2006- Playing With The Guys

Wilde Tiere töten nie zum Spaß, der Mensch ist der einzige, dem die Qual und der Tod seiner Mitlebewesen Vergnügen bereitet.

                                                                                                     

                                                                                                          - James Anthony Froude

 

Ihre schwarzen Louboutins klackerten laut in der Stille der Nacht. Die Straßen waren verlassen, was ungewöhnlich für diese Uhrzeit war, doch für ihren Auftrag gab es keine bessere Vorrausetzung, als so wenige Menschen; so wenige potenzielle Zeugen, wie möglich.

Ophelia Cecilia Dahlia Monroe blieb vor einer Bar stehen. Mit einer fließenden Bewegung warf sie ihr langes, dunkles Haar über die Schultern, bevor sie ihre Handtasche öffnete und einen Handspiegel und Lippenstift zückte. Große blau-grüne Augen starrten ihr entgegen, als sie ihre vollen Lippen in ein dunkles Magentarot färbte. Anschließend lächelte sie zufrieden und betrachtete ihr makelloses Gesicht.

Es wird ein Leichtes für mich sein Williams Auftrag auszuführen. Wenn es tatsächlich stimmt, dass ausschließlich Männer in dieser Bar sitzen, wie er mir gesagt hat, dann werde ich ihnen in kürzester Zeit die Köpfe verdrehen. Sie ahnen nicht, dass ich sie ins Unglück stürzen werde.

Bei den Gedanken ans Töten geriet ihr Blut in Wallung. Sie hatte bereits den unvergleichlichen Geruch des Todes in der Nase, als sie die Tür aufstieß und die Bar betrat.

Empfangen wurde sie von dichtem, schwerem Zigarettenqualm, der die Luft drückte, sowie der Gestank des harten Alkohols, der hier in den vergangen Stunden geflossen war. Ihre Augen benötigten einige Sekunden, um sich an das trübe, schmutzige Licht zu gewöhnen.

Der Raum war verwinkelt und bot einige verborgene Ecken, die in einem Kampf gefährlich für sie werden konnten. Aufmerksam, aber unauffällig, scannte sie weiterhin die Umgebung und prägte sich jedes Detail ein, während sie sich hüfteschwingend vorwagte.

Insgesamt vier Männer anwesend. Zwei saßen an der Theke und unterhielten sich angeregt, während ein Weiterer als Barkeeper fungierte und fleißig die leeren Gläser füllte.

Weiter hinten hockte ein schmächtiger Mann mit rabenschwarzem Haar. Die unschuldig dreinblickenden Hundeaugen und die kleinen, roten Pickel entlang seiner Wangenknochen verrieten ihr sein junges Alter.

Die Zahl ihrer Gegner war überschaubar, was die Killerin zusätzlich fest in ihrem Glauben unterstützte, ihren heutigen Auftrag erfolgreich auszuführen.

„Guten Abend, die Herren“, begrüßte sie die Gäste mit hauchiger Stimme und lächelte in die Runde. Als Reaktion erhielt sie misstrauische und finstere Blicke, die sie durchbohrten. Hinzu kam raues, verärgertes Gemurmel, was eindeutig dafür sprach, dass die Killerin unerwünscht war.

Unbeirrt und unentwegt ein Lächeln auf den Lippen, zog sie ihre Lederjacke aus und präsentierte ihr knappes Kleid, das ihren wohlgeformten Körper in seiner vollen Pracht zeigte.

Der schwarze, hauchdünne Stoff umspielte ihre Schenkel und bedeckte verführerisch ihre Brüste, unten denen enganliegend schmale Lederriemen mit kleinen Schnallen entlangliefen. Ihre blasse Haut sonderte ein geheimnisvolles Leuchten aus, das anziehend und tödlich zugleich war. Unter der Beobachtung der Männer, die jede ihrer Bewegungen verfolgten, legte sie ihre Jacke und Fendi Tasche auf den einzigen, abgenutzten Billardtisch. Dann steckte sie sich eine Treasurer Silver an und wandte sich um. In diesem Moment erhob sich ein hochgewachsener, platinblonder Kerl von seinem Platz.

