19. Offenbarungen

Hatte er das nur geträumt, oder hatte Alex wirklich gesagt, dass sie ihn liebt?
Valentin konnte nicht genau sagen, ob das Gehörte im Wegdämmern real gewesen war und einfach fragen wollte er ja nicht. Vielleicht, falls sie es wirklich gesagt hatte, würde sie es eines Tages wieder tun. Zumindest war er nicht nur ein Lustsklave für sie. Sonst würde Alex nicht so viel mit ihn unternehmen, um ihm die Welt außerhalb des Hauses näherzubringen und wäre nicht so nett zu ihm.
Mit einem Lächeln stand er auf, zog sich kurz was über und ging runter in die Küche, wo Jake schon am Bodenwischen war.
Valentin tapste barfuß über den feuchten Boden, was den Hausdiener nicht gerade amüsierte: „Natürlich. Der feine Herr muss wieder alles dreckig machen. Du siehst doch, dass der Boden nass ist.“
Er spürte jetzt erst die Feuchte an den Fußsohlen: „Sorry, ich will nur frühstücken.“
Jake winkte ihn mit einem Augenrollen durch und wischte nochmal über Valentins Fußabdrücke: „Aber jetzt bleibst du an der Theke sitzen, bis es trocken ist.“
Der andere goss gerade Milch in seine Schüssel mit Cornflakes und nickte grinsend.

Während Valentin seine geliebten Cornflakes aß, berichtete er dem Bediensteten vom Beach-Club und dem Meer. Aber er bemerkte schnell, dass Jake ihm nur halbherzig zuhörte und anscheinend immer noch verärgert war. Das verunsicherte ihn schließlich und er schwieg lieber. Wahrscheinlich war der Hausdiener neidisch und würde auch mal gern so einen Ausflug machen. Das musste er Alex vorsichtig vorschlagen.
„Vielleicht können wir mal alle zusammen an den Strand.“
Jake schnaubte: „Ich will am liebsten dahin abhauen, wo Sandro ist. In die Wälder, wo wir in Freiheit leben können. Da sind wir dann unsere eigenen Herren.“
Valentin war skeptisch: „Ich hätte Angst davor. Was erwartet mich dort?“
Jake war fassungslos: „Echt jetzt? Du hast Schiss davor?“
Der Hellblonde nickte: „Irgendwie schon. Es wäre mir zu ungewiss und dann wird man von den Suchtrupps gejagt und wieder eingefangen, wie Sandro. Und ich will auch Alex nicht verlassen. Ich mag sie sehr.“
Der Bedienstete verdrehte die Augen: „Mann, du bleibst also lieber ihr Schoßhündchen? Das kann doch nicht dein Ernst sein. Ist sie so super im Bett?“
Nun verzog Valentin verärgert die Miene: „Um das geht es doch gar nicht. Ich will sie nicht allein lassen! Das verstehst du nicht. Du hattest sicher noch nie jemanden so gern.“
Jake zuckte mit den Schultern: „Wohl nicht. Dann muss ich mir jemand anderes zum Abhauen suchen.“
Valentins Stimme wurde besorgt: „Findest du es bei Alex so schrecklich? Sie ist doch gut zu dir. Und ich würde einen Freund verlieren.“
Jake wurde nachdenklich: „Hm, im Prinzip geht’s mir hier nicht schlecht. Aber es reizt mich! Dort kann ich tun, was ich will und muss keiner Frau gehorchen.“ Dann beäugte er den Liebesdiener argwöhnisch: „Du verpfeifst mich aber nicht? Wehe du sagst was!“
Valentin schüttelte den Kopf: „Nein. Aber bitte tu es nicht!“
Er wollte Jake nicht verlieren und hatte auch Angst um seinen Kumpel. Diese Ungewissheit, was den anderen da draußen erwarten würde, machte ihm Angst. Er war einfach nicht mutig genug, aber ohne Alex würde er ohnehin nicht gehen. Ohne sie fühlte er sich unvollständig und würde sie schrecklich vermissen. Das verstand Jake eben nicht.
