3. Poltergeist


Ich saß im Sessel und lud meine Flinte. Innerlich kehrte Ruhe ein. Ich hatte einen Fall. Einen echten wichtigen Fall und zur gelungenen Abwechslung war es mal keine Hexe.
Ein Poltergeist.
Wie es aussah, ein ruhiger. Geöffnete Schränke, selbstfahrende Spielautos, gestapelte Stühle, klopfen an den Wänden. Ich legte mein Gewehr senkrecht auf den Schoß und wartete. Er musste sich schon bald zeigen.
Das Ticken der Uhr war der einzige Laut neben meinen regelmäßigen Atemzügen. Die Familie, die das Haus bewohnte, blieb vorübergehend bei Freunden. Trotz der Tatsache, dass Geister existierten, hatte der Mann des Hauses sich schwergetan, meine Hilfe anzunehmen. Auch wenn ich kein Honorar erwartete. Im Gegenteil zu ein Paar meiner Kollegen verzichtete ich auf dieses Zeichen des Dankes. Ich kannte andere Möglichkeiten, um Geld heranzuschaffen. Auch wenn einiges nicht ganz recht war, war es nicht richtig den Hilfesuchenden ihr Geld aus den fast leeren Taschen zu ziehen. Zu oft hinterließen gerade wir den meisten Schaden, wodurch eine Menge Reparaturkosten entstanden. Sowas passierte nun mal, wenn man sich mit dem Übernatürlichen anlegte.
Ein Stuhl der über den Boden schleifte erweckte meine Aufmerksamkeit. Er zog sich langsam den Flur entlang, bis er vor mir stehenblieb.
„Zeig dich“, forderte ich. Es war ganz in der Nähe. Ich spürte, wie die Temperatur merklich sank. Lichter flackerten. Ich hoffte, meine Anwesenheit würde ihn aufregen, denn erst so würde es sich zeigen, würde angreifen und Zähne zeigen. Wenn dies nicht genug war, würde ich anfangen das zu zerstören, das ihm am liebsten war.
Sein Zuhause.
Ohne dieses würde es seine Macht verfliegen und verloren für alle Ewigkeit sein.
Als weiterhin nichts geschah, stand ich auf. Mit einer geschmeidigen Bewegung zielte ich auf die Wand und schoss.
Der Aufprall des Steinsalzes war hart. Es ließ die hölzerne Wand zersplittern, man glaubte fast, das Holz schreien zu hören. Nur Sekunden Später stand vor mir eine leichenblasse Frau. Ihr Mund weit aufgerissen zu einem Schrei. Ich sah hinab. Der Salzkreis hatte ihren ersten Angriff abgewehrt. Hatte sie gestoppt und mich an mein Ziel gebracht.
Ich sah sie mir genau an. Sie musste schon seit hunderten Jahre Tod sein. Das selbstgemachte Nachthemd und dessen style, passte zu der Zeit. Eine recht junge Frau mit Blut verschmiert. Der größte Teil des Blutes zeigte sich am unteren Teil des Hemdes. Nun verstand ich, warum sie erwacht war.
Ihr Ziel war, dass drei Wochen alte Baby des Hauses. Ich hatte es mir schon gedacht, da dieses Kind das einzige neue zu sein schien. Sie musste ihres verloren haben, vielleicht sogar gerade daran gestorben. Jetzt wo das erste Mal nach so langer Zeit ein Kind dieses Haus belebte, hatte sie die Trauer so erzürnt, dass sie auferstanden war. Oder auch ein Gegenstand, an den sie gefesselt war. Beides konnte es sein, was ich schnell herausfinden musste.
Ich räusperte mich. Gut war ich nie in dessen Dingen gewesen. Anders als ihre wohl kaum erhaltenen Überreste zu finden, sie zu salzen und zu verbrennen. Darin war ich gut, doch es gab eine andere Möglichkeit. Eine weit weniger aggressive.
„Dein Kind ist nicht hier“, begann ich. Sie fauchte mich an. Dass sie nicht verstand, was sie war und das es nicht ihres war, konnte ich gut verstehen.
