16. Begegnungen

Jack und ich genossen unsere wiedergewonnene Zweisamkeit. Abermals vergingen die Jahre und ich vollendete mein erstes Jahrhundert.

Schon an meinem sterblichen Geburtstag probierte ich aus, ob ich neue Fähigkeiten bekommen hatte. Natürlich hatte sich noch nichts geändert. Erst einige Wochen später, als ich meine geistige Kraft auf ein Stück Papier schleuderte, ging es in Flammen auf. Ich freute mich riesig. Dazu fixierte ich das Objekt mit den Augen, fühlte ein Ziehen hinter der Stirn und stellte mir vor, wie eine unsichtbare Zunge nach dem Papier schlug, wie bei einem Chamäleon und es fing Feuer. Später versuchte ich noch, ob ich die unsichtbare Faust besaß, aber die Katzen auf die ich sie schleuderte, liefen unbeirrt weiter. Nun, man konnte nicht alles haben.

 

Mit der Zeit spürte ich, dass ich inzwischen stärker als Jack war. Ein boshafter Gedanke keimte kurz in mir auf. Wie wäre es ihn zu vertreiben und sein Reich zu erben? Aber ich verscheuchte diese Überlegungen schnell wieder und schämte mich dafür. Ich sehnte mich immer mehr nach einem stärkeren Gefährten. Nun wurde mir klar, dass ich einfach einen mächtigeren Mann an meiner Seite brauchte. Ich wollte jemanden, den ich bewundern dem ich nacheifern konnte. Ich begann wieder mehr auszugehen. Vor allem in die Unsterblichen-Clubs, in der Hoffnung, es wäre einmal ein geeigneter Kandidat dabei. Doch es waren fast nur Schwächere, weil sie zu jung waren. Auf den privaten Partys gab es schon eher welche, aber bei keinem kribbelte es. Eigentlich lief mit Jack alles bestens. Er war immer noch in mich verliebt und im Bett kam noch keine Langeweile auf. Warum sollte ich ihn dann verlassen? Jack ahnte überhaupt nichts von meinen Gedanken. Er lebte sein Leben, wie bisher und rechnete wahrscheinlich damit, dass wir mindestens so lange zusammenbleiben würden, wie er und Lorraine damals.

 

Irgendwie fand ich keine neue Liebe und ich setzte meine Hoffnungen auf das nächste Neujahrsfest. Da vergnügte ich mich ausgiebig mit Martin, aber er war auch kein passender Partner. Sowieso lebte er jetzt mit Antonio auf dessen Grundstück. Der Ältere war immer noch der Herrscher von San Francisco.

Ich traf auf ihn im Saal der Renaissance, seiner Zeit. Antonio war erfreut mich zu sehen und wir setzten uns schnell ins Treppenhaus ab, um uns zu unterhalten. Nach ein wenig Smalltalk, erzählte ich ihm von meinen Gelüsten Jack zu vertreiben. Er betrachtete mich ernst und meinte dann lächelnd: „Du bist die am Meisten ausgekochte Unsterbliche, die mir je begegnet ist. Du wirst die Zeiten überdauern, bis zur ewigen Verdammnis.“

„Was meinst du damit?“ Er blickte um sich: „Das göttliche Alter. Ab da kann dich nichts mehr töten. Du brauchst eben deine Freiheit und er klammert sich an dich. Deshalb willst du ihn los sein.“ Ich berührte seine Finger: „Kannst du das verstehen?“ Er umfasste meine Hand: „In gewisser Weise, ja. Du liebst ihn nicht, sonst wärst du nicht zu so etwas fähig. Ich hätte einmal beinahe Martin vernichtet, wenn die Zuneigung nicht stärker gewesen wäre, als die Eifersucht.“

„Erzählst du es mir?“ Er nickte: „Es ging in unserem Zwist um Magnus. Er hatte mich, als er damals mit Catherine bei mir auftauchte, total in seinen Bann geschlagen. Ich war verknallt bis über beide Ohren. Magnus ließ sich allerdings nur einmal auf mich ein.“ Wie bekannt mir dieses Gefühl vorkam. Mir hatte mein Prinz ja auch gehörig den Kopf verdreht gehabt. „Dann traf er Martin auf einer Party mit Sterblichen und lud ihn zu einem gemeinsamen Trunk ein. Nach diesem Abenteuer wollte Magnus mehr von ihm und sie begannen eine Affäre. Ich war grenzenlos eifersüchtig auf Martin. Magnus begehrte ihn und mich wies er ab. Das machte mich rasend. Schließlich lauerte ich meinem Gefährten auf und fiel über ihn her. Er hatte überhaupt keine Chance gegen mich und er wusste das. Trotzdem wehrte er sich tapfer. Letztendlich lag er schwerverletzt am Boden und erwartete den Todeshieb. Doch ich brachte es nicht über mich. Ich ließ das Messer fallen und brach weinend neben ihm zusammen. Ich konnte nicht fassen, dass ich ihn um ein Haar ausgelöscht hätte. Als ich mich gefangen hatte, bot ich ihm mein Blut an. Er war schon zu schwach zum Aufstehen. Dieses Ereignis betrachtete Martin, als Sieg über mich, weil ich ihn nicht vernichten konnte.“ Ich bemerkte: „Wenn ich ehrlich bin, könnte ich das Jack auch nicht antun. Nach allem was er für mich getan hat und er liebt mich doch. Das wäre nicht fair.“ Antonio nickte: »Siehst du. Er wird eure Trennung schon verkraften, wenn es, soweit ist. Vielleicht spürt er bereits, dass du dich nach anderen umsiehst und wartet nur auf die Nacht, in der du ihn verlassen wirst.“

