4. Kapitel

Isoke kam in der Nacht zurück, jedenfalls vermutete ich, dass es Nacht war, da kein blendendes Licht durch die Tür fiel und in meinen Augen brannte. Wie immer schlurfte er mit ergebenen Schritten in seine Zelle, dicht gefolgt von Catalina. Kurz bevor sie die Zellentür hinter ihm schloss, drehte er sich blitzschnell zu ihr um und griff nach ihrem Handgelenk. Ich erstarrte und schlug die Hände vor den Mund. Auch Catalina versteinerte und starrte auf die dunkle Hand auf ihrem Arm.
„Isoke“, fauchte sie, jegliche Freundlichkeit war aus ihrer Stimme gewichen und sie sah bedrohlich langsam zu ihm auf. Wenn Blicke töten könnten…, schoss es mir durch den Kopf. Isoke wimmerte und Tränen liefen über seine Wangen.
„Bitte“, hauchte er mit brüchiger Stimme. Er schluchzte und umklammerte noch immer ihren Arm. „Bitte!“ Er sah sie aus gebrochenen Augen an, nicht fähig seinen Schmerz oder Willen in Worte zu fassen. Catalina hob eine Braue, bevor sie die freie Hand behutsam auf seine legte.
„Isoke“, hauchte sie, ihre Stimme war wieder warm und betörend, „Lass los. Du kennst die Regeln.“ Sie strich sanft über seinen Handrücken.
„Catalina“, krächzte Isoke und fiel vor ihr auf die Knie. „Bitte.“ Sein Griff löste sich von ihrem Handgelenk und die Hände fielen schlaf zu Boden. Er ließ den Kopf sinken und starrte mit tränenverhangenem Blick auf seine Finger. „Lass mich nicht allein.“
„Du kennst die Regeln“, wiederholte Catalina und beugte sich zu ihm hinab. „Ich kann das Risiko nicht eingehen, also musst du gehorchen, ja? Wirst du mir gehorchen?“ Sie nahm sein Gesicht in die Hände, zwang sein Kinn nach oben, um seinem Blick zu begegnen. Weitere Tränen liefen über seine Wangen, während er nickte.
„Immer“, sagte er leise.
„Sehr gut“, flüsterte sie und beugte sich zu ihm hinab, hauchte einen Kuss auf seine nasse Wange. „Sei stark.“ Sie gab sein Gesicht frei und schloss die Zellentür gewissenhaft ab. Isoke lehnte die Stirn gegen das kalte Metall, ein gequälter Ausdruck lag in seinen dunklen Augen und er wiegte sich vor und zurück.
Ich beobachtete das Schauspiel mit Entsetzten. Mir wurde übel und eine eisige Kälte überfiel mich, ließ mich zittern und beben.
„Hab keine Angst“, gurrte Catalina und trat vor meine eigene Zellentür. Ich schrak bei ihrer plötzlichen Aufmerksamkeit zusammen und zog mich erneut in meine Ecke zurück, wie naiv von mir zu glauben, dass ich dort vor ihr sicher war.

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