„Was willst du hier, Mädchen?“ Als er den Mund öffnete, entblößte er seine beiden überlangen Schneidezähne, die ihn wie einen Hasen aussehen ließen. Ophelia musste sich das höhnische Gelächter verkneifen, das ihre Kehle hoch kroch.

„Ich will was trinken, Junge. Das hier ist schließlich eine Bar oder nicht?“, war ihre schlagfertige Antwort, die ihn dumm aus der Wäsche gucken ließ. Ihre Augen fixierten dabei den Mann hinter der Theke, der keine Anstalten machte sich nach ihrem Getränkewunsch zu erkundigen.

„Verarschen kann ich mich selbst, Miststück“, kam es wieder von dem Blonden, der ihr nicht über den Weg zu trauen schien. Seine Kumpels waren wohl derselben Ansicht, denn sie scharten sich um ihn und bauten sich förmlich vor ihr auf. Die Dunkelhaarige schnaubte bloß über diesen lächerlichen Einschüchterungsversuch und zog in aller Ruhe an ihrer Zigarette.

„Ich frage dich jetzt nur noch ein einziges Mal: Was willst du hier?!“ Sein bebender Körper zeigte ihr seine Ungeduld und Wut.

„Ich bin hier, um euch etwas auszurichten.“ Ophelia drückte die halb aufgerauchte Zigarette auf dem glänzenden Holz des Tisches aus und griff unbemerkt hinter sich.

„Und zwar viele Grüße von Mr. Cunningham!“, rief sie, zog zeitgleich ihre Waffe, eine Taurus PT92, und schoss zweimal präzise auf den blonden Mann, der ihr gegenüber stand. Ophelia traf ihn, wie gewünscht, zwischen den Beinen. Der Typ schrie wie am Spieß, als warmes Blut sich auf seiner Hose ausbreitete und zu Boden tropfte. Mit bleichem Gesicht fiel er augenblicklich auf die Knie, starrte wie von Sinnen auf seinen zerfetzten Schritt und brüllte sich dabei die Seele aus dem Leib. Das ist mal eine neumodische Art einen Mann zu kastrieren. So etwas nennt man dann wohl natürliche Auslese. Ein teuflisches Grinsen huschte über ihre vollen Lippen, welches jedoch schnell wieder verschwand, denn sein Geheul wurde schnell lästig und unerträglich. Darum jagte sie ihm eine Kugel durch den Kopf.

Jetzt kam ein klobiger, beinahe rechteckiger Kerl auf sie zu und holte mit dem rechten Arm aus. Gekonnt tauchte Ophelia unter dem gegnerischen Arm weg und versetzte ihm einen Leberhaken, gefolgt von wiederholten Körpertreffern. Ihm blieb die Luft weg und er krümmte sich vor Schmerz. Sie nutzte seine Unaufmerksamkeit und versetzte ihm einen gewaltigen Kopfstoß, der ihn unsanft auf den schmutzigen Boden beförderte.

„Zu langsam, Bastard“, fauchte sie und durchbohrte seinen Kehlkopf mit dem Absatz ihres High Heels. Es ertönte ein widerwärtiges Knirschen und Blut spritzte ihren Knöchel hoch.

Viel Zeit zum Verschnaufen blieb ihr nicht, denn der Typ hinter der Theke stürmte zähnefletschend und entschlossen auf sie zu. Unbeeindruckt nahm sie den Billardqueue, der neben ihr lag, packte ihn wie ein Baseballspieler am dünnen Ende, nahm Schwung und zog ihrem Gegner das Holz über den Schädel. Durch die Wucht des Aufpralls brach der obere Teil des Queues ab und landete krachend auf dem Boden. Bevor er sich sammeln konnte, drehte sie den Queue lässig herum und versenkte die Spitze in seiner Brust. Mit weit aufgerissenen Augen und kalkweißer Haut sackte er vor ihr zusammen. Tiefrotes Blut floss aus seinen Mundwinkeln und tropfte auf seine Hose. Auch mit ihm machte sie kurzen Prozess und setzte seinem Leben mit einem Kopfschuss ein schnelles Ende.