Bei ihr fühlte er sich geborgen und beschützt und er wusste auch inzwischen, dass sie ihn ebenfalls sehr gern hatte und seine Flucht ihr sehr weh tun würde. Das wollte er auf keinen Fall! Ihr weh tun. Alex verdankte er alles, was er jetzt war. Er hatte seine Vergangenheit teilweise abschütteln können, war um einiges selbstsicherer geworden und hatte jetzt ein wunderbares Leben. Bestimmt konnte es einem als Diener nicht besser ergehen als ihm. Er hatte so viele schöne Momente mit Alex erlebt, im Bett war alles geil, er durfte sie begleiten, wo er mit konnte und er musste nicht mit anderen Frauen in die Kiste. Nicht mal mit Vivian, was diese anscheinend sehr bedauerte, so wie sie ihn ab und zu schmachtend ansah. Irgendwie war es ja schmeichelhaft.
Jake murmelte: „Vielleicht finde ich in Joe einen Verbündeten, wenn du lieber an Mrs. Taylors Rockzipfel hängst. Klar, du hast ja auch ein traumhaftes Leben. Du musst keine Hausarbeit machen, brauchst dich nur stylen und mit ihr durchs Bett turnen, darfst auf Partys und so weiter.“
Valentin schnaufte genervt: „Jake, fang nicht wieder damit an. Ich dachte, wir hätten das durch mit, wer hat es besser.“
Der Angesprochene wurde lauter: „Na, das ist doch wahr! Klar, dass du nicht wegwillst. Ich würde an deiner Stelle wahrscheinlich auch lieber hierbleiben, wenn ich den ganzen Tag chillen könnte.“
Valentin wurde jetzt ziemlich wütend und blaffte Jake an: „Werf mir das nicht immer vor! Ich habe mir das nicht ausgesucht und ich bin nicht schuld, dass sie dir die Eier abgeschnitten haben. Du hast doch überhaupt keine Ahnung, wie das ist, nur ein Lustobjekt zu sein, ungefragt betatscht und missbraucht zu werden. Ich habe das jahrelang ertragen müssen und musste mich am Ende auch noch von einem Kerl knallen lassen, solange die Weiber zugesehen haben. Also erzähl mir nicht, dass ich es besser habe! Dass Alex mich ausgewählt hat, hat mich endlich aus dieser Hölle rausgeholt und dann werde ich auf keinen Fall mein jetziges Leben verkacken.“
Jake starrte ihn erst verwundert und erschrocken an und danach betreten zu Boden. „Okay. Ich wusste nicht, dass du es dort so scheiße hattest. Das hört sich wirklich übel an. Du hast auch nie was erzählt“, meinte er kleinlaut.
Der Liebesdiener lenkte ein: „Ja, es fällt mir sehr schwer, darüber zu reden. Es ist mir einfach so rausgerutscht, weil du mich so gereizt hast. Ich möchte diese Dinge für immer vergessen, diese Zeit dort und den ganzen Mist.“
Valentin schob seufzend seine Schüssel von sich, starrte auf die Tischplatte und begann leise zu erzählen: „Dort in dem Block, wo ich untergebracht war, gab es zwei Wächterinnen, die mich nachts zu sich holten, wenn sie zusammen Schicht hatten. Dann musste ich sie befriedigen und ihre sonstigen Vorlieben ertragen. Irgendwann spannten sie noch einen Schwulen für ihre Spielchen mit ein. Du weißt ja, dass die im Zentrum arbeiten dürfen und es den Frauen egal ist, was sie untereinander treiben. Ich weiß nicht, ob er auch dazu gezwungen wurde, oder es gern tat. Jedenfalls musste ich ihm einen blasen. Ab da war er immer mal wieder dabei und ich musste es ihm dann mit den Händen oder dem Mund besorgen. Für mich machte es eigentlich keinen großen Unterschied, ob ich meinen Job an einem Glied oder einer Muschi ausübte. Ich fand bei diesen Tussen genauso wenig Gefallen daran, wie bei ihm. Bis zu der Nacht in der er mich besteigen sollte, musste, keine Ahnung. Das war wirklich ein Schock für mich!“
Valentin brach seine emotionslose Erzählung ab, weiter konnte er nicht mehr und hielt die Erinnerung daran unter Verschluss. Auch während er Jake diese Dinge gesagt hatte, rief er sich keine Bilder ins Gedächtnis.
