21. Die Befreiung

Die Nacht der Entscheidung war gekommen. Heute würden sie Alexeijs Herrschaft beenden. Zumindest hofften sie es. Aber am wichtigsten war es, Magnus und Jessica zu befreien.

Catherine, Antonio, Jack und Martin zogen ihre schwarzen Tarnklamotten an. Alexander wurde verdonnert, hierzubleiben. Jack wollte ihn auf keinen Fall dieser Gefahr aussetzen. Alex meinte zu seinem Gefährten: „Was ist, wenn du drauf gehst? Dann bin ich wieder ganz allein.“ Der Ältere nahm sein Gesicht in die Hände: „Ich verspreche dir, dass ich nicht drauf gehe. Aber für dich ist das zu gefährlich. Du bist nun mal noch zu jung.“ Alex erwiderte trotzig: „Zu schwach meinst du. Sag es ruhig!“ Jack gab ihm einen Kuss: „Sei nicht beleidigt. Du kannst mich dann zusammenflicken, wenn ich zurückkomme. Denn das wird nicht ausbleiben.“ Der Jüngere nickte: „Okay, dann viel Glück!“ Schließlich waren alle bereit und sie entschwanden durch das Fenster des Zimmers in den Nachthimmel. Alexander sah ihnen nach, bis er ihre Silhouetten nicht mehr erkennen konnte.

Catherine und Antonio wollten Magnus Befreiung in die Hand nehmen und Jack und Martin wollten nach Jessica suchen. Nun tauchte das Anwesen unter ihnen auf. Antonio sah kurz in die Runde: „Also, dann.“ Er schwebte mit Catherine zum Haus hinab und ließ ihr dann den Vortritt. Aus Alexeijs Gedanken kannte sie ja bereits den Zugang zum Keller. Mit seinem Willen entriegelte er eines der Fenster und beeinflusste natürlich vorher die Alarmanlage, damit sie beim Öffnen des Fensters nicht auslöste. Dann stiegen sie ein. Sie waren im Erdgeschoss und Catherine ging nun vorsichtig durch die Empfangshalle. Sie hielten sich beide dicht an den Wänden, falls ein Leibwächter auftauchte. Antonios Sinne arbeiteten auf Hochtouren. Plötzlich lächelte er und sagte stumm: ‚Alexeij ist abgelenkt. Ideal für unseren Plan. Ich höre Herzschläge.‘ Catherine nickte: ‚Ja. Hoffentlich ist er eine Weile mit ihnen beschäftigt.‘ Die Unsterbliche betastete auf einmal eine Wand: ‚Hier muss der Eingang sein. Eine unscheinbare Tür.‘ Antonio richtete seinen Willen auf die Wand und dachte einfach angestrengt: ‚Öffne dich!‘ Und schon tat sich ein kleiner Spalt auf. Catherine drückte vorsichtig dagegen und es stellte sich tatsächlich als Tür heraus. Schnell huschten sie hindurch, schlossen sie wieder und schlichen weiter durch einen schmalen Gang. Sie konnten schon die Leuchtanzeige des Aufzugs sehen. Die Türen waren geschlossen. Antonio meinte: ‚Er ist unten. Das ist sehr gut. Wir drücken jetzt die Türen da auseinander, schweben durch den Schacht runter und klettern dann durch die Luke der Kabine.‘ Catherine krallte ihre Finger in den Spalt der Türen und zog kräftig. Schon standen sie so weit offen, dass sie hindurch passten. Langsam wurde sie nervös. Sie fühlte die vier jungen Vampire, die Magnus bewachten. Kurz darauf standen sie auf der Aufzugskabine, Antonio öffnete vorsichtig die Luke und stellte fest, dass die Kabinentüren offen standen. Es musste also jetzt schnell gehen. Zu Catherine meinte er: ‚Wir müssen sie jetzt überrumpeln. Bist du bereit?‘ Sie nickte nur und machte sich zum Angriff bereit. Antonio sprang zuerst in den Gang, dann folgte Catherine. Kaum hatten die Wächter die beiden erblickt, wurden sie schon angegriffen. Antonio zerfetzte dem Ersten die Kehle und dann dem nächsten. Das Blut floss in Strömen an ihnen hinunter und der Ältere schleuderte ihre Körper gegen die Wände. Den anderen blieb keine Zeit, sich zu wehren. Antonio zog ein langes Messer und köpfte sie. Catherine hatte zu ihrer geistigen Macht gegriffen und als Antonio nach ihr sah, lagen die anderen beiden Unsterblichen am Boden, wie betäubt. Blut floss ihnen aus Ohren, Nase und Mund. Nun stiegen sie über die Körper hinweg, um die Tür zu Magnus Gefängnis aufzubrechen. Ein kräftiger Tritt von Antonio ließ sie aus den Angeln fliegen. Als sie eintraten, stand Magnus schon, versuchte zu lächeln und meinte: „Endlich! Schön euch zu sehen.“ Antonio fragte: „Kommst du allein hoch?“ Magnus nickte und schwebte bereits in den Gang hinaus: „Wo ist Alexeij?“ Catherine erwiderte: „Jack und Martin versuchen, Jessica zu befreien. Alexeij hat zwei Sterbliche bei sich.“ Da meinte Magnus böswillig: „Dann wollen wir ihn mal beim Essen stören.“ Catherine folgte besorgt: „Du solltest dich noch schonen. Überlass das uns!“ Er fuhr zornig herum: „Nichts da! Er gehört mir. Mir ganz allein!“ Seine Rachegelüste hatten sein Schmerzempfinden fast ausgeschaltet. Seine Haut war zwar inzwischen dunkelbraun geworden, aber spannte und schmerzte immer noch überall. Er murmelte:    „Mit dem werde ich noch fertig.“ Catherine registrierte den deutlichen Schimmer in Magnus blauen Augen und sie wechselte sorgenvolle Blicke mit Antonio: ›Bitte, lass ihn nicht aus den Augen. Elender Dickschädel!‹ Antonio nickte. Wieder im Erdgeschoss streckten sie ihre mentalen Fühler nach den anderen aus. Lärm war zu hören. Kampfgeräusche aus einem Badezimmer. Sie huschten die Treppen hinauf vor die Tür des Bades und nachdem sie kurz die Lage im Innern erfasst hatten, trat Antonio abermals die Tür zur Seite.

