12. Der Überfall

Jessica war seit der Full-Moon-Party nicht mehr zu Hause aufgetaucht. Erst hatte sich Magnus keine Gedanken darüber gemacht, ging davon aus, dass sie wegen dem Vorfall mit Ivana nicht zurück kehrte, aber  nach mehreren Nächten Abwesenheit, begann er sich Sorgen zu machen. Deshalb rief er nach ihr: ‚Jessica, wo bist du? Komm heim! Ivana ist nicht hier.‘

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. ‚Was willst du noch? Du hast ja jetzt deine Neue und ich werde die Stadt verlassen.‘ Er schwieg einen Moment betroffen: ‚Du verlässt die Stadt?‘

Ja. Mich hält nichts mehr hier. Ich weiß noch nicht wohin. Aber wir passen einfach nicht zusammen.‘

Magnus wollte nicht, dass sie ihn gleich verließ: ‚Können wir nochmal darüber reden?‘

Doch Jessica war in der Hinsicht nicht kompromissbereit: ‚Was gibt es da noch zu reden? Ich will bei euch beiden nicht das fünfte Rad am Wagen sein und ich merke selbst, dass ihr ideal zusammen passt. Da kann ich nicht mithalten.‘

Da wusste Magnus nichts zu erwidern. Damit hatte sie wohl recht: ‚Okay. Möchtest du deine restlichen Sachen noch holen?‘

 ‚Nein. Wirf sie weg, gib sie Ivana, egal. Also, mach's gut. Bye!‘

Inzwischen war Ivana bei Magnus eingezogen. Sie hatte sich, zu seiner Freude, entschieden, an seiner Seite zu bleiben. Das machte ihn wirklich sehr glücklich. Sie passte so perfekt zu ihm und sie kannten beide keine moralischen Grenzen. Weder im Bett, noch bei der Jagd.

Magnus, der gerade in einen silbergrauen Anzug schlüpfte, fragte seine Liebste nebenbei: "Gehst du eigentlich mit auf die gemischte Party? Würde sich ja gut treffen, wenn du heute ohnehin hungrig bist." Ivana erhob sich vom Bett: „Stimmt, die ist ja heute. Klar komme ich mit. Wenn du noch kurz auf mich wartest." Da ihr Gefährte schon so gut wie fertig war, gab sie sich Mühe nicht allzu lange zu überlegen, was sie anziehen sollte. Sie entschied sich schließlich für ein langes, schwarzes Kleid, steckte ihre Haare hoch und schminkte sich.

Schließlich bestiegen Ivana und Magnus den Mercedes, um zur Party zu fahren. Wenn Sterbliche eingeladen waren, dann trafen die Vampire mit ihren Autos ein und nicht durch die Luft.

Das Grundstück und das Anwesen des Gastgebers, war nicht ganz so pompös, wie ihr eigenes, doch ganz ansehnlich. „Mal sehen was ich solange mache, wenn du dich vergnügst", sagte Magnus, als sie ausstiegen.

Roger, der Gastgeber, begrüßte die Beiden sehr freundlich, da er sich wohl geehrt fühlte, dass Magnus und Ivana auf seiner Party erschienen. Heute war das erste Mal, dass die Russin so ganz offiziell als die Gefährtin des Stadtherrschers auftrat.

Dieser lächelte stolz über die neugierigen Blicke: ‚Sie finden dich attraktiv. Du gehörst ja auch zu mir.' Dabei legte er den Arm um Ivana und sie mischten sich unter die Gäste, wo  

die Meisten auf der großen Terrasse herumstanden, die eine Ebene über dem Garten und dem Pool lag.

Magnus betrachtete neugierig die Leckereien des Buffets, das für die Sterblichen aufgebaut worden war und die ganzen Essensgerüche wehten ihm in die Nase. Er nahm sie zwar zur Kenntnis, aber sie lösten keine Empfindungen in ihm aus „Was es heutzutage alles gibt. Manchmal würde ich gern probieren wollen, wenn ich noch könnte. Für dich ist das wohl noch nicht so außergewöhnlich. Zu deiner Zeit gab es das Meiste schon. Aber bei mir in Schottland damals…"

Das Buffet war auf diesen Partys auch sein liebster Jagdplatz. Da konnte man am besten seine Erwählte ansprechen, oder wurde angesprochen. Vor allem, wenn man scheinbar unschlüssig die ganzen Dinge betrachtete. Das löste in den Frauen gleich diese Fürsorge aus und sie boten ihre Hilfe an. Ivana betrachtete ebenfalls neugierig das üppige Buffet: „Ich schaue mir lieber ein wenig den Garten an. Am Pool lässt sich sicher die ein oder andere Bekanntschaft mit einem Sterblichen schließen.“ Magnus gab ihr einen Kuss: „Dann viel Spaß! Ich sehe mich auch weiter um."