Kein Geist, dem ich jemals begegnet war, war bei Sinnen gewesen. Zu verschwommen war es in der Zwischenwelt. Die Welt, in die man kam, wenn man nicht loslassen konnte. So wie diese Frau.
Ich hoffte nur, ich würde sie dazubekommen, die Augen zu Öffnen und ein wenig Klarheit zu erlangen. In seltenen Fällen war es möglich, in anderen endete es immer mit Feuer.
„Dein Kind wartet auf der anderen Seite.“ Da war ich mir sicher. Ein Kind in der Zeit damals zu verlieren, endete meistens mit dem Tod. „Du musst nur loslassen.“ Ich hob beruhigend die Hände, denn nach ihrem Ausdruck zu urteilen war sie kurz davor in die Luft zu gehen.
Meine letzten Worte und die Tatsache, dass ihr vermeidliches Kind nicht im Haus war, schien ihr zu reichen. Sie schrie auf, was ein metallenes schrilles Kreischen auslöste, dass Spiegel und Glas zu bersten brachte. Die Fenster bebten, Lampen zersprangen. Mein Kopf wollte es dem Nachtun, soweit ließ ich es nicht kommen. Ich hob die Waffe und schoss.
Der Schuss beendete den Schrei sofort, es ließ nur das Hallen der Kugeln zurück die die Wand erreichten und erneut das Holz zum Sprengen brachten. Übrig von der Frau blieb weißer Staub. Sie Würde etwas Zeit brauchen, um sich neu zu sortieren. Ich schritt aus dem Kreis und hinab in den Keller. Dort hatte die Familie nie ausgemistet. Überbleibsel von anderen Familien verstaubte in dem trockenen Keller. Ich versuchte mich zu beeilen, lud die Waffe neu und sah mich um.
In der Eile warf ich ein paar Kartons um und wühlte in den Gegenständen. Nichts sah Jahrhunderte alt aus, noch wertvoll. Ein Grab würde es nicht mehr geben. Die Familien, die in diesem Haus gelebt hatten, waren nie reich gewesen. Soviel hatte meine Vorrecherche ergeben. Es musste also ein Gegenstand sein, der sie hielt. Ich wühlte mich durch zerfallene Kleider, alte Möbel und Kunst. Doch nichts was von Bedeutung sein konnte.
Mit einem Ruck wurde ich zurückgerissen und landete in einem Stapel Tische. Der Aufprall war hart. Ich stöhnte auf, bei dem Versuch mich aufzurappeln. Augenblicklich hing die Frau über mir und rammte mir ihre Hand in die Brust. Ich spürte, wie sich ihre Hand um mein Herz legte.
„Miststück!“, keuchte ich und wendete die Waffe. Sie schmiss sie davon, ohne sie nur einmal zu berühren.
Ich fluchte. Sie war mächtiger als ich sie eingeschätzt hatte. Sie presste zu, ein heftiger Schmerz sollte mir den Atem nehmen, stattdessen entfachte es Wut. Ich nahm ein Messer aus meiner Hosentasche und stach zu. Sie schrie auf und wisch zurück. Ein geweihtes Messer, in dessen Griff Steinsalz eingearbeitet wurde. So schnell ich konnte, zog ich meine Flinte und schoss erneut. Sie löste sich erneut auf. Viel Zeit hatte ich nicht.
Ich lief hoch und ins Zimmer des Kindes. Etwas musste es sein. Etwas ... Ich traute meinen Augen kaum. Ein altes Pupenhaus aus Holz. Verziert wie die Häuser damals, ein fast genaues Ebenbild wie das jetzige Haus. Eine Antiquität, wahrscheinlich Jahrhunderte alt. Zum Spielen für ein Kind.
„Verdammt nochmal!“ Ich wollte es mir schnappen und verbrennen.