Jetzt bleibt nur noch einer, dachte sie und wandte ihren Kopf langsam zum letzten Überlebenden…

 

Es stank bestialisch nach Metall und Schießpulver, was ihm heftige Übelkeit bescherte. Er bemühte sich nur durch den Mund zu atmen, damit er nicht erbärmlich kotzen musste. Das jüngste Mitglied der Truppe, das sich bisher aus dem Geschehen herausgehalten hatte, stand stumm an einer Wand und belauerte die brünette Frau, die wie in Zeitlupe durch die Blutlachen seiner Kollegen schritt, die sie wie räudige Hunde getötet hatte. Er wusste, dass nun er an der Reihe war. Sein Selbsterhaltungstrieb sagte ihm, dass er hart um sein Leben kämpfen musste, doch er hatte auch mit eigenen Augen gesehen, wie die Anderen, die um einige Jahre älter und erfahrener waren, an dieser kaltblütigen Schönheit gescheitert waren. Er zweifelte stark an seinen eigenen Fähigkeiten, was der Grund für seine festgefrorene Position war.

Warum kann ich mich nicht bewegen? Wieso hört man Körper nicht auf mich, verdammt? Hasserfüllt stierte er auf seine Beine, als könne er sie mit bloßer Willenskraft antreiben. Es vergingen kostbare Sekunden und bevor er überhaupt die Möglichkeit besaß sich zu verteidigen, war sie bei ihm angekommen und trat erbarmungslos gegen sein linkes Knie, das sogleich nachgab und ihn auf den Boden sacken ließ.

Ihm wurde augenblicklich bewusst, dass er sich ihr entgegenstellen musste, um zu überleben. Seine fehlenden Ideen, wie er dies anstellen sollte, machten ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Mittlerweile stand sie vor ihm, dabei hingen ihre bildschönen Augen an ihm, wie ein finsterer Schatten.

„Wie ist dein Name?“

„Danny. Danny Carmichael“, knurrte er verbissen und zeigte keinerlei Angst, obwohl um ihn herum die Leichen seiner Kumpels lagen.

„Ich habe eine Aufgabe für dich, Danny Carmichael.“ Sie hockte sich hin und neigte den Kopf. „Du überbringst deinem Boss eine Nachricht von mir.“ Ohne nachzudenken, schüttelte er entschieden den Kopf.

„Das mache ich nicht.“ Sein Gegenüber kicherte amüsiert.

„Ach, Süßer, warum machst du es dir nur unnötig schwer?“, seufzte sie theatralisch.

„Lieber sterbe ich, als eine Schlampe meinem Boss vorzuziehen.“ Zu seiner Überraschung erschien auf ihrem Gesicht ein strahlendes Lächeln.

„Deine Loyalität und dein Mut imponieren mir“, sagte sie anerkennend, bevor sie ernst wurde. „Doch dein Verhalten ist genauso töricht.“ Gelassen zündete sie sich eine weitere Zigarette an, nahm einen kräftigen Zug und blies den Rauch zu ihm herüber, ehe sie ihm ohne Vorwarnung mitten ins Gesicht schlug. Danny hörte und spürte augenblicklich, wie seine Nase brach. Warmes Blut lief über seine Lippen und tropfte auf seine helle Jeans.

Sie gab ihm nicht die Möglichkeit etwas zu sagen oder zu reagieren, denn er hatte gleich die nächste Faust im Gesicht. Immer und immer wieder schlug sie zu; minutenlang, bis er wegen des Blutes in seinem Mund und seiner Nase kaum atmen und nur noch jämmerlich röcheln konnte.

