3. Türchen

Das Anwesen sah von außen fast noch beeindruckender aus, als Hermine es von innen in Erinnerung hatte. So sehr die Geschehnisse während des Krieges ihr auch zugesetzt hatten, so war sie sich doch auch stets bewusst gewesen, dass die Villa Malfoy ein stilvolles, prächtiges Gebäude war. Die Malfoys waren der lebende Beweis dafür, dass guter Geschmack alleine nicht ausreichte, um einen guten Menschen zu machen.

Nervös betrachtete sie den altmodischen Türklopfer. Sie konnte es vor sich selbst nicht leugnen, sie war aufgeregt. Sie hatte keine Ahnung, wie Draco Malfoy oder seine Mutter auf ihren unangemeldeten Besuch reagieren würden, und sie fürchtete sich, erneut den abschätzigen Blicken ihres meist gehassten Schulkameraden ausgesetzt zu sein.

Verärgert über sich selbst, rief Hermine sich ins Gedächtnis, dass ihre Schulzeit nun lange genug her war und sie beide keine Kinder mehr waren. Gewiss hatte selbst Malfoy inzwischen einen Hauch von Manieren gelernt. Entschlossen griff sie nach dem Klopfer, um sich anzumelden.

Es dauerte keine fünf Sekunden, da wurde die Tür bereits auf magische Weise geöffnet und ein Hauself starrte sie mit seinen großen Augen an. Er trug ein dickes Handtuch, in dem für seinen Kopf ein Loch gemacht worden war, und ein kleines Seil um den Bauch, um es zusammenzuhalten. Hermine schniefte. Noch immer lebten die Hauselfen in Gefangenschaft als Sklaven für die alten Magierfamilien. Sie würde mit diesem Teil der Zaubererwelt vermutlich nie Frieden schließen.

„Guten Morgen, Miss", begrüßte die quiekende Stimme des Hauselfen sie: „Was kann Robby für Sie tun?"

„Guten Morgen, Robby", erwiderte sie und lächelte ihn breit an: „Ich bin Hermine Granger und komme im Auftrag des Zaubereiministeriums, Abteilung für magische Artefakte. Ich würde gerne mit der Hausherrin sprechen oder mit ihrem Sohn."

„Herrin Narzissa ist im Augenblick nicht anwesend", erklärte der Hauself verschüchtert: „Aber Herr Draco nimmt gerade sein Frühstück ein. Kommen Sie herein, ich werde Sie anmelden."

Hermine verfluchte ihr Glück, doch da sie ihre schlechte Laune nicht an dem unschuldigen Hauself auslassen wollte, nickte sie bloß und trat ein. Die Eingangshalle alleine schien größer als ihre gesamte Wohnung, wie sie grimmig feststellte. Trotz ihres Niedergangs nach Ende des Krieges war der Wohlstand der Familie ungebrochen. Zwar waren viele ihrer Besitztümer konfisziert worden, da man ihnen eindeutig schwarzmagische Eigenschaften hatte zuschreiben können, doch das Gold selbst sowie das Anwesen war ihnen geblieben. Gewiss, Narzissa hatte einen unbeschreiblichen Teil des Goldes gespendet, um die Schuld ihrer Familie zu bezahlen, doch noch immer war ihr Reichtum erstaunlich.

Während der Hauself vor ihr auf eine Tür zusteuerte, die vermutlich zum Frühstückssalon führte, zog Hermine Hut und Mantel aus. Kurz darauf kam Robby zurück, nun noch deutlicher unglücklich als zuvor.

„Herr Draco lässt ausrichten, dass er keinen unangemeldeten Besuch empfängt", sagte der Hauself verschüchtert, ohne zu Hermine aufzusehen.

„So, lässt er das ausrichten? Das werden wir ja sehen!"

Ohne auf den Protest des Hauselfen zu reagieren, stampfte Hermine quer durch die Eingangshalle auf die Tür zu, durch die der Hauself zuvor verschwunden war. Wie erwartet fand sie dahinter einen kleinen Salon vor, in dem nichts weiter stand als eine kleine Tafel mit sechs Stühlen. Am Kopf der Tafel auf der anderen Seite des Raumes saß Draco Malfoy, den Kopf im Tagespropheten vergraben, vor sich ein leerer Teller und eine Tasse mit dampfendem Kaffee.

