11. Dezember

Fröhlich schlenderte Draco durch die Berufsschule. Der vorige Abend war noch viel erfolgreicher verlaufen, als er es erhofft hatte. Nicht nur war Miss Bennet ihm bereitwillig in seine Wohnung gefolgt, nein, sie hatte auch kein Problem damit gehabt, ihn bis ins Bett zu begleiten. Sicher, dass es einige Diskussion erfordert hatte, sie davon zu überzeugen, die Nacht nicht bei ihm zu verbringen, hatte ihn tatsächlich sehr genervt, aber rückblickend war das nur ein kleiner Wermutstropfen. Er hatte gestern Abend deutlich gespürt, wie lange er schon keinen Sex mehr gehabt hatte.

Er betrat gerade die Kantine, um seinem knurrenden Magen ein üppiges Mittagessen zuzuführen, da wurde er unerwartet von der Seite am Arm gepackt: "Dracooo! Ich habe dich ja so vermisst."

Entsetzt befreite er sich aus der Umarmung: "Miss Bennet! Was ist in Sie gefahren?", herrschte er die blonde Frau vor sich an.

"Warum denn so abweisend, Schatz?", fragte sie gurrend: "Heute Nacht haben wir uns doch so prächtig verstanden."

Mit aufgerissenen Augen blickte Draco sich um. Wenn einer von seinen Kollegen oder gar sein Chef diese Szene mitbekam, würde es ihm gewiss nicht gut ergehen. Glücklicherweise konnte er keinen von ihnen entdecken und die anwesenden Schüler schienen sich eher hinter vorgehaltener Hand über ihn zu unterhalten, als dass sie sich wirklich für das ungleiche Paar interessiert hätten. Nur eine blickte ihn stirnrunzelnd an: Hermine Granger. Natürlich, sie hatte ihn ja nicht nur ein Mal gewarnt, dass er sich nicht auf eine Schülerin einlassen sollte.

"Lydia!", flüsterte er so leise wie möglich: "Du kannst doch in der Öffentlichkeit nicht so mit mir reden!"

"Waaaas?", entgegnete diese ungläubig: "Aber warum denn? Zwei erwachsene Menschen können doch wohl eine Beziehung miteinander führen, ohne dass da was Schlimmes dran ist."

"Wir sind nicht einfach nur zwei erwachsene Menschen ...", setzte Draco zu einer Erklärung an, als ihm plötzlich etwas anderes auffiel: "Moment mal. Beziehung?"

"Wir sind doch jetzt zusammen, Schatz!", betonte Lydia freudig: "Und niemand kann uns das Recht darauf absprechen. Wir brechen hier kein Gesetz."

Draco spürte, wie ihm alle Farbe aus dem Gesicht wich, doch bevor er irgendetwas erwidern konnte, tauchte ein brauner Lockenschopf neben ihm auf und sagte laut: "Ein Gesetz sicherlich nicht, Lydia, da hast du Recht. Sie können ihn dafür zwar nicht verurteilen, aber es könnte ihn den Job kosten. Willst du, dass dein geliebter Draco wegen dir seinen Job verliert? Wenn du dich so öffentlich an ihn ran schmeißt, wird garantiert irgendein Vögelchen singen ..."

Zum ersten Mal in seinem Leben war Draco tatsächlich dankbar für die Anwesenheit für Hermine und für ihre sonst so unausstehlich besserwisserische Art. Er hoffte sehr, dass Lydia nach dieser Ansage einsehen würde, dass sie sich zurückhalten musste. Und später würde er einmal ein ernstes Wort über den Beziehungsstatus mit ihr führen müssen - denn zusammen waren sie seiner Ansicht nach garantiert nicht.

"Leb deine Eifersucht woanders aus!", maulte Lydia trotzig, doch sie ließ von Draco ab und trat auf gebührenden Abstand: "Wir sehen uns dann nachher im Unterricht, Professor. Ich geh mit meinen Mädels heute auswärts essen!"

Während er den wirbelnden blonden Haaren nachsah, setzte Hermine sich wieder an ihren Tisch, um ihr Mittagessen fortzusetzen. Nachdenklich schaute Draco zu ihr hinüber, doch selbst ihm war klar, dass ein Danke in dieser Situation angebracht war. So lässig wie möglich folgte er ihr, setzte sich an ihre Seite und legte beide Arme auf dem Tisch ab: "Danke, Granger. Wirklich."