„Hörst du mir jetzt zu?“ Trotz der Gefahr, weiter von ihr gequält zu werden, weigerte er sich.

„NEIN!!! Zum letzten Mal: Ich folge nicht den Befehlen einer miesen Schlampe“, raunte er barsch und bespuckte sie. Unzufrieden verzog sie ihr makelloses Gesicht und wischte sich seinen Speichel von der Wange.

„Falsche Entscheidung, Süßer.“ Blitzschnell beugte sie ihren Oberkörper nach vorne und presste gnadenlos die heiße Glut ihrer Zigarette auf seinen Hals.

„Verfickte Scheiße“, fluchte er und schlug nach der Brünetten, aber diese blieb gelassen und hatte bloß ein müdes Lächeln für ihn übrig. Dann nahm sie sich ein weiteres Mal seinen Hals vor, dabei waren seine Schmerzen noch lange nicht abgeklungen.

Der Geruch seines verbrannten Fleisches setzte sich in seiner Nasenhöhle fest und ließ Tränen in seine Augen steigen.

„Entscheidest du dich um oder willst du noch mehr?“ Da er ihr keine sofortige Antwort gab, griff sie in seine schwarzen Haare, riss seinen Kopf zur Seite und drückte die Zigarette in sein linkes Ohr. Sogleich stieg in Danny die panische Angst auf, auf dem Ohr taub zu werden.

Daher begann er unruhig hin und her zu zappeln, wie ein Fisch im Netz. Er wollte sich aus ihrem Griff befreien, doch ihre Kräfte waren schier grenzenlos. Unglaublich, wie stark diese Frau war!

„Halt still“, zischte sie aggressiv und rammte ihm ihren linken Ellbogen mit voller Wucht ins Gesicht. Sein Unterkiefer ließ ein unheilvolles Knacksen verlauten, was ihm, zusammen mit den auftretenden starken Schmerzen, verriet, dass dieser gebrochen war. Er biss sich beinahe die Zunge ab, um die jämmerlichen Schreie, die in seine Kehle krochen, gewaltsam zu stoppen, denn eines wollte er unbedingt verhindern: dass sie ihn schreien hörte, wie ein Weichei; einen Schwächling. Du musst stark sein, Junge! Lass dich nicht fertig machen. Kämpfe und schick diese Hure in das stinkende Loch, aus dem sie gekrochen ist, befahl ihm seine innere Stimme, die so viel mutiger und stärker zu sein schien, als er selbst.

Diese Erkenntnis bohrte sich gnadenlos in Dannys Verstand und ließ seinen Zorn neue Dimensionen annehmen. Sein hagerer Körper fing an, heftig und unkontrolliert zu beben.

„Verdammt, ich habe gesagt, dass du stillhalten sollst.“ Sein Gegenüber fletschte wild die Zähne und ähnelte dabei einem blutrünstigen Tier, das zum Töten seiner Beute bereit war.

Reflexartig musste er hart schlucken, wofür er sich im selben Augenblick schämte, da dies ihm erneut zeigte, wie viel Angst sie ihm tatsächlich einflößte.

Sei endlich ein Mann, Danny, und schlag zu. Vernichte sie! Töte sie! Danny biss die Zähne zusammen und schnaubte. Er nahm all seinen Mut zusammen, bevor er sie ansprach.

„Glaub nicht, dass du Macht über mich hättest, Miststück. Nichts, was du mir antust, zwingt mich in die Knie.“ Kaum hatten die ersten Worte seinen Mund verlassen, da bemerkte er das reibende Geräusch der Knochen und dass seine Zahnreihen nicht mehr aufeinanderpassten. Doch Danny ignorierte all dies, denn der aufflammende Stolz, der in seiner Brust schwellte, verlieh ihm ein Gefühl der Macht und Überlegenheit. Sogleich huschte ein süffisantes Grinsen über seine schmalen Lippen, was jedoch schnell einer erschrockenen Miene Platz machte, als sie sein Kinn umfasste und ihre lackierten Fingernägel in seine Haut stach.