Der Hausdiener stand wie versteinert mit dem Wischer in der Küche und musste das alles erst mal sacken lassen.
Erst nach einigen Minuten fand er seine Sprache wieder und fragte zaghaft: „Weiß ...? Weiter kam er nicht, denn Valentin funkelte ihn sofort böse an und schnitt ihm mit einem schneidenden „Nein“ das Wort ab.
„Sie soll davon nichts erfahren, hörst du?!“
Jake hob beschwichtigend die Hände: „Ist schon gut.“
Nun hatte sich eine bedrückende Stimmung auf Valentin gelegt. Er verließ überstürzt die Küche und ging auf die Terrasse hinaus.

Beim Anblick des Pools, der in der Morgensonne glitzerte und dem Garten fiel die Anspannung schnell von ihm ab, jedoch stiegen ihm nun Tränen in die Augen. Die Wut wechselte zu Traurigkeit. Er sank kraftlos in einen der Loungesessel, wischte sich die Augenwinkel und blickte betrübt auf das Wasser.
So schön wie der Morgen begonnen hatte, so jäh war seine Stimmung in den Keller gefallen. Warum konnte niemand diese Bilder in seinem Kopf löschen?
Er wollte nicht, dass Alex davon erfuhr. Sie wusste bereits, dass er schlechte Erfahrungen gemacht hatte, aber stellte sich darunter eher Schläge und Beschimpfungen vor. Das hatte es in seiner Vergangenheit auch gegeben, aber wenig. Schlimmer waren diese sexuellen Demütigungen gewesen.
Valentin schüttelte kurz heftig den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben, und bemerkte aus den Augenwinkeln, dass Jake sich vorsichtig näherte.
„Hey, es tut mir leid. Ich wollte das nicht. Ich werde so einen Scheiß nie wieder verzapfen.“ Dabei legte er Valentin die Hand auf die Schulter.
Der konnte nur nicken. Ein dicker Kloß in seinem Hals, hinderte ihn an einer Antwort und er konnte Jake gerade auch nicht ansehen, weil er sich für seine Tränen schämte.
„Ich mach mal weiter. Ruf mich, wenn du was brauchst.“
Wieder konnte der Hellblonde nur nicken und blieb noch eine Weile sitzen.
                                                                                                               

Vorgestern hatte sich Alex bei seiner Mutter gemeldet und mit ihr ein Treffen ausgemacht. Valentin war schrecklich aufgeregt. Nachher würde er sie endlich nach elf Jahren wiedersehen.
Ihm war regelrecht flau im Magen, wenn er sich das Ganze ausmalte. Sie hatte ihn also nicht vergessen und wollte ihn sehen. Darüber war er sehr glücklich und seiner Alex so dankbar, dass sie sich auf die Suche begeben hatte. Sonst wäre das niemals zustande gekommen.
Nun saß er neben seiner Herrin im Auto und sie fuhren zu dem Ort seiner Kindheit. Alex hatte ihm erzählt, wo seine Mutter wohnte und nach ihrer Beschreibung, musste es noch dasselbe Reihenhaus sein, wie damals.
Valentins Nervosität stieg, als sie in eine Straße einbogen, die ihm bekannt vorkam.
Alex umfasste seine Hand, die er unruhig an seinem Schenkel rieb und drückte sie leicht. Dankbar lächelnd sah er zu ihr herüber und beließ seine Hand in ihrer. Diese Geste gab Valentin Zuversicht, dass er das schon durchstehen würde und sie an seiner Seite war.
