11. Kapitel

Catalina lächelte überrascht und richtete sich langsam auf. „Interessant“; murmelte sie leise und strich sich das lange Haar zurück. „Nun Jadan, liegt das nicht auf der Hand? Ich habe Interesse an dir!“
„Wenn dem so wäre, hättest du schon vor Monaten versucht mich kennen zu lernen.“
„Ich war eben beschäftigt.“ Catalina zuckte unschuldig mit den Schultern und schlug die Beine übereinander. „Isoke ist eine interessante Persönlichkeit. Ich habe viel von ihm gelernt.“
„Was war mit Egon? Hast du dich auch für ihn interessiert?“ Ich konnte den kalten Hass, der in meiner Stimme mitschwang nicht vermeiden, aber die Worte hatten den gewünschten Effekt. Catalina stockte und eine Falte trat auf ihre ebenmäßige Stirn.
„Egon“, murmelte sie traurig und senkte kurz den Blick, „Sein Schicksal war eine Tragödie, die ich erst verstehen wollte, bevor ich mich dir widme. Ich wollte dich nicht als eine Person zweiter Klasse behandeln, wenn meine Gedanken von einem anderen beherrscht werden.“
„Er war mein Freund“, antwortete ich betont, „Auch ich habe Interesse an seinem Schicksal. Isoke weigert sich mir davon zu erzählen.“
Catalina seufzte tief, „Das wundert mich nicht. Isoke fühlt sich wegen dieser Geschichte unsagbar schuldig, sein Herz zerbrach beinahe daran und ich muss leider zugeben, dass ich ihn zu Anfang nicht unterstützten konnte. Auch mein Herz litt unter Egons Verlust, mich auch mit Isokes Schmerz zu belasten, hätte mich gebrochen.“
„Du willst darunter gelitten haben? Daran beinahe zerbrochen sein?“, fragte ich spöttisch und lachte freudlos auf. „Du warst es, der erst Egon, dann Isoke gebrochen hat, bis nur noch Scherben von ihnen übrig waren. Das, was dort unten eine Zelle mit mir teilt ist nur noch ein schwacher Schatten von dem Mann und Künstler, den du aus der Welt gerissen hast. Du Catalina bist diejenige, die Schmerz verursacht, nicht erleidet.“ Ich spuckte die letzten Worte zornig aus, unfähig die Unschuld in Catalinas Augen zu verstehen. Sie sah mich beinahe entsetzt an, verständnislos und verwirrt.
„Ich bestreite nicht meine Mitschuld. Egons Unfall war zum Teil auch mein Fehler, schließlich war ich es, die es wagte sowohl ihn, als auch Isoke zur gleichen Zeit zu mir zu bitten. Bei dir werde ich diese Dummheit nicht widerholen. Bei dir werde ich perfekt sein.“

Ich schüttelte den Kopf und musterte Catalina ungläubig. Isoke hatte Recht gehabt, Catalina war anders als ich erwartet hatte. Hatte sie unten im Keller bedrohlich und selbstsicher gewirkt, so erschien sie hier oben im Sonnenlicht gänzlich anders. „Was willst du von mir?“; murmelte ich verständnislos und musterte die junge Frau vor mir. Ihre Schönheit hatte immer fehlplatziert gewirkt, die netten Worte heuchlerisch. Hätte ich nicht gewusst welch Bosheit sich hinter dem Engelsgesicht verbarg, wäre ich auf ihre Worte eingegangen, hätte versucht die Traurigkeit aus ihren Zügen zu vertreiben und ihr ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, doch hier und jetzt, wusste ich nicht mit ihrer Maske umzugehen. Konnte sie selbst noch zwischen ihrem wahren Ich und dem Schauspiel unterscheiden, welches sie allen bot?
„Wollen wir nicht alle das Gleiche?“, begegnete sie mir mit einer Gegenfrage, „In Glück und Harmonie mit denen zusammenleben, die uns lieb und teuer sind?“
„Wir sollen die etwas bedeuten?“, fragte ich skeptisch, konnte nicht glauben, dass ich langsam begann ihren Worten zu vertrauen, oder zumindest ihren wirren, doppeldeutigen Aussagen dahinter.
„Du bedeutest mir etwas. Nun ja, zumindest wird es so sein, wenn wir uns kennen. Ich kann es um ehrlich zu sein gar nicht erwarten.“ Sie lächelte schelmisch und stand von ihrem Platz auf, um mir ein Glas Wasser anzubieten. Automatisch ergriff ich das kalte Glas, überrascht wie eigenartig normal es sich in der Hand anfühlte.

„Was ist mit Isoke?“, fragte ich nach einem Moment der bedrückenden Stille. „Du bedeutest ihm sehr viel“, gab ich widerwillig zu. Es gefiel mir nicht wie leicht es fiel, sich mit Catalina zu unterhalten. Sie verlor mit jeder Sekunde ein wenig mehr den Anschein einer grausamen Geiselnehmerin.
„Mit Isoke ist es schwierig“, murmelte sie nachdenklich und mied meinen Blick, „Zu Beginn war er perfekt, ein Künstler, ein Freigeist, ein wahrgewordener Traum, aber dann veränderte sich alles. Egon verließ mich und Isoke verlor den Zauber, den er auf mich ausübte. Ich versuchte die Dinge zwischen uns ins rechte Licht zu rücken, doch mit jedem Tag den wir verbrachten, wurde deutlicher, dass wir niemals zur Normalität zurückfinden würden. Er hatte sich verändert und auch mich zu sehr verletzt. Ich weiß, dass er mich liebt, aber mein Herz hat zusammen mit Egons aufgehört zu schlagen.“ Catalina sah missmutig auf ihre verschränkten Finger. Erst jetzt fiel mir die winzige Klinge auf, die sie zwischen den Knöcheln umherspringen ließ. „Ich hoffe, dass mich deine Bekanntschaft zurück ins Leben ruft.“ Sie lächelte mich unsicher an, ein Funken Hoffnung in den großen Augen.

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