Alexeij stand im Innern des Whirlpools und drosch gerade auf Jack ein, der sich verzweifelt wehrte. Jessica hatte sich außer Reichweite geflüchtet und schien verwirrt zu sein. Martin mühte sich mit einigen Leibwächtern ab, die ihn attackierten. Jetzt war Magnus nicht mehr aufzuhalten. Er stürzte sich blindlings auf Alexeij, schlug ihm seine Fingernägel in die Schultern und zog ihn mit in die Luft. Dort verbiss er sich im Hals seines einstigen Peinigers und begann gierig zu trinken. Er spürte Alexeijs Kratzer und Schläge, aber es kümmerte ihn überhaupt nicht. Er würde den Kerl erst loslassen, wenn kaum noch Blut in ihm war. Es war noch warm und Magnus Körper lechzte sowieso fast ununterbrochen danach. Alexeij hatte wenige Chancen gegen seinen Gefangenen, obwohl Magnus durch die Verbrennungen immer noch schwächer war. Das Blut machte ihn jedoch stärker und bald hatte er den Russen fast ausgesaugt. Alexeij hing schwach in seinen Armen und Magnus führte seine Rache fort. Sein Zorn beherrschte ihn und er schleifte Alexeij zum Aufzug. Antonio folgte ihm sicherheitshalber. Catherine würde mit den Leibwächtern schon allein fertig werden. Jessica war langsam aus ihrer Starre erwacht und da Magnus nicht mehr in Gefahr schien, stürzte sie sich nun ebenfalls ins Kampfgetümmel. Jack verzog sich, stark blutend in eine Ecke, wo ihn hoffentlich niemand mehr angriff. Seine Beine trugen ihn nicht mehr und er fühlte sich nur noch schwach. Das Blut floss ungehindert aus den klaffenden Wunden und er hoffte, dass die Heilung bald einsetzte. Auf einmal stand einer der Wächter vor ihm und grinste boshaft. Jack spürte, wie er ihn an den Haaren packte, dann wurde es Nacht um ihn.

