5. Catherine

1292

In diesem Jahr, trat eine Neugeborene von edler Herkunft in Magnus Leben. Catherine!

In der Zukunft wird die Beiden immer eine tiefe Zuneigung verbinden und eine geistige Verbindung herrschen, auch wenn sie meilenweit getrennt sein werden.

Er stieg gerade auf das Dach eines Hauses, in dem er getötet hatte, als er die Schwingungen eines unbekannten Artgenossen wahrnahm. Derjenige musste noch sehr jung sein, da es eine schwache Aura war. Magnus schwebte über die Dächer des Dorfes, bis er die Quelle der übernatürlichen Wellen fand. Es war eine kleine Frau von zarter Gestalt, wunderschön, mit langem blondem Haar, das ihr bis zur Hüfte reichte. Sie spazierte durch die Gassen, strahlte eine gewisse Unnahbarkeit aus, die den Älteren nicht abschreckte. Er ging auf sie zu und lächelte sie an. Wie er, hatte sie vor Kurzem getrunken und als sie ihn mit ihren blauen Augen ansah, wusste sie sofort, dass er kein Mensch war. „Seid gegrüßt schöne Frau. Darf ich mich vorstellen?“ Sein Lächeln wurde erwidert. Er nahm behutsam ihre Hand und sie nickte: „Natürlich.“

Catherine war neugierig auf den anderen. Gab es viele ihrer Art? Waren alle unsterblichen Männer so schön? Magnus fragte: „Du gehörst zu Jonathan, nicht?!“

 „Ja. Woher wisst Ihr das?“

„Ich habe es in dir gesehen, Catherine. Darf ich dich so nennen?“ Sie lächelte: „Ja, gern. Wie darf ich dich nennen?“ 

„Magnus.“ Unter Ihresgleichen waren sie nicht so förmlich, wie die Sterblichen.

„Ein schöner Name. Lebst du auch hier in der Nähe?“ Er führte sie mit sich: „Ja, ich bewohne eine Burg in der Gegend.“ Magnus fühlte ihre wachsende Begierde, während sie ihn genauer betrachtete. Vom Aussehen her, war er genauso alt wie Jonathan, aber strahlte so viel Stärke aus. Immer wenn sie frisches Blut getrunken hatten, waren sie noch lüsterner als sonst. In dieser Hinsicht war ihre Art im Allgemeinen sehr triebhaft.

Magnus führte sie zu einer Scheune: „Hier sieht uns niemand.“ Er strich über ihr Gesicht und Catherine legte ihre Hände auf seine Schultern. ‚Küss mich!‘, entschwand ihren Gedanken. Da ließ sich der Unsterbliche nicht zweimal bitten. Ihm erging es wie ihr. Sie fielen ins Heu und wälzten sich leidenschaftlich darin. Catherine kannte sich so noch gar nicht.

Kurze Zeit später waren sie bereits nackt. Magnus streichelte über ihre makellose Haut, über ihre zarten Glieder und bohrte dann seine Zähne in ihren Hals. Das erregte sie noch mehr und sie konnte es kaum noch erwarten, genommen zu werden. Sie versuchte, ihn auf sich zu ziehen: „Magnus, bitte!“ Und umschlang ihn mit ihren Beinen. Er folgte gern ihren Wünschen und befriedigte damit auch seine.

 

Später schmiegte sie sich an ihn und streichelte über seinen Rücken: „Du bist älter als Jonathan, oder?!“

„Ja, ich existiere seit vierhundert Jahren. Ich bin der Älteste hier.“

„Gibt es viele von uns?“ Er küsste ihre Wange und drängte sich abermals an sie: „Ja, es gibt genug. Hier in der Gegend sind es sicherlich fast fünfzig.“ Seine Erektion an ihrem Schenkel, ließ sie kurz überlegen, ob sie eine Wiederholung wollte. Er war jedoch sehr faszinierend und so ließ sie sich von seiner Leidenschaft mitreißen. Es fühlte sich zu gut an, um ihn abzulehnen. Magnus war sehr angetan von dieser Neugeborenen. Gern würde er sie näher kennen lernen wollen. Deshalb fragte er sie: „Willst du auf meine Burg mitkommen?“ Catherine zögerte: „Ich weiß nicht. Es wird doch bald hell.“ 

„Du kannst bei mir den Tag verbringen.“ Sie war hin und her gerissen. Ihr Schöpfer Jonathan sorgte sich sicher um sie, wenn sie gleich von ihrem ersten Jagdzug nicht zurückkehrte. „Danke, aber ich kann nicht. Ein anderes Mal vielleicht.“ Er nickte lächelnd und küsste sie noch einmal: „Lebe wohl, Catherine. Wir sehen uns sicher bald wieder.“ Dann raffte er seine Kleider zusammen und verschwand.

Auf seinem Rückweg zur Burg dachte er an den Ball, den er in zwei Nächten gab. Jonathan war ebenfalls eingeladen und so würde er die schöne Frau dort wiedersehen.