„Du scheinst es noch nicht zu wissen, aber hier gilt das Gesetz des Stärkeren und du bist bloß ein Nichts; eine kleine, schwächliche Pussy, die nicht versteht, dass es besser ist, mir Folge zu leisten.“

Eisern erhöhte sie den Druck auf seinen gebrochenen Kiefer. Augenblicklich schrie er laut auf und kämpfte mit den Tränen, während sie in sardonisches Gelächter verfiel.

„Tja, nun muss dein kümmerlicher Penis dran glauben…hm, oder vielleicht doch dein rechtes Auge?“, grübelte die Brünette und sah ihn fragend an, als erhoffe sie sich eine Antwort. Willst du mir etwa die Entscheidung überlassen, Schlampe?! Ich soll tatsächlich zwischen meinem Auge und meinem Schwanz wählen? Pf, das ist wohl der Preis des Wahlrechts. Lang lebe Amerika! Seine Gedanken trieften vor Sarkasmus, schließlich war diese Situation einfach surreal und bizarr.

Dannys Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, während sein Blick zurück zu seiner Angreiferin wanderte. Diese ließ gerade gründlich und intensiv ihre blau-grünen Augen über seinen Körper schweifen, denn sie schien sich zu seinem Glück noch immer nicht entschieden zu haben, welchen Teil von ihm sie als nächstes verstümmeln sollte.

Als sich jedoch von einer Sekunde auf die Andere ein dämonischer Ausdruck auf ihr Gesicht schlich, wusste er, dass seine Galgenfrist vorüber war. Kurzerhand lehnte sie sich nach vorne und berührte mit ihren sinnlichen Lippen sein linkes Ohr, was seinen Unterleib beinahe explodieren ließ.

„Ich glaube dein Penis ist die bessere Wahl“, flüsterte sie und biss lustvoll in sein Ohrläppchen. Heftige Wellen der Erregung überwältigten ihn, weshalb es einige Sekunden dauerte, bis ihre Worte nach und nach zu ihm durchdrangen. Bei dem Gedanken, dass sie sich brutal an seinem Schwanz vergriff, wurden seine Augen vor Panik riesengroß.

Hektisch schlug er die Hände vor seinen Schritt, um sie an einem Angriff zu hindern, was aber völlig sinnlos war. Er konnte ihr nicht entkommen. Er konnte weiteren Schmerzen nicht entgehen.

Wie aufs Stichwort näherte sich die Brünette seinem Unterleib mit einem starren, unheimlichen Blick. Danny erkannte sofort, dass sie zu allem bereit war und sich nicht aufhalten ließ. Es war wie ein schrecklicher Autounfall. Man will nicht hinschauen, doch man kann den Blick nicht abwenden. Man ist machtlos.

Grob schob sie seine Hände zur Seite und öffnete den Reißverschluss und Knopf seiner Jeans. Danny war paralysiert und sah sich daher nicht in der Lage Gegenwehr zu leisten. Er fühlte sich außerhalb seines Körpers. Es schien, als sehe er als Außenstehender dabei zu, wie die Killerin völlig emotionslos und abgebrüht seine Boxershorts, die letzte Barriere; seinen letzten Schutz ein Stück herunterzog und ihre Zigarette auf seinem rechten Hoden ausdrückte.