 

Er spazierte durch die Gäste, wechselte hier und da ein paar Worte mit Unsterblichen und sah dann wieder zu Ivana hinüber. Sie unterhielt sich mit einem schwarzhaarigen Sterblichen und ging dann mit ihm ins Haus. Er wartete nicht auf sie, sondern begutachtete die unsterblichen Frauen hier. Viele waren mit ihrem Gefährten gekommen, aber zum Trinken trennten sich die Paare meistens.

Magnus entdeckte eine Rothaarige. Irgendwie hatte er eine Schwäche für diese Haarfarbe. Sie schien. mit einer anderen Unsterblichen hier zu sein. Ihm schwebte sofort ein Dreier vor Augen und die andere Vampirin kannte er sogar. Es war Lili, seine Geschäftsführerin vom "Velvet". Er ging sofort zu den beiden hinüber: „Hallo ihr zwei." Zu der Roten sagte er: "Ich bin Magnus. Und du?"

Sie sah ihn interessiert an: „Cindy."  So einem alten Unsterblichen hatte sie noch nie gegenüber gestanden. Das reizte sie sehr.

Magnus fuhr fort und sein Blick streifte dabei die Menschen: „Ich hoffe, ich halte euch von nichts ab. Ich bin heute nicht hungrig. Zumindest nicht nach Blut.“ Und musterte Cindy eingehend. Sie war fast so groß wie er, hatte lange Lockenhaare und eine üppige Oberweite. „Nein wir auch nicht.", entgegnete sie. „Vielleicht sollten wir uns zusammentun und uns ein wenig die Zeit vertreiben, während die anderen alle ihren Hunger stillen", fügte sie mit einem frechen Seitenblick hinzu. Magnus entblößte grinsend seine Zähne: "Gern, meine Hübschen. Suchen wir uns drinnen ein lauschiges Plätzchen." Er legte jeweils einen Arm um jede.

 

In einem leeren Gästezimmer einen Stock höher, kamen Cindy und Magnus schnell zur Sache. Der Unsterbliche gab sich voll und ganz seiner Lust hin. Er genoss es, seine Zähne in ihren Brüsten und ihrem Hals zu versenken, während er sie vögelte und von ihrem Blut kostete.

Lili hatte den Beiden solange vom Rand des Bettes aus zugesehen und nun zog Magnus sie in seine Arme: „Komm, jetzt bist du dran."

 

Nach diesem zweiten Akt, sank er keuchend auf das Bett zurück und genoss befriedigt Lilis Küsse. Dazwischen hauchte sie: „Du warst so geil!"

Da näherte sich Cindy nun abermals und strich lasziv über Magnus Brust. Zu gerne wollte sie ihn nochmal, hörte er in ihren Gedanken. Ein wenig wunderte er sich, dass Lili bereitwillig das Feld räumte und verschwand.

Kurze Zeit später sah er seine Gefährtin zur Tür herein kommen, sagte aber nichts, sondern grinste nur vor sich hin. Er spürte Ivanas Erregung. Scheinbar achtlos ihrer Gegenwart, widmete er sich weiter seiner Rothaarigen: „Machst du es auch mit Frauen? Wir haben nämlich Besuch."

„Ja, hin und wieder.", erwiderte sie und blickte sich neugierig nach der Besucherin um. Ivana musterte mit begehrlichen Blicken die beiden nackten Körper auf dem Bett und zog rasch ihr Kleid aus. „Komm ruhig her", forderte Cindy sie auf und ließ jetzt von Magnus ab. Als Ivana sich zu ihnen setzte, zog die Rothaarige sie zu sich her und küsste die Ältere.

Magnus stützte unterdessen den Kopf auf einen Arm, um die beiden interessiert zu beobachten.  Mal sehen, ob er auch noch mitmachen würde. Aber zuerst sollten die beiden sich befingern. Er begnügte sich vorerst damit, seine Gefährtin zu streicheln, solange Cindy sie befriedigte. Magnus wollte seine Gefährtin nachher lieber ganz für sich, als krönenden Abschluss, haben.

Plötzlich hörten sie das Tosen eines Hubschraubers, Schreie und Schüsse von draußen.

„Was ist da los?", rief Magnus und sprang mit einem Satz zum Fenster. Ein kurzer Blick genügte, um den Ernst der Lage zu erfassen. Dieser Hubschrauber leuchtete mit mehreren UV-Spots auf die Partygesellschaft und in den Lichtkegeln krümmten sich schreiend die ersten Vampire: „Schnell, zieht euch an! Wir müssen so schnell wie möglich verschwinden. Jäger!" Hastig raffte er seine Klamotten zusammen und zog seine halbangezogene Gefährtin mit sich auf den Flur.