„Guten Morgen", sagte Hermine laut und trat unaufgefordert um den Tisch herum.

Malfoy senkte die Zeitung: „Hast du was an den Ohren? Ich hab gesagt, ich will dich nicht sehen. Verschwinde."

Störrisch reckte sie ihr Kinn vor: „Ich bin nicht zum Spaß hier, Malfoy. Ich komme als Angestellte im Ministerium und ich habe das Recht, mit dir zu sprechen und mir dein Anwesen zeigen zu lassen."

Offensichtlich wütend warf er die Zeitung auf den Tisch und stand auf: „So, Ministeriumsangestellte bist du jetzt also, mh? Welche Abteilung denn?"

Triumphierend grinste sie ihn an: „Abteilung für magische Artefakte."

Kurz nur stockte Malfoy in seiner Bewegung, dann schloss er den letzten Abstand zu ihr und baute sich mit vor der Brust verschränkten Armen vor ihr auf: „Oh, ja, aber natürlich. Es war ja klar, dass du dem Trottel Weasley folgen würdest. Hoffst du, dass dein kleiner rothaariger Freund dir einen Antrag machen wird, wenn du in derselben Abteilung wie sein Vater arbeitest?"

Scharf sog Hermine die Luft zwischen den Zähnen ein. Was stimmte nur mit Malfoy nicht, dass er sofort beleidigend werden musste? Entschlossen, sich nicht von ihm provozieren zu lassen, erwiderte sie: „Wer hätte gedacht, dass ein Spross der Familie Malfoy sich so wenig mit Politik und Verwaltung auskennt. Arthur Weasley beschäftigt sich mit dem Missbrauch magischer Artefakte. Dabei geht es um Artefakte, die Muggeln in die Hände gespielt werden. Meine Abteilung hingegen beschäftigt sich mit Artefakten in der magischen Welt. Insbesondere mit schwarzmagischen."

Malfoys graue Augen wurden noch kälter, wenn das überhaupt möglich war: „Und was, Hochwürden, führt Euch dann zu mir? Du weißt doch selbst am besten, dass alle schwarzmagischen Gegenstände nach dem Krieg konfisziert worden sind."

„Halt mir keinen Vortrag, Malfoy", schoss Hermine ebenso kühl zurück: „Du weißt genauso gut wie ich, dass häufig nur eine genaue Prüfung das wahre Wesen eines Gegenstandes offenbart. Dafür war damals einfach keine Zeit, deswegen wurden nur die offensichtlichen Dinge mitgenommen."

Als Antwort schnaubte er nur: „Schön. Wie du willst. Ich sage dir, es ist Zeitverschwendung, aber bitte, ich zeige dir gerne unser ganzes Haus. Irgendetwas Bestimmtes, wonach du suchst?"

Überrascht, dass Malfoy so schnell nachgegeben hatte, schaute sie zu ihm auf: „Äh ... nein. Als ob ich dir das sagen würde, wenn es so wäre."

Kopfschüttelnd trat er an ihr vorbei und ging voraus: „Ja, klar. Ganz wie du willst. Mir bleibt ja eh keine andere Wahl. Wie meine Mutter es so schön ausdrückt, wir sollten mit dem Ministerium kooperieren."

Skeptisch zog Hermine die Augenbrauen hoch, doch sie sagte nichts. Das klang zu sehr so, als habe die Familie doch noch reichlich Dreck am Stecken und wäre nun vor allem deswegen so offen zum Ministerium, um keinen Verdacht zu erregen. Sie würde umso mehr die Augen offen halten.

„Was meinst du, Granger, willst du als erstes mein Schlafzimmer sehen? Das ist doch bestimmt besonders interessant für dich?"

Abrupt blieb Hermine stehen. Das gehässige Grinsen auf Malfoys Lippen und die Tatsache, dass sie gegen ihren Willen rot wurde, verschlimmerten ihre Situation nur noch. Warum nur meinten plötzlich alle Männer, sie aus dem Gleichgewicht bringen zu müssen?

„Halt die Klappe und zeig mir euer Haus!", grummelte sie, was ihr nur ein weiteres Lachen einhandelte. Im Gegensatz zu zuvor klang es jedoch echt und nicht gemein.

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