4: Adrian

Ich sah geradeaus auf die Tür, die sich hoffentlich bald öffnete. Ich verstand, warum der Chef die ganzen Maßnahmen für Kae eingeleitet hatte, sie schwebte in großer Lebensgefahr. Und das würde sich auch nicht ändern, solange es weiter Dämonen in der Haupteinheit geben würde die die Aswang nicht als würdige Art akzeptierten. Es gäbe immer wieder welche, die Anschläge auf sie ausüben würden. Ich hoffte, der Chef wäre sich über Kaes Lage bewusst und halte sie für stark genug, hier im Hauptsitz zu kämpfen. Es wäre mir eigentlich egal gewesen, was mit Kae passieren würde, allerdings nicht ob ich weiter den Bodyguard für sie machen musste. Ich hatte auch ein Leben.
Die Tür öffnete sich und auf dem Gesicht des Chefs bildete sich ein Lächeln, als er Kae erblickte. „Du bist wach. Hat Adrian dir genug Schutz geleistet?“, wollte er wissen und sah zu mir herüber. Kae öffnete den Mund, doch bevor sie etwas sagen konnte übernahm ich das Wort. „Mehr als das. So ein kranker Werwolfstyp wollte sie zu Hackfleisch verarbeiten, hat von ‚Verunreinigung der Einheit’ und ähnlichem gefaselt.“
Kae guckte mich an und verzog ihre Lippen zu einem leichten Lächeln, wahrscheinlich weil ihr bewusst wurde, dass ich ihr das Leben gerettet hatte. Von dem übermäßig selbstbewussten Mädchen änderte sich ihre Ausstrahlung zum verschämten, beachtet dass sie mich vor kurzer Zeit noch wie ein Stück Dreck angesehen hatte.
Aus irgendeinem Grund ließ mich das grinsen, ein kleiner Triumph gegenüber einem kleinen Mädchen. Wobei ich ihr Alter weiterhin nicht wusste, sie sah nun mal aus wie ein kleines Mädchen. Es interessierte mich auch weniger.
Der Chef hob sein Kinn an und betrachtete Kae, zunächst sie als Ganzes und dann ihre Füße, an denen immer noch die Schuhe fehlten. „Wir… hatten es eilig“, lächelte sie und legte eine Hand an ihren Nacken. Der Chef zog eine Augenbraue hoch und sah zu mir, ich lächelte ebenfalls. „Gut, ich werde dafür sorgen dass du etwas an die Füße kriegst. Kommt ihr beide erst einmal herein, ich lasse euch hier ungern auf dem Flur stehen“, sagte er und machte eine einladende Geste. Wir traten in das Büro und ließen uns auf jeweils einem der Sessel nieder, die vor dem Schreibtisch standen.
„Also, Kae. Zuerst: Herzlich Willkommen, hier im Hauptsitz. Ich freue mich, dass du für unsere Einheit kämpfst.“ Der Chef hatte sich hinter dem Schreibtisch auf seinen Bürostuhl gesetzt. Er duzte jeden von uns, wir Krieger beließen es trotzdem bei dem ‚Sie’. Es gehörte sich nicht, einen Vorgesetzten zu duzen. Vor allem nicht den Chef der kompletten Organisation.
Er fuhr mit seiner Rede fort. „Wie du weißt, wird der Krieg zwischen unserer Organisation, den Red V’s, und der feindlichen, den Ao’s, immer brenzliger. Da wir umso mehr Angriffe hier im Hauptsitz haben, brauchen wir natürlich auch mehr Krieger im Gebäude. So weit, so gut. Du bist allerdings ein kleiner, wie soll ich sagen, Ernstfall? Du bist eine sehr starke Kriegerin, deine Technik ist nahezu perfekt. Aber, ich denke dir ist bewusst, dass nicht jeder mit deiner Anwesenheit ganz zufrieden ist. Du bist ein Aswang, das macht diese Situation schwer. Aber ich brauche dich hier. Wir können auf ein so starkes Glied wie dich hier nicht verzichten.“ Er griff nach einer Tasse Kaffee und nahm einen Schluck.
Kae spielte etwas bedrückt an einem Band ihrer Jacke. Sie wusste, was auf sie zukommen würde und auch, in welcher Gefahrenzone sie sich bewegte. „Nun denn.“ Der Chef stellte seine Tasse wieder an ihren Platz. „Kommen wir zu einem anderen Thema. Deine Unterkunft“, begann er. Kae guckte von ihrem Gefummel an der Jacke auf. Anscheinend interessierte sie das eher als die Tatsache, dass sie möglicherweise in nächster Zeit draufgehen würde. Was ist schon der Tod gegen eine Wohnung?
„Leider müssen wir ja wie gesagt schon viele andere Krieger in bereitgestellten Wohnungen unterbringen, daher wirst du in eine andere, schon bewohnte Unterkunft gebracht. Und da kommt auch Adrian wieder ins Spiel.“ Der Chef drehte seinen Kopf in meine Richtung.
Mir graute, was kam. Ich wohnte alleine. Meine Wohnung war groß. Ach du Scheiße.
„Adrian, ich muss dich bitten, Kae für die Zeit die wir brauchen um eine Wohnung für sie zu finden, bei dir wohnen zu lassen.“
Und da war es, das Ende meines Privatlebens.
Ich sah zum Chef, dann zu Kae, die ihrem Gesichtsausdruck nach genauso wenig Spaß an der Sache hatte wie ich. „Wie lange sollte das denn dauern? Kann man nicht eine andere Wohnmöglichkeit finden?“, wandte sie ein. Der Chef schüttelte den Kopf.
Ja geil, ich wohnte doch nicht umsonst alleine. Ich hatte meine Gründe.
„Wie lange genau würde mich auch interessieren“, äußerte ich. „Es wird lediglich für ein paar Monate sein“, antwortete der Chef gelassen.
Ich versteifte mich. War das sein Ernst? ‚Lediglich ein paar Monate’ waren mehr als zu viel! Kae stemmte sich leicht aus dem Sessel, sie hatte die Augen weit aufgerissen, als würde sie Panik vor den nächsten Monaten haben. Die hatte ich auch, aber wie.
„Chef, dass muss doch nicht… ich meine, ich kann mir doch auch eine eigene Wohnung suchen. Das wird schon nicht so…“ Der Chef fiel Kae ins Wort. „Von welchem Geld willst du dir eine Wohnung suchen? Wir stellen einen Unterhalt für euch aus, der ist aber nur für Nahrung, Kleidung und andere Bedürfnisse gedacht. Die möblierte Wohnung stellen wir bereit, das Geld würde dafür nicht reichen.“
Unbehagen zeichnete sich auf Kaes Gesicht ab. Sie sah mich an, ich sah sie an und drehte das Gesicht wieder dem Chef zu. „Wenn es nicht anders geht, soll es so sein. Aber ich werde nicht weiter den Beschützer für Madame Ach-so-stolz machen. Ich habe nämlich auch meinen Stolz und werde nicht gerne als Bodyguard missbraucht“, sagte ich, während ich mich mit den Ellbogen auf meine Knie stützte. „Das musst du auch nicht, Kae kann sehr gut auf sich selbst aufpassen, nicht?“ Der Chef machte eine Kopfbewegung in Richtung Kae, die etwas angepisst bejahte.
„Also…“, ich schwang meine Hand zu Kae, „…auf ein gutes Zusammenleben.“
Etwas belustigt schnaubte sie aus. „Ja, auf jeden Fall Monsieur Schürzenjäger.“
Und wieder wich sie dem Handschlag aus. Auf Körperkontakt stand sie wohl nicht.

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