26. Ein Hoffnungsschimmer

Valentin wollte von Adam noch wissen, wo er und die anderen Jungs sich tagsüber aufhielten.
„In zwei Räumen unten im Keller. Da schlafen wir in Etagenbetten.“
Im Zentrum waren die Schlafsäle ebenfalls so eingerichtet gewesen. Valentin hatte da immer lieber im unteren Bett geschlafen.
Dann klatschte die Chefin auf einmal in die Hände: „Los, auf eure Plätze! Wir machen auf.“
Valentin und Adam erhoben sich gemeinsam und platzierten sich an der Theke. Der Hellblonde hoffte, dass ihn heute nicht zu viele ansprechen würden. Er wollte es nicht, mit immer wechselnden Frauen tun. Zwar war er für die Lust zuständig, aber eigentlich nur bei seiner Herrin und vielleicht noch bei ein paar mehr, jedoch nicht x-beliebig für jede. Er war einfach nicht der Typ für sowas. Adam schien es seit je her gewohnt zu sein. War Alex wirklich so eine Ausnahme, dass sie ihn gut behandelte und nicht streng war?
Irgendwie bekam Valentin mit der Zeit diesen Eindruck. Okay, David fühlte sich anscheinend wohl bei Christine und Rick bei Vivian. Die Mistress war das andere Extrem, genau wie die beiden Wächterinnen.
Er durfte gar nicht daran denken, was die Chefin noch mit ihm vorhaben könnte. Welche Spielchen er mitmachen musste.
Mit Schaudern dachte er an den Vibrator im Nachttisch. Der sollte bitte nur für sie sein!
Viel lieber wäre er tagsüber bei den Jungs. Da hätte er wenigstens Gesellschaft und müsste keine Liebesdienste außerhalb seiner Schicht erbringen. Dann war so ein Leben bestimmt leichter zu ertragen, wenn man nur im Club seine Arbeit machen musste.
An diesem Abend wollten leider einige Damen mit ihm aufs Zimmer. Valentin verrichtete seinen Dienst rein mechanisch und blieb mental ziemlich abwesend.
Andere Jungs wären stolz, viele Kundinnen zu haben, aber ihm war das überhaupt nicht recht. Diese Ausweglosigkeit machte ihm schwer, zu schaffen.
Er war sich unsicher, ob er sich jemals einer Kundin anvertrauen könnte. Ihr erzählen, was hier abgeht, dass die meisten Diener ihren eigentlichen Herrinnen gestohlen worden waren. Jedoch befürchtete er, dass sie es der Mistress erzählen würde und dann hätte er nichts mehr zu lachen. Noch schlimmer wollte er seine Lage auf keinen Fall machen.
Gedanken an Alex verbot er sich ganz, um nicht völlig zu verzweifeln, und wenn sie sich in seinen Geist schlich, dann unterdrückte er es notgedrungen. Sonst würde nur seine Sehnsucht nach ihr aufkommen und das würde ihn noch weiter runterziehen.
Anstatt an Alex musste er sich komplett auf seine Flucht konzentrieren. Irgendwie musste er der Mistress entkommen und nach Hause finden. Es musste einfach einen Weg hier raus geben. Auf Adam konnte er leider nicht zählen, oder vielleicht doch. Der lebte doch sicher lieber unterdrückt im Luxus, als im Keller mit einigen anderen zusammengepfercht. Schlimmer als die Mistress kann dessen Herrin doch nicht sein. Valentin konnte sich nicht vorstellen, dass Adam lieber hier sein Dasein fristen wollte.
Gerade trafen sie sich gegen Ende der Nacht wieder an der Theke. Valentin hatte eine ältere Dame verabschiedet und Adam saß bereits auf seinem Hocker.
„Na, Adam! Hast du für heute auch genug?“
Der sah zu ihm rüber und nickte: „Allerdings! Für heute habe ich genug Muschis gesehen. Du wohl auch.“
Valentin murrte nur bestätigend. Dann sagte er gedämpft: „Willst du nicht auch hier raus?“ Wegen der Musik im Hintergrund konnte er nicht flüstern.