„Ducken.“ Ich reagierte sofort auf die Stimme, duckte mich und entwischte gerade so ein Paar spitzen Messer. Ich wendete mich um. In der Tür stand der Geist. In der Ecke neben diesem saß die Unbestimmte in einem Sessel, grinsend. Nur diesmal mit grauen Augen und schwarzem Haar. Was ihr bei weitem genau so gut stand wie braun mit grünen Augen.
Ich zielte erneut, als die Furie schreiend mit einem Messer bewaffnet auf mich losging. Ich schmiss sie zur Seite, entwendete ihr das Messer. In nur einem Augenblick später öffnete ich das Fenster und katapultierte das Haus hinaus. Das Krachen ließ die Frau ächzen.
Ich sprang hinterher, landete neben dem nun eingebeultem Haus und zog aus der Tasche Salz und ein Feuerzeug.
Wie ein Stier nietete mich der Geist erneut um. Ich hatte Mühe ihre Hand, erneut von meinem inneren fernzuhalten. So blieb mir nur das ausweichen, Faustschläge würden lediglich Sekunden verschaffen, jetzt wo sie auf der vollen Temperatur lief.
Sie stand zwischen mir und dem Haus. Die Hexe stand amüsiert auf der Veranda hinter dem Spektakel. Ihr grinsen hätte ich ihr am liebsten aus dem Gesicht gewischt.
„Miststück“, brummte ich und konzentrierte mich wieder auf Miss hysterische Furie.
„Etwas eingerostet Jäger?“, fragte die Hexe belustigt. Die Harpyie kreischte, versuchte mich mit allem mitteln von ihrem einzigen Überbleibsel fernzuhalten.
„Hals Maul und halt die Luft an!“ Wen genau ich von beiden damit meinte, war Ansichtssache.
Ich zog erneut mein Messer. Wo und wann genau ich die Flinte wieder verloren hatte, war fraglich. In Deckung gegangen, bewegte ich mich auf das Miststück zu. Ihre Finger erinnerten mich an messerscharfe Krallen.
Die Frau musste Jahrhunderte auf ihre Erfüllung gewartet haben und nun machte ich es ihr an nur einem Abend zunichte. Zugegeben es war mein Job diesen Dingern ihren Abend zu vermiesen und es war verdammt noch mal zufriedenstellend!
Ich täuschte an, sie wollte reagieren. Ich manövrierte an ihr vorbei, schnappte mir das Salz und schüttete es über das zerbrochene Häuschen, das gleichzeitig ihre letzte Verbindung zm diesseits darstellte.
Sie schrie bitterlich auf. Stellen an ihrem Körper begannen zu glühen, platzen auf als hätte sie heiße Kohlen unter der Haut. Man hätte fast meinen können ich hätte mit dem Salz sie bestreut. Sie visierte mich mit flammenden Augen.
Ein tödlicher Blick.
Dann zündete ich das Zippo an und ihre Augen wurden leer und ihr Ausdruck weich. Es war ein Phänomen. In den letzten Augenblicken dieser unnatürlichen Überreste gab es immer diesen einen Ausdruck. Als würden sie mit einem Mal Frieder verspüren, sogar Erleichterung. Als wäre der jahrhundertealte Zorn verflogen, womit sie die Erlösung endlich akzeptieren konnten.
Ob es solche war, konnte ich nur spekulieren. Ich wusste nicht, wo sie hingingen. In den Himmel oder ins Nichts. Nur das der letzte Moment darin bestand, bei lebendigem Leib zu verbrennen.
Die nächsten Momente geschahen wie in Zeitlupe. Das Feuerzeug viel, prallte auf das Haus, das in Flammen aufging. Es brauchte nicht mal ein wenig Benzin. Als würde der Gegenstand freiwillig brennen.
Die Frau viel auf die Knie, sah in den Himmel und aus der Glut in ihr, wurden Flammen. Ein Schrei erfüllte die letzten Momente. Ein Schrei der Erlösung. Die Flammen verschwanden so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Sie ging in dem Inferno unter und verblasste. Als wäre nie etwas gewesen.
