29. Schwierige Zeiten

Nora hatte im Frühjahr erreicht was sie wollte. Konstantin vermählte sich im Mai mit ihrer Tochter Sonja. Auf der Hochzeitsfeier von Georgijs Sohn Ilja ein Jahr zuvor, wurden die beiden einander vorgestellt und Konstantin war ganz angetan von Sonjas Äußerem gewesen. Sie erinnerte ihn ein wenig an die Räubertochter aus dem Wald. Doch Sonjas Charakter war völlig anders. Sie war ein gehorsames, sittsames Mädchen. Nora hatte ihr einige Ratschläge für die Ehe gegeben, auch für die Hochzeitsnacht. Sie wünschte, dass die für ihre Tochter kein Fiasko werden würde. Dabei plagten sie kurz die Dämonen ihrer Vergangenheit, die sie für immer loswerden wollte. Ihr Vater hatte sie schon als Kind manchmal betatscht und ihr zwischen die Beine gefasst. Später musste sie an seinem Glied reiben, wenn er sich zu ihr legte und als sie dreizehn war, schändete er sie zum ersten Mal. Da sie ihre Blutung erst zwei Jahre später bekam, wurde sie erst dann von ihm schwanger. Er merkte es vor ihr, weil sie darüber nicht Bescheid wusste und bevor es herauskommen würde, verkaufte er sie als Hure. Dann könnte jeder der Vater von dem Bastard sein. Nora würde dieses schreckliche Geheimnis mit ins Grab nehmen, denn das durfte niemand je erfahren. Sonst würde man sie wegen Inzest hinrichten.

Schon drei Monate nach der Hochzeit überbrachte das Paar bei einem Besuch auf Georgijs Gut die freudige Nachricht, dass Sonja ein Kind erwartete. Nora freute sich sehr und es schien ihrer Tochter bei Konstantin gut zu gehen. Ilja hatte leider noch kein Enkelkind gezeugt. Deshalb freute es Georgij und Nora umso mehr, endlich Großeltern zu werden. Nora fragte Sonja ein wenig aus, als sie unter sich waren. Ob ihr oft übel war und sonstige Fragen über die anderen Umstände und auch über die erste Nacht mit Konstantin. Er war behutsam gewesen und es hatte gar nicht geschmerzt. Auch sonst war er ein zärtlicher Liebhaber. Ihre Mutter war sehr erleichtert, das zu hören und froh, den Richtigen für Sonja ausgesucht zu haben.

Konstantin brauchte allerdings von Zeit zu Zeit Abwechslung von den lammfrommen Liebesakten mit seiner Gemahlin. Da ergriff er sofort die Gelegenheit, als eine der Mägde sich ihm anbot. Mit ihr ging es sehr leidenschaftlich zur Sache und dazu kam noch der Reiz des Verbotenen. Das erste Mal war im Pferdestall gewesen. Konstantin wollte sein schon gesatteltes Pferd aus der Box holen, da tauchte plötzlich diese hübsche Magd bei ihm auf. Er kannte sie nur vom Sehen. Sie sprach kokett mit ihm, streichelte sein Ross und entblößte eines ihrer schlanken Beine bis fast bis zur Scham. Konstantin wurde erregt und dann kniete sie vor einen Strohballen, legte ihren Oberkörper darauf, schlug ihren Rock hoch und präsentierte Konstantin ihren süßen Hintern. Da konnte der junge Mann nicht mehr anders, als sich hinter sie zu knien und zu zu stoßen. Er bearbeitete sie heftig, was ihr lautes Stöhnen und leise Schreie entlockte. Sie klammerte sich mit beiden Händen am Stroh fest. Er presste ihr die Hand auf den Mund: "Sei still. Wenn dich jemand hört." Sein Glied rammte sich wieder und wieder in ihr saftiges Loch, seine Hand immer noch fest auf ihrem Mund, als sie plötzlich unter ihm zu zucken begann und erstickt brüllte. Während ihrem Winden erlebte er einen heftigen Höhepunkt. Konstantin kniff die Lippen zusammen, um nicht laut zu schreien. Sein Leib wurde von einigen Wellen geschüttelt, bis er völlig ermattet auf ihr liegen blieb. Sie atmete noch heftig und stöhnte leise vor sich hin. Konstantin richtete sich mühsam auf. Was für ein wilder Ritt. So ähnlich wie mit der Räubertochter, eher noch besser. Er war noch ganz zittrig und sie anscheinend auch, so unsicher wie sie aufstand: "Konnte ich Euch zufriedenstellen, mein Herr?" Konstantin brachte noch keinen vernünftigen Ton heraus und nickte nur. Die Schöne machte einen Knicks und verschwand lächelnd.