Dort blickte er sich suchend nach einem Fluchtweg um und schlüpfte nebenbei in sein Hemd und seine Hose. Wie kamen sie jetzt am besten hier raus? Andere Unsterbliche rannten halbangezogen in Panik an ihnen vorbei.

„Diese Scheißkerle. Woher wissen sie von der Party?"

Ivana zerrte im Laufen ihr Kleid hoch, ihre Schuhe hatte sie gleich dagelassen. „Vielleicht ist einer der Sterblichen abgehauen und hat es verraten!" mutmaßte sie. Aber im Grunde war das jetzt egal. Darüber konnten sie sich auch später noch den Kopf zerbrechen.

„Ich habe Angst!", wisperte sie, aber Magnus blieb zuversichtlich: „Das schaffen wir! Zuerst gehen wir mal ins untere Geschoss." Er schlang kurzerhand seinen Arm um Ivanas Taille und sprang mit ihr einige Meter hinunter ins Parterre.

Dort herrschte noch mehr Hysterie als oben. Vampire rannten panisch herum, dazwischen leuchteten Jäger in schwarzen Kampfanzügen mit UV-Lampen in die Menge und die Luft war erfüllt von lauten Schreien, den Geräuschen des Hubschraubers und verbrannter Haut.

Magnus nahm Ivana an die Hand und zog sie zu einem der Fenster: „Es ist nur einer. Wir müssen uns irgendwie in Deckung halten." Das war nicht so einfach, denn der Helikopter kreiste um das Haus, da sich dort die meisten Vampire aufhielten.

Vor Magnus Augen wurden einige Artgenossen von den UV-Kegeln getroffen, worauf sie mit schrillen Schreien zusammenbrachen und wanden sich vor Schmerz am Boden wanden. Bei diesem Anblick kamen seine Erinnerungen an die Folter auf dem Solarium hoch, aber er unterdrückte sie. Er durfte sich jetzt keine Schwäche erlauben und musste Ivana hier rausbringen: „Wenn der Heli auf der anderen Hausseite ist, fliegen wir los. Okay?"

Magnus spannte bereits seine Muskeln zum Start an und wartete, bis der Lichtstrahl möglichst weit weg von ihnen war. Dann schoss er, Ivana mitziehend, durch ein geschlossenes Fenster ins Freie und stieg so schnell er konnte in die Luft. Einige Jäger leuchteten in den Himmel hinauf, aber sie waren zu langsam für Magnus Bewegungen.

Leider leuchteten die Strahlen der UV-Scheinwerfer weiter als angenommen und Ivana schrie plötzlich auf, als einer der Lichtkegel sie streifte. Der Strahl wurde nun gezielt auf die Beiden gerichtet, wobei sich Ivana vor Qual krümmte, aber Magnus spürte nur die Hitze, die seinen Rücken traf und wie ihm ein dumpfer Schmerz bis in die Kopfhaut fuhr. Aufgrund seines Alters traf es ihn nicht so hart, wie seine junge Gefährtin. Er biss einfach die Zähne zusammen und flog so schnell weiter, wie er konnte. Die UV-Strahlung raubte ihm einen Teil seiner Kraft. Durch die Kleidung geschützt, verbrannte die Strahlung seine Haut nicht so schnell. Trotzdem breitete sich der beißende Schmerz über seinen Körper aus. Unter dem Stoff wurde seine helle Haut krebsrot. Magnus fluchte leise auf Altenglisch, als er kurz an Ivana hinunter sah. Eines ihrer nackten Beine war außen schwarz geworden und auch an ihren Armen hatte sie verschmorte Haut. Sie stöhnte vor Schmerzen und er versuchte sie zu beruhigen: „Bald sind wir in Sicherheit, Liebste."

Zum Glück drehte der Hubschrauber endlich wieder ab, um auf dem Anwesen noch mehr Unsterbliche zu vernichten und verfolgte das Paar nicht weiter.

Magnus war geschwächt und musste auch noch die verletzte Ivana tragen. Seine Gefährtin brauchte dringend Blut.

Da erblickte er auch schon ein Auto auf der Straße entlang fahren. Magnus war trotz seiner Schwäche immer noch schnell genug und stand aus der Sicht des Fahrers urplötzlich mitten auf der Straße. Dieser legte sofort eine Vollbremsung hin, riss den Wagen herum und kam so von der Straße ab. Der Unsterbliche setzte kurz Ivana ab: „Warte kurz!" und zerrte den benommenen Sterblichen aus dem Auto. Mit einem Schlag ins Genick betäubte er ihn vollends, warf ihn auf die Rückbank und verfrachtete seine Liebste auf den Beifahrersitz. Nun stieg er schnell hinters Steuer und brauste los.