Alexeij bekam panische Angst, als er in das Solariumzimmer gezerrt wurde, aber er zeigte es nicht. Dazu war er zu stolz und um Gnade winseln würde er auch nicht. Magnus schnallte ihn darauf fest und betrachtete dann seinen nackten, ausgezehrten Feind: „Na, hat’s mit Jessica Spaß gemacht?« Alexeij lächelte ihn an: „Natürlich. Ich habe es jedes Mal voll und ganz genossen und noch mehr, weil ich wusste, dass du es mitbekommst.“ Magnus strich über Alexeijs Geschlecht: „Ja, das kann ich mir vorstellen.“ Der Russe erwiderte unwirsch: „Was soll das?“ Magnus rieb weiter: „Och, ich wollte nur sehen, ob sich noch was regt bei dem Blutverlust.“

„Nimm deine Pfoten weg!“ Der andere ließ sich nicht beirren: „Tatsächlich! Es scheint dir zu gefallen.“ Magnus beugte sich nun in Alexeijs Schoß hinunter und nahm seinen Schwanz in den Mund. Alexeij wurde kurze Zeit später von seinem Trieb erfasst und begann erregt zu atmen. Magnus ließ ihn durch seine Mundhöhle gleiten, saugte und leckte daran, bis Alexeij kurz vor dem Höhepunkt war. Dann biss er zu. Ein Schwall Blut ergoss sich in sein Gesicht, aber er verbiss sich noch in Alexeijs Hoden und riss sie ab. Die Erregung des Russen verflog schlagartig und er starrte fassungslos auf seinen blutigen Unterleib: „Scheiße! Was hast du gemacht?“ Sein ehemaliger Gefangener meinte ungerührt: „Das brauchst du ja nicht mehr. Und nun kommt der schönste Teil. Für mich!“ Dabei lächelte Magnus höhnisch und verließ den Raum. Alexeij fluchte, zerrte an den Fesseln, aber er konnte seinem Schicksal nicht mehr entrinnen. Die Röhren flackerten auf und sofort erfasste ein höllischer Schmerz seinen ganzen Körper. Für Magnus war es eine Genugtuung zuzusehen, wie sein Erzfeind sich wand und schrie. Seine Haut verfärbte sich sehr schnell und war nach kurzer Zeit rabenschwarz. Nach einer Weile wurde es Magnus zu langweilig. Er ging wieder nach oben und ließ Alexeij weiterschmoren.

Das Bad war ziemlich verwüstet, als er dort ankam. Überall klebte Blut an den Fliesen und geköpfte Körper lagen auf dem Boden herum. Jessica kämpfte verbissen gegen einen anderen Vampir und schien sehr angeschlagen zu sein. Magnus eilte ihr sofort zu Hilfe und riss ihren Gegner von ihr weg. Dann zerfetzte er ihm die Kehle und riss ihm den Kopf ab. Das herausspritzende Blut, das auf seinen Körper traf, verschaffte ihm sofort Linderung und es schien sogar in der Haut zu verschwinden. Daraufhin kniete er sich neben einer anderen Blutlache nieder, tauchte beide Hände hinein und begann es auf die Arme zu reiben. Jessica beobachtete ihn dabei. Ihr Gefährte sah aus wie ein Farbiger mit blondgefärbten Haaren. Seine blauen Augen und seine Zähne leuchteten regelrecht aus seinem Gesicht heraus. Sie war so in seinem Anblick versunken, dass sie ihre eigenen Verletzungen nicht mehr wahrnahm. Catherine und Antonio hatten inzwischen die restlichen Wächter besiegt. Nun kehrte Stille ein. „Wo ist Jack?“, fragte Jessica plötzlich. Sie sah sich im Zimmer um und entdeckte schließlich seinen kopflosen Körper zwischen den anderen. Überall lagen noch herausgekrochene Adern herum, die langsam antrockneten. Auch aus Jacks Halsstumpf hatten sie sich herausgewunden, aber bewegten sich nicht mehr. Jessica blickte über den Wirrwarr von Leibern, um seinen Kopf irgendwo zu sehen. Sie fand ihn und trug ihn vorsichtig zu seinem Körper. Die erschlafften Adern baumelten herunter und eigentlich war es ein scheußlicher Anblick. Seine Augen waren geschlossen und seine Wangen eingefallen. Aber durch ihre vampirartige Natur machte ihr das nichts aus. Sie legte seinen Hals ein Stück über die Schultern und wartete. Es geschah jedoch nichts. Ratlos blickte sie zu Antonio, der nun mit dem Messer herantrat: „Ich denke, ich weiß, was hilft.“ Er kniete neben Jack nieder und begann zuerst dir vertrockneten Enden der Adern abzuschneiden. Dann biss er seine Pulsader am Handgelenk auf und ließ das Blut darauf laufen. Ein wenig bewegten sie sich, aber nicht genug, um zusammenzuwachsen. Antonio stand auf und sagte: „Wir brauchen einen Sterblichen. Ich werde gehen. Bin bald zurück.“ Jessica sah besorgt zu Jack: „Ist gut. Aber beeil dich!« Magnus war noch immer dabei seine Glieder mit dem herumliegenden Blut einzureiben. Catherine fragte: „Wie lange willst du Alexeij noch leiden lassen? Vernichte ihn endlich!“ Ihr einstiger Geliebter blickte kurz von seiner Tätigkeit auf: „Tut er dir etwa leid? Genauso erging es mir auch. Stunden musste ich dieses Martyrium erdulden.“ Sie legte beruhigend ihre Hand auf seine Schulter: „Ich weiß, aber ich möchte endlich weg von hier. Hilfst du mir, die Körper ins Freie zu schaffen?“ Magnus willigte ein und folgte ihr. Draußen im Garten legten sie die Vampirkörper ins Gras und die Köpfe schichteten sie an einer anderen Stelle auf. Die restliche Arbeit überließen sie der Sonne.