Seine darauffolgenden Schmerzensschreie waren dermaßen hoch und schrill, dass seine sonst tiefe Stimme zu quietschen begann. Die eben noch zurückgehaltenen Tränen rannen nun hemmungslos Dannys Wangen hinab und benetzten seine Haut. In diesem Moment war er ein weinerliches kleines Kind, das am Liebsten lautstark nach seiner Mommy geschrieen hätte. Die Umgebung verschwamm vor seinen Augen, als seine Qualen ihn einhüllten, wie ein undurchdringlicher Mantel. Unterdessen machte sie weiter. Erneut spürte er die Glut, die ihm hässliche Blessuren auf die Haut brannte, als sei er ein Rind, das sein Bandzeichen erhielt. Danny war kein religiöser Mensch, dennoch flehte, nein, bettelte er den Allmächtigen inständig an, gnädig zu sein und sein Leid zu beenden. Es geschah, wie sollte es auch anders sein, rein gar nichts.

Hast du etwa Spaß daran, mich leiden zu sehen, Oh Herr? Amüsieren dich meine Schmerzen und Schreie, du gemeiner, rachsüchtiger Scheißkerl?

Ein lärmendes, rüdes Knurren entfleuchte ihm, was seine Gegnerin innehalten und sich aufrichten ließ.

„Sag mir, Danny Carmichael, hast du endlich genug?“

Ein kurzer Blick auf die roten und furchtbar entstellenden Verbrennungen, die sich auf seinen Hoden verteilten, genügte, damit er vor Wut schäumte. Für ihn kam aufgeben nicht in Frage. Sein Ego und Stolz ließen das nicht zu.

„Noch lange nicht, Miststück! Ich mache dich fertig. ICH WERDE DICH TÖTEN!“

Sein ganzer Zorn und Hass brachen mit einem Mal aus ihm heraus, was ihm Stärke verlieh und seinen Überlebenswillen zurückbrachte. Er war endlich bereit zu kämpfen und dieser Schlampe zu zeigen, wer hier das Sagen hatte.

„Du meinst also genug Mumm zu besitzen, um mich zu töten, ja?“ Die eisige Kälte ihrer Stimme zerschnitt beinahe die Luft und kroch unter seine Haut. Im ersten Augenblick versteckte sich sein Mut wieder in den Tiefen seines Verstandes, doch Danny zwang ihn dazu zurückzukehren.

„JAAA!“, brüllte er tollwütig und ignorierte die heftigen Schmerzen seines Kiefers. Er schloss seine Hose, ehe er energisch aufsprang und seiner Gegnerin mit einer gewaltigen Kraft, die er sich in seinem momentanen Zustand nicht zugetraut hätte, ins Gesicht schlug. Er vernahm einen erstickenden Laut, der ihre Überraschung verriet, als seine Faust sie traf. Sie geriet aus dem Gleichgewicht und musste einen großen Schritt zur Seite machen, um nicht zu Boden zu stürzen.

„Das hast du nicht kommen sehen, was?“ Danny lachte gehässig und holte ein weiteres Mal aus, aber die dunkelhaarige Schönheit wich leichtfüßig aus und versetzte ihm einen gezielten Tritt gegen seinen schmalen Brustkorb. Er stolperte nach hinten und krachte in einen der kleinen Tische. Der Sturz war hart und schmerzhaft, doch das war nichts im Vergleich zu den Wunden, die ihr Angriff seiner Ehre und Männlichkeit zufügte.

Trotz des erneuten Rückschlags war Danny unverändert an einen Sieg über seine Gegnerin überzeugt, an dessen Ende ihr Tod stehen würde.

So schnell, wie es ihm möglich war, rappelte er sich auf. Einige Sekunden später wurde er jedoch im wahrsten Sinne des Wortes wieder zurück auf den Boden der Tatsachen befördert, als sie ihm die Beine wegtrat.

Ohne Zeit zu verlieren, ließ die Brünette sich vor ihm nieder, zog ihre Waffe und schob diese mit roher Gewalt so tief in seinen Mund, dass Danny würgen musste. Er spürte das harte Metall an seinen Zähnen und roch frisches Schießpulver, was Todesängste in ihm auslöste und ihn beinahe in die Hose pissen ließ.