Seither gaben sie sich ab und zu ihrer ungezügelten Lust hin. Für Konstantin war das der völlige Gegensatz zu seiner sauberen, duftenden, sanften Gattin auf der bequemen Bettstatt. Seine Gespielin war wild, roch nach Küche, war verschwitzt und verströmte ihren intimen Geruch. Sie trieben es im Stall oder in versteckten Winkeln des Hauses. Das alles machte die Affäre für den Adligen so reizvoll. Doch Anastasia ging ihm nie ganz aus dem Kopf. Da es wieder Sommer war, ritt er zu diesem See. Er hatte die Hoffnung, sie würde vielleicht dort auftauchen. Ihr Unterhemd bewahrte er immer noch bei sich auf. Lächelnd erinnerte sich an ihr Planschen im Wasser und die erste Liebelei. Die Zweite war noch schöner gewesen. Hatte die Räubertochter inzwischen einen Mann?

Anastasia trauerte hingegen immer noch um ihr Töchterchen Galina. Die Kleine war seit ihrer Geburt kränklich gewesen und im April 1549 gestorben. Semjon hatte sich in seinen Befürchtungen bestätigt gefühlt und in seinem Kummer hatte er seiner Gefährtin abermals schwere Vorwürfe gemacht. Sie hatten sich immer wieder heftig gestritten, bis Semjon zu Vera und Nikolaj in die Hütte zurückzog. Nun war Nastja ohne Mann und ohne Kind und sehr unglücklich. Olga und Boris bedauerten es ebenfalls, dass ihre Enkelin gestorben war und sie versuchten Nastja aufzuheitern. Sie ging jedoch lieber zu Vera, um sich ihre Sorgen von der Seele zu reden. Die Ältere bekam dabei ein schlechtes Gewissen, weil sie der Hauptmannstochter Ratschläge gab und Semjon ihr öfters beiwohnte. Sie fühlte sich geschmeichelt, dass dieser junge Recke in ihre Arme flüchtete, denn nun war er nicht mehr mit Anastasia zusammen. Aber sie wusste auch, dass sie nur der Notnagel für ihn war. Nastja hatte die Frauenkleider wieder in die Truhe verbannt und wollte nur noch Kriegerin sein. Sie hatte ihren Willen durchgesetzt und durfte mit auf Raubzug. Boris gab ihr nicht uneigennützig seine Erlaubnis. Er hatte schließlich Mikhail verloren und sonst keinen Ersatz für ihn und seine Tochter war eine gute Kämpferin und Schützin. Olga sah es nicht so gern, dass Nastja mit ritt, aber sie fügte sich.

Der erste Überfall verlief ganz erfolgreich und die Bande hielt sich danach im Übergangslager auf. Nastja beobachtete unauffällig Semjon, der mit Nikolaj zusammen saß. Wenn er manchmal hersah, wandte sie schnell den Blick ab. Sie mochte ihn wohl immer noch. Leider! So, wie er sie nach Galinas Tod behandelt hatte. Ihr die ganze Schuld gegeben. Leider ließ sie sich davon beeinflussen und überlegte, ob sie wirklich ihren Tod verschuldet hatte. Jedenfalls wollte sie keine Kinder mehr.

