14. Türchen

Als Hermine am Dienstagmorgen ihre Augen aufschlug, war sie zunächst sehr verwirrt, dass ihr Kissen sich so hart anfühlte.

Dann jedoch kamen die Bilder der letzten Nacht wie ein Wirbelsturm zurück in ihr Gedächtnis und ihr fiel augenblicklich ein, dass ihr Kopf nicht gemütlich auf ihrem Kissen ruhte, sondern auf der starken Brust von Harry Potter. Der wiederum einen Arm um ihre Schultern geschlungen hatte, während der andere leblos zur Seite gefallen war.

Erstarrt, unfähig sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen, blieb Hermine in ihrer Position liegen. Sie konnte nicht glauben, was am Abend geschehen war. Hatte sie sich tatsächlich von Harry dazu überreden lassen, Ron zu verlassen, um es mit ihm zu versuchen? Waren sie nun offiziell ein Paar?

Erinnerungen daran, wie Harry voller Zärtlichkeit ihren Körper erkundet hatte, sie Lage um Lage entkleidet und schließlich vollständig nackt ausgezogen hatte, stiegen in ihr hoch. Er war so ganz anders als Ron, jede Sekunde darauf bedacht, ihr zu gefallen und sich um ihre Bedürfnisse zu kümmern. Sie hatte sich angebeteten gefühlt wie eine Göttin und sie hatte es genossen.

Hitze stieg ihr ins Gesicht. Sie sollte nicht über den Sex mit Harry nachdenken, wenn sie heute noch ihre Gefühle sortieren wollte. Unwillig, aber dennoch entschlossen, wandte sie sich aus seinem Arm und setzte sich vorsichtig im Bett auf. Sie hatte tatsächlich mit Harry die Nacht verbracht.

Von ihrer Bewegung geweckt, öffnete Harry schläfrig seine Augen: „Morgen…“

Noch immer rot im Gesicht blickte Hermine auf ihn hinab: „Guten Morgen.“

Ein schiefes Grinsen stahl sich auf seine Lippen, als er ihre offensichtliche Befangenheit bemerkte: „Du bist süß, wenn du schüchtern bist.“

Beleidigt zog sie eine Schnute: „Tut mir leid, dass ich nicht so einfach über … über das hier hinwegkomme.“

„Das hier?“, wiederholte Harry, der jetzt ganz offen lachte: „Du meinst, den berauschenden Sex mit dem größten Kriegsheld der Zauberergeschichte?“

Ihre Röte vertiefte sich, doch dafür verschwand ihre Befangenheit: „Spiel dich bloß nicht so auf, Harry Potter. Ich bin zufällig auch eine Kriegsheldin! Und zufällig war ich an diesem Sex auch beteiligt, also war ich für mindestens die Hälfte der Großartigkeit verantwortlich!“

Lachend richtete er sich auf und legte ihr eine Hand auf die Schulter: „Oh, absolut, da würde ich nie widersprechen! Ich hätte wirklich schon viel früher meine Sinne beisammen haben sollen und dir den Hof machen! Du scharfes Stück, du!“

„Wer bist du und was hast du mit meinem immer etwas unbeholfenen besten Freund gemacht?“, fragte Hermine ungläubig. Dass Harry hier vor ihr saß und so entspannt über Sex sprechen konnte, wollte ihr einfach nicht in den Kopf.

„Ich bin einfach nur überglücklich, dass ich dich endlich für mich haben kann“, sagte er und plötzlich war alles Lachen verklungen. Sein Blick lag voller Ernst auf ihr, während die Hand, die auf ihrer Schulter gelegen hatte, ihr zärtlich den Nacken kraulte.

Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrer Haut aus: „Du weißt viel zu genau, was du sagen musst.“

Ein Blick auf ihren Wecker unterbrach den Moment der Zweisamkeit: „Oh Gott! Ich bin spät dran. Und du auch!“

Hektisch begann sie, nach einem angemessenen Outfit für den Tag in ihrem Schrank zu wühlen, während Harry einfach nur faul die Klamotten vom Vortag vom Boden sammelte und anzog.

„Übrigens“, sagte sie, während sie ihre Bluse zuknöpfte: „Mir wäre es lieb, wenn wir … wenn wir noch warten könnten, okay? Ich will mir diesmal sicher sein, bevor ich eine neue Beziehung anfange. Und ich finde, Ron sollte auch Schonzeit bekommen.“

Harrys Fröhlichkeit verschwand augenblicklich: „Du willst jetzt aber nicht weglaufen, oder?“

Genervt rollte sie mit den Augen: „Nein, natürlich nicht. Ich will nur nichts überstürzen, okay? Warte auf mich, Harry. Gib mir Zeit.“

Grimmig verschränkte er die Arme vor der Brust: „Ich habe lange genug gewartet.“

Entschlossen trat sie auf ihn zu und stach ihm einen Finger in die Brust: „Wenn du so anfängst, endet das hier, bevor wir überhaupt wirklich gestartet sind, okay? Ich brauche Zeit, Harry Potter, und wenn du es ernst meinst, dann gibst du mir sie.“

Sie konnte nicht glauben, dass er ernsthaft von ihr erwartete, sich Hals über Kopf in eine Beziehung mit ihm zu stürzen. Nicht nur, dass sie ihre Gefühle füreinander gerade erst entdeckt hatten, er war auch immer noch der beste Freund ihres Ex-Freundes, der noch nicht wusste, dass er wirklich ein Ex-Freund war.