Scheiße, diese Irre wird mich töten! Das war der einzige Gedanke, der sein komplettes Denken beherrschte. Der Rest war vergessen. Er vergaß sogar das Atmen, vielleicht auch aus Angst, dass selbst dies ein Fehlverhalten seinerseits war, das eine Strafe nach sich zog.

„Kein Mann schlägt mich, kein Mann ist mir überlegen und kein Mann widersetzt sich mir. GEHT DAS JETZT ENDLICH IN DEINEN SCHÄDEL?!“

Eifrig nickte Danny, dabei waren seine Augen unentwegt auf ihren Finger gerichtet, der auf dem Abzug lag.

„Sag es!“, forderte sie harsch, bevor sie die Waffe aus seinem Mund zog und gegen seine schweißnasse Stirn presste.

„Ja“, nuschelte Danny angespannt.

„Geht das auch etwas lauter?“, fuhr sie ihn schroff an und boxte ihm in den Magen. Starke Übelkeit überwältigte ihn und ließ ihn sich übergeben. Beißender Alkoholgestank stieg ihm in die Nase und bohrte sich förmlich in seinen Kopf. Dies war der Moment, in dem das instabile Gerüst seines Selbstbewusstseins gnadenlos in sich zusammenstürzte und ihn in die Finsternis riss. Er wusste, dass es vorbei war.

„Okay, okay…welche Nachricht soll ich überbringen?“, ächzte er daher, als er endgültig unter ihrer Folter einbrach. Danny war am Ende seiner Kräfte und konnte seinen Widerstand nicht länger aufrechterhalten. Diese Niederlage war für ihn eine Schmach, die er niemals überwinden würde.

„Du hast dich also umentschieden“, hauchte sie gegen seine Lippen. „Cleverer Bursche.“ Selbstgefällig und triumphal grinste sie von einem Ohr zum Anderen und erinnerte ihn dabei an eine Geisteskranke.

„Also, du richtest deinem Boss aus, dass William Cunningham am Freitag sein Geld wiederhaben will und zwar die gesamte Summe.“ Ihr bedrohlicher Unterton entging Danny nicht. „Sollte er so dumm sein und seine Schulden nicht begleichen, dann statte ich ihm einen Besuch ab.“

„Heißt das, dass du ihn töten wirst?“

„Wie scharfsinnig, Süßer“, äußerte sie missbilligend und steckte sich eine Zigarette an, was ihn umgehend nervös machte. Vermutlich könne er niemals wieder eine Zigarette sehen, ohne von Furcht erfasst zu werden.

„Du wirst noch heute Nacht deinem Boss sagen, was er zu tun hat, denn er hat Mr. Cunningham bereits genügend Zeit gestohlen.“

Wie soll ich Mr. McIntyre diese Nachricht beibringen? Wie soll ich ihm überhaupt jemals wieder unter die Augen treten? Wie? Ich kann unmöglich bei ihm auftauchen und beichten, dass eine Frau, EINE FRAU, mich dermaßen übel zugerichtet hat. Er wird mich für ein Weichei halten und mir nicht mehr vertrauen.

„Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Vielleicht kann man einen Handel…“ Seine Stimme überschlug sich vor Verzweiflung.

„Ich verhandle nicht mit feigen, lächerlichen Wichsern“, schnitt sie ihm brutal das Wort ab und beraubte ihm jeglicher Hoffnung auf eine andere, glimpfliche Art aus dieser Sache herauszukommen.

„Aber es muss…“

„Wag es nicht mir zu widersprechen.“ Sie bestrafte seine Unverschämtheit mit einer deftigen Ohrfeige. „Und biete mir keinen Handel an, wenn du nichts hast, was mich interessiert.“

Danny schwante, dass er mit dieser Verrückten nicht diskutieren konnte und sich ihrem Befehl unterordnen musste, wenn er keine weiteren Gewalttätigkeiten gegen sich provozieren wollte.