Beim zweiten Überfall fiel ihnen eine Kutsche von Edelleuten in die Hände. Natsja kämpfte verbissen gegen die Handvoll bewaffneten Reiter. Boris blieb in der Nähe, um ihr beizustehen und setzte den Gegnern ebenfalls heftig zu. Nachdem die Leibwache besiegt war, holten sie die Reisenden heraus, nahmen ihnen Schmuck und Geld ab und durchsuchten das Gepäck. Während Nastja die Gepäcktruhen auf dem Kutschendach durchwühlte, hörte sie unter sich eine Frau schreien. Als die Laute nicht verstummten, sprang sie herunter um nachzusehen. Was sie sah, trieb ihr die Zornesröte ins Gesicht. Pawel lag mit einer der Frauen unter der Kutsche und seine Bewegungen waren unmissverständlich. Aufgebracht packte Nastja ihn an den Haaren, zog seinen Kopf zurück und setzte ihm ihren Dolch an die Kehle: "Geh sofort runter von ihr! Sonst schlitz ich dich auf." Er hielt inne: "Das wagst du nicht! Kümmere dich lieber um die Beute." Und stieß sich abermals in die aufschreiende Frau. Die Hauptmannstochter hasste es, nicht ernst genommen zu werden. Sie drückte ihm die Klinge in die Haut, dass Blut floss und schrie: "Wird's bald!" Zähneknirschend gab sich Pawel geschlagen und kroch unter der Kutsche hervor: "Verdammte Göre! Lässt mir kein Vergnügen." Nastja warf noch einen Blick auf sein Opfer, das sie völlig verängstigt ansah. Sie erwiderte verächtlich: "Vergnügen. Soll ich Jelena erzählen, was du hier treibst?" Da verflog seine Wut schlagartig und er sah sie flehend an: "Tu das nicht. Bitte!" Nastja schmunzelte gehässig: "Wenn du dich ab jetzt benimmst, verrate ich dich nicht." Tja, da wirkte diese Drohung tatsächlich mehr, als ein Messer an der Kehle. Vor seiner Jelena wollte er wohl nicht in Ungnade fallen. Als sie schließlich mit der Beute davon ritten, stellte Nastja ihren Vater zur Rede: "Warum lässt du das zu?" Er erwiderte: "Ich kann ihnen nicht alles verbieten. Das verstehst du nicht. Du bist ebenfalls ein Weib." Ihr Ausdruck wurde misstrauisch: "Du tust es sonst auch, nicht wahr?!"

„Nein. Ich verlade die Beute. Aber er macht es ja nicht immer. Nur bei diesen Adligen. Er zahlt ihnen immer noch heim, was sein früherer Herr ihm angetan hat." Nastja wusste nicht so recht, ob sie ihm glauben sollte, was die Aussage über sich selbst betraf. Boris fuhr fort: "Mischa fiel so gut wie über jede her, aber nun ist er tot." Seine Tochter kühl: "Das glaube ich aufs Wort." Das sah ihm ähnlich, diesem ralligen Bock. Nastja schüttelte sich, wenn sie an seine lüsternen Blicke dachte und dann fiel ihr ein, wie sie ihn damals gereizt hatte. Mit Grausen dachte sie daran, dass er sie bestimmt geschändet hätte, wenn sie unbewaffnet gewesen wäre. Ihre Schwertspitze hatte ihn abgehalten. Zum Glück war er tot. In der Nähe von so einem, der regelmäßig über wehrlose Weiber herfiel, könnte sie nicht leben. Da passte es, dass er von Kriegerinnen getötet worden war. Und was war mit Semjon? Machte er sonst auch mit? Immerhin war er eng mit Mikhail zusammen gewesen. Das konnte sich Nastja zwar nicht vorstellen, aber Pawel war daheim zu Jelena auch ganz anders. „Papa, hat Senja das auch schon getan? Sag mir die Wahrheit." Boris schüttelte den Kopf: "Nein, solange er bei uns ist, nicht. Mach dir keine Gedanken." Darüber war die junge Frau sehr erleichtert.

