17. Dezember

17. Dezember

"Du hast was?"

Die Empörung in der Stimme von Hermine war nicht zu überhören. Er konnte ihr es nicht verdenken. Wie sonst hätte Hermine Granger, beste Freundin von Potter, auf seine Eröffnung, dass er eine vergiftete Flasche Alkohol in das Büro von Slughorn geschmuggelt hatte, reagieren sollen?

"Ich weiß! Ich verdiene all die Schimpfwörter, die du mir vermutlich gerade an den Kopf schmeißen willst", sagte er verteidigend. Er hatte ihren Zorn verdient. Seufzend fuhr er fort: "Ich hätte dich da niemals mit reinziehen dürfen, egal, wie sehr du dich mir aufdrängst..."

"Ich wollte helfen!", zischte sie wütend: "Ich wollte dir helfen, weil ich mir sicher war, dass du ein guter Mensch bist. Ich helfe nicht aus reiner Menschenliebe, sondern weil ich guten Menschen helfen will, etwas Gutes zu tun! Und du hast mir noch versprochen..."

"Ich habe mein Versprechen nicht gebrochen!", unterbrach Draco sie ungeduldig: "Du wolltest, dass ich dir sage, warum ich auf der Feier war, das tu ich hier gerade. Ich habe dir nie versprochen, nichts Böses im Sinn zu haben!"

Außer sich vor Wut Griff Hermine nach einem der Bücher, mit denen der Raum der Wünsche sich gerade schmückte, und warf es nach ihm: "Das ist Haarspalterei! Ich habe dich gebeten, mein Vertrauen nicht zu missbrauchen, und du hast genau das getan!"

Statt in Deckung zu gehen, fing Draco das Buch auf und legte es sorgsam auf einem kleinen Tisch ab: "Die Bücher können auch nichts für deine schlechte Laune. Wenn du mir mal einen Moment zuhören würdest, wären wir schon viel weiter."

Zu seiner Überraschung fügte sich Hermine tatsächlich. Mit einem finsteren Gesichtsausdruck ließ sie sich in einen der beiden großen Ohrensessel fallen, die Arme vor der Brust verschränkt, offensichtlich nicht überzeugt, dass er irgendetwas zu seiner Verteidigung zu sagen hatte, doch immerhin willens, ihn anzuhören.

Er tat es ihr nach und nahm auf dem Sessel daneben Platz. Er wusste immer noch nicht, wie er ihr seinen Plan erklären sollte, sie dazu bringen sollte, alles rückgängig zu machen und gleichzeitig zu verschweigen, dass sein Auftrag damit noch lange nicht aus der Welt geschafft war. Irgendwie musste er sie wieder anlügen. Oder nur eine Facette der Wahrheit erzählen. Er holte tief Luft: "Dein Verdacht damals war völlig richtig. Ich hatte vor, Dumbledore mit dem verfluchten Amulett zu töten, doch... Naja, ich habe nie daran geglaubt, dass das klappt. Genauso wie mit dem Alkohol jetzt. Ich habe einen Verwechslungszauber darauf gelegt, damit Slughorn denkt, er hätte die Flasche für Dumbledore zum Geburtstag gekauft. Er wird sie nicht selbst trinken."

"Begreifst du eigentlich, was du da sagst?", hakte Hermine schockiert nach: "Wie kannst du so ruhig bleiben, während du sagst, dass du Dumbledore töten willst? Wie kannst du so gelassen über den Mord an irgendeinem Menschen reden?"

"Das ist meine Realität, Granger", entgegnete er mit einem harten Ausdruck in den Augen: "Ich hatte seit dem Sommer Zeit, mich daran zu gewöhnen. Was meinst du, warum ich so empfindlich auf dein Alltags-Getue reagiert habe? Das hier ist mein Alltag!"

Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Natürlich konnte Granger nicht anders, als ihn dafür verachten, was er getan hatte und wer er war. Sie war am Ende des Tages eben doch... eine Lichtgestalt. Sie waren nicht wie Romeo und Julia. Nicht ihre Familien trennten sie, sondern seine Taten, seine Wahl. Und ihre Wahl. Dass er sich immer noch zu ihr hingezogen fühlte, mehr denn je danach verlangte, sie einfach auf seinen Schoß zu ziehen und besinnumgslos zu küssen, hatte nichts mit jener unsterblichen Liebe nach Shakespeare zu tun. Es waren seine Instinkte, die ihm zuriefen, dass er sich vom Stress ablenken und vergessen sollte.

