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Ein schöner Sommertag, Mitte Juli, Fürstin Cenishenta machte nach langer, an ihrer Gesundheit zehrender Krankheit, ihren ersten Spaziergang im königlichen Wald. Sie betrachtete ihr Umfeld, die überall umherstehenden Buchen und Eichen, die jung und alt, manch einer dicker, mancher dünner, aber alle im wesentlichen Sinne gesund waren. Nur an einigen Stellen war der Wald etwas ausgebrannt wegen der furchtbaren Bestien, die uns - zum Schrecken aller -  immer wieder heimsuchten. Die Fürstin trauerte wegen der Zerstörung, die die grässlichen Ungeheuer angerichtet hatten. Überhaupt war sie eine sehr mitfühlende Person und dazu noch so wunderhübsch... und jung mit erst 17 Jahren!

Ihre blauen Augen strahlten im herrlichen Kontrast zu ihren gold-dunkelblonden Haaren und ihr wohlgeformter Mund war wie gemacht für ihre hübsche Nase...

Ich folgte ihr, heimlich, da mir ihr Wohlergehen sehr am Herzen lag. Ja, ich liebte sie,  aber... der Stand ließe es nie zu.

Schließlich war ich nur ein einfacher Ritter am Hofe seiner Majestät Cámalon und somit war es mir nicht gestattet um ihre Hand anzuhalten. Sicher, kein leichtes Los, aber dennoch besser als sie nicht zu kennen.

Mein Name ist Flash, genauer Flash Raffaell, Sohn des Eros Raffaell.

Ich bin kein Schönling, wie vergleichsweise Prinz Adalbert vom Nachbarreich Plarun - ein widerlicher Typ, mit Verlaub - und auch kein hässlicher Kerl mit Buckel, sondern jemand, der von sich selbst behaupten kann, nicht gerade schlecht auszusehen: gelbe Augen, wohl geformtes Gesicht, verwuschelte Haare, die gelb sind, nicht blond, nein, gelb !!!

Diese Tatsache gab oft Anlass zur Belustigung auf meine Kosten, nur weil meine Haare nicht blond oder braun, sondern gelb waren. Die Intoleranz meiner Mitmenschen konnte mich glücklicherweise jedoch nicht davon abbringen ein einigermaßen tauglicher Ritter zu werden, der sich rühmen darf für seine gute Schwertführung bekannt zu sein. Lediglich was die Lanze betrifft, habe ich es bis jetzt noch nicht sehr weit gebracht, was daran liegt, dass mir das Kämpfen um Ehre wenig Freude einbringt und ich den Griff zur Waffe nur dann tätige, wenn es gilt meines oder das Leben anderer zu verteidigen. Außerdem unterlag ich nicht der Pflicht am Ritterturnier teilzunehmen, da nur Adelige dafür zugelassen wurden.

Cenishenta wandelte indes an diesem herrlich ruhigen Tag besorgt durch die großen Wälder des Schlossgartens, denn um Kertófu, das Königreich ihres Onkels Cámalon, stand es nicht sehr gut. Böse Dämonen und anderes gefährliches Gesindel trieben dort noch immer ihr gräuliches Unwesen. Sie zerstörten die schöne Landschaft  und vernichteten die Ernte der Bauern, die sich fast täglich beim König deswegen beschwerten, obwohl die meisten wussten, dass es sowieso keinen Zweck hatte...          

  Seit nunmehr 25 langen Jahren wüteten die Ungeheuer. All dies hatte somit noch vor meiner Zeit begonnen - denn ich bin 21. Ich musste schon im zarten Alter von 10 kämpfen lernen und lebe auch seit meiner Geburt im Schloss des Königs, da meine arme Mutter - Gott hab sie selig - bei meiner Geburt und mein tapferer Vater - möge er in Frieden ruhen - ein Jahr danach im Kampf, starben.

  An diesem unglückseligen Tag im Wald also trug ich wie immer meine Waffe: Émalon, ein gutes Schwert, das schon meinem Vater seinerzeit gedient hatte. Es hatte einen einfachen Kreuzgriff aus bestem Gusseisen, der jedoch verziert war mit meines Vaters goldenen Initialen, ER. Die Schneide war doppelt und gut geschliffen. Ich war stolz darauf es zu besitzen, es war ein Erinnerungsstück an meinen Vater.

Sorgsam beobachtete ich meine Umgebung, keiner durfte bemerken, dass ich Cenishenta heimlich beschattete. Das würde die Todesstrafe für mich bedeuten. Um so vorsichtiger war ich also, da ich wusste, dass der König seit einiger Zeit ständig Wachen im Wald postierte, die die Monster - zumindest vom Schloss - fernhalten sollten. Eine sehr gefährliche Aufgabe, bei der regelmäßig Soldaten auf unerklärliche Weise umkamen. Ich aber konnte es bisher glücklicherweise arrangieren im Schloss zu bleiben, denn ich machte mir sehr große Sorgen um Cenishenta, was nur bis zu einem gewissen Maße natürlich erschien und ich deshalb ständig unterdrücken musste. Ein schauerliches Unbehagen  das seit nunmehr 10 Jahren meine Magengrube bearbeitete. Als sie mir das erste mal in die Augen blickte und mich in ihren Bann zog mit ihrem unglaublich zauberhaften Lächeln, war es um mich geschehen, ganz gleich, wie jung ich damals auch war. Seit jenem Tag hatten wir oft miteinander gespielt und umso älter wir wurden, umso stärker und klarer wurden meine Gefühle für sie... Doch mit dem Alter wurden auch die Unterschiede, vor allem die des Standes, immer deutlicher. Immer öfter wurde uns verboten miteinander zu verkehren, bis ich mit 15 schließlich Knappe wurde. Seither war es mir nicht mehr gestattet mit der Fürstin zu sprechen. Es sei denn, sie ließe mich rufen, was aus den gleichen Gründen jedoch sehr selten geschah. Und obwohl ich vor einem halben Jahr zum Ritter geschlagen worden war, hatte sich diesbezüglich nichts geändert...

So musste ich mich heimlich von ihrem Wohlbefinden in Kenntnis setzen...

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