Im Übergangslager sprach Pawel die Hauptmannstochter nochmal an: "Du sagst ihr wirklich nichts?" Nastja erwiderte: "Wenn du es nicht wieder tust, schweige ich. Aber ich verachte dich trotzdem." Pawel meinte: "Dein Herr Papa ist auch nicht besser. Letztes Jahr hat er sich ebenfalls eine genommen. Eine schöne Blonde. Die wollte Mischa haben und er hat sie ihm weg geschnappt und verschwand mit ihr im Gebüsch." Nastja sah zu Boris hinüber. Waren alle Männer solche Tiere? Sogar ihr Vater? Das enttäuschte sie sehr. Vor allem auch, dass er sie belogen hatte. Wer wusste schon, ob er ihr über Semjon die Wahrheit sagte. Sie sah seufzend zu ihrem einstigen Geliebten, der am Feuer saß und Bier trank. Felix kam neben sie und sie wandte sich an ihn: "Du lügst mich nicht an, das weiß ich. Was ist so geschehen bei den Überfällen, bei denen du dabei warst? Ist Papa oder Senja über Frauen hergefallen?" Ihr Halbbruder erwiderte: "Nein, Senja nicht. Papa verschwand einmal mit einer im Gebüsch und kam allein zurück. Ich fragte ihn später, ob sie tot war und er meinte, er habe sie laufen lassen. Was wirklich geschah, kann ich nicht sagen, aber sie hat zumindest nicht geschrien." Nastja nickte erleichtert und wusste, dass Felix sie nicht anlog. Semjon war zum Glück kein solches Tier. Das hätte sie schon sehr verwundert. Tja und bei ihrem Vater hatte es keiner gesehen. Da blieben die Zweifel. Aber eines schwor sie sich. Solange sie bei den Überfällen dabei war, würde sie so etwas nicht mehr zulassen.


1550

In diesem Jahr wurde das Räubern schwieriger, weil die Opritschniki* des Zaren immer öfter durch die Lande zogen. Sie richteten unter den Bojaren schlimme Gräueltaten an, um den Willen Ivans IV durchzusetzen. Boris und seine Bande lebten in ständiger Angst, geschnappt zu werden und versuchten mit wenigen Raubzügen auszukommen. Dann fand der Hauptmann noch eine bessere Möglichkeit. Sie durchsuchten, die verlassenen Höfe, aber das Meiste hatten schon die Opritschniki geraubt. Anastasia und Felix waren geschockt, was sie teilweise dort vorfanden. Übel zugerichtete Leichen von Knechten und Mägden. Oder sie hingen aufgeknüpft in den Bäumen oder an Balken. Für die beiden Jüngsten der Bande war es schon ein Schock, zu was Menschen fähig waren. Sie töteten bis jetzt nur im Kampf, aber dass man wehrlose Leute so grausam abschlachtete. Das Furchtbarste, das Nastja je gesehen hatte, war eine Frauenleiche, die nur noch Fetzen am Leib hatte, deren Bauch aufgeschlitzt war und einige Schritte entfernt der tote Fötus lag. Da konnte die junge Frau nur noch in Tränen ausbrechen. Die Tote war wohl nicht viel älter als sie und das Kind war schon recht groß gewesen. Wie konnte man einer Hochschwangeren so etwas antun? Nach den Fetzen ihres Kleides, war es eine Magd gewesen. Nastja hob den Kindeskörper auf, der wie Abfall hingeworfen worden war und legte ihn schluchzend neben die Frau. Dann musste sie schnell weg von der Stelle. Boris fragte, was los sei und sie zeigte in die Richtung, wo der schlimme Fund lag. Ihr Vater ging ein Stück hinüber und sagte: "Ich bete, dass du und deine Mutter ihnen nie in die Hände fallen." Nastja nickte schluchzend: "Vorher jage ich mir selbst meinen Dolch in den Leib." Boris erinnerte sich an Natalia. Sie hatte damals dasselbe gesagt oder fast. Lieber würden sie sich umbringen, als hingerichtet zu werden.

„Ja, das wäre sicher besser, als dass eine Horde Kerle über dich herfällt und dich danach abmurkst." Er legte ihr im Vorbeigehen die Hand auf die Schulter: "Jetzt komm. Wir müssen den Hof durchsuchen."