"Es tut mir so leid", unterbrach da Hermines leises Flüstern sein Selbstmitleid. Fragend schaute er sie an: "Was?"

"Einfach alles", sagte sie bedrückt: "Dass du so ein Leben führen musst. Dass ich mich da einfach reingedrängt habe. Dass ich in meinem blinden Eifer alles noch schlimmer gemacht habe. Für dich."

"Granger", knurrte er verärgert, doch sie ließ ihm gar nicht zu Wort kommen: "Ja, schon klar. Du willst mein Mitleid nicht. Deswegen sage ich es dir auch jetzt nur ein einziges Mal, ganz aufrichtig, danach lasse ich dich in Ruhe: Ich leide mit dir."

Ihre Worte kamen leise und zögernd, doch der Blick, mit dem sie ihn dabei ansah, war fest und schien ihm bis auf den Grund seiner Seele zu schauen. Draco schluckte. Er verdiente ihr Mitleid nicht, wollte es auch wirklich nicht. Dennoch. Da war es wieder, dieses begeisterte Flattern in seinem Magen. Dass da ein Mensch war, der ihn so ansah, der zumindest erahnte, was er getan hatte und wer er war, und der ihn trotzdem so offen ansah. Hermine Granger war wie ein seltener Schatz, den er gefunden hatte, der offen vor aller Augen rumgelegen hatte, aber dessen Wert niemand erkannt hatte, bis er gekommen war. Wenn es nach ihm ginge, würde niemand sonst diese starke, offene Seite von Hermine sehen, doch er wusste, das war außerhalb seiner Kontrolle.

"Also, Malfoy, sag mir... Was hast du jetzt vor?"

Er schloss die Auge und genoss noch einen Moment die Vorstellung, dass sie vielleicht hat trotz allem noch einen liebenswerten Menschen in ihm sah. Dann öffnete er sie wieder, stellte sich der Realität, und blickte sie ebenso fest an: "Ich möchte, dass du mir hilfst, die Flasche zurückzuholen."

Aus großen Augen sah Hermine ihm an: "Was?"

"Du hast mich schon gehört!"

"Warum?"

Genervt rollte Draco mit den Augen. Musste sie das wirklich fragen? War es nicht offensichtlich, dass er es wegen ihr tat? Weil er ein schlechtes Gewissen hatte - und verhindern musste, dass sie ihn an Dumbledore verriet? Ärgerlich erwiderte er: "Ist das Warum wichtig? Wichtig ist doch nur, dass wir verhindern, dass Dumbledore vergiftet wird!"

Lange schaute sie ihn an, ihr Gesicht voller Skepsis, aber ansonsten ließ sie sich nicht anmerken, was sie dachte. Draco spürte, wie er nervös wurde unter ihrem intensiven Blick, doch er zwang sich, ruhig zu bleiben und dem standzuhalten.

"Ich weiß nicht, was du vorhast", sagte sie schließlich nachdenklich: "Aber ich kann beim besten Willen nicht erkennen, welchen Schaden ich anrichten würde, dir in dieser Sache zu helfen. Schön."

Er hätte sie küssen können. Wenn er an ihrer Stelle gewesen wäre, hätte er sich nie wieder vertraut. Wo nahm sie nur dieses Menschenvertrauen her?

"Ich kann nicht noch länger bleiben, Harry und Ron wundern sich eh schon ständig, wo ich immer bin", sagte Hermine unvermittelt: "Also gehe ich jetzt. Und du überlegst dir bis morgen, wie genau du das alles anstellen willst. Und noch eines, mein Lieber", fügte sie hinzu und jetzt klang ihre Stimme kalt: "Verlass dich drauf, dass ich dir morgen noch ein paar mehr Fragen stellen werde. Also überlege dir gut, was du mir erzählst. Noch mehr Lügen werde ich dir nicht verzeihen!"

Damit stand sie auf, packte ihre Schultasche und drückte den Rücken durch: "Morgen Abend, selbe Zeit, selber Ort."

"Jawohl, Madame!"

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