Adam blickte sich kurz um und antwortete dann: „Doch, eigentlich schon. Aber die Mistress macht uns die Hölle heiß, wenn sie das mitkriegt.“
„Gibt es denn keine Möglichkeit? Ich will das hier nicht jede Nacht tun. Ich will zu Alex zurück.“
Sein Gegenüber sah ihn nachdenklich an: „Du magst deine Herrin wohl sehr.“
Valentin nickte nur. Wegen Adams warnendem Blick schwieg er und gleich darauf ertönte die Stimme der Chefin hinter ihm: „Angel komm, es wird Zeit!“
Valentin rutschte vom Hocker und sie hakte sofort die Kette in sein Halsband ein.
Während sie ihn die Treppe zu ihrer Wohnung hinaufführte, meinte sie: „Du hattest wieder einige Kundinnen heute. Sehr schön! Da hatte ich mit dir den richtigen Riecher. Adam und du seid meine besten Pferde im Stall.“
Im Schlafzimmer setzte sich Valentin sofort artig auf den Vorleger und die Chefin schlang die Kette um das Bettgitter am Fußende und ließ das Vorhängeschloss einrasten.
„Leg dich hin. Ich komme später.“
Er befolgte ihren Befehl und kauerte sich auf der Seite liegend zusammen. Kaum war sie verschwunden, breitete sich Erleichterung in ihm aus. Da fühlte er sich sofort wohler und setzte sich wieder auf. Er holte die Flasche unterm Bett hervor und erledigte zuerst mal sein Geschäft. Im Zimmer war es dunkel, bis auf das Licht der Leuchtreklame, das durch die Schlitze der Jalousie fiel.
Valentin lehnte sich an den Bettrahmen und grübelte, wie er von hier flüchten konnte. Aus dieser Wohnung entkam er sicher nicht. Tagsüber würde die Mistress ihm wieder diese Fesseln anlegen und das Zimmer abschließen. Jetzt war es auch verschlossen und die Wohnungstür bestimmt ebenfalls. Im Club gab es Türsteherinnen, aber vielleicht durch einen Notausgang, oder so. Ja, im Club gäbe es am ehesten eine Chance. Er musste morgen Adam nochmal darauf ansprechen.


Mit blankem Entsetzen starrte Valentin auf den Dildo, der an einem Gurt hing, den die Mistress am nächsten Morgen in der Hand hielt. Wollte sie ihn damit etwa penetrieren?
Sein Körper erstarrte vollkommen, unfähig sich zu bewegen, sah er sie auf sich zu kommen.
„Steh auf!“, befahl sie, aber Valentin war noch nicht fähig dazu. Erst als sie ihn mit der Schuhspitze anstieß: „Wird’s bald!“, erhob er sich langsam.
Als er vor ihr stand, begann sie ihm die Gurte umzuschnallen.
„Dein Teil kannst du in die Kundinnen stecken, aber in mich nicht.“
Erwartete sie jetzt Enttäuschung von ihm?
Valentin empfand unendliche Erleichterung, dass er den Dildo tragen durfte. Dann musste er bei ihr schon keinen hochbekommen. Zum Glück ahnte sie nicht, welch großen Gefallen sie ihm damit tat und er war auch froh, dass ihn nicht im Arsch ertragen musste.
Nachdem sie ihm den Strap-on angelegt hatte, zeigte sie auf das Bett: „Leg dich dahin!“
Kaum hatte er sich draufgelegt, kam der nächste Befehl: „Hände nach oben!“
Valentin ahnte, was das bedeutete. Zwar befolgte er es, aber die Angst wallte abermals hoch, als sie seine Hände mit einem Tuch an das Kopfende band. Zufrieden betrachtete sie ihn. Was hatte sie mit ihm vor und die Fesselung ließ Panik in ihm aufkommen.
Die Mistress stieg nun mit nacktem Unterleib auf seinen Schoß, streichelte seinen nackten Oberkörper.
„Mein hübscher Sklave.“
Valentin wusste nicht, wo er hinsehen sollte, und entschied sich für den Boden. Er spürte ihren erregten Atem an seinem Hals.