Der Wagen wurde langsamer und hielt schließlich am Straßenrand vor einem der Häuser an. Valentin warf einen Blick aus dem Fenster und erkannte das Haus sofort wieder.
Der Vorgarten war schön mit Blumen bepflanzt und gepflegt, aber die Fassade war ein wenig verwitterter als früher.
Seufzend tat er es Alex schließlich gleich und stieg aus. Doch sie blieb am Auto stehen, strich über seinen Oberarm und schickte ihn vor: „Geh ruhig! Ich warte hier!“
Unsicher sah er zur Haustür und dann zu Alex: „Kommst du nicht mit?“
Sie schüttelte ein wenig den Kopf: „Ich will nicht stören. Das ist euer Wiedersehen!“
Er senkte kurz sein Haupt, nickte und raffte sich dann auf, zur Eingangstreppe zu gehen. Als er die Klingel drückte, klopfte ihm das Herz bis zum Hals.
Sofort hörte er Schritte hinter der Tür und dann wurde diese auch schon geöffnet. Er war bereits erwartet worden. Bestimmt hatte seine Mutter aus dem Fenster gespäht.
In seinen Augen hatte sie sich überhaupt nicht verändert, sah aus wie bei dem damaligen Abschied. Sie schaute ihn nur kurz an, schlang wortlos die Arme um ihn und begann an seine Schulter zu schluchzen.
Valentin war erst überrumpelt, aber dann umarmte er die kleinere Frau ebenfalls und ließ den Tränen freien Lauf. So standen sie beide kurze Zeit schluchzend an der Tür, bis seine Mutter sich schniefend löste, ihre feuchten Augen mit dem Handrücken abwischte und ein belegtes „Valy, mein Junge“ herausbrachte.
Er wischte sich auch über die Augen: „Mum“, und folgte ihr ins Haus.
Für Valentin war es, als wäre die Zeit zurückgedreht worden. Beim Anblick des Flurs, der Treppe, die links nach oben zu den Schlafzimmern führte und des Wohnzimmers, wurde er wieder zu dem kleinen Jungen von damals. Ihm kam es so vor, als wäre kaum Zeit vergangen, die Erinnerungen waren so frisch und trafen ihn jetzt mit voller Wucht. Er konnte sich nur umsehen und brachte keinen Ton heraus.
Die Worte seine Mutter rissen ihn aus seiner Betrachtung: „Was möchtest du trinken?“ Sie stand in der Küche und wartete auf eine Antwort.
„Äh, Cola. Falls du hast.“
Sie nickte eifrig und schniefte wieder: „Das hattest du schon früher gemocht.“
Ein leckerer Duft nach Gebackenem lag in der Luft und Valentin entdeckte einen Teller voller Cookies auf dem Küchentisch vor dem Fenster. Seine Lieblingscookies!

Schließlich setzten sie sich an den Tisch und Valentin sah kurz hinaus zu Alex, die wieder im Auto saß und an ihrem Handy herumdrückte.
„Ist sie gut zu dir?“, fragte seine Mum und umfasste seine Hand, die auf dem Tisch lag.
Valentin blickte lächelnd hinaus: „Ja, sie ist die Beste.“
Nun wandte er sich wieder seiner Mutter zu, die abermals mit den Tränen kämpfte und mit beiden Händen seine drückte: „Ich bin so erleichtert, dass es dir gut geht. Ich habe mir alles Mögliche ausgemalt. Hast du ein schönes Zuhause bei ihr?“
Er nickte: „Ja. Alex hat ein Haus mit Pool und noch zwei Hausdiener. Mit denen verstehe ich mich auch super und sie lässt mir viele Freiheiten. Ich bin wirklich gern dort.“
Nadja erwiderte sein Lächeln: „Ich bin so froh. Sie scheint nett zu sein.“ Dann strich sie eine seiner Haarsträhnen zurück: „Du bist immer noch so hübsch. Nun ein junger Mann. Ich hätte nie geglaubt, dich jemals wiederzusehen.“
Valentin bekam abermals wässrige Augen: „Ich habe dich so schrecklich vermisst. Damals im Heim. Irgendwann wurde es weniger, aber ich hab dich nie vergessen. Die Sehnsucht war immer da.“
Sie strich über seine Wange: „Es tut mir leid, Valy. Ich hätte dir das alles am liebsten erspart. Aber das System vergisst keine Geburt eines Jungen.“
„Ich weiß, Mum.“ Dabei warf er wieder einen Blick hinaus.