Übrig blieb das brennende Häuschen, das neben mir knisterte und knarzte.

„Verschwinde“, befahl ich, als ich an ihr vorbei ging.
„Spielverderber, du solltest mir dankbar sein.“ Ich wendete mich zu ihr um.
„Was soll ich!?“ Sie platzierte sich genau vor mich. Auf ihren Lippen ein gekräuseltes Lächeln. Ihre Hand legte sie um meine Schulter, sodass ihre Lippen näher an meinen waren, wie mir lieb war.
„Ohne mich wärst du nun ein Schweizerkäse.“ Meine Stimmung änderte sich von angespannt in angepisst. Mit einem Ruck schmiss ich sie die Treppe hinab. Im hohen Bogen landete sie im Gras, während sie geschockt aufschrie.
„Mistkerl!“, fuhr sie mich an. Ich wendete mich genervt ab und ging hinein. Ein ordentliches Chaos hatte ich hinterlassen. Kaputte Wände, schmutz und Dreck. Doch die Arbeit war getan. Ich nahm mein Handy. Was mir von Lady Nervtöter entwendet wurde.
„Was fällt dir ein!“, fuhr sie mich erneut an. Meine Augenbrauen schnellten hoch. Ich öffnete meine Lederjacke und entblößte meine Pistole. Ein seltenes Geschenk einer alten Jägersdame. Etwas Wertvolleres besaß ich nicht, auch wenn es kein Preislich teures Andenken war. Der Colt M1911 war meine zuverlässigste Waffe und mein liebstes Stück. Nur im allerletzten Notfall zückte ich dieses schwarze Wunderstück.
Ich hatte es erhalten, nachdem ich der alten Dame geholfen hatte, ihren Mann zu bestatten. Sie selbst hatte ich nur ein einziges Mal gesehen, ihren Mann George jedoch Hunderte Male. Ohne ihn wäre ich heute nicht der Mann, der ich war. Er hatte mich gelehrt den Schmerz und die Wut zu kontrollieren, andernfalls wäre ich wie so viele, Blindlinks in mein Verderben gelaufen. In dieser einen Nacht, in der nur sie und ich den Tod des alten Mannes betrauerten, schenkte sie mir das goldene Stück. Ganz in Schwarz, mit einer Gravur am Griff.
„Leben um Leben zu retten“, flüsterte die Hexe. Was mich aus dem Konzept brachte. Was eigentlich als Einschüchterung gedacht war, verblasste bei ihrer feinen Stimme.
Ihre Stimme klang so sanft und liebevoll das mir mein eigentliches Vorhaben entglitt. Ich ließ die Jacke hinabfallen und blickte sie an.
Hatte ich je bemerkt, wie zart sie eigentlich war? Das Spiel ihrer Haut, die leichten Rundungen, bis hin zu den weichen Haaren. Wie sich ihre Haut wohl anfühlte? Nie hatte ich sie bewusst wahrgenommen, ihre Berührung.
Stille umgab uns. Ich sah ihr in die grauen Augen, trotz des Farbwechsels war das Muster in ihnen unverkennbar. Wie es von innen nach außen heller wurde und ein leichter Fleck, der im rechten Auge ihre Iris zierte. Sie kam näher, mein Blick viel auf ihre Lippen. Zartrosé, mit einem leichten Glänzen.
Sie stoppte kurz vor meinen, nur eine Bewegung und sie würden sich treffen. Meine Hand legte sich in ihren Nacken, sie öffnete leicht die Lippen. Ihr Geruch stieg mir in die Nase und erinnerte mich an Wilde Beeren.
Meine andere Hand platzierte sich an ihre Hüfte und zog sie noch näher. Ihr Körper presste sich an meinen, ihre Hitze sprang über. Ihre Hände krallten sich in meine Seiten, ihre Wangen erröteten. Sie war wirklich ein heißes Weib.
„Verschwinde“, hauchte ich an ihre Lippen und katapultierte sie erneut weg. Wenn sie glaubte, dass sie mich erregte, hatte sie Wahnvorstellungen. Sie war immer noch eine Hexe und damit etwas, was ich nicht tolerieren konnte.
