3. Kapitel

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Othello, hatte sich in den Sessel gekuschelt, während Joseph Cameron der Couch den Vorzug gab und seine Beine locker auf einen Hocker gelegt hatte. Rechts neben ihm auf einem Sofakissen thronte eine Dose mit Nüssen und unweit seiner linken hatte er eine Flasche Bier in greifbare Nähe auf einem kleinen Beistelltisch platziert.

Die Spannungsphase des vor wenigen Minuten angelaufenen Fernsehkrimis erreichte in diesem Moment seinen ersten Höhepunkt und zog Joseph Cameron derart in den Bann, dass er nicht bemerkte, wie hinter ihm lautlos die Tür geöffnet wurde. Erst ein spürbarer Luftzug in seinem Nacken, verursacht durch das nur angelehnte Fenster, veranlasste ihn seinen Kopf in Richtung Tür zu drehen, doch das einzige was er noch erblickte war ein schwarzer Schatten.

Ein monströser Schlag, verbunden mit einem höllischen nicht beschreibbaren Schmerz, der für wenige Sekunden bis hinunter in seine Zehen zu spüren war, explodierte an seiner Schläfe. Mit dem Gefühl es zerreiße ihm das Gehirn sank Joseph Cameron auf der Couch zusammen. Nur eines wurde ihm jetzt noch gewahr und das war Othellos durchdringender Schrei, der ihn samt seinem hilflos entfliehenden Geist in einen Raum begleitete der ausschließlich aus Dunkelheit bestand. Zu Gute legen konnte man dieser Situation nur, dass dort wo er sich momentan befand, das Wort Schmerz zum Fremdwort mutierte.

Othello war indes lauernd auf der Sessellehne in Kampfstellung gegangen. Sein Fell sträubte sich, seine gelben leicht ins orange tendierenden Augen funkelten böse und mit einer wütend fauchenden Gebärde offenbarte er seinem schwarzen Gegner nicht nur seine messerscharfen Krallen, sondern auch ein paar Respekt einflößend spitze und scharfe Zähne. Sprungbereit und mit schlagender Pfote, immer in Richtung seines Gegners zeigte er ohne Scheu seine Kampfbereitschaft. Und dann,  mit einem überreizten Fauchen stieß sich Othello ab, schoss hervor und flog pfeilschnell auf den unbekannten Angreifer zu.

Kühl und berechnend stand der Eindringling da schlug im geeigneten Augenblick dem entgegenkommenden Kater den Griff seiner Parabellum an den Kopf, dass dieser jaulend zwei Meter quer durch das Zimmer flog und blutend am Tischbein des vor dem Fenster stehenden Esstisch liegen blieb. Ohne dem Kater auch nur einen Blick zu würdigen, griff der Mann in schwarz in seinen Rucksack und brachte einen Metalldorn, einen Eisenhaken und einen Handbohrer zum Vorschein. Geschickt prüfte er die Beschaffenheit der Zimmerdecke rund um die Deckenbeleuchtung, die ihn nicht im Mindesten zufrieden stellte. Er sah  sich im Raum um und ging gezielt auf den am Fenster stehenden Esstisch zu, schob mit dem Fuß den Kater zur Seite, stieg auf den Stuhl, dann auf den Tisch. Mit Hilfe des Dorns prüfte er auch hier rund um die Hängeampel den Halt der Decke, stieß auf einen Querliegenden Deckenbalken und entfernte geschickt einen Teil der Rigips Verschalung. Er trieb den Bohrer tief in den Balken und schraubte danach den Haken in das vorgebohrte Loch und als er mit der Hand nicht mehr weiterkam, drehte er unter Zuhilfenahme des Dorns den Haken bis zum Anschlag in das alte Holz. Nachdem er sich vom festen Halt überzeugt hatte, hakte er eine Seilführungsrolle mit Schäkel ein.

Mittels Kabelbinder fesselte der Unbekannte Joseph Cameron und wuchtete ihn erst auf den Esstisch, danach setzte er ihn auf einen der nebenstehenden Stühle, den er auf dem Esstisch platziert hatte. Er holte ein Industrieseil aus dem Rucksack, knüpfte geschickt eine Schlaufe und führte das Ende des Seils über die Seilführungsrolle, dann legte er Mias Vater die Schlinge um den Hals, der in sich zusammen gesunken auf dem Stuhl hing. Nachdem der Fremde einigermaßen sicher war sein Opfer würde nicht vom Stuhl kippen, setzte er sich in den Sessel um sein Erwachen abzuwarten.

Mit Sicherheit hätte Cameron den immateriellen Zustand weiterhin bevorzugt, wenn er auch nur annähernd geahnt hätte, was als nächstes auf ihn zukommen würde. Der Bewusstlose konnte beim besten Willen nicht sagen wie lange er diesen wunderbaren schmerzlosen Zustands genießen durfte aber letztlich war ihm eines ganz klar … es war keinesfalls lange genug.

Das Erwachen glich einem Aufenthalt in der Hölle. Im ersten Moment wusste Joseph Cameron überhaupt nichts mit seiner neuen Lage anzufangen, der Schmerz dem er für eine geraume Zeit entkommen war, beherrschte nun sein Leben und war von betäubendem Ausmaß, realer und heftiger als er zu glauben wagte. In seinem Kopf dröhnte und hämmerte es wie in einem Bergwerk und aus der Kopfplatzwunde an seiner rechten Schläfe sickerte noch immer Blut. Die rechte Seite seines Kopfes, ein Teil der Gesichtshälfte, der Hals bis in den Nacken, das Hemd und auch die Schulter waren blutverschmiert. Joseph Cameron stöhnte, denn die Kabelbinder an den Arm-, und Fußgelenken verursachten tiefe Hauteinschnitte und bereiteten qualvoll brennende Schmerzen. Jetzt erst spürte er den Strick um seinen Hals. Voller Schrecken sah er sich um, sah nach oben, entdeckte den Haken mit der Seilführungsrolle an der Decke, das Seil das darüber lief bis hinunter zu seinem Hals. Panik ergriff ihn, sein Körper versteifte sich, jedenfalls soweit es die Kabelbinder an seinen Gelenken erlaubten. Und dann sah er ihn, den Mann in schwarz, der noch immer bequem im Sessel saß und das Ende des Seils locker in einer Hand hielt.

»Was soll das? Wer sind Sie? Was wollen Sie? Und was ist das hier für ein makabres Spiel?« fragte Joseph Cameron.

 »Mein Gott, Mr. Cameron, so viele Fragen auf einmal. Ich weiß gar nicht, welche ich Ihnen zuerst beantworten soll. Aber damit eines von vorn herein klar ist, Mr. Cameron, dies ist kein Spiel. SIE WERDEN STERBEN, JETZT UND HIER!«

Das bösartige Lächeln das bei diesem Satz seinen Mund umspielte, blieb Joseph Cameron auf Grund der schwarzen Maske verborgen.

                                                                       

 

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