„Ich werde alles an meinen Boss weitergeben“, sicherte er den Brünetten glaubwürdig zu. Diese schien äußerst zufrieden mit ihrem Sieg, den sie über ihn errungen hatte.

„Du kannst ja ein braver Junge sein“, lobte sie ihn überschwänglich und schmunzelte, als sie sich erhob. „Doch du verstehst sicherlich, dass ich dich wegen deines Ungehorsams dennoch bestrafen muss und nicht einfach gehen lassen kann.“ Die Brünette lief hüfteschwingend auf und ab und warf ihm einen unheilvollen Seitenblick zu. Was hat sie jetzt wieder vor? Habe ich nicht schon genug gelitten?

„Darum halte ich es nur für fair, wenn ich es dir ein bisschen schwerer mache, meinst du nicht?“ Schwerer? Was soll das heißen?, dachte er panisch.

„Außerdem will ich deinem Boss zeigen, was passiert, wenn man sich mit Mr. Cunningham anlegt und sich nicht an seine Regeln hält. Ich muss ein Exempel an dir statuieren.“ Danny wurde unruhig, als sie vor ihm stehen blieb. Unbeholfen robbte er nach hinten, um sich vor weiteren Qualen zu schützen. Dabei war ihm von vornherein klar, dass er nicht den Hauch einer Chance hatte.

Und seine Befürchtung bewahrheitete sich, als die Killerin unbekümmert die Mündung ihrer Waffe auf sein linkes Knie setzte und eiskalt abdrückte. Der Knall war grausam und ohrenbetäubend. Spitze Knochensplitter flogen wie Geschosse aus ihm heraus, als seine Kniescheibe unter seiner Haut explodierte.

„AHHHHHHHHH!!! Verzweifelt schlug er die Hände vor sein verletztes Knie und rollte apathisch auf dem schmutzigen Boden herum. Seine Jeans war klitschnass vom Blut, das unaufhörlich aus seiner Wunde floss und sich unter ihm zu einer Lache sammelte.

„Verdammt, verdammt, verdammt“, heulte er und biss die Zähne zusammen. Danny zwang sich dazu durchzuhalten, denn der dröhnende, höllische Schmerz trieb ihn beinahe in die Bewusstlosigkeit. Die Brünette hockte sich neben ihn und begann mit ihrer rechten Hand liebevoll über sein feuchtes Haar zu streichen.

„Das war´s dann wohl mit einem Leben ohne Krücken.“ Mitleidig schaute sie ihn aus großen Augen an, während er erbärmlich wimmerte.

„Armer, bedauernswerter Junge“, hauchte sie, ehe sie ihre Lippen sanft auf seine presste. Danny schloss die Augen und bekam ihren betörenden und süßlichen Duft in die Nase, der sich mit dem widerlichen Gestank seines Blutes vermischte.

Für ihn war es der Geruch des Todes, der sich in seinen Körper schlich und ihn vernichtete. Dennoch konnte er es nicht verhindern, dass er ihre Berührungen und die Wärme ihrer Haut genoss, bis sie den Kuss unterbrach und ihm ein zufriedenes Lächeln schenkte.

„Sieh meine Zärtlichkeit als eine Art Entschädigung.“

Sanft legte sie ihre linke Hand auf sein malträtiertes Knie, bevor sie ihre Nägel in sein Fleisch bohrte. Vor Dannys Augen tauchte ein helles Flimmern auf, zeitgleich entfuhr seiner Kehle ein tierisches Jaulen.

„Ich rate dir, dich an deine Worte zu halten.“ Das Lächeln verschwand und wurde durch eine versteinerte Miene ersetzt. „Enttäusch mich nicht, Danny Carmichael“, schnarrte sie, bevor sie sich ihre Lederjacke überstreifte, die Waffe in ihrer Tasche verschwinden ließ und aus der Bar verschwand.

 

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