Sie knurrte, als sie auf dem Stuhl landete. Ohne ein weiteres Wort ging ich an ihr vorbei und hinaus zur Straße. In der kleinen Spielerei, die ich mir mit ihr erlaubt hatte, hatte ich mir mein Handy zurückentwendet.
Ich hoffte sie würde verschwinden, wusste jedoch das die Klette nicht so leicht ablassen würde. Ich nahm mein Handy und rief die Familie an. Sie sollte kommen, am besten ohne Kind. Wenn ich richtig lag, würde der Mann einen Wutanfall erleiden, ein Kind sollte so etwas nie sehen.
Als das erledigt war, ging ich wieder hinein. Miss unausstehlich stand an der Treppe, gelehnt ans Gelender uns musterte mich mit scharfem Blick. Meine Reaktion gefiel ihr nicht.
„Ich sagte ...“
„Schon klar“, unterbrach sie mich. „Du willst mich.“
„Schon klar“, erwiderte ich. Sie musste ein Grinsen unterdrücken, etwas dessen ich nicht in der Lage war.
Einen Augenblick später räusperte ich mich und entfernte mich von ihr. Seid wann ging ich auf eine Hexe ein? Ich ließ meinen Nacken knacken und setzte mich in den Sessel.
„Du magst den harten Burschen spielen ...“ Elegant kam sie zu mir herüber, wie eine Katze, die sich an ihre Beute heranpirschte. Ihr schwarzes Kleid streifte dabei über ihre zarte Haut, zeigte mehr von ihren langen Beinen, als man sehen sollte.
Ich bestritt nicht, dass sie schön war. Sie hätte wohl jeden haben können, nur nicht mich. Nicht einen Jäger. Ich lehnte mich zurück, sah mir das Schauspiel genau an und legte die Hand auf den Mund, um mein Grinsen zu verbergen. Sie ließ mich sie genau betrachten und das tat ich. Ich sah sie mir an, von oben bis unten. Was auf ihren Lippen ein Grinsen entlockte.
Was diese Frau wollte, konnte ich nicht sagen. Weil sie mich nicht haben konnte, aus Langeweile oder auch Todessehnsucht. Was auch immer ... Ich konnte nur sagen, dass ich die Schnauze voll von ihren Spielchen hatte.
Sie schlich herüber zu mir und lehnte sich auf den Lehnen ab. Mit ihrer Zunge fuhr sie langsam über ihre vollen Lippen.
„Sag mir Jäger, wann ist dein Herz gefroren?“
„Weil mein Schwanz erschlafft bei deinem Anblick, ist mein Herz aus Eis? Das ist was Neues.“
„Es ist nicht die Lust, die dir fehlt. Es ist die Liebe.“ Sie stemmte sich mit den Armen ab und zog die Beine ein. Mit einer fließenden Bewegung saß sie Rittlinks auf meinem Schoß und schmiegte sich an mich. Mit den Beinen kniete sie an den Seiten des Sessels und ich genau zwischen diesen. Sie war mir mal wieder viel zu nah. Ich musste leicht hochschauen, um in ihre Augen zu blicken.
„Vielleicht liegt es an deiner Fratze, die du mir dauernd präsentierst.“
Wenn sie glaubte, sie wüsste, was mir fehlte, war sie dümmer als sie aussah. Keine Hexe war in der Lage mich zu lesen, zu gut hatte ich meinen Schmerz, mein Leid hinter vielen Türen meiner selbst verborgen. Sie würde mich nicht benutzen können, mich manipulieren, wie sie es schon die ganze Zeit vorhatte. Ihre Hände gruben sich in meine Haare, zogen meinen Kopf sacht in den Nacken.
Wieso ließ ich sie so viel Kontrolle ausüben? Weil ich wusste, dass sie keine hatte oder weil ich sehen wollte, wie weit sie ging? Ich konnte mir die Frage selbst nicht beantworten, nur das es ein gefährliches Spiel war, dass wir dort trieben.