 

Auf seinem Anwesen angekommen, trug er zuerst Ivana ins Haus und dann den Bewusstlosen: "Der ist für dich, Liebling. Deine Verletzungen müssen heilen."

Ivana zog den Sterblichen hastig in ihre Arme und bohrte ihm gierig die Zähne in den Hals. Da lag seine Liebste nun auf dem Boden des Wohnzimmers und das Opfer halb auf ihr, während sie ihn aussaugte.

Magnus würde ihn und das Auto morgen entsorgen. Heute war keine Zeit mehr und er fühlte sich ziemlich ausgelaugt. Seine Haut schmerzte inzwischen nicht mehr so sehr, aber ein leichtes Brennen war noch vorhanden. Die Selbstheilung ging bei ihm relativ schnell, aber er musste morgen trinken, um seine Kraftreserven wieder aufzufüllen und die Heilung noch mehr zu beschleunigen. Er wusste, was für Schmerzen seine Geliebte nun erlitt und er wollte ihr so schnell wie möglich helfen: „Morgen bringe ich dir noch ein weiteres Opfer. Dann gieße ich dir einen Teil des Blutes auf die verbrannten Stellen. Ich hoffe, die meisten Gäste konnten entkommen. Lili und Cindy zum Beispiel."

„Das hoffe ich auch" flüsterte Ivana schwach.

Nach ihrer Blutmahlzeit fragte sie: „Trägst du mich runter?"

Magnus versuchte so vorsichtig, wie möglich zu sein, denn als er sie hochhob, stöhnte sie vor Schmerz laut auf. Zum Glück hatten sie einen Fahrstuhl und mussten keine Treppen laufen. So schmerzten Ivana keine unnötigen Erschütterungen.

Unten angekommen, legte er sie behutsam aufs Bett und holte ein Messer: „Ich schneide das Kleid auf."

Sie war erleichtert, endlich von dem Stoff befreit zu werden, der ihre brennende Haut reizte. Aber sie erschrak doch, wenn sie an ihrem nackten Körper hinuntersah. Ihre Arme und ihr Bein hatte es am schlimmsten erwischt, aber auch der Rest ihrer Haut war in Mitleidenschaft gezogen. Ihr Anblick brachte Magnus auf eine Idee, aber damit wollte er sie morgen überraschen. Deshalb sagte er nichts. Nun zog er sein Hemd und die Hose aus und begutachtete sich vor dem hohen Spiegel. Die rote Haut war ein wenig blasser geworden, aber sie spannte, wie ein menschlicher Sonnenbrand. „Glaub mir, Liebling. Ich weiß, was du durchmachst. Ich bringe dir jede Nacht ein Opfer, damit es dir bald besser geht."

„Danke, Liebling. Was täte ich nur ohne dich? Du hast mich gerettet heute Nacht." Magnus setzte sich neben sie:  „Aber das war doch selbstverständlich. Ich möchte dich nicht verlieren." Bald würde sie einschlafen, denn der Morgen brach an.

 


Magnus erhob sich sogleich, nachdem er aufgewacht war. Während er sich anzog, schweifte sein Blick über den Körper seiner Gefährtin, die noch schlafend im Bett lag. Ihre Verbrennungen waren ein kleinwenig besser geworden, aber es würde noch viel menschliches Blut brauchen, bis alles wieder makellos verheilt sein würde. Er wollte ihr schnell helfen, damit sie keine schlimmen Schmerzen mehr erleiden musste. Magnus wusste noch ganz genau, wie furchtbar er gelitten hatte, nachdem seine Haut durch die stundenlange Folter auf dem Solarium von Alexeij schwarz geworden war. Sein Verstand wäre beinahe verloren gegangen. Nur Jessicas gedankliche Stimme hatte ihn in Alexeijs Gefangenschaft aus seinem vernebelten Verstand heraus geholt. Dieses Erlebnis hatte er noch nicht überwunden, wenn er es überhaupt jemals könnte. Dieses Trauma würde er wohl für immer behalten und konnte es nur unterdrücken. Ihre seelischen Wunden heilten eben nicht so schnell wie die körperlichen.