„Du riechst gut und deine Haut ist da so zart.“
Das erinnerte ihn an Alex. Sie mochte es, sich in seine Halsbeuge zu kuscheln und sagte oft fast dasselbe. Wie schrecklich er sie vermisste und hoffte, dass sie ihn endlich vor dieser Teufelin rettete.
Die Mistress begann sich an seinen Oberschenkeln zu reiben und befingerte ihn weiter. Er fühlte ihr feuchtes Fleisch auf seiner Haut, aber empfand nur Abneigung. Bei Alex wäre er schon längst absolut in Fahrt.
Schließlich ließ sie sich stöhnend auf den Dildo sinken, packte dann sein Kinn und warnte ihn: „Wehe du stößt zu! Dann gibt’s ne Tracht Prügel. Halt einfach still.“
„Verstanden, Mistress“, erwiderte er mit Blick in ihr strenges Gesicht.
Solange sie sich auf ihm befriedigte, hielt sie sein Kinn fest: „Ich will dabei deine schönen blauen Augen sehen. Sieh mich an.“
Widerwillig kam er der Aufforderung nach, bemerkte ihre immer entrückter werdende Miene und vernahm ihr erregtes Keuchen. Doch das ließ ihn alles kalt, widerte ihn eher an und er war heilfroh, als sie sich endlich auf ihm wand.
Kurz darauf band sie ihn los und nahm ihm den Strap-on ab.
„Also wenn ich es nicht mit eigenen Augen sehen würde, könnte man meinen, du bist kastriert.“ Sie nahm kurz seinen schlaffen Kleinen in die Hand. „Ich frage mich echt, wie du das bei den anderen Frauen machst, dass da was geht.“
Valentin dachte bei sich, dass die ihn auch nicht so ängstigten.
Dann meinte die Mistress: „Aber egal. Hauptsache es funktioniert.“

Der Rest des Tages verlief, wie üblich. Sie legte ihm die Ledermanschetten an, wenn sie außer Haus ging, und ließ ihn am Bett angekettet. Es gab wieder zwei Sandwichtoasts zum Frühstück, diesmal sogar mit Erdnusscreme bestrichen und ein Glas Orangensaft. War das eine Belohnung?
Jedenfalls schmeckte es für Valentin himmlisch. Vor allem der Orangensaft. Immer nur Sandwiches, oder Nachos und Burger im Club. Das war einfach öde.
Zum Lunch ließ sie ihn diesmal sogar in die Küche. Es war das erste Mal, dass Valentin etwas anderes zu Gesicht bekam, als den Flur und ihr Schlafzimmer.
Dort musste er neben ihrem Stuhl auf den kalten, hellen Fliesen knien, während sie aß. Ihm stieg der Duft von Gebratenem in die Nase und sein Magen knurrte verlangend. Hoffentlich bekam er nachher auch etwas, aber er ging mal davon aus, wenn er schon mit hierher durfte. Dann war die Mistress sicher milde gestimmt. Mit diesen Aussichten ließ sich der Hunger leichter ertragen.
Er war gerade in Gedanken, als die Mistress ihm ein Stück Putenfleisch vor die Nase hielt.
„Nimm!“
Als er seine Hand vor nahm, zog sie es ein Stück zurück und sagte scharf: „Nein! Nur mit den Lippen.“
Valentin verschränkte seine Hände wieder auf dem Rücken und nahm das Fleischstück mit seinen Lippen aus ihren Fingern.
Anscheinend war es richtig so, denn sie fütterte ihn auf diese Weise noch weiter und stellte ihm schließlich den Teller mit dem Rest vor die Knie. Die Gabel lag noch im Teller und sie zeigte darauf.
„Jetzt darfst du deine Hände benutzen.“
„Danke, Mistress.“
Außer dem Putenfleisch gab es noch Brokkoli, Karotten und Kartoffeln. Das empfand Valentin bereits als Festmahl und aß relativ schnell auf.
Seine Chefin spülte solange die Pfanne und den Kochtopf, was er sehr begrüßte, denn so beobachtete sie ihn nicht beim Essen.
Nachdem der Teller leer war, ließ er ihn einfach stehen und blieb auf den Knien, weil er nicht wusste, was sie von ihm erwartete. Fragen traute er sich nicht und so wartete er einfach ab.