„Du magst es also niedlich.“ Im gleichen Augenblick, wie ihre Worte, kehrte das leichte Braun ihrer Haare zurück und die grünen Augen schlugen sich von innen nach außen vor. Umgehend war das Gefühl der Falschheit fort. Nur das Wissen, das sie eine Hexe war, blieb.
„Nein, original.“
Sie grinste. Ihre Finger streichelten durch mein Haar. Ihre grau lackierten Nägel waren deutlich zu spüren. Zeigten mir, dass sie doch in der Lage war, gefährlich zu werden und kratzen würde, sobald ich die Katze triezte.
„Du bist außergewöhnlich Jäger.“
„Was du nicht sagst.“
„Ich kenne noch gar nicht deinen Namen, Jäger.“ Ihre Zunge kam hervor und berührten meine Lippen, fuhr an ihnen entlang und verschwand wieder. Ich hätte gern behauptet, dass diese Regung mich kalt ließ, doch so war es nicht. Es brachte meiner Fassade einen Riss ein, den ich im Augenblick nicht aufhalten wollte. Meine Hände packten fester die Lehnen, was ihr ein breiteres Grinsen ins Gesicht zauberte.
„Das willst du nicht.“
„Dich oder deinen Namen wissen?“ Sie wusste genau, worauf ich anspielte. Sie kam wieder Näher und biss mir in die Lippe, zärtlich zog sie an ihr, während ihre Augen kaum noch Schlitze darstellten. Ein verführerisches Ächzen kam aus ihrer Kehle.
Meine Hände packten sie und manövrierten ihren Hintern auf meinen Schoß, danach schnellte eine in ihren Nacken, packten sie und drückte diesen ebenfalls hinab. Genau auf meine Lippen.
Ich küsste dieses hinterhältige Miststück. Drängte meine Zunge in ihren Mund und nahm sie mir. Sie stöhnte erleichtert an meine Lippen, was mich innerlich rasen ließ. Sie presste sich an mich, ich spürte, wie sich all ihre Muskeln anspannten und nach mehr lechzten, was andere Regionen an mir erweckte. Ich konnte nicht mal sagen, wie lange ich es vermieden hatte, eine Frau zu wollen.
Ihre Atmung war erhöht, ihre Hitze entflammte meine, um es noch schlimmer zu machen, windete sie sich an mir.
Augenblicklich, als ich ein Auto in der Auffahrt hörte, katapultierte ich sie hinab. Die donnerte zu Boden.
„Arschloch!“, schrie sie voller Zorn. Ihre Haare färbten sich dunkelrot vor Zorn. Ich stand grinsend auf und richtete meine Hose. Meine Klienten hatten nun Vorrang. Sie stand mit glühenden Augen auf.
„Ich sagte dir, dass du es nicht willst“, stach ich weiter in die Wunde. Sie schnaubte und wendete sich ab, während sie mit der Hand durch ihr Haar fuhr. Leichter Scheiß hatte sich auf ihrer Haut gebildet. Wie konnte einer Hexe ein Jäger gefallen?
Für weitere Gedanken blieb keine Zeit. Ein „Oh mein Gott!“, forderte meine Aufmerksamkeit. Der Mann trat schockiert in den Flur. Die Augen der Frau suchten gleich nach mir.
„Alles in Ordnung?“
„Natürlich.“ Sie kam herüber und legte eine Hand auf meinen Arm, während sie mich musterte. Die schrammen und die Kratzer waren nicht der Rede wert. Ich hoffte nur, ich hatte gut genug gekramt, was die Hexe mir gegenüber erneut zu einem Grinsen trieb.
„Sie sind nicht verletzt?“
„Unser Haus!“, schrie der Mann.
„Nein“, antwortete ich ihr, während ich den Mann beobachtete.
Ich kannte die Familie persönlich nicht, trotzdem brauchte man nicht viel Menschenkenntnis, um zu wissen, dass diese Frau, diesen Mann nicht verdiente.