„Schön“, zischte Harry, während er an ihr vorbei aus dem Schlafzimmer trat: „Aber glaub mir: Ich bin nicht so geduldig wie Ron. Ich will dich, Hermine, und ich weiß, dass du mich auch willst. Schmeiß das nicht weg!“

Am liebsten hätte Hermine ihm dafür eine Ohrfeige verpasst, doch er war appariert, ehe sie reagieren konnte. Mit offenem Mund und unendlich wütend stand sie in ihrer Wohnung. Dachte Harry wirklich, dass er so mit ihr umgehen konnte? War das die Seite, die er in einer Beziehung zeigte? Besitzergreifend, herrisch und ungeduldig? War seine Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit nur aufgesetzt, um die Frau ins Bett zu bekommen?

Frustriert schüttelte sie den Kopf. Nein, sie reagierte vermutlich nur über. Sie wusste, dass die zärtliche Seite zu Harrys Wesen dazu gehörte, aber sie hatte auch schon miterlebt, dass er stur und ungeduldig sein konnte. Vermutlich wollte er einfach endlich die Gewissheit, dass er sie haben konnte. Aber sie blieb bei ihrem Entschluss: Sie würde nichts überstürzen.

 

oOoOoOo

 

„Wie läuft es mit Granger?“

Lächelnd stellte Draco seine Kaffeetasse zurück und schaute über den Frühstückstisch hinweg zu seiner Mutter hinüber: „Ausgezeichnet.“

„Oh?“, hakte Narzissa Malfoy interessiert nach: „Was genau bedeutet das?“

Er musste an sich halten, nicht zu sehr zu prahlen und direkt mit allem herauszuplatzen. So langsam es ihm möglich war, legte er dar: „Ich habe auf deine Anweisung hin meine charmante Seite gezeigt und sie scheint doch recht empfänglich dafür zu sein. So empfänglich jedenfalls, dass sie nur zu gerne noch öfter mit mir ausgehen will.“

Seine Mutter erwiderte sein Lächeln warm: „Das freut mich. Also müssen wir uns keine Gedanken mehr darum machen, dass sie uns auf der Spur ist?“

Kurz schloss Draco die Augen. Auf der Spur. Das war eine interessante Wortwahl, die nur zu bestätigen schien, was Granger gesagt hatte: Seine Mutter wusste Bescheid und ihr war klar, warum das Ministerium Interesse an ihnen hatte. Doch Draco war nicht bereit, sich von diesem Gedanken ablenken zu lassen. Seine Mutter wollte nur die Familie beschützen. Vermutlich wusste sie gar nicht, welche abscheulichen Verbrechen mit der Vase begangen worden waren, sondern nur, dass sie schwarzmagisch war. Er würde sich nicht von Granger gegen seine eigene Mutter aufbringen lassen.

„Das kann ich nicht sagen“, antwortete er schließlich wahrheitsgemäß: „Aber zumindest hat sie für den Augenblick das Interesse verloren. Wir werden uns wohl wiedersehen und ich werde alles tun, um sie mit einem weiteren Flirt davon abzuhalten, mehr Fragen zu stellen. Sie wird es schon vergessen.“

„Geht sie tatsächlich auf deine Flirtversuche ein?“, erkundigte sich seine Mutter überrascht.

Er konnte nicht anders, als bei diesen Worten zu grinsen. Ja, es war in der Tat eine Überraschung, wie empfänglich Granger für seinen Charme war, aber er war eben auch einfach gutaussehend. Sie war dem offensichtlich ebenso erlegen wie die meisten anderen Frauen. Grinsend bestätigte er: „Ja, in der Tat. Und sie läuft so niedlich rot an, wenn man ein paar Anspielungen bringt.“

Ein nachdenklicher Ausdruck trat auf das Gesicht seiner Mutter: „Das ist interessant. Pass nur auf, dass sie dich nicht hereinlegt, mein Guter.“

Er schnaubte bloß: „Keine Sorge. Jemand wie die ist viel zu ehrlich, um einen Flirt vorzuspielen. Sie ist eine Gryffindor, schon vergessen?“

Sie nickte abwesend: „Jaja, sei nur einfach vorsichtig.“

Kopfschüttelnd nahm Draco den Tagespropheten in die Hand. Die Sorge seiner Mutter war absolut unbegründet. Granger reagierte aufrichtig auf seine Avancen, und er war der letzte, der sich auch nur im Mindesten für sie interessierte. So ein lächerlicher Gedanke, dass sie ihn da irgendwie hereinlegen könnte.

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