„Bring den Teller her!“
Das tat er und bedankte sich für das Essen. Danach schickte sie ihn zurück ins Schlafzimmer.
Valentin ließ sich auf dem Vorleger nieder und kurz darauf folgte ihm die Mistress und legte ihn wieder an die Kette.


Am Abend ging es wie immer zur Arbeit. Er begrüßte kurz seine Kollegen und setzte sich dann auf seinen Barhocker. Bald erschienen die ersten Gäste und es dauerte nicht allzulange, bis ihn die Erste ansprach.
Inzwischen routiniert, bediente er sie nach ihren Wünschen und wartete danach auf die Nächste. Irgendwie merkte er sich ihre Gesichter kaum, sah mehr durch sie hindurch und konzentrierte sich ganz auf seine Aufgaben.
„Valentin, bist du es?“, fragte ihn jemand von der Seite. Überrascht drehte er sich der Stimme zu und erkannte Amanda, eine Bekannte von Alex.
Hoffnungsvoll antwortete er: „Amanda? Ja, ich bin es. Wo ist Alex?“
Die Rothaarige betrachtete ihn eingehend: „Hier bist du also. Wie kommst du hierher?“
Er erwiderte gedämpft: „Ich wurde entführt, als ich mit zum Supermarkt bin.“
„Die Polizei glaubt eher, dass du geflohen bist.“
Valentin entgegnete verzweifelt: „Aber das bin ich nicht. Ich muss jetzt hier die Damen bedienen, aber gehöre der Chefin nicht. Bitte sagen Sie ihr, wo ich bin!“
Amanda nickte zuerst, dann schmunzelte sie verschlagen und strich über seine nackte Brust: „Sie vermisst dich sehr. Hm, wie wäre es mit einem Deal? Gefallen gegen Gefallen. Zuerst beglückst du mich und dann erzähle ich Alex, wo du steckst.“
Er sah sie verständnislos an: „Sie ist doch Ihre Freundin.“
Amanda spielte weiter mit ihren Fingern an seinen Haaren: „Das schon, aber ich nutze nur eine passende Gelegenheit, wenn Alex dich immer nur für sich behält. Und, was sagst du?“
Valentin stimmte schließlich zu. Was blieb ihm auch anderes übrig? Das wusste Amanda ganz genau und auch, dass er unbedingt zu Alex zurückwollte.
Zerknirscht nickte er, stand von seinem Barhocker auf und sagte: „Okay, folgen Sie mir!“

Er führte Amanda in eins der freien Zimmer, blieb im Raum stehen und fragte: „Was sind Ihre Wünsche?“
Sie kam auf ihn zu und berührte seine nackte Haut: „Ich will dich erstmal anfassen. Jetzt kann ich das endlich ungestört.“
Mit beiden Händen fuhr sie über seine Schultern, seine Brust und seinen Bauch, drängte sich dann enger an ihn und küsste seine Lippen. Valentin ließ es einfach geschehen, kam ihr mit seinem Kopf nicht entgegen.
Amanda löste sich verträumt von ihm: „So schön weich.“
Dann begann sie am Reißverschluss seiner Lederpanty herumzunesteln, während sie mit ihren Lippen über seine Halsbeuge strich. Kurz darauf erreichten ihre Finger sein schlaffes Glied.
„Ich bin noch nicht soweit“, flüsterte er. „Möchten Sie ihn streicheln?“
Er schob sich die Hose vom Hintern, damit sie besser rankam, und schloss die Augen, um sich gedanklich in Stimmung zu bringen.
So machte er es bei vielen Kundinnen, die ihn nicht erregten. Die Vorstellung von Alex musste immer wieder dafür herhalten, bis er jedes Mal bereit war. Dann brauchte er sie nicht mehr für solche Gedanken zu missbrauchen.
Bei Amanda funktionierte es genauso und als sein Kleiner steil emporragte, befahl sie ihm, sich aufs Bett zu legen.
Schnell zog sie sich untenrum aus, setzte sich auf ihn und ritt ihn heftig. Dazwischen musste er immer wieder ihre Brüste kneten.
