ich ihn. Heiß und innig presste ich mich an ihn. Ich wollte ihn ganz für mich! Keine halben Sachen mehr, dieser Mann sollte mir gehören! Ich schrie auf als ein weitere Welle auf mich einbrach. Zittern genoss ich jeden Funken, bis ich kraftlos auf ihm zusammensank.

Ich verschwand kurzzeitig ins Bad, um mich herzurichten. Ich sah schrecklich fertig aus. Eine böse Nebenwirkung, wenn Samuel bei mir war. Ich hoffte, er würde nicht verschwinden und beeilte mich. Ich warf mir meinen kuschligen Bademantel über und ging zurück ins Wohnzimmer. Sam stand am Schrank und hatte etwas in der Hand. Ich konnte nicht sehen, was genau es war.
„Samuel?“
„Wie lange besitzt du es?“ Ich ging zu ihm hinüber. Es war das silberne Messer, das leicht in das Tuch eingewickelt war.
Er blickte mich an, eiskalt. Was zur Hölle war nur mit diesem Mann los? Er musste eine Persönlichkeitsstörung haben. Ihn durfte man keine Sekunde aus den Augen lassen!
„Wieso ist das wichtig?“ Sein Mund verzog sich zu etwas wie einem Grinsen, eine schreckliche Fratze ergab es.
„Ist es für mich?“ Ich ging einen Schritt zurück.
„Nein.“ Er folgte mir.
„Hattest du vor, es zu benutzen?“
„Sam ich weiß nicht, was du von mir willst. Veit hat es mir gegeben, weil es hier gefährlich ist.“
„Gefährlich?“
„Ja, gefährlich. Würdest du dich für mehr interessieren als Sex, würdest du wissen, dass ich gestern in Gefahr war.“ Er lachte auf.
„Keine Sekunde lang“, presste er zwischen zusammengepressten Kiefer hervor. Woher wollte er das wissen?
„Ich bitte dich, ich wurde von Wölfen umkreist. Ich glaube, ich kann gut beurteilen, wann ich in Gefahr bin! Veit will mich schützen.“
„Du verteidigst den Jäger? Du nimmst ihn in Schutz?“ Seine Augen veränderten sich. Mein Herz raste, nicht auf die schöne Weise. Also war Veit Jäger und Samuel? Tierschutzaktivist?
„Samuel du machst mir angst.“ Mit einem Ruck knallte er mich gegen die Scheibe der Verandatür.
„Die solltest du auch haben, Needy. Finde ich ihn noch einmal bei dir vor, werdet ihr beide die Konsequenzen tragen.“ Damit löste er sich von mir und ging zur Tür hinaus. Ich brach in stillen Tränen aus, es war nicht aufzuhalten. Was war er für ein Psychopath? Das Stück Metall hatte er mitgenommen. Wie konnte er nur so grausam sein, nachdem was wir geteilt hatten? An der Scheibe ließ ich mich hinabgleiten. Womit hatte ich das verdient? Nur weil Veit sich sorgen machte. Die Kälte und Herzlosigkeit in Samuels Blick zeriss mich. Der Schmerz hüllte mich wie ein Kokon ein. Bis alles um mich herum dunkel wurde.
Stunden weinte ich, bis ich keine Tränen mehr hatte, die es zu vergießen gab. Erst dann hatte ich die Kraft aufzustehen und die Türen zu schließen. Ich legte mich auf die Couch. Schon wieder hatte er mein Herz erfüllt und es danach einfach zerbrochen.
Ich fragte mich, wie lange ich es ertragen konnte. Ich musste damit Schluss machen, die Augenblicke in denen wir zusammen waren, waren gut und schön. Doch wenn es bedeuten würde, dauert ein gebrochenes Herz davonzutragen, würde ich es nicht ertragen. Ich würde an diesem Mann zerbrechen. Jedes Mal ein kleines Stück mehr. Ich weinte trockene Tränen bis ich verletzt und ermüdet in den Schlaf viel.

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beta
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