„Du magst Alex, oder?!“
Er bestätigte: „Ja. Ich verdanke ihr viel. Sie hat mich aus dem Zentrum geholt und ...“
„Und sie scheint dich auch sehr zu mögen. Ich habe euch vorher beobachtet. Ich war so aufgeregt und stand am Fenster. Und sonst hätte sie mich bestimmt nicht gesucht. Du bedeutest ihr sicher was.“
Valentin sah auf den Tisch: „Ich hoffe, dass sie mich mag.“
Dann wollte er wissen, wie das Leben seiner Mutter damals weiter verlief. Viel zu berichten gab es nicht. Sie hatte wieder mehr gearbeitet, nachdem er geholt worden war, und versucht damit klarzukommen.
Nadja zeigte nach oben: „Möchtest du hoch?“
Valentin sah zur Zimmerdecke und zögerte. Ihm war klar, dass sie sein Zimmer damit meinte und dass es noch mehr Erinnerungen wecken würde. Aber er war auch neugierig, es wiederzusehen. Daher schob er seinen Stuhl zurück, stand auf und schritt zur Treppe.
Am Fuß blieb er kurz stehen, sah an den Stufen empor, atmete einmal tief durch und stieg hinauf. Die Holzstufen knarrten unter seinen Schritten und dann erstreckte sich oben der lange Flur vor ihm. Nun erschien er ihm allerdings gar nicht mehr so lang, überhaupt kam ihm das Reihenhaus jetzt so klein vor.
Zielsicher ging er über die knackenden Dielen zu seiner Zimmertür. Erst streckte er seine Hand nach der Klinke aus, stoppte kurz davor und zögerte noch, starrte unschlüssig auf seine Finger. Was würde er empfinden, wenn er sie jetzt öffnete? Wehmut?
Valentin fürchtete sich ein wenig vor seinen Gefühlen, die ihn dann übermannen könnten, aber er wagte es.
Langsam drückte er die Tür auf und erkannte sofort, dass seine Mutter nichts verändert hatte. Anscheinend hielt sie es weiterhin in Ordnung. Alles war sauber.
Bedächtig trat er weiter hinein, entdeckte einige seiner alten Spielsachen im Regal stehen. Zum Beispiel einige Tierfiguren. Er hatte immer gern Zoo oder Zirkus, oder Farm gespielt. Alles was mit Tieren zu tun hatte. Bestimmt hatte seine Mum noch die Kiste mit den Teilen für die Farm und den Zirkus. Auch einige Kriegerinnen standen im Regal und zwei Drachen. Dem kleinen Valentin hatte diese Kinderserie damals sehr gefallen. Sie spielte in einer Fantasywelt mit Drachen, auf denen die Kriegerinnen ritten.