„Ach, ich weiß nicht. Er ist für einen Unsterblichen schrecklich eifersüchtig. Gavin, mein Blutssohn, war der absolute Konkurrent für ihn. Er hätte ihn am liebsten umgebracht.“ Antonio rieb sich das Kinn: „Wenn du einen stärkeren Gefährten findest, wird er sich hüten ihn anzugreifen. Er wird dich gehen lassen“ Ich nickte nur.

 

Am nächsten Abend sah ich Antonio zufällig von einem Fenster aus, im Himmel verschwinden. Neugierig folgte ich ihm, in der Hoffnung, ihn beim Jagen beobachten zu können. Bald schwebten wir über den Wäldern und Antonio tauchte zwischen die Baumkronen ab. Ich folgte und fühlte ein zweites Vibrieren. Antonios Schwingungen erstarben nun. Ich unterdrückte meine sowieso schon, wegen ihm. Ich sah einen jungen Unsterblichen am Boden liegen, der einen Sterblichen umschlungen hatte und an seinem Hals hing. Der andere war bei den letzten Zügen. Was wollte Antonio hier? Hatte er das Blut gerochen? Der fremde Unsterbliche ließ nun von dem Menschen ab und sank auf den Rücken, um seinen Rausch auszukosten. Sein Gesicht war voller Blut. Jetzt ging in Antonio eine Veränderung vor sich. Sein Körper spannte sich und bevor ich richtig begriff, schnellte er hinunter, packte den jungen Mann am Arm und zog ihn auf die Füße.

Ich war total erschrocken und noch mehr, als ich sah, wie Antonio den Kopf des anderen zur Seite bog und fauchend hineinbiss. Er umklammerte den Jüngeren so fest, dass dieser keine Chance hatte sich zu wehren. Er knurrte nur, seine Augen funkelten vor Wut und er versuchte, seinen Peiniger zu kratzen. Bald wurde der Jüngere schwächer und als Antonio ihn fallen ließ, floss kaum noch Blut in seinen Adern. Er war kreidebleich und lag erschöpft im Gras. Dann drehte ihn Antonio auf den Bauch und schlug ihm den Kopf ab. Ich war absolut entsetzt und mir war es egal, ob er mich bemerkte: „Was hast du getan? Warum?“ Er sah mich erschrocken an: „Jessica, du hier?!“ Ich kam näher: „Was hat er dir getan?“ Antonio blickte auf den noch zuckenden Körper: „Nichts. Ich hatte Hunger.“

„Hunger?“, fragte ich erstaunt. Nun lächelte er teuflisch: „Ja, so sieht meine Jagd jetzt aus. Die Sterblichen genügen mir nicht mehr. Ich zerquetsche sie wie Insekten. Darum jage ich, wie die Uralten. Das ist reizvoller, weil sich unsereins entsprechend wehren kann.“ Das erinnerte mich an die Drude. Antonio vollendete die Vernichtung, indem er den nackten Körper und den Kopf in das Geäst eines Baumes hängte, damit ihn die Morgensonne verbrannte. Auf dem Rückweg zur Burg sagte Antonio: „Keine Sorge, Jessica. Ich brauche es nur alle paar Wochen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich den Hunger wieder spüre. Die Jagd fehlt mir. Ich suche mir meine Opfer schon vorher aus und beobachte sie. Das erhöht die Spannung.“

„Seit wann tust du das?“ Er überlegte: „Hm, seit fast einem Jahr. Es kam eines Nachts einfach über mich. Ich war zuerst auf der Suche nach einem Sterblichen, als mich mein Instinkt zu einem trinkenden Unsterblichen führte. Zuerst wusste ich nicht, was mich anzog, aber mein Körper wusste es sehr genau. Als der andere mit Trinken fertig war, sprang ich ihn an und saugte ihn aus. So ist es bis heute. Ich warte den Moment ab, wenn das Blut noch pochend durch die Adern fließt. Das Pulsieren brauche ich noch.“ Ich war immer noch entsetzt: „Werden wir alle so?“ Antonio nickte: „Ja. Catherines Schöpfer, Jonathan tut das schon lange. Er lässt aber die Meisten am Leben.“

„Und du? Warum vernichtest du sie?“ Er entgegnete: „Tja, weil es dann meine Kräfte steigert. Ich war schon immer ehrgeizig damit.“ Ich stimmte zu: „Und Martin? Hast du Gelüste nach ihm?“

„Nein, nicht Solche. Er weiß nichts von meiner Neigung und soll es auch nicht.“ Antonio war noch gar nicht so alt, als dass ihn dieser göttliche Hunger überkommen konnte. Erst knapp sechshundert.