Mitten im Sommer kundschafteten Nikolaj und Pawel die Gegend nach lohnenden Gütern aus. Da entdeckten sie einen großen Hof mit einem stattlichen Herrenhaus. Dort war sicher viel zu holen. Aber es gab eine bewaffnete Reitertruppe und viel Gesinde. Nikolaj und Pawel wagten sich nur mitten in der Nacht in die Nähe des Hofes, wenn die Meisten schliefen. Die Hunde schlugen an, als sie sich bis zur Mauer schlichen. „Verdammte Köter!", zischte Pawel. Nikolaj zog ihn mit sich in ein Gebüsch: "Warten wir ab, ob sie nachsehen kommen." Das Gebell verstummte und auch sonst regte sich nichts. Die Beiden schlichen abermals zur Mauer und Pawel verschränkte die Finger für Nikolajs Fuß, damit der über die Mauer spähen konnte. „Und, was siehst du?", wollte der Jüngere wissen.

„Alles ruhig. Scheinen alle zu schlafen. Auch die Leibgarde. Ich sehe keinen. Also rein!" Pawel war es nicht wohl dabei, aber er stimmte zu. „Und wenn die Köter kommen?" Nikolaj entgegnete: "Die laufen nicht frei herum, sonst hätte ich welche gesehen." Sie hielten sich in den Schatten der Gebäude verborgen, spähten in die Ställe und gelangten zu den Quartieren des Gesindes. Pawel überkam wieder die Erinnerung an seine Zeit als Knecht und seine Narben begannen zu kribbeln: "Gehen wir weiter." Da warf sich Nikolaj plötzlich eng an die Hauswand und drückte Pawel mit einer Hand ebenfalls zurück. Ein Lichtschein war zu sehen, der näher kam. Die Männer rührten sich nicht und warteten ab. Eine Frau im Nachtgewand mit einem Mantel darüber und einer Laterne in der Hand ging auf ein kleines Häuschen zu. Nikolaj meinte, das Gesicht schon mal gesehen zu haben. Diese Frau war keine Bedienstete, nach ihrem feinen Gewand zu urteilen. Dieses lange blonde Haar. Dem Älteren lag es auf der Zunge. Er kannte dieses schöne Antlitz. Nun war sie älter. Sie öffnete die Tür des Häuschens und verschwand darin. Pawel flüsterte: "Potzblitz, was für ein Leckerbissen! Da freu ich mich schon auf unseren Raub hier." Nikolaj grübelte immer noch: "Ich kenne sie irgendwo her. Komm, kundschaften wir noch die Garde aus. Wie viele es sind." Der Jüngere blickte immer wieder zurück, dass Nikolaj stöhnte: "Schlag dir das Weib aus dem Kopf. Dass du immer nur ans Vögeln denkst?" Pawel leckte sich die Lippen: "Jetzt erzähl mir nicht, dass du die verschmähen würdest. Ich kann es kaum erwarten es ihr ordentlich zu besorgen." Der Ältere sagte nichts mehr und dachte sich seinen Teil. Der Hauptmann hatte da auch noch ein Wörtchen mitzureden und Anastasia passte ohnehin auf. Die beiden kletterten schließlich unbemerkt über die Mauer zurück.

Erst auf dem Rückweg fiel es Nikolaj ein: "Jetzt weiß ich, woher ich sie kenne. Aus dem Frauenhaus. Unser früherer Hauptmann Dimitri ging immer zu ihr und dann war sie mal kurz in unserem Lager, als Sergej Hauptmann war. Der Gutsherr hat damals unsere Bande ausgelöscht. Nur Borja und ich entkamen dem Hinterhalt." Pawel lachte: "Sieh an! Eine ehemalige Hure. Dann ist sie es ja gewohnt, die Beine breit zu machen." Nikolaj sprach mehr zu sich selbst: "Nora, hieß sie. Norutschka." Dann zu Pawel: "Du hast doch noch Zoja gekannt. Die war aus demselben Frauenhaus."

Boris konnte sein Glück kaum fassen, als Nikolaj ihm von Nora berichtete. Endlich würde er die Schöne bekommen und es ihrem Herrn heimzahlen. Der Hauptmann musste seinen Eifer zügeln und nichts überstürzen. „Wie sieht sie inzwischen aus, Kolja? Ist sie arg alt geworden?" Nora war zehn Jahre älter als Boris. Der Blonde erwiderte: "Ich konnte es nicht genau sehen, aber Pascha wurde ganz rallig. Schön ist sie immer noch."