Valentin sah sie die meiste Zeit nicht direkt an, lag unter ihr, wie bei den Aufseherinnen, ohne sich aktiv zu bewegen. Nur seine Hände lagen auf ihren Brüsten, weil sie das so wollte.
Ab und zu machte er die Augen zu, um seine Erregung durch Vorstellung, aufrechtzuerhalten. Aber sein Höhepunkt blieb in weiter Ferne. Bestimmt war das Amanda nicht wichtig. So hielt er durch, bis sie endlich fertig war.
Sie stieg seufzend von ihm herunter und ließ sich neben ihn fallen: „Ah, war das gut. Du bist wirklich so ein Hübscher.“ Ihre Hand legte sich auf seine Brust, ließen seine Haarsträhnen durch die Finger gleiten.
„Wie geht es Alex? Waren Sie bei ihr?“, wollte Valentin besorgt wissen.
„Wir haben nur telefoniert. Sie war bei der Polizei, nachdem du verschwunden warst, aber die gingen zuerst davon aus, dass du geflohen bist. Doch suchen müssen sie dich trotzdem. Wer denkt schon an ein Bordell.“ Amanda küsste seine Brust: „Reden wir nicht mehr von Alex. Ich möchte dich noch ein wenig genießen.“
Solange die Rothaarige seinen Oberkörper mit Lippen und Fingern liebkoste, sah Valentin abwesend an die Zimmerdecke und dachte über ihre Schilderungen nach. Hatte Joe nichts gesehen?
„Glaubt Alex auch, dass ich abgehauen bin?“, fragte er zögernd.
Amanda sah zu ihm auf: „Ich denke nicht. Sonst würde sie sich nicht so viele Sorgen machen. Du scheinst ihr wirklich viel zu bedeuten. Verständlich, bei so einem Schnucki. Ich hätte auch gern einen Diener, aber die sind viel zu teuer. So 70.000 Dollar müsste ich da übrig haben.“ Sie umkreiste mit einem Finger seine Brustwarze: „Na ja, dann lasse ich eben hier ab und zu was liegen und habe eine Weile Spaß mit einem.“
Wehmütig dachte Valentin an seine Liebste. Sie war sicher krank vor Sorge und er konnte nicht zu ihr. Das machte ihn ganz hibbelig. Am liebsten würde er diese Amanda jetzt von sich stoßen und davonlaufen, aber das war im Moment unmöglich.
Ihre Berührungen wurden ihm immer unangenehmer und er wollte dieses Stelldichein beenden. Daher gab er vor, auf die Toilette zu müssen, was seine Kundin zwar nicht toll fand, aber sie zog sich notgedrungen wieder an und ging mit nach unten.
Dort verabschiedete sich Valentin bedauernd von ihr: „Es tut mir leid, Madam. Noch einen schönen Abend und grüßen Sie Alex von mir.“
Amanda küsste ihn auf die Wange: „Bis bald, Süßer!“ Dann wandte sie sich lächelnd ab.
Valentin betrat kurz darauf die Toilette, stellte sich vor eines der Waschbecken und schlürfte erst einmal Wasser aus dem Hahn. Dann stützte er sich mit beiden Händen am Becken ab und betrachtete sich im Spiegel.
Er sah richtig traurig und niedergeschlagen aus. Angespannte Gesichtszüge, trauriger Blick und noch blasser als sonst.
Wie sollte es nur weitergehen? Löste Amanda ihr Versprechen ein?
Er hielt es keine Minute länger im Club aus. Er musste unbedingt mit Adam sprechen.
„Geht’s dir nicht gut?“, vernahm er plötzlich eine männliche Stimme.
Einer der Diener hatte ihn angesprochen, der mit den dunklen, langen Haaren.
„Wo ist Adam gerade?“
Der andere zuckte die Schultern: „Keine Ahnung! Wahrscheinlich Kundschaft.“
Valentin ging an ihm vorbei: „Okay, ich geh mal wieder raus. Vielleicht seh ich ihn.“
Auf dem Weg zur Bar erkannte er im Gang schon von weitem, dass Adam vor der Mistress kniete und von ihr Einige gescheuert bekam.
Was war passiert?