Mit dem Auto des Opfers von letzter Nacht fuhr Magnus ins Stadtzentrum hinein, stellte es vor einem Club ab und ging hinein. Eine Gruppe angetrunkener Typen erregte schnell seine Aufmerksamkeit. Das wären genügend für Ivanas Verbrennungen. Sofort erwachte sein Jagdfieber und er sprach die fünf Halbstarken einfach an. Er erzählte ihnen von heißen Bräuten und einer privaten Party. Kurz gesagt, die fünf folgten ihm gern.

Kaum betraten sie sein Haus, wurden sie skeptisch, weil alles so still war. Keine Spur von Party, aber jetzt gab es schon kein Entrinnen mehr. Der hellblonde Vampir packte kurzerhand zwei von ihnen, schleifte sie in ein Zimmer, sperrte sie dort ein und fing dann die anderen drei ein, die in der Zwischenzeit versuchten zu fliehen.  Den Fünften zerrte er unsanft in eines der kleineren Bäder des Hauses, drückte den widerspenstigen jungen Mann über den Wannenrand und riss ihm mit den Zähnen dessen Hauptader auf, so dass das Blut in einem Schwall in die Wanne klatschte. Auf die gleiche Weise schlachtete er noch drei weitere Männer und der letzte Überlebende war für Ivana selbst gedacht.

Nun trug er seine Liebste in das vorbereitete Bad hinauf: „Ich hab was für dich. Damit wird es schnell besser."

Als er vor der Wanne stand, sah sie, dass ein Drittel mit Blut gefüllt war und sie meinte entzückt: „Das ist wirklich eine gelungene Überraschung."

Magnus ließ sie langsam in die Wanne gleiten und setzte sich dann auf den Rand: „Es hat Spaß gemacht, dir dieses Bad vorzubereiten." Dabei grinste er: „Drüben wartet noch einer der Jungs auf seinen Auftritt. Ich dachte, du willst ihn erst nach dem Bad, oder gleichzeitig?" „Nein, lieber nachher" sagte sie. „Jetzt genieße ich erst in Ruhe." Sie lehnte sich zurück und schloss entspannt die Augen."

Magnus machte seinem Ärger Luft: „Jetzt sind wir nicht mal mehr auf unseren Partys sicher. Das ist das Schlimme daran. Wie haben die das rausgekriegt? Da muss doch irgendwer geplaudert haben, oder wie siehst du das?"

„Nur wer? Meinst du, einer der Sterblichen konnte zwischendrin abhauen und hat was erzählt? Wenn sie von Anfang an davon gewusst hätten, dann wären sie doch vielleicht schon früher gekommen und nicht erst, wenn alle Sterblichen tot waren. Ok, die Frage ist, ob sie überhaupt wussten, dass auch Sterbliche da sind oder nur von einer Vampir-Party.", überlegte sie. „Sie hätten doch sonst sicher versucht die Menschen zu retten." Magnus entgegnete: „Sie wussten bestimmt Bescheid und die paar Opfer nehmen sie in Kauf für ihre große Sache. Ihnen ist wichtiger, wenn sie uns erwischen. Der späte Zeitpunkt des Angriffs hatte seinen Grund. Sie wollten, dass wir schon schwächer sind in den frühen Morgenstunden. Nun muss sich Roger ein neues Versteck suchen. Stell dir vor, wir müssten überstürzt hier weg. Das hat mir schon in Florenz gereicht, wo alles abgebrannt ist. Ich glaube, dass es einen Verräter unter uns gibt. Vermutlich will er so an neue Gebiete kommen. Könnte ich mir vorstellen."

„Einen Verräter in den eigenen Reihen? Das wäre echt heftig! Wie kann einer von uns so etwas Grauenvolles tun? Das wäre doch absolut hinterhältig! Ich würde auch nicht aus Vegas wegwollen. Jetzt habe ich mich hier grade mit dir so schön eingelebt.", sagte Ivana. Magnus zuckte die Schultern: „Es ist doch immer derselbe Grund. Mehr Macht. Wenn einige der Älteren draufgehen, kann derjenige sich auf ihren Grundstücken breit machen. Er schält die Konkurrenz aus. Natürlich ist es dreist, das mit Hilfe der Sterblichen zu tun. Ich hoffe, wir entlarven ihn bald."

„Das hoffe ich auch sehr. Solange ich weiß, da draußen läuft ein Unsterblicher herum, der einfach so die Vernichtung von Artgenossen in Kauf nimmt, fühle ich mich nicht wohl." Sie bewegte sich ein wenig in dem Blut, das langsam zäher wurde. „Aber dank deines Bades fühle ich mich im Großen und Ganzen schon viel wohler. Ich glaube, ich hätte jetzt Lust auf den Letzten." Magnus sprang sofort auf. Er konnte es nicht erwarten seiner Gefährtin dabei zuzusehen.