In den nächsten Tagen schwelgte Boris in Erinnerungen an Eleonora. Wie sie aussah, als er sie das letzte Mal zu Gesicht bekommen hatte. Und er malte sich aus, wie es wohl mit ihr werden würde. Er wollte sie zu seiner Konkubine machen und sie sollte bei Vera, Nikolaj und Semjon in der Hütte leben. Olga würde weiterhin seine Partnerin bleiben.

Die Bande kletterte in der Nacht über die Mauer des Gutes und Boris steuerte mit seinen Männern und Nastja auf das Herrenhaus zu. Unbemerkt gelangten sie hinein und trennten sich dann. Der Hauptmann, Nikolaj und Semjon stiegen die Treppe zu den Gemächern empor. Felix, Nastja und Pawel sollten unten alles Brauchbare mitgehen lassen. Boris war schon ganz ungeduldig die schöne Nora endlich vor sich zu haben. Er öffnete leise die erste Tür des Flures. Dort schlief ein junges Mädchen. Vermutlich eines ihrer Kinder. Er schloss die Tür wieder und öffnete nochmal zwei andere bis er schließlich Georgijs Gemach fand. Leise trat er hinein. Semjon und Nikolaj blieben hinter ihm.

Da lag Nora auf der Seite. Das Leintuch entblößte ihre nackten Schultern und unter ihrer Haube schauten einige dicke blonde Strähnen hervor. Boris schlich vorsichtig neben ihre Bettseite, um sie besser betrachten zu können. Ihr Gesicht wies wenige Falten auf, war fülliger als damals. Er zog das Laken ein wenig herunter und konnte ihre Brüste bewundern. Die schienen ebenfalls voller geworden zu sein. Ihre Haut sah hell, weich und zart aus. Boris wollte noch mehr sehen und deckte sie ganz auf. Ein Wohlstandsbauch kam zum Vorschein und ihr blonder Flaum zwischen den Beinen. Sein Gemächt versteifte sich bei dem Anblick von so viel holder Weiblichkeit. Das gehörte nun alles ihm. Die beiden anderen blieben abwartend im Türrahmen stehen und warteten auf Boris Befehle. Nora begann zu frösteln und öffnete langsam die Augen. Als sie das Leinen wieder hochziehen wollte, erkannte sie eine dunkle Gestalt neben dem Bett. Sofort fuhr sie schreiend auf: "Goscha, Goscha! Wach auf! Diebe!" Boris packte sie am Arm: "Hör auf mit deinem Geschrei, Norutschka! Mit deinem edlen Herrn werde ich jetzt abrechnen." Sie fixierte ihn misstrauisch. Woher kannte dieser bärtige, langhaarige Kerl ihren Namen? Diese blaugrauen Augen. Sie wusste, dass sie den Unbekannten irgendwo schon gesehen hatte.

Goergij hatte inzwischen zu seinem Schwert gegriffen, das auf der Truhe neben dem Bett lag und ging auf den Fremden los. Boris entließ Nora, zog ebenfalls seine Waffe und parierte den Angriff. Nikolaj hielt Semjon davon ab, sich einzumischen: "Mit dem wird Borja allein fertig." Das Amüsante war, dass der Gutsherr nackt kämpfte und er war entsprechend schwerfälliger durch seine Leibesfülle. Während dem Zweikampf hüllte sich Nora in das Leintuch und zog sich in eine Zimmerecke zurück. Sie sah, dass an der Tür noch zwei weitere Diebe standen. Es gab also kein Entkommen.