 

Antonio kehrte sehr bald mit einem verängstigten jungen Mann zurück. Er zerrte ihn vor sich her und blieb dann mit ihm neben Jack stehen. Der Mensch sah sich nur fassungslos auf diesem Schlachtfeld um. Doch viel Zeit blieb ihm nicht mehr. Mit einem kräftigen Biss, riss ihm Antonio die Kehle heraus und der Saft sprudelte sogleich in Strömen auf den Kopf und den Oberkörper des regungslosen Unsterblichen. Jessicas Miene hellte sich auf, als die Adern sich zu winden begannen. Sie krochen, wie Würmer ineinander, wuchsen zusammen und die Lücke zwischen dem Hals und dem Körper wurde immer kleiner. Nach einigen Minuten trafen sich die Schnittstellen und langsam verband sich auch das Fleisch miteinander. Als nur noch eine breite, rote Linie zu sehen war, öffnete Jack langsam die Augen. Und als er Jessicas freudiges Gesicht über sich sah, lächelte er erleichtert. „Hallo Jack! Wie geht’s dir?“ Er richtete sich ein wenig auf: „Ich fühle mich schwach. Was ist passiert? Haben wir gesiegt?“ Nun mischte sich Antonio ein: „Dein Kopf war ab. Ja, wir haben gewonnen. Nur Alexeij lebt noch.“ Dann sah er zu Magnus hinüber, der gerade mit Catherine aus dem Garten zurückkehrte: „Was hast du mit ihm vor? Willst du sein Reich erben?“ Magnus blickte seine Gefährtin an: „Was meinst du, Liebling? Sollen wir in Las Vegas bleiben?“ Jessica war unschlüssig: „Ich weiß nicht. Andererseits lebt es sich hier ganz angenehm und du wärst der Stärkste hier. Es wäre sozusagen unsere Stadt. Ja, vernichte du ihn!“ Magnus legte den Arm um sie und küsste ihre Lippen: „Ganz wie du willst. Dann bereite ich ihm jetzt sein Ende.“ Er verließ das Zimmer.

Die restlichen Unsterblichen begaben sich in den Garten, nachdem sich Martin bei Antonio und Jack bei Catherine gestärkt hatten. Vor allem Jack brauchte Blut, um wieder auf die Beine zu kommen. Jessica schaute auf die vielen geköpften Körper, die überall im Gras lagen. Unfassbar, dass sie alle besiegt hatten. Ohne Catherine und Antonio wäre es unmöglich gewesen. Martin sah noch sehr lädiert aus. Überall konnte man die Regeneration sehen. Ihre Eigene nahm sie, nur am Rande war. Das Kribbeln wurde schnell zur Gewohnheit. Nun richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf den ziemlich verkohlten Alexeij. Magnus ließ ihn ins Gras fallen und sie hörte sein gequältes Stöhnen. Aus dem muskulösen Mann war ein schwarzes, angekohltes, dünnes Etwas geworden, in dem noch immer Leben war. Doch Alexeijs Verstand war durch die Folter total benebelt. Er bekam nicht mehr bewusst mit, was um ihn herum geschah. Magnus war es ähnlich ergangen und Jessicas Worte hatten ihn da allmählich aus seinem Delirium geholt. Antonio gab Magnus sein langes Messer, um ihr Vorhaben endgültig zu beenden. Der hellblonde Unsterbliche nahm es, aber starrte noch unschlüssig auf den ächzenden Alexeij. Catherine wandte sich an ihren einstigen Gefährten: „Tu es! Er ist ohnehin nicht mehr bei Verstand.“ Magnus sah sie kurz kalt an, aber dann sagte er: „Okay. Ihr wollt es so.“ Und hieb einmal kräftig auf den dürren Hals ein. Sogar aus dem verkohlten Leib krochen noch die Adern suchend heraus. Magnus stieß den Kopf mit dem Fuß, einige Meter weg. Er blieb noch bei dem Körper seines Feindes, solange Jessica, Martin und Jack sich langsam in den Keller des Hauses verzogen.