Doch viel Zeit, sich Gedanken zu machen, hatte er nicht, denn ihre verärgerte Stimme, ließ ihn zusammenzucken: „Angel, komm her!“
Oh Shit! Blühte ihm jetzt dasselbe? Fieberhaft überlegte er, was er falsch gemacht hatte, solange er zur Chefin hinüberging. Ihm fiel auf die Schnelle wirklich nichts ein und das machte ihm erst recht Angst.
„Wo warst du?“, blaffte sie.
Valentin zeigte hinter sich in Richtung Toiletten.
Dann sah sie abfällig auf den kauernden Adam hinunter, der den Kopf hängen ließ: „Nimm dir ein Beispiel an Angel! Der ziert sich nicht.“ Sie verpasste dem Knieenden noch einen Tritt in die Seite: „Los jetzt! An die Arbeit!“
Adam krümmte sich kurz, rappelte sich dann langsam auf, strich seine wirren Haare aus dem Gesicht und kehrte mit versteinerter Miene mit Valentin zur Theke zurück.
Als er sich setzte, rieb er über die Seite, wo sie ihn getreten hatte.
Valentin flüsterte: „Was war denn los?“
Sein Kollege sah ihn betrübt an: „Mir geht’s beschissen und das habe ich einer Kundin gesagt. Also, dass ich nicht so fit bin und das hat die Mistress mitbekommen.“
„Was fehlt dir denn?“
Adam atmete tief durch: „Mir ist übel und irgendwie tut alles weh.“
Da fuhr die Chefin dazwischen: „Was quatscht ihr schon wieder? Hat das vorher noch nicht gereicht?“
Valentin versuchte, Adam zu helfen: „Mistress, er ist krank. Bitte verschonen Sie ihn! Er kann nicht weiterarbeiten.“
Da knallte ihre Hand auf seine Wange, mit der anderen packte sie ihn an den Haaren, riss seinen Kopf zurück und zerrte ihn in den kleinen Raum, wo er anfangs zu sich gekommen war.
Nachdem die Tür ins Schloss fiel, stieß sie ihn mit einem Tritt zu Boden und schrie: „Was erlaubst du dir, Sub, so mit mir zu reden? Du hast hier gar nichts zu melden, verstanden.“ Dem gab sie mit einem erneuten Tritt Nachdruck, der ihn an der Hüfte traf.
„Ich werde euch beiden schon Manieren beibringen.“
Dabei griff sie nach etwas, dass er in dem dusteren Raum nicht genau erkennen konnte. Aber sofort bekam er es in Form eines scharfen Ziehens am Arm zu spüren.
Valentin rollte sich schutzsuchend zusammen, als weitere Hiebe zischend auf ihn niedergingen. Den schneidenden Schmerz fühlte er an den Armen, an den Beinen und auch an der Seite des Rückens. Winselnd kroch er weiter, um den schmerzhaften Schlägen zu entgehen, bis er an das Ledersofa stieß. Die Mistress hörte noch nicht auf und schimpfte lautstark, aber auf ihre Worte achtete er nicht. Sie prügelte völlig in Rage auf ihn ein und verpasste ihm zwischendrin Tritte, wo sie ihn erwischte. Dadurch, dass er sich immer mehr einigelte, traf die Schuhspitze seine Schienbeine, was besonders weh tat. Valentin jammerte und schrie immer wieder auf, hielt seine Arme schützend über seinen Kopf, und versuchte sich immer kleiner zu machen. Ihr Geschrei nahm er durch die Prügel überhaupt nicht wahr, klammerte sich verzweifelt in seinen Haaren fest und kniff die tränenden Augen zusammen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hörten die Schläge endlich auf. Valentin rührte sich nicht, wimmerte nur noch, da überall die Striemen brannten und pochten, und von seinen Schienbeinen ein dumpfer Schmerz ausging. Er hielt die Augen noch geschlossen und hörte nur ihr angestrengtes Atmen. Dann fiel etwas klappernd auf den Boden, Geräusche von Absätzen und das Zuschlagen der Tür. Tränen liefen ihm immer noch über die Wangen und versiegten erst allmählich. Tiefe Schluchzer schüttelten seinen bereits zitternden Leib und er blieb apathisch liegen.

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beta
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