11. Kapitel

Victor dachte nach. Die Erkenntnis des Pathologen, dass er noch leben würde hatte ihn überrascht. Er stellte fest, dass er die Hoffnung schon aufgegeben hatte. Aber warum war er in diesem merkwürdigen Zustand? Einmal davon abgesehen, dass es irrsinnig war, Lebensmittel dafür verantwortlich zu machen, hatte er nichts Ungewöhnliches gegessen. Auf seiner Arbeit war ebenfalls alles normal gewesen. Damit konnte es also nichts zu tun haben. Während er weiter nach möglichen Auslösern für seinen Zustand suchte, bahnte sich ein neuer Gedanke seinen Weg: Wenn nichts aus den letzten Tagen der Auslöser für seine Starre war, musste es etwas tiefgreifenderes, etwas grundlegenderes sein.

Es war das erste Mal, dass er sein Leben reflektierte. In der Schule hatte er zu den besseren gehört und auch das Studium war ihm nicht besonders schwer gefallen. Danach hatte er leicht eine Arbeitsstelle gefunden. An dieser arbeitete er jetzt noch immer und sein Chef beschwerte sich nie über ihn. Seine berufliche Laufbahn war bisher also gut gelungen. Und es sah nicht danach aus, als ob sich das ändern würde. Nach dem Abitur war er aus der Wohnung seiner Eltern ausgezogen. Seitdem sah er sie nur noch selten. Geschwister hatte er keine. Aber das war doch sicherlich nicht der Grund für seine Starre. Er war auf seine Karriere fixiert und er hatte nur wenige Freunde und Bekannte. Auch eine Lebenspartnerin hatte er nicht. Bisher hatte es für ihn keine passende gegeben. Aber war das so schlimm?

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