Jessica führte sie zu Alexeijs Schlafkammer. Sie waren durch den Blutverlust zu schwach, um ins Hotel zurück zukehren. Catherine und Antonio begaben sich in die Wohnräume, wo sie noch redeten. Sie ließen Magnus bewusst allein. Er musste erst wieder Herr über seine Rachegefühle werden. Antonio konnte das nachvollziehen. Er erinnerte sich sehr gut an dieses Gefühl, das ihn damals nach Michelles Vernichtung befallen hatte.

Alexander, der besorgt im Hotelzimmer des Luxors wartete, kroch nun mit unguten Gefühlen in seine Alukiste. Wo blieben sie nur? Was war geschehen? Er machte sich große Sorgen und alte Ängste befielen ihn. Die Trauer, die er bei Dirks Verlust gespürt hatte, kam ihm wieder in den Sinn. Diesmal wäre es in der Hinsicht anders, als dass er nicht mehr so unselbstständig wäre. Er könnte gut allein überleben und könnte in Jacks Villa zurückkehren. Hoffentlich war seinem Geliebten nichts passiert. So kurz hintereinander zwei Gefährten zu verlieren, würde ihn sehr belasten.

 

Am nächsten Abend, als er aus seiner Kiste stieg, war immer noch keiner hier. Seine Sorge wechselte langsam in Verzweiflung. Hatten sie es nicht geschafft Alexeij zu besiegen? Waren sie jetzt alle seine Gefangenen? Niedergeschlagen kramte er ein T-Shirt und eine Jeans aus dem Schrank und schlüpfte gerade in die Hose, als er plötzlich vertraute Schwingungen spürte. Gleich danach standen Jack und Jessica vor dem Fenster, durch das sie gekommen waren. Total überrascht starrte er sie an. Jack grinste nur und umarmte ihn dann. Alex war ganz perplex, aber unendlich froh. Jack sagte ein wenig spöttisch: „Na, mein Kleiner! Hast du dir Sorgen gemacht?“ Typisch, dass er wie immer alles herunterspielte. Alexander waren die unvollständig verheilten Wunden nicht entgangen und auch die rote Linie um den Hals nicht. So konterte er auf dieselbe Weise: „Na, wenigstens muss ich dich nicht mehr zusammenflicken.“ An Jessica gewandt sagte er: „Hast du das getan?“ Sie erwiderte, während sie Jack ansah: „Nicht allein. Antonio war maßgeblich daran beteiligt gewesen. Hauptsache Alexeij existiert nicht mehr.“ Alexander rief nur ein euphorisches „Ja“ aus. Jessica fuhr fort: „Wir sind nur zum Auschecken hergekommen. Also, pack deine Sachen. Ihr zieht in mein neues Zuhause.“ Alexander blickte skeptisch zu Jack: „Hä, wohin?“ Sein Gefährte öffnete seinen Alubehälter und begann die Klamotten hineinzuwerfen: „Na, Alexeijs Villa. Magnus gehört jetzt sein Revier, weil er ihn besiegt hat.“ Der Jüngere meinte nur: „Ach so.“ Und begann ebenfalls schnell zu packen. Nachdem sie ihre Hotelrechnung bezahlt hatten, verließen sie mit den Boxen das Gebäude durch die Luft.