„Was hat sich bei dir noch verändert?“, wollte ich wissen. Er lächelte: „Nun, ich kann die unsichtbare Faust auf andere Unsterbliche schleudern. Es schwächt sie dann, weil sie innere Blutungen erleiden. Und ich habe Erstarrungszustände.“

„Was ist das?“ Er fuhr fort: „Es ist wie ein Wachtraum. Irgendetwas löst eine Erinnerung aus und mein Geist gleitet ab in die Vergangenheit. Dabei erstarrt mein Körper und das kann Stunden dauern. Martin kennt es inzwischen. Ich selbst habe es bei Catherine erlebt.“ Wir betraten wieder einen der Festsäle. Da kam uns Martin entgegen und begrüßte Antonio mit einem Kuss auf die Lippen: „Du warst jagen.“ Der Ältere drängte sich an ihn: „Turnt es dich an?“ Ich verzog mich, als sie in eine Knutscherei verfielen. Ich dachte abermals an den getöteten Unsterblichen. Hatte er hier eine Gefährtin oder Gefährte gehabt? Dachte Antonio gar nicht daran, was er anrichtete? Das war genauso verachtungswürdig, wie das, was die Drude getan hatte.

 

Am nächsten Abend spürte ich eine Unruhe in der Burg. Irgendetwas versetzte viele von uns in Aufregung. Schnell zogen Jack und ich uns an, um der Sache auf den Grund zu gehen. Vor einem der Säle herrschte dichtes Gedränge. Ich quetschte mich durch die Mitte, bis zur Mitte des Raumes.

Dort stand ein großer Holztisch, auf dem die verkohlten Überreste eines Vampirs aufgebahrt lagen. Die Ratsältesten standen diskutierend daneben. Für sie sah es nach einem Duellopfer aus, aber ich wusste, was geschehen war. Kämpfe waren ja während des Festes verboten und alle waren deshalb entsetzt über dieses Verbrechen. Ich betrachtete den skelettierten verschmorten Körper vor mir. Die Wirkung der Sonne auf uns hatte ich noch nie gesehen. Es befand sich nur noch verkohltes Fleisch an den Knochen. Catherine trat nun an den Leichnam heran und betrachtete ihn genau von allen Seiten. Sie inspizierte die gebrochenen Rippen und den verbrannten Halsstumpf. Dann winkte sie Jonathan herbei und flüsterte zu ihm. Er nickte daraufhin. Über was redeten sie? Hatten sie einen Verdacht? Da blickte mir Catherine plötzlich fragend in die Augen und ihre gedankliche Stimme ertönte: ‚Antonio?‘ Verlegen senkte ich meinen Blick. Sie hatte meine Gedanken aufgeschnappt. Sie wusste es. Dann begann sie von einer Drude zu sprechen, die vielleicht durch das Fest angelockt worden war. Diese Version fand Anklang bei den anderen. Es war einfacher zu glauben, ein fremdes Wesen hätte diesen Mord begangen, als den Täter in den eigenen Reihen zu suchen. Der Rat verkündete, letztendlich zur Sicherheit, das Ende des Festes. Unsere Art geriet genauso in Panik, wie die Menschen vor uns, wenn von diesen Wesen die Rede war. Für alle war die Drude ein Monster, ein Tier. Ich wusste es besser. Wir wurden mit der Zeit vertrauter miteinander. Ich blieb nicht nur die Sklavin, sondern wurde zu einer schwächeren Gefährtin. Sie führte ein sehr einsames Leben da oben in den Bergen so ganz ohne Artgenossen.

 

Bevor Jack und ich am nächsten Abend endgültig aufbrachen, ging ich nochmals in den Saal, in dem der Verbrannte lag. Es standen noch einige Unsterbliche herum, aber nur einer war am Tisch mit den Überresten und die Tränen liefen ihm in Strömen über die Wangen. Er berührte zaghaft das verkohlte Fleisch. ‚Oh nein!‘, dachte ich. Hatte der Getötete seinen jungen Freund zurückgelassen. Der Unsterbliche war sehr jung. Noch ein Teenager und nicht lange umgewandelt. Ich las in seinen Gedanken, dass vor ihm sein Erzeuger und Liebhaber lag. Meine Wut auf Antonio flammte kurz auf und meine Erinnerung an Cornelius. Bei diesem Anblick stiegen mir ebenfalls die Tränen in die Augen und ich fühlte den rumorenden Schmerz in meinen Eingeweiden. Die Erinnerung war wirklich ein Fluch für uns.