 

Kurz darauf zerrte er den sich wehrenden jungen Mann herein. „Was hast du mit meinen Kumpels gemacht, du Scheißkerl? Was bist du für ein Psychopath?" Als der Sterbliche die Wanne mit Blut vor sich sah und die halbverbrannte Frau darin, schlug sein Sträuben in blankes Entsetzen um und er begriff allmählich, wo er hier hinein geraten war: „Was seid ihr?" Magnus flüsterte grinsend an sein Ohr: „Vampire."

„ Va ...Vampire?“, stammelte der Sterbliche.

„So ist es. Und du hast das persönliche Vergnügen mit Ivana. Im Gegensatz zu deinen Saufkumpanen." Dabei wies er auf das Blut in der Wanne.

Der Kerl war nah an einem Nervenzusammenbruch. Der Angstschweiß brach ihm aus und er zitterte unkontrolliert.

„Jetzt mach dir bloß nicht in die Hose. Das riecht scheußlich. Wir sind da sehr empfindlich." Magnus drückte den Kopf des Mannes zu Ivana hinunter, worauf der anfing um sein Leben zu winseln.

Diese erbärmlichen Kreaturen‘, dachte Magnus. Seine Gefährtin ergriff den Mann jedoch schon  und grub gierig ihre Zähne in seine Kehle, damit endlich Ruhe war. ‚Wie recht du doch hast!‘, entgegnete sie während sie trank.

Magnus sah ihr genüsslich zu und war wieder einmal davon überzeugt, dass sie einfach die perfekte Partnerin für ihn war. Manchmal konnte er es gar nicht glauben, dass er sein weibliches Gegenstück gefunden hatte.

 

Als sie fertig war mit trinken, warf er den Leichnam achtlos in eine Ecke, beugte sich zu ihr herunter und küsste sie. Mehr war, wegen den Verletzungen leider nicht drin. Dann löste sich Magnus von ihr: „Ich entsorge mal die Körper. Bade ruhig weiter. Ich schau noch schnell im Club vorbei. Ich muss wissen, wie es den anderen ergangen ist."

„Ist gut. Ich hoffe sehr, dass alle den Jägern entkommen konnten!".

Der Unsterbliche fuhr mit dem gestohlenen Wagen zur Verbrennungsanlage, wo er die Körper ablud, die gleich von zwei unsterblichen Angestellten zu den Öfen geschleift wurden. Hier lieferten die schwarzen Transporter des Abholservices die Leichen der Opfer ab, um sie restlos verschwinden zu lassen. In den USA war diese Idee um die Jahrtausendwende aufgekommen, weil die Ermittlungsmethoden der Sterblichen immer besser geworden waren. Anfangs wurden nur die Leichen von den Partys abgeholt, da es mühsam für die Gastgeber gewesen wäre, Dutzende von Körpern zu entsorgen. Dann holten die Lieferwagen auch Körper bei Unsterblichen ab, die zuhause getrunken hatten und schließlich weitete sich der Service auf die offene Straße aus. Dank Handy konnten die Unsterblichen den Service anrufen, wenn sie ihr Mahl beendet hatten. Es kostete zwar ein wenig was, aber vielen war es das wert, wenn sie sich nicht um die Reste kümmern mussten. Danach ließ Magnus den Wagen irgendwo an der Straße stehen.

Als er zum Hintereingang des „Velvet" hereinkam, war der Laden so voll wie immer. Er erkannte einige seiner Angestellten, die zum Glück davon gekommen waren. Magnus war erleichtert, dass er Lili unter den Gästen entdeckte, aber sie machte einen verstörten Eindruck auf ihn.

„Wie geht's dir? Wurdest du verletzt?", fragte er besorgt. Natürlich wollte er auch wissen, wie es Cindy ging.

„Mir geht es gut." Lili schluchzte auf: „Aber Cindy hat es nicht geschafft zu entkommen! Sie haben sie mit ihrem UV-Licht verbrannt." Wieder schluchzte sie heftig. Magnus versetzte diese Schilderung einen Stich. Er hätte die feurige Rothaarige gerne wiedergetroffen. Er war einfach mit Ivana geflohen und hatte nicht mehr nach Cindy gesehen. So qualvoll zu sterben, hatte sie gewiss nicht verdient. Das machte ihn nur noch wütender diesen Jägern gegenüber und dem Verräter. Magnus war fest davon überzeugt, dass einer der ihren dahinter steckte. Er tätschelte aufmunternd Lilis Schulter: „Tut mir leid, um sie. Ich werde den Schuldigen finden. Ich glaube, dass es ein Unsterblicher war, der die Party verraten hat. Hör dich mal um."