 

Alle Beteiligten waren in der Villa versammelt. Magnus hatte schon damit begonnen, die Erinnerungen an Alexeij auszulöschen. Bilder, Kleider, das Bett in der Schlafkammer. Catherine beobachtete ihn, als er es zerschlug: „Warum tust du das?“

„Dumme Frage. Denkst du, ich schlafe darauf, wenn ich weiß, dass er es da immer mit Jessica getrieben hat.“ Sie zuckte die Schultern: „Ist gut. Wie fühlst du dich überhaupt?“ Er grinste teuflisch: „Sehr gut! Schade, dass er mir nicht von oben zusehen kann, wie ich mich in seinem Besitz breit mache.“ Catherine erwiderte: „Du meinst, weil es kein Dasein danach gibt?“

„Ja. Ist doch schade. So kann ich meinen Triumph gar nicht genießen. Er bekommt ja nichts mehr davon mit. Er würde sich bestimmt schwarzärgern.“ Dabei lachte er gehässig. Catherine meinte kopfschüttelnd: „Magnus, du bist schrecklich.“ Er lächelte sie nur an und sagte dann in sanftem Ton: „Ich habe mich noch gar nicht bei dir bedankt.“ Er kam auf sie zu, strich über ihre Wange und küsste sie: „Danke, meine heilige Katharina. Das werde ich dir nie vergessen.“

 Diesen Spitznamen hatte er ihr damals, als sie sich nur noch auf seinen Bällen trafen, nachdem sie ihn verlassen hatte, gegeben. Einmal wollte Magnus ihr eine besondere Freude machen und hatte zwei unberührte Sterbliche für ihre Liebesnacht besorgt. Einen Knaben und ein junges Mädchen, beide bildhübsch. Catherine war allerdings nicht begeistert gewesen und hatte abgelehnt. Sie töte keine halben Kinder. Das hatte Magnus sehr gekränkt und er meinte, sie wüsste nicht, was ihr entging: „Schau ihre makellosen Körper an und rieche diesen reinen Duft. Keine schmutzigen Gedanken. Ihr Blut ist das reine Elixier. Koste wenigstens.“ Catherine hatte den Kopf geschüttelt und Magnus packte daraufhin den Knaben am Arm, zog ihn an sich und biss in seinen Hals. Catherine hatte diese Szene betrachtet, bemerkte, wie die Gier in ihr hochstieg, als sie das Blut auf dem nackten Körper sah. Das Mädchen hatte nicht gesehen, was mit dem anderen geschah. Sie saß ahnungslos am Bettrand. Da ging die Unsterbliche zu ihr hin und reichte ihr das Kleid: „Zieh es an. Schnell!“ Magnus war noch mit Trinken beschäftigt gewesen und als die Kleine ihr Kleid übergezogen hatte, fasste Catherine ihre Hand und flüsterte: „Halte dich gut an mir fest. Klammer dich an mein Kleid und lass auf keinen Fall los.“ Dann sprang sie mit ihr zum Fenster hinaus, trug sie durch die Luft davon und flog mit ihr, so schnell sie konnte zum Dorf. Dort hatte sie das Mädchen nach Hause geschickt. Magnus hatte sich da sehr über seine Geliebte geärgert, dass sie so menschlich war, aber er hatte diese verweichlichte Unsterbliche geliebt. Er drängte sich noch enger an sie: „Ich begehre dich immer noch. Das wird nie enden.“

„Ach, Magnus! Ich konnte dich doch nicht im Stich lassen. Ich bin schon damals wegen dir, um die halbe Welt gereist. Ich werde dich immer auf eine gewisse Weise lieben.“ Sie küssten sich lange und ausgiebig. Magnus wollte zwar mehr, aber seine schmerzende Haut hielt ihn davon ab. Dann verließ Catherine den Keller, um sich zu den anderen zu gesellen.

Jessica, Jack und Alexander planschten übermütig im Pool herum. Die neue Hausherrin war unendlich froh, dass alles vorbei war und dieser wunderschöne Besitz nun ihnen gehörte. Ihr und ihrem geliebten Magnus. Ihr Gefährte war es ja schon gewohnt über eine ganze Stadt zu herrschen, aber Las Vegas war ein anderes Kaliber, als Florenz. Hier tummelten sich die Unsterblichen regelrecht und sie standen, als „Herrscherpaar« mehr im Mittelpunkt. Die Clubs würden sie beibehalten, aber den ganzen Kitsch im Haus, wollte Jessica verbannen. Überall dieses üppige Gold und die ganzen Schnörkel. Das hatte sie von Anfang an in diesem Haus nicht gemocht. Aber ab jetzt würde vieles anders werden.

 

 

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