Langsam schlich ich mich näher zu ihm und als ich am Tisch ankam, fragte ich: „War er dein Schöpfer?“ Der Junge sah mit seinen tränennassen Augen auf, betrachtete mich und nickte schwach. Ich erzählte, dass mir vor Jahren etwas Ähnliches passiert war und dass ich seine Trauer nachfühlen konnte. Mein Geliebter und Erschaffer wäre auch vernichtet worden. Dann stellte ich mich vor: „Ich heiße Jessica und komme aus London. Darf ich deinen Namen erfahren?“

„Alexander“, flüsterte er. „Wer tut so etwas und warum? Es sollte doch hier keine Kämpfe geben“, sagte er wie zu sich selbst. Dann begann er zu schluchzen und hielt die Hand vors Gesicht. Ich schloss ihn tröstend in die Arme. Armer Junge! So allein auf der Welt und so schwach. Ich hatte Mitleid mit ihm und spürte seine unendliche Trauer. Er lehnte sein Gesicht an meine Schulter und seine Tränen durchnässten mein Shirt. Sanft streichelte ich über sein braunes, kurzes Haar: „Möchtest du mit mir kommen, Alexander?“ Was sagte ich da bloß? Wie würde Jack reagieren? Aber dieses Angebot war einfach aus mir herausgerutscht. Seine blau-grünen Augen sahen mich an: „Ich kenne dich doch gar nicht.“

„Wo kommst du her? Wo hast du mit deinem Gefährten gelebt?“

„Aus Deutschland. Wir lebten in Berlin.“ Ich hatte ihn inzwischen losgelassen und seine Tränen trockneten. „Ich wohne mit meinem Freund in einem Vorort von London. Würde dir England gefallen?“ Er starrte auf die Überreste des anderen Vampirs: „Ich weiß nicht. Hat dein Freund denn nichts dagegen, wenn ich mitkomme?“

„Ich frage ihn, wenn du willst. Aber ich denke, in deinem Fall hat er nichts dagegen.“ Mein stummer Ruf, ließ Jack kurze Zeit später erscheinen: „Ach, hier bist du. Ich habe mich schon gewundert, wo du bleibst.“ Er blickte den Jungen an und ich sagte: „Das ist Alexander. Er ist nun sozusagen Waise.“ Dabei wies ich auf die Leiche: „Ich dachte, er könnte mit uns kommen.“

Bitte! Er ist so allein und traurig. Es erinnert mich an meine Situation damals‘, fügte ich stumm hinzu. Jack grinste den anderen daraufhin erfreut an und reichte ihm die Hand: „Ich bin Jack. Du kannst bei uns bleiben, solange du willst.“

Diese Einladung überraschte mich sehr, aber ich freute mich für den Jungen. Er schien erleichtert, ein neues Zuhause gefunden, zu haben. Mein Gefährte bat ihn, sein Gepäck zu holen, da wir endlich aufbrechen müssten.

Alexander war noch sehr langsam im Fliegen, so dass Jack ihn an die Hand nahm und mit sich zog. Mich erstaunte seine Fürsorge, aber wenigstens mochte er den Jungen und so gab es hoffentlich kein Konkurrenzdenken, wie bei Gavin.

 

Alexander war begeistert von unserem Anwesen. Er hatte mit Dirk nur in einer kleinen Altbauwohnung gelebt. Die Vorstellung von zwei Vampiren im Mietshaus fand ich amüsant, aber es konnten ja nicht alle in Villen wohnen. Jack kommentierte: „Das war aber sehr riskant. Habt ihr dort auch geschlafen?“ Alexander nickte: „Unter den Dielen im Schlafzimmer. Da war gerade genug Platz für zwei.“ Daraufhin zeigte mein Gefährte ihm seine zukünftige Schlafstätte. Wir hatten noch Gavins Bettanfertigung. Alexander staunte über unseren Luxus. In seinem Bett war ebenfalls eine Musikanlage eingebaut und Jack erklärte ihm noch die anderen Schalter. Dann kramte er seidene Bettwäsche aus dem Schrank und gab sie unserem Schützling. Der Junge strich lächelnd über den kühlen Stoff: „Ihr habt es wirklich toll hier. Haben andere Unsterbliche auch so abgesicherte Schlafkammern?“