„Verrat?" fragte Lili entsetzt. „Das wäre wirklich abscheulich! Ich werde mich umhören!" versprach sie. „Was ist mit den anderen Gästen oder dem Gastgeber?" Magnus schüttelte den Kopf: „Keine Ahnung. Aber ich denke, dass sich Roger in Sicherheit bringen konnte. Es sind sicherlich viele umgekommen. Bevor ich mit Ivana knapp entkam, sahen wir wie eine Gruppe Unsterblicher in den UV-Strahlen zusammenbrach. Sie und ich haben auch was abbekommen. Sie schlimmer als ich."

Er machte noch einen Rundgang durch seinen Club, bevor er den Heimweg antrat.

 

Im Garten angekommen, spürte er sofort eine bekannte Aura. Überrascht sagte er zu sich: „Magdalena!"

Die Besucherin sah erwartungsvoll zur Tür, als er lächelnd den Raum betrat: „Magdalena! Welch Überraschung!"Er ging auf sie zu und küsste sie kurz auf die Lippen: „Hast du hergefunden?" Sie war staubig und roch nach Wüste.

„ Natürlich. Du bist ja fast bekannt, wie ein bunter Hund."

Magnus lachte. Dann wandte er sich Ivana zu: „Meine Gefährtin hast du ja schon kennen gelernt." Magdalena nickte: „Ja. Ich habe sie ziemlich überrascht mit meinem Auftauchen."

„ Tut mir leid.", sagte die Ältere an Ivana gewandt. Magnus strich durch Magdalenas Haar: „Du solltest mal wieder baden?" Sie griff selbst in ihre Haare: „Du hast recht. Kannst du mir zeigen, wo das Bad ist?" Magnus grinste: „Ich hab mehrere." Sie schmunzelte: „Natürlich."

 

Magdalena machte ihm das „Kurz" nicht einfach. Kaum waren sie im großen Badezimmer, drängte sie sich an ihn und presste ihre Lippen auf seine. ‚Nicht jetzt. Gedulde dich noch, bis Ivana schläft.‘ Sie ließ ihn schmunzelnd los: ‚Gut. Ich nehme es als Versprechen.‘

Dann gesellte er sich wieder zu seiner Liebsten: „Wie geht es dir nach dem Bad? Ich glaube die Wunden sehen schon besser aus."

„Mir geht es schon viel besser, danke!" Dann kam sie auf Magdalena zu sprechen: „Wer ist diese Magdalena genau? Sie stand einfach hier im Wohnzimmer und fragte nach dir, ohne sich auch nur vorzustellen. Und wie sie aussieht."

Magnus blickte zur Decke empor: „Sie ist theoretisch meine Angetraute. Ja, und ich habe sie erschaffen. Meine allererste Gefährtin. Sie lebt gern in der Wildnis. Deshalb sieht sie so aus. Ihr Aussehen kümmert sie erst, wenn sie in die Zivilisation zurückkehrt. Kannst du ihr was von deinen Sachen leihen? Bitte!" Ivana nickte. „Ich schau mal, was ich habe. Sie ist zwar ein bisschen kleiner als ich, aber das wird ihr schon passen."

Kurz darauf kam sie mit einer Hose und einem T-Shirt zurück. Mit einem Schmunzeln fragte Magnus: „Bringst du es ihr rauf? Sie könnte es sonst falsch verstehen, wenn ich hochgehe."

 

Nach Magdalenas Bad, bei dem ihr Ivana Gesellschaft geleistet hatte, kamen die Frauen ins Wohnzimmer zurück. „Konntest du eigentlich schon etwas über die Party erfahren?" fragte Ivana ihren Gefährten. „Haben es viele geschafft zu entkommen?" Er nickte: „Ja, zum Glück. Zumindest von meinen Angestellten. Lili trauert jedoch um Cindy. Sie haben sie grausam umgebracht. Ich habe sie noch gebeten, sich umzuhören." Magdalena mischte sich ein: „Ivana hat mir den Vorfall erzählt. Ich hoffe, ihr findet den Verräter." Magnus nickte zustimmend. Dann wechselte er das Thema und fragte seine Gefährtin: „Soll ich dir morgen noch mal so ein Bad machen?"

„Oh ja, das wäre lieb von dir!“

Magnus grinste teuflisch und küsste sie: „Das mach ich doch gern." Magdalena lächelte wissend.

 

Am nächsten Abend brach Magnus schon früh zur Jagd auf. Mit falschen Versprechungen lockte er diesmal sechs junge Männer in sein Haus.

Magdalena und Ivana halfen mit, die Sterblichen an der Flucht zu hindern.

