12. Dezember

"Es muss doch keiner mit bekommen. Ich sage Slughorn Bescheid, wenn man ihn ein wenig becirct, kann er dein bester Freund sein. Und in dem Gewimmel der Feier wird sicher keiner fragen, mit wem du da bist."

Skeptisch blickte Draco Hermine an. Sie saßen seit einer halben Stunde in der Bibliothek und diskutierten, ob und wie sie es anstellen konnten, dass er als ihr Begleiter zu Slughorns Feier gehen konnte, ohne dass es direkt ein öffentlicher Skandal wurde. Draco wusste, dass dies seine beste Chance war, in das Büro zu kommen, aber er wollte einfach nichts riskieren. Weder wollte er den Zorn von Potter auf sich ziehen, noch hatte er Interesse daran, sich vor seinem Haus zu rechtfertigen. Und vor allem wäre es unmöglich, den anderen Todessern eine gute Erklärung dafür zu geben.

"Das funktioniert niemals", widersprach er ihr resigniert: "Slughorn wird das nie akzeptieren. Und dein Freund Potter, was willst du dem erzählen?"

Ein unfrohes Lachen war die Antwort: "Ich sage ihm einfach, dass ich mit niemandem gehe, weil Ron ein Arschloch ist und mir die Lust auf Begleitung verdorben hat."

Ein ungutes Gefühl kroch in Draco hoch, doch er war noch nicht soweit, es als Eifersucht zu identifizieren. Gepresst hakte er nach: "Du hängst aber nicht wirklich noch diesem Waschlappen nach, oder?"

Zu seiner Enttäuschung zuckte Hermine unsicher mit den Schultern: "Keine Ahnung. Wirklich. Ich weiß nicht, was ich von Ron erwarte. Ich weiß ja auch nicht, was ich von dir erwarte..."

Er verkniff sich einen wütenden Kommentar dazu. Was hatte er auch erwartet? Auf der einen Seite Weasley, bester Freund von Potter, Gryffindor und schon lange ihr Schwarm, auf der anderen Seite er selbst, Todesser, Slytherin und bis vor einem Jahr ihr Feind. Sie war genauso gefangen in ihren Vorurteilen, wie sie es ihm immer vorwarf. Mit geballten Fäusten wechselte er das Thema: "Zurück zu Slughorn... Denkst du wirklich, er wird nichts ausplaudern? Er gibt doch sonst so gerne damit an, was er alles über alle möglichen Leute weiß..."

Hermine, die offensichtlich nicht mitbekommen hatte, dass ihre Aussage nicht auf Gegenliebe gestoßen war, erwiderte nachdenklich: "Schon, ja. Aber er hat auch gelernt, dass man manchmal schweigen muss. Ich sage ihm einfach, dass er die gute Sache aufs Spiel setzt, wenn er mich verrät."

Draco atmete tief durch, um nicht laut loszulachen. Wenn Granger wüsste, dass das Gegenteil der Fall war und sein Besuch bei der Feier einzig dem Zweck diente, eine vergiftete Flasche Alkohol in Slughorns Büro zu schmuggeln und mit einem Verwechslungszauber zu versehen, damit er sie Dumbledore schenkte - was würde sie wohl dazu sagen? Nicht, dass er damit rechnete, dass sei Plan aufging. Aber jeder Versuch zählte, um Gnade bei dem Dunklen Lord erwirken zu können. Oh, sie war so naiv, so gutgläubig. Und er nutzte das schamlos aus, obwohl er eigentlich nur wollte, dass ihr nichts geschah.

"Gut. Du kannst ja mal mit ihm reden", sagte er schließlich langsam: "Aber wenn du nicht so hundert Prozent überzeugt bist, dass er ehrlich zu dir ist, komme ich lieber nicht mit."