Als sich Boris Schwert in den Gutsherr bohrte und er zu Boden sackte, schrie sie verzweifelt: "Nein, Goscha!" Sie stürzte zu ihm und packte seine Hand: "Nein, bitte." Tränen liefen über ihre Wangen: "Bitte lass mich nicht allein." Sie heulte jämmerlich an seine Brust, während er den letzten Atemzug tat. Nora bekam Todesangst. Nun war sie diesen Kerlen ausgeliefert und ihre Mädchen ebenso. „Na, dein Fettsack hat nicht lange durchgehalten. War er im Bett auch so träge?" Nora sah zu ihm auf, wischte sich schniefend das verheulte Gesicht und sagte verächtlich: "Mörder!" So einer kannte kein Mitleid. Da nützten keine Tränen und kein Geschrei. Deswegen blieb sie gefasst, als er sie auf die Füße zerrte: "Zieh dich an! Schnell! Du kommst mit." Nun konnte sie sich nicht mehr beherrschen: "Nein, bitte. Meine Kinder. Ich kann nicht fort." Boris zog sie mit einem Ruck an sich, fuhr mit der freien Hand über ihren Rücken und ihren Hintern: "Du gehörst nun mir." Sie hörte die Erregung in seiner Stimme und an seinem Atem. Es widerte sie an. Er packte ihr Kinn, sein Gesicht kam näher und er drückte seinen Mund auf ihren. Nora versteifte sich und versuchte zurück zu weichen. Boris löste seine Lippen und grinste: "Es wird dir schon noch gefallen. Aber jetzt zieh dich an." Als die Gutsherrin sich ein eher schlichteres Kleid übergeworfen hatte, band ihr Boris die Hände vorn zusammen und zog sie mit sich.

Im Hof wurden sie bereits von der kampfbereiten Garde erwartet. Boris rief: "Macht den Weg frei, sonst töte ich eure Herrin. Und falls ihr uns folgt ebenso." Nora bat ihre Leibwache, nicht einzugreifen und ihre Töchter sicher zu ihrem Ziehsohn Ilja zu bringen. Es musste ihr später irgendwie die Flucht gelingen. Sie wollte nicht für diese Räuber herhalten müssen. Ihre dreckigen Schwänze in sich haben. Verwundert stellte sie fest, dass unter der Bande eine junge Frau war. Konnte sie von der Hilfe erwarten? Aber bestimmt war die auch so wie die Männer. Sie hatte ungefähr Sonjas Alter und war ebenfalls hübsch. Zumindest das Gesicht. Ihr Haar hing wirr herunter und sie trug Männerkleidung. In einem schönen Kleid und ordentlich frisiert wäre sie sicher eine anziehende Erscheinung. Boris hob Nora in seinen Sattel, stieg hinter ihr auf und verließ mit seinen Getreuen und reicher Beute unbehelligt den Hof.

Die anderen waren auf dem Weg zum Rastplatz gut gelaunt, dank der fetten Beute. Auch Nastja war zufrieden, weil sie nicht mal dafür kämpfen mussten. Dank ihrer Geisel. Sie ging davon aus, dass ihr Vater die blonde Edeldame bald frei ließ, wenn sie weit genug vom Gut entfernt waren. Der Hauptmann übte sich unterdessen in Selbstbeherrschung, wenn er Noras Leib so eng an sich spürte. Er küsste begehrlich ihren Hals. Sie fühlte seine Beule an ihrem Becken und seine Hände strichen über ihren Busen. „Ich wollte dich schon immer. Seit ich dich das erste Mal sah", hauchte er an ihr Ohr.

„Woher kennst du mich?", fragte die Blonde. Er nannte ihr den Namen des damaligen Frauenhauses und Nora dachte an einen ehemaligen Freier: "Das ist schon so zwanzig Jahre her. Warst du ein Kunde von mir?" Er knetete ihren Busen: "Leider blieb mir dieses Vergnügen damals verwehrt. Du bist immer noch ein reizender Anblick, trotz deines Alters." Sie würde ihn nicht aufhalten können, bei der nächsten Rast. Er war schon sehr erregt, das spürte sie an seiner Anspannung. Der Gedanke daran erfüllte sie mit Ekel. Sie wollte nie wieder so ein Dasein führen, wie früher und dann auch noch mit dem Mörder von Georgij. Dieser Kerl hatte ihr alles genommen. Wäre sie nur hässlich zur Welt gekommen. Dann hätte sie vielleicht ein besseres Leben gehabt. Kein Mann hätte sie haben wollen und sie wäre in ihrem Elternhaus geblieben. Ihre Schönheit hatte ihr nur Unglück gebracht.


*Opritschniki = Söldner des Zaren


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