„Ja, klar. Das hier ist noch harmlos. Da gibt es richtige Sicherheitsfanatiker. Die haben Panzertüren, Scanner für Augen oder Hände und Codes.“ Ein wenig verlegen fügte Jack hinzu: „Na ja, ich bin etwas altmodisch.“ Alexander räumte seine wenigen Klamotten in den Schrank. Da mussten wir noch einkaufen gehen, auch was seinen Stil betraf. Das meiste waren Jeans und Shirts. Briten mochten lieber klassische Kleidung und erst recht Unsterbliche, die einige hundert Jahre alt waren. Manches könnte er auch von Jack tragen. Sie waren fast gleich groß, aber Alexander war noch ein wenig schmaler. Doch er würde mit dem Alter noch männlicher werden. Erst in seiner vollen körperlichen Reife erstarrte sein Zustand für die Ewigkeit. Allerdings waren diese Vampire sehr schwach. Je älter wir zum Zeitpunkt der Umwandlung waren, desto schneller nahmen unsere Kräfte zu. Die Meisten wollten allerdings ihre Jugend erhalten und entschieden sich deshalb zwischen zwanzig und dreißig für die Unsterblichkeit. Bei Älteren bewirkte die Verwandlung einen Verjüngungseffekt. Zum Beispiel blieben die Haare grau, aber die Falten im Gesicht wurden gemildert und der Körper sah um Jahrzehnte jünger aus. Nicholas, mit dem ich einige heiße Nächte verbracht hatte, war ja auch schon reifer gewesen, als er zum Vampir wurde. Bei ihm sah man es nur an den grauen Strähnen in seinem dunkelbraunen Haar und an den Fältchen um die Augen. Morgen würden wir alle jagen müssen. Jack und ich hatten es das ganze Fest über ausgehalten und Alexander schien erst getrunken zu haben. Doch, da er so jung war, brauchte er es jede zweite Nacht. Wir saßen noch im Kaminzimmer zusammen, als Alexander sich verabschiedete, um zu Bett zu gehen. „Und, Jack? Wie findest du ihn?“, fragte ich. Er lächelte: „Er ist süß und so hilflos.“ Ich stimmte zu. Als ich schon in unserem Bett lag, sah ich wie Jack lächelnd über Alexanders Bettbehälter strich und sich dann unserem Bett zuwandte. Er schien ihn wirklich gern zu haben.

 

Am nächsten Abend sah man uns den Hunger an, weswegen unser derzeitiger Butler großen Abstand zu uns hielt. Er begrüßte uns nur kurz und verschwand wieder in der Küche. Alexander war irritiert, dass wir einen menschlichen Diener hatten. Jack klärte ihn über die englischen Gepflogenheiten auf und dass David schon eine ganze Weile für ihn arbeitete: „Nimm ihm die knappe Begrüßung nicht übel. Er hat Angst vor uns, wenn wir zur Jagd aufbrechen. Begleitest du mich?“ Alexander verneinte: „Ich möchte allein gehen.“ Jack nickte: „Gut, aber ich muss dir mein Jagdgebiet zeigen. Also, komm!“ Ich trennte mich über London von den beiden und suchte mal wieder einen Mörder oder Psychopath. Heute hatte ich Lust richtig grausam zu sein. Bald hatte ich ein Opfer geortet. Ein unscheinbarer Mann, dem man seine Taten nicht ansah. Er spazierte in der Nähe von Victoria-Station herum. Während ich ihn durch die Luft verfolgte, steigerten sich meine Vorfreude und meine Gier. Ich überlegte, wie ich am besten vorging. Dann entschloss ich mich für einen schnellen Angriff aus der Luft.

Ich schnellte hinunter, packte ihn an seiner Jacke und zog ihn mit auf ein Dach. Hier würde uns niemand sehen und ich könnte noch mit ihm spielen. Er war noch ganz verwirrt von dem Geschehen, wusste gar nicht, was eigentlich passiert war und wie wir plötzlich auf das Dach gekommen waren. Ich demonstrierte ihm gleich, dass ich kein Mensch war, indem ich meine Zähne zeigte. Er wurde blasser und noch mehr, als meine Augen funkelten. Er brachte vor Furcht keinen Ton heraus und starrte mich nur entgeistert an. Dann zog ich ihn das erste Mal an mich, schlug kraftvoll meine Kiefer in sein Fleisch und nun schrie er auf vor Schmerz. Doch große Gegenwehr kam nicht von ihm. Nachdem ich einige Züge getrunken hatte, löste ich mich von ihm und sah ihn an. Er stöhnte und flehte mich leise an, aufzuhören. Ich grinste nur boshaft und trank abermals. Dabei rammte ich ihm wieder meine Zähne hinein und spürte sein Winden in meiner Umklammerung. Wie eine Schlange drückte ich noch fester zu, bis er sich nicht mehr bewegen konnte. Sein Brustkorb gab nach. Ich hörte das Knacken und etwas stach mich in die Seite. Das war jedoch im Moment nebensächlich. Ich tauchte ab in meinen Rauschzustand und kam erst wieder so richtig zu mir, als ich neben dem Toten auf dem kalten Beton des Flachdaches lag. Ich richtete mich langsam auf und blickte auf das, was von ihm übrig war. Der Kopf hing gerade noch an einem Fleischfetzen am Körper, der Leib war eingedrückt und nun sah ich, was mich gestochen hatte. Eine gebrochene Rippe schaute aus der Haut heraus. Ich konnte also genauso gemein sein, wie andere. Ich hatte seine Angst und sein Leiden genossen. Zum Glück wollte ich das nicht oft so tun. Jack wäre sicherlich geschockt von mir, oder Cornelius, wenn er noch existieren würde. Magnus hingegen, würde sich jetzt erregt auf mich stürzen und meine Grausamkeit loben. So verschieden waren wir Unsterbliche, wie auch die Menschen ganz verschieden waren.