Er nahm einen davon in die Hand und bewegte eines seiner Beine. Da ertönte die Stimme seiner Mum: „Oh, ich weiß noch, wie du damit immer gespielt hast. Du warst ein totaler Drachen-Fan.“
Valentin grinste und stellte das Tier zurück: „Das stimmt. Toll, dass du alles aufgehoben hast.“
Nadja lehnte am Türrahmen: „Natürlich. Ich hätte die Sachen nie weggeben können. Es war das Einzige, was mir von dir blieb. Und deine Fotos. Deine Alex hat das Kinder-Album anschauen wollen und es hat ihr gefallen. Willst du etwas von den Dingen mitnehmen?“
Der junge Mann sah sich unschlüssig um: „Ich weiß nicht. Ich hoffe, dass ich jetzt öfter zu dir kommen darf. Das wäre schön! Ich werde Alex nachher gleich fragen.“
Nadja kam näher und legte ihre Hand auf seine Schulter: „Ja, frag sie. Das würde mich sehr freuen.“ Dann schmunzelte sie: „Du bist ganz schön groß geworden. Einen halben Kopf größer als ich.“
Valentin grinste: „Ach Mum. Für einen Liebesdiener bin ich klein mit knapp sechs Fuß. Die meisten haben ein paar Inches mehr.“
Er bemerkte, wie sie verlegen und ernst wurde: „Das kann ich mir bei dir gar nicht vorstellen. Du bist doch noch mein kleiner Junge. Andererseits ... Ich bin froh, dass dir das andere nicht passiert ist und wenn du es gut bei Alex hast. Man hört halt immer so einiges darüber. Dass Diener getauscht, verkauft, vermietet werden.“
Er streichelte über ihren Oberarm und schüttelte den Kopf: „Nein, sowas tut Alex nicht. Ich hab das erst vor Kurzem mitbekommen, dass es das gibt. Ich bin nur allein für sie da und sie hat mir versichert, dass es auch so bleibt.“
Seine Mum wirkte erleichtert: „Dann ist ja gut! Komm, gehen wir wieder runter. Ich hab dir noch Cookies in eine Dose gefüllt. Die, die du immer so gemocht hast. Du kannst sie gern mitnehmen. Ich glaube, du solltest Alex nicht länger warten lassen.“
Valentin nahm die Blechdose mit den Cookies entgegen, drückte seine Mutter nochmal kräftig zum Abschied und kehrte dann gut gelaunt zu Alex Wagen zurück.
Seine Herrin lächelte ihm zu: „Und? Trefft ihr euch jetzt öfter?“
Er ließ sich auf den Beifahrersitz fallen: „Wenn du es erlaubst.“
Alex legte ihre Hand auf sein Knie: „Warum auch nicht. Sonst hätte ich dir dieses Treffen nicht arrangiert.“
Valentin zeigte ihr die Dose: „Schau, was ich bekommen habe. Meine früheren Lieblingscookies. Magst du kosten?“
Alex startete den Motor und lachte: „Nachher, wenn wir zu Hause sind. Was für eine Sorte ist es denn?“
Er lüftete kurz den Deckel: „Banane-Schoko.“
„Ja, das klingt gut!“
Es war wirklich herzerwärmend, wie glücklich Valentin über das Wiedersehen mit seiner Mutter war und Alex fand es richtig rührend, wie die beiden sich an der Tür umarmt hatten. Da hatte sie auch einige Tränen verdrücken müssen.
Es machte sie auch ein wenig stolz, dass sie es geschafft hatte, die beiden wieder zusammenzubringen. Sie würde Valentin noch öfter hierherfahren.

Zuhause naschte ihr Diener gleich von den Cookies. Schmunzelnd meinte sie zu ihm: „Ess nicht alle auf einmal.“
Valentin hatte gerade ein Stück abgebissen, sah sie jetzt schuldbewusst an und nickte dann.
Sie genehmigte sich ebenfalls einen davon. War wirklich lecker.
„Ich hoffe, du hast dich in der Zeit nicht zu sehr gelangweilt“, sagte Valentin.
Alex kaute gerade: „Nein, ich hab mit Mum telefoniert. Wie es ihr geht mit ihrem gebrochenen Bein und ob sie mit Joe zurechtkommt. Anscheinend läuft alles gut. Wir können ja morgen mal vorbeischauen.“
Der Diener stimmte zu: „Ja, das könnten wir.“
Joe freute sich sicher, wenn er auch mitkam. Bestimmt fühlte er sich einsam, so als einziger Diener in einem fremden Haushalt. Valentin war sehr froh über die Männergesellschaft hier. Diener, die nur ihre Herrinnen als Gesellschaft hatten, bedauerte er regelrecht.




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