"Ich habe Ihnen nichts zu sagen, Professor Malfoy."

"Oh, komm schon. Lass den Blödsinn. Du hast mir da gerade geholfen und ich weiß das wirklich zu schätzen", grummelte Draco verdrießlich. Mit erhobener Augenbraue schaute Hermine zu ihm auf: "Ganz ehrlich, Malfoy, deine Bettgeschichten interessieren mich kein Stück. Ich finde nur zufällig, dass du dich als Professor ganz gut machst, und ich wollte verhindern, dass dieses Blondchen deinen Rauswurf auslöst."

"Mir ist es völlig egal, warum du dich eingemischt hast", gab Draco zurück: "Es hat mir geholfen und dafür bin ich dir dankbar. Und ich will wirklich, wirklich gerne wieder zu unserem normalen Umgang zurückkehren."

Resigniert seufzte Hermine und legte ihre Gabel beiseite, um ihm ihre volle Aufmerksamkeit widmen zu können: "Schön, Malfoy, dann sag mir mal, was unser normaler Umgang ist."

Damit hatte er nicht gerechnet. Die Frage traf ihn plötzlich und unerwartet, ohne dass er eine Antwort darauf hätte. Sie hatte ja Recht, was war denn überhaupt normal zwischen ihnen? Unbehaglich zuckte er mit den Schultern: "Naja ... wir haben uns Samstag doch auch ganz zivilisiert unterhalten können, oder nicht?"

"Und das ist weiß Gott ein echtes Wunder!", lachte Hermine freudlos auf: "Du findest mich noch genauso abstoßend wie zu Schulzeiten, gib's doch zu. Was soll das Theater? Du musst dich nicht verstellen, nur weil du jetzt mein Professor bist. Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, was genau du von mir hältst."

Draco stutzte: "Wieso beharrst du eigentlich darauf, dass ich dir so abgeneigt bin? Wenn sich hier jemand abweisend verhält, dann bist du das."

"Oh bitte!", schoss Hermine genervt zurück: "Du magst ja vorne rum höflich und zuvorkommend sein, aber hinten rum bist du genau dasselbe Arsch, das ich von Hogwarts kenne. Ich brauche deine Höflichkeit nicht, wenn sie nur aus Herablassung besteht."

"Hinten rum?", hakte er verwirrt nach: "Du denkst, ich lästere hier mit irgendwem über dich? Sind wir hier im Kindergarten oder was? Ich bitte dich, das kann doch nicht dein Ernst sein."

Ehe sie sich zurück halten konnte, schoss die angestaute Frustration aus Hermine heraus: "Und was sollte das mit Lydia vorgestern dann? Sie sagt mehr oder weniger deutlich, dass sie mich für eine willige Nutte hält und alles, was dir dazu einfällt, ist zu sagen, dass ich die letzte Frau auf Erden wäre, an der du Interesse hättest. Wenn das deine Vorstellung von zivilisiertem Umgang ist, dann kann ich gut drauf verzichten!"

Endlich ging Draco ein Licht auf: Sie hatte seine Unterhaltung mit Lydia belauscht und war beleidigt abgezogen. Natürlich, er hatte sich wahrlich nicht freundlich über sie geäußert. Aber er hatte mit Lydia geflirtet, es war nur ein dahin gesagter Satz gewesen, um die blonde Schönheit für sich einzunehmen. Und überhaupt: "Warum nimmst du dir irgendetwas zu Herzen, was ich sage?"

"Keine Ahnung!", schrie sie ihn wütend und frustriert an: "Ich habe keine Ahnung, Malfoy, aber du hast eine richtig schöne Spitze gegen mich geschossen und der Stachel sitzt!"

Draco beschloss, dass es für den Augenblick das sinnvollste und sicherste war, den Rückzug anzutreten. Eine wütende Hermine Granger war zu allem in der Lage, das hatte er in Hogwarts nur zu gut gelernt. Er erhob sich langsam, murmelte noch eine leise Entschuldigung und ging eiligen Schrittes von dannen.

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