Schließlich kehrte ich nach Hause zurück und erwartete die beiden Männer. Es war noch niemand hier. Ich legte mich auf die Couch vor den Fernseher und zappte durch die Programme. Was um diese Zeit für Blödsinn lief? Immer diese Sex-Nummern in den Werbepausen. Nervig! Ich schaltete ab und wechselte vor den Computer. Dort chattete ich mit solchen Gothic-Anhängern. Mal sehen, was sie zu meinem heutigen Jagderlebnis sagten. Im Chat war ich allerdings ein Mann. Auf männliche Vampire waren sie eher scharf. Ich nannte mich Jeremy. Die Mädels boten mir reihenweise ihr Blut an. Kinder, die das total romantisch fanden. Die sollten es wirklich mal erleben, dass es oft schmerzhaft und meistens tödlich war. Das blendeten sie immer aus.

Gerade schrieb mich eine Verehrerin an: „Da bist du ja endlich wieder, mein dunkler Engel. Ich habe dich so vermisst. Wo warst du die ganze Woche?“

Jeremy antwortete: „Party, Party. Eine Woche lang.“

„Hattest du viel Spaß?“

Jeremy: „Klar. Unmengen Sex, tanzen und alte Freunde treffen.“

„Und Blut?“

Jeremy: „Nicht auf dem Fest. Ich musste heute wieder jemanden holen. Einen Mörder.“

„Nimmst du dir nur böse Menschen?“

Jeremy: „Nein, aber ich bevorzuge sie.“

„Tust du es nur mit denen brutal oder mit allen?“

Jeremy: „Nicht mit allen. Nur die Bösewichte wecken diese Aggressivität in mir. Falls du mich jetzt fragen willst, ob ich von dir koste, muss ich dich enttäuschen. Ich nehme nur Männer, als Opfer.“

„Schade. Magst du Frauenblut nicht?“

Jeremy: „Das ist keine Frage des Geschmacks. Es ist das Ganze drum herum. Frauen sind zu wehrlos für mich.“

Ach, Jeremy. Ich wünschte, du wärst bei mir in meinem Bett und würdest deinen kühlen Körper an meinen schmiegen und mich mit deinen zarten Lippen küssen.“ Jeremy: „Heute bin ich heiß vom Blut. Dieses Angebot würde ich schon eher annehmen. Ich schlafe gern mit sterblichen Frauen.“

„Funktioniert das alles bei dir noch?“

Jeremy: „Was für ne Frage?! Viel besser, als Früher. Du würdest mich anflehen aufzuhören.“

„Schön. Dann komm zu mir und nimm mich voll und ganz.“

Immer diese unbefriedigten Frauen, die sich nach Sex mit einem Vampir sehnten. Na ja, es war ja auch sehr erregend. Eigentlich unübertrefflich, wie ich selbst erfahren durfte.

Jeremy: „Ich liebe hingebungsvolle Frauen, aber die Nacht ist schon zu weit fortgeschritten. Vielleicht ein anderes Mal. Gerade spüre ich einen Freund kommen. Also, bye!“

„Ist der auch Vampir?“

Jeremy: „Ja.“

Jack legte seine Hände auf meine Schultern: „Was treibst du wieder?«

„Schmachtenden Frauen Hoffnungen machen.“ Er schüttelte grinsend den Kopf. Seine Hände glitten zu meinen Brüsten. «Und was machst du mit deinem schmachtenden Geliebten?« Ich bog den Kopf nach hinten, um ihn zu küssen. Als sich unsere Lippen berührten, durchfuhr es mich von Kopf bis Fuß. Hitzig wälzten wir uns schließlich auf dem Boden. Alexander sah nur flüchtig ins Zimmer, als er zurückkehrte und verzog sich dann, weil wir gerade voll bei der Sache waren. Danach fragte ich Jack: »Und, hast du bei ihm zugesehen?«

„Nein. Er wollte allein gehen. Das muss ich akzeptieren.« Ich nickte nur. Wir trafen Alexander im Wohnzimmer an. Jack wollte ihm seine Autosammlung zeigen und so machten sich die beiden zur Garage auf. Im Morgengrauen, als Jack und ich im Bett lagen, sagte mein Geliebter: „Er riecht merkwürdig. Ich weiß nicht nach was, aber es ist komisch.“

„Was beschäftigt dich?“, fragte ich, nachdem ich seinen skeptischen Gesichtsausdruck sah. Er entgegnete: „Mich interessiert, was für Blut er sich einverleibt hat.“

„Dann verfolge ihn übermorgen. Da muss er ja schon wieder trinken.“ Jack bestimmt: „Ja, das tu ich.“

 

Mein Gefährte kehrte fassungslos von seiner Verfolgungsjagd zurück. Er setzte sich neben mich aufs Sofa und starrte vor sich hin: „Weißt du, was er trinkt?“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich fass es nicht. Er fällt streunende Köter an. Mein Adoptivsohn ernährt sich von Tieren.“ Jack fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht: „Welche Schande! Wie stehe ich vor unseren Freunden da?“ Er war ganz außer sich: „Was hat ihm sein Schöpfer nur beigebracht? Das kommt davon, wenn Schwächlinge Neue erschaffen. Hunde, Katzen.“ Er schüttelte sich: „Wie kann man nur freiwillig so etwas trinken? Da stürzt er sich auf einen großen Köter und den Besitzer weiter hinten, lässt er links liegen. Das ist doch pervers!“ Ich versuchte, meinen aufgebrachten Jack, zu beruhigen: „Er kommt irgendwann auch noch auf den Geschmack. So ist es doch bei einigen Jungen.“