„Wie?“, fragte sie und ignorierte den Anfall ihres Mannes vollkommen.
„Wie konnten sie!“, schrie er mich an. Im Affekt drückte ich die Frau schützend hinter mich. Man sah die Trauer und die Angst in ihren Augen. Etwas wobei ich ihr nicht helfen konnte. Es war ihre Entscheidung ein Kind mit solch einem Mann zu bekommen. Sie konnte gehen, wann immer sie wollte, doch das tat sie nicht, sie blieb.
„Ich habe getan, was getan werden muss, um ihr Kind zu schützen.“
„Aron?“ Die Stimme der Mutter brach.
„Sie wollte ihn. Sie verlor selbst ein Kind und sah Aron als ihres. Behaftet war das Holzpuppenhaus. Ich schätze, sie hat es angefertigt, etwas von ihr muss dort drin verarbeitet worden sein. Haar, Blut, bindende Gegenstände.“
„Sie kommen für die Schäden auf!“, schrie er wutentbrannt, da ich ihm keine Aufmerksamkeit schenkte. Es schien ihn nicht mal zu interessieren, dass es um sein Kind gegangen war. Die Hexe beobachtete alles munter. Genau wie vorher.
„Manuel, bitte. Er hat unsern Sohn gerettet.“
„Da sehe ich nichts von! Er hat unser Haus zerstört, wie sollen wir hier wohnen!? Wie konntest du auch so einen Stümper engagieren!“
„Er macht es ohne Bezahlung Manuel, also bitte beruhige dich.“
„Sag mir nicht was ich zu tun habe!“
„Sie sollten auf ihre Frau hören.“
„Was sonst!?“ Er plusterte sich bedrohlich vor mir auf. Zumindest glaube ich, stellte er sich das vor. Aussehen tat er wie ein Strichmännchen, das auf Dick machen wollte. Ich schnaubte.
„Weil ich ihnen sonst die Fresse poliere und dafür sorge, dass sie sieht, was sie wirklich sind.“ Der Mann wurde Rot vor Anspannung, zuschlagen würde er trotzdem nicht. Auch wenn er ein Idiot war, war er nicht dumm. Er wusste gegen einen trainierten Jäger, der öfter mit Raufereien zu tun hatte, hatte er keine Chance.
„Satz und sieg“, flüsterte die Hexe amüsiert. Ich wendete mich zur Frau um.
„Es werden keine Probleme mehr auftreten, trotzdem wäre ich vorsichtig mit Antiquitäten für ihr Kind.“
„Danke.“ Sie schlug die Arme um mich und bedankte sich noch mehrere Male. Der Mann hingegen blieb still, mit verzogener Mine, doch die Wut war aus seinen Augen verblasst. Er wollte nur, dass ich einen Abflug machte. Ich verabschiedete mich und ging hinaus.
Für den Fall hatten sie immer noch meine Nummer. Die Hexe folgte mir und stand nun am Auto, während ich meine sieben Sachen zurück an Ort und stelle packte.
„Nettes Arsenal.“ Der Großteil der Rückbank und des Kofferraums war umgebaut zu einer versteckten Aufbewahrungsmöglichkeit.
„Einige Möglichkeiten um eine Hexe loszuwerden.“ Sie schnalzte mit der Zunge.
„Das willst du nicht.“ Ich schmiss den Kofferraum zu und lehnte mich an meinen Jeep.
„Wieso sollte ich das nicht?“
„Weil du mich willst, Hunter.“ Sie ging um den Jeep herum, ich folgte ihr. Ihre Finger berührten das Auto, während sie weiter und weiter ging.
„Woher kennst du meinen Namen?“, fragte ich fordernd.
„Du bist wie ein Buch Liebster. Ein ledernes dunkles Buch voller Geheimnisse und Versprechungen.“ Sie verschwand hinter den Wagen, ich folgte ihr, doch als ich ankam, war sie fort. Einfach verschwunden, wie ein elendes Hexenbiest.

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