Als die drei Unsterblichen mit ihrer widerspenstigen Beute im Bad angekommen waren, drehte Magnus den Schlüssel mit seinem Willen herum. Nun konnten die sechs nicht mehr entkommen. Er ließ seine beiden los. Das gab bestimmt einen schönen Kampf. Um ihre Panik zu erhöhen, präsentierte Magnus seine Zähne: „Schatz, zieh dich schon mal aus und leg dich rein." Die Jungs waren fassungslos an Vampire geraten zu sein. Zwei rüttelten vergeblich an der Tür die anderen warfen irgendwelche Gegenstände nach Magnus. Der konnte nur lachen.

Nachdem Ivana in der Wanne lag und Magdalena hinaus gegangen war, zog Magnus den ersten zur Badewanne. Er riss ihm kurzerhand die Kehle auf und das Blut sprudelte  auf Ivanas verbrannte Haut nieder. Die erste Blutfontäne war immer am stärksten, aber mit jedem Herzschlag wurde der Schwall kleiner, der aus dem Riss hervor schwappte. Als kaum noch etwas herausfloss,  griff er sich den Nächsten und warf den ausgebluteten Körper in eine Ecke.

Dieses Opfer machte sich stocksteif, als der Unsterbliche nach ihm griff, aber bei den Kräften des Vampirs, nutzte ihm das wenig. Eher im Gegenteil. Magnus brach ihm den Arm, als er ihn daran festhielt und zur Wanne bugsierte. Der Junge winselte vor Schmerz, schrie auf, als Magnus das Fleisch am Hals aufriss und den zuckenden Körper über Ivana hielt.

Die Arme, Hände und das Gesicht des Hausherrn waren voller Blut und die Wanne sah ebenfalls dementsprechend aus.

Die restlichen vier Männer waren inzwischen ziemlich ruhig geworden. Sie stammelten wirres Zeug und verfolgten das Geschehen apathisch. „Von welchem willst du trinken?", fragte Magnus. Ivana musterte die verbliebenen Sterblichen. „Ich nehm' den Typ da mit dem blauen Shirt.", entschied sie. Sie tauchte einen Schwamm in das Blut der Wanne und rieb sich damit langsam über die Haut.

Magnus schlachtete die Restlichen, außer seinem Opfer und dem Mann, den Ivana ausgewählt hatte, die vor Angst zitterten.

Ivanas Opfer schrie auf, als Magnus ihn nun zu ihr hinzog. Danach widmete er sich seinem Menschen und versenkte genüsslich die Zähne in seinem Hals. Mit kräftigen Zügen trank er und ließ kurz darauf die leere Hülle zu Boden fallen. Sofort wurde das Spannungsgefühl seiner Haut schwächer.

Schließlich zog Magnus sich aus, um zu seiner Geliebten in die Wanne zu steigen. Er setzte sich ihr gegenüber und rieb sich mit dem Blut ein. Dabei sah er sie herausfordernd an: „Hast du Lust?" Er wollte sie so gern. Diese Zwangspause war wirklich grausam. Auf der Party hatten sie ja noch miteinander schlafen wollen, da waren diese Jäger gekommen.

Magnus zog sie verlangend zu sich her und küsste sie. Ihr Gesicht war völlig mit dem Lebenssaft bedeckt, ihre Haare klebten regelrecht vor Blut und sie erwiderte seine Küsse gierig. So angeheizt, bestieg er sie schließlich.

Ivana war so ungestüm, dass es seine Lust noch mehr anheizte. Lange würde er unter diesen Umständen nicht durchhalten. Er kam genauso heftig wie sie.

Das meiste Blut in der Wanne war inzwischen zäh geworden und auf der Haut blätterte das Geronnene regelrecht ab. Magnus fand dieses Gefühl von trockenem Blut auf der Haut, nicht mehr angenehm und wollte es jetzt schnell loswerden. Ivana folgte ihrem Gefährten ebenfalls unter die Dusche.

Eine Weile genossen sie das warme Wasser auf der Haut, als das Klingeln von Ivanas Handy, die Beiden unterbrach.

Die Russin stieg murrend aus der Dusche, griff neben ihre Kleider, wo es lag und warf einen Blick auf das Display: „Eine unbekannte Nummer." Sie ging neugierig ran. Ivana musste lächeln, als sich derjenige meldete. „Hallo. Du scheinst es ja eilig zu haben" entgegnete sie und überlegte kurz. „Morgen?" schlug sie vor. „Am besten in einem Hotel." Magnus fragte nicht weiter nach. Es schien ein Verehrer gewesen zu sein, so wie er aus den Gesprächsfetzen mitbekommen hatte, während er weiter duschte.

 

 

 

 

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