„Solange kann ich nicht warten. Wer unter meinem Dach lebt, trinkt von Menschen.“ Ich versuchte es weiter: „Dann musst es ihm eben schmackhaft machen. Trink du zuerst und wenn sich der Sterbliche nicht mehr wehrt, dann darf Alex trinken. Dem Rausch kann er nicht widerstehen.“ Jack küsste mich: „Wenn ich dich nicht hätte. Ich versuch‘s. Meinst du, er hatte noch nie einen Sterblichen?“

„Ich weiß nicht. Das kann ich mir nicht vorstellen, aber wer weiß. Du kannst ihn ja mal fragen.“ Jack stand auf: „Kein Wunder ist er so schwach.“ Dann suchte er unseren Schützling. Alexander saß im Garten und blickte vor sich hin. Ich glaube, er dachte an Dirk. Mein Geliebter ließ sich neben ihm nieder, während ich an der offenen Terrassentür stand und sie beobachtete. Ich belauschte ihr Gespräch. „Stör ich?“ Alexander sah Jack an und schüttelte den Kopf: „Nein, ist schon okay. Setz dich!“

„Alex, ich muss dich etwas fragen. Ich weiß, dass du dich von Tieren ernährst und ich wollte wissen warum.“ Dem Jungen war es sehr peinlich und er druckste herum: „Na ja, ich bekam das Blut immer von Dirk. Nun ist er tot und ich traue mich nicht an Menschen heran und ich weiß auch nicht, wie ich es am besten anstellen soll.“ Jack war einerseits erleichtert, dass er es nicht aus Gewissensgründen verschmähte, andererseits ärgerte er sich über diesen Dirk. Dass er ihn in so einer Anhängigkeit gehalten hatte: „Nahm dich dein Schöpfer nie mit zur Jagd?“ Alexander schüttelte betrübt den Kopf. Das war für Jack skandalös und unverantwortlich. Einen Neugeborenen so miserabel auf unser Dasein vorzubereiten. „Soll ich es dir beibringen?“ Alex nickte: „Ja, ich denke schon.“ Dann schwiegen sie, doch Alex beschäftigte etwas. „Jack darf ich?“, fragte er fast flehend. Mein Gefährte strahlte ihn liebevoll an: „Klar.“ Und zog ihn in seine Arme. Alex senkte seine Zähne in die Ader und beide genossen diesen Akt. Als der Junge von ihm abließ, leckte Jack ihm zärtlich das Blut von den Lippen und küsste ihn. Alex erwiderte Jacks Zärtlichkeiten. Das war nicht neu für ihn und bald lagen sie halb entkleidet im Gras und gaben sich ihren Gelüsten hin. Ich hatte meinen Liebhaber schon lange nicht mehr mit einem Mann beobachtet, aber es hatte einen besonderen Reiz für mich zuzusehen. Zumindest war Alex in Liebesdingen nicht so unerfahren, wie in der Jagd. Nun wandte ich mich um und ging in die Schlafkammer.

 

Ich erfuhr von Jack, dass Alexander als Sterblicher schwul gewesen war. Vermutlich fühlte er sich deshalb so zu Jack hingezogen. Mein Gefährte hegte ähnliche Gefühle für den Jungen. Ich denke, er hatte sich in unseren Schützling verliebt. Das würde er nie zugeben, aber so wie er sich verhielt, war es unverkennbar. Manchmal beobachtete ich flüchtige Zärtlichkeiten zwischen den beiden, aber Jack versuchte es vor mir zu verbergen. Sie hatten damit begonnen, gemeinsam in Hotelzimmern zu trinken, oder auf der Straße. Jack überwältigte die Kerle und ließ Alex ran, wenn der Mensch sich kaum noch rührte. Das taten sie jede zweite Nacht und bald wurde jede dritte daraus. Das Menschenblut vergrößerte Alexanders Hungerpause. Ich erinnerte Jack an seine Mission, ihm das Jagen beizubringen. Bis jetzt tat er es immer noch. Ich glaube, er spielte gern den Ernährer. Ganz neue Seiten an ihm. Was Liebe bewirkte?! Und ich konnte mich weiter auf die Suche nach einem neuen Partner begeben. Mein Problem mit Jack schien sich nun von selbst zu lösen. Er und Alexander waren glücklich, sich gefunden zu haben. Ich überließ dem Jungen eines Morgens meinen Platz in Jacks Bett. „Was soll das, Jessica?“, fragte mein Gefährte verwundert. „Wieso gehst du in Alex Bett?“

„Du willst ihn doch bei dir haben. Ich bin einverstanden. Er kann bei dir schlafen. Du brauchst deine Gefühle für ihn nicht vor mir zu verstecken. Bei dir hat es doch schon auf dem Fest gefunkt.“ Er blickte nachdenklich: „Ich weiß nicht. Und du bist nicht böse?“ Ich lächelte: „Nein, wirklich nicht. Ich gönn dir das.“ Damit schloss ich meinen Deckel.