Lächelnd nickte Hermine, doch sehr schnell wurde sie wieder ernst. Sie ergriff seine Hand und drückte sie, während sie sehr nachdrücklich forderte: "Ich vertraue dir in dieser Sache, okay, Malfoy? Aber ich will nach der Feier dann doch wissen, warum es dir so wichtig war. Bitte", und nun wurde sie wirklich ernst, beinahe flehend: "Bitte missbrauche das Vertrauen nicht, ja? Ich helfe dir wirklich gerne, aber wenn ich nachher erfahre, dass du einen Auftrag als Todesser hast oder so... Das wäre... Nicht fair von dir."

Es war in diesem Moment, dass Draco aufging, dass sie beide dem Untergang geweiht waren, mehr noch als es Romeo und Julia jemals waren. Er betrog die einzige Person, die ihm einen Vertrauensvorschuss gewähren wollte und die er genau dafür liebte, und gleichzeitig betrog Hermine all ihre Freunde, indem sie dem Feind half. Das würde er niemals wieder gut machen können, so verzeihend war nicht einmal Hermine Granger.

"Ich verspreche dir, dass ich dir nach der Feier erzähle, was ich da wollte", sagte er nach langem Zögern. Es war ja nichts dabei, wenn er ihr sagte, dass er eine Flasche Alkohol im das Büro schmuggeln wollte. Damit log er nicht, aber die brisante Wahrheit konnte er trotzdem für sich behalten.

Für einen Moment noch schaute Hermine ihn durchdringend an und Draco fragte sich, ob sie ahnte, dass er keine guten Absichten hatte, doch dann nickte sie und lächelte ihn aufmunternd an.

"Ich muss dann los", sagte sie, nachdem sie sich erneut lange angeschwiegen hatten: "Harry braucht meine Hilfe bei seinem Aufsatz für Verteidigung gegen die dunklen Künste."

"Du lässt mich hier ernsthaft für Potter sitzen?", beschwerte er sich mit gespielter Wut. Es war süß mitanzusehen, wie Hermine darauf rot anlief: "Ich lasse dich ja gar nicht für ihn sitzen. Aber wir haben ja alles besprochen, oder?"

Mit einem beinahe wölfischen Grinsen stand Draco auf, ging zu ihr rüber und beugte sich dann, eine Hand auf ihrer Stuhllehne, eine auf dem Tisch abgestützt, über sie: "Eigentlich war der Zweck dieses Treffens ja ein anderer. Wir wollten da weiter machen, wo wir gestern aufgehört haben..."

Ihre Röte vertiefte sich und Draco musste an sich halten, nicht vergnügt aufzulachen. Doch er war tatsächlich nicht nur zum Reden hergekommen. Mindestens einen Kuss wollte er von ihr haben und, je nach dem, wie sie reagierten, auch mehr. Langsam, um ihr genug Zeit zu lassen, ihn abzuweisen, wenn sie es wollte, legte er ihr eine Hand unter das Kinn und führte ihr Gesicht näher zu seinem.

Überrumpelt stellte er fest, dass sie wieder alles andere als scheu war: Bestimmt erhob sie sich von ihrem Stuhl, setzte sich stattdessen auf den Tisch und zog ihn an sich. Sie packte seine Krawatte und nun war sie es, die sein Gesicht zu sich zog. Bevor er recht wusste, wie ihm geschah, stand er zwischen ihren Beinen und war in einem leidenschaftlichen Kuss gefangen.

"Wenn du mich küssen willst, Malfoy", flüsterte sie ihm atemlos zwischen zwei Küssen zu, "dann tu es einfach, ohne Zögern. Gib mir nicht die Chance, darüber nachzudenken, sonst laufe ich weg. Küss mich einfach!"

"Dein Wunsch sei mir Befehl, Prinzessin", raunte er ihr zu, dann küsste er sie erneut, noch härter und eindringlicher als zuvor.

Schneller, als ihm lieb war, schob sie ihm jedoch von sich: "Ich muss jetzt wirklich gehen, sonst stellt Harry unangenehme Fragen. Komm morgen nach dem Mittagessen zum Raum der Wünsche, dann reden wir nochmal über Slughorns Party."

Und ehe er die Möglichkeit hatte zu protestieren, war sie ihm entkommen und aus der Bibliothek entschwunden.

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