Alexander bewunderte Jack sehr. Für ihn war er stark und mächtig. Inzwischen fast dreihundert und er erst achtzehn. Mit Dirk war er nur ein gutes halbes Jahr zusammen gewesen und bei uns war er inzwischen einige Monate.

 

Bald war wieder Neujahr. Jack blieb Alex zuliebe daheim. Denn dieser wollte das schicksalhafte Fest noch nicht besuchen. Also, ging ich allein. Vielleicht traf ich ja einen interessanten Mann. Gleich am ersten Abend lief ich Magnus über den Weg. Er sprach mich an und ich konnte ihm nicht ausweichen. So unterhielt ich mich notgedrungen mit ihm. Er wollte wissen, wo ich lebte und mit wem, was ich nicht verriet und dann kam er auf die Vergangenheit zurück. Er fragte, warum ich ihn damals so überstürzt verlassen hatte. „Weißt du das wirklich nicht? Dann erinnere dich, was du in der Nacht vor meinem Verschwinden getan hast.“ Er nickte nur und meinte: „Ja, so etwas hatte ich mir schon gedacht. Weißt du, dass Catherine mich aus fast demselben Grund überstürzt verließ?“ Ich entgegnete verärgert: „Vielleicht solltest du mal etwas daraus lernen. Wenn du immer die gleichen Fehler machst. Hast du bei ihr auch ein Mädchen gequält?“ Er versuchte, meine Hand zu nehmen, aber ich zog sie weg. „Es war Ronaldo. Er wollte mich verführen und ich sollte bei seinen Spielchen zusehen.“ Ich winkte ab: „Das sagst du ja nur so. Du hast doch mitgemacht. Und wenn nicht, dann ist es schon abstoßend genug, dass du bei so etwas zuschaust.“ Er schwieg und ich steigerte mich noch mehr hinein: „Stimmt. Das war ja dann ein Live-Video für dich. Das ist natürlich was anderes, das Blut nicht nur zu sehen, sondern auch zu riechen.“

„Jessica, warum bist du so hart zu mir? Ich habe sie nicht angerührt und ich habe es von Ronaldo auch nicht verlangt. Er tat das nicht zum ersten Mal und er hätte es auch ohne mich getan. Aber denk von mir, was du willst.“ Dabei verschwand er in der Menge und ich blieb ratlos zurück. War alles nur ein großes Missverständnis gewesen? Ich konnte nicht anders, als meinen ehemaligen Prinzen zu beobachten. Dauernd dachte ich darüber nach, dass ich ihm Unrecht getan hatte. Ich hatte ihn verteufelt, für etwas, dass er gar nicht begangen hatte. Indirekt vielleicht, aber für mich war es wichtig, dass er es selbst nicht getan hatte.

 

Als ich ihn das nächste Mal traf, bat ich ihn um Entschuldigung für meine Verdächtigungen und Mutmaßungen. „Ich hielt dich für das reinste Monster!“ Magnus lächelte: „Das kann ich dir nicht verdenken.“ Dann strich er eine Haarsträhne aus meinem Gesicht: „Ich habe dich damals wirklich sehr vermisst. Glaubst du mir das? Ich habe dich aufrichtig geliebt und dein Verschwinden hatte mir sehr weh getan. Ich war dann froh, als du endlich in San Francisco aufgetaucht bist. Aber ich merkte schnell, dass du nicht zu mir zurückkommen würdest.“ Bei seiner flüchtigen Berührung, stieg die Erregung in mir hoch. Seine Finger waren so unendlich zart. „Mir fiel es in jener Nacht, in der du mich so überrumpelt hattest, sehr schwer dir nicht zu folgen. Ich benötigte meinen ganzen Willen, es nicht zu tun. Ich hatte mir da so sehr gewünscht, dass du anders wärst. Dann hätte ich dich niemals verlassen.“ Er umschloss mein Kinn mit den Fingern und küsste mich. Wir verbrachten eine stürmische Nacht zusammen, wie in alten Zeiten. Ab da war es um mich geschehen. Diesem Mann konnte ich nicht widerstehen. Er war noch stärker geworden, fast schon ein Gott. Zu meiner Freude umwarb mich Magnus regelrecht. Er bot mir nach einigen Nächten an, mit ihm zu kommen. „Wo lebst du im Moment?“ Er antwortete: „Bei Catherine, aber nur vorübergehend. Ich reiste zu ihr, wegen dem Fest. Ansonsten wohne ich noch in San Francisco.“ Seit Cornelius Tod war genug Zeit vergangen, und ich fühlte mich bereit zurückzukehren. Wieder einmal! Ich nahm sein Angebot gern an, aber ich wollte mich noch von Jack verabschieden. Magnus begleitete mich. Befürchtete er, ich würde einen Rückzieher machen?

 

 

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