 

Magnus begrüßte seine Ballgäste von der Treppe aus, wie er es schon damals mit Magdalena getan hatte. In der Menge erkannte er die blonde Catherine. Sie hatte ihre Haare kunstvoll geflochten und hochgesteckt und trug ein kobaltblaues Kleid. Er hörte ihre Gedanken, die auf ihn bezogen waren: ‚Er ist so erhaben, so wunderschön.‘ Und dann dachte sie abermals an ihre Liebelei im Heu. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Da mischte sich eine andere gedankliche Stimme in sein Hirn ein. Es war Jonathan, dem die knisternde Spannung zwischen den beiden, nicht entgangen war: ‚Lass sie in Frieden!‘ Das scherte den Herzog wenig, was ein, gerade halb so alter Vampir zu ihm sagte. Jonathan war zwar stärker, als seine gleichaltrigen Artgenossen, weil in seinen Adern göttliches Blut floss, aber immer noch zu schwach für Magnus. Jonathans Schöpfer war ein zweitausendjähriger Unsterblicher gewesen.

Schließlich eröffnete der Gastgeber mit einer der Damen den Tanz, um danach gleich Catherine aufzufordern.

„Jonathan ist zu beneiden“, sagte er zu ihr. „Warum?“, fragte Catherine.

„So eine schöne Frau zu haben und so stark. Du bist etwas Besonderes, weißt du das?!“ Sie lächelte verlegen: „Nein, ich weiß nicht. Ich bin doch ein Nichts gegen diese anderen Frauen hier.“ Magnus erwiderte: „Das ist Fassade. Du dagegen bist von edlem Blut. Ich achte deinen Gefährten sehr. Er ist auch etwas Besonderes.“ Sie nickte: „Ich danke dir.“

Magnus erkannte, dass seine Tanzpartnerin hungrig war. Sie war kalt, blass und wurde von leichten Krämpfen geplagt. „Darf ich dich nachher zu einem Trunk einladen? Du kannst das Opfer wählen.“ Daraufhin wurde Catherine unsicher, heute war erst ihr zweites Mal, aber sie fasste sich: „Du verwöhnst mich zu sehr.“ Sie drehten sich noch im Takt. „Für dich würde ich vieles tun, meine Schöne. Suche dir einen starken Mann aus. Ich habe nur die besten Sterblichen der Gegend ausgewählt.“ Catherine blickte sich um: „Wo sind sie?“ Er führte sie an den Rand der Tanzfläche zurück: „Hab Geduld! Ich werde sie bald hereinbitten.“

Von Bitten konnte keine Rede sein. Magnus entführte in den Wochen vor einem Ball, fast so viele Menschen, wie er Gäste erwartete. Junge, ansehnliche Männer und hübsche junge Frauen. Die sperrte er in sein Burgverlies und ließ sie dann für den besagten Abend herausstaffieren. So war es damals Brauch bei den Unsterblichen. Um in der Umgebung keinen Verdacht zu erregen, legte Magnus auf der Suche nach Opfern weite Strecken durch die Lüfte zurück.

Die Menschen mischten sich ahnungslos unter die Gesellschaft, umgeben von blutgierigen Bestien in einer wunderschönen Hülle.

Magnus kam wieder an Catherines Seite: „Wen wählst du?“ Sie betrachtete die Sterblichen und fixierte dann einen grobschlächtigen, muskulösen Mann. Magnus grinste Zähne entblößend: „Du hast Geschmack. Deine Wahl gefällt mir. Das Spiel kann beginnen. Geh zu ihm und tanze mit ihm. Tu so, als wolltest du verführt werden, und geh dann mit ihm hoch zu den Gemächern. Ich werde dir dann in Gedanken mitteilen, in welchem Zimmer ich warte.“ Er küsste ihre Wange und verschwand nach oben. In seinem Schlafgemach, das er zum Schein von den Bediensteten jeden Tag herrichten ließ, versteckte er sich hinter einer Säule. Nachdem die Musik verstummt war, hörte er nach einiger Zeit das Pochen eines kräftigen Herzens. Catherines Schwingungen verrieten ihm, dass sie mit einem Sterblichen auf dem Weg zu ihm war. Magnus sandte ihr: ‚Nehme die nächste Tür.‘  Kurz darauf öffnete sie sich und sie kam mit dem Menschen herein. Der Mann näherte sich Catherine, berührte ihr Haar und sie ließ es geschehen. Magnus erkannte, dass sich ihre Muskeln stärker anspannten. ‚Noch nicht. Koste von ihm.‘ Catherine nahm daraufhin die menschliche Hand, küsste die Innenseite des Gelenks und biss sanft hinein. Der Mensch wurde schon fast willenlos, als sie stärker saugte und stand wie gelähmt im Raum, um sie trinken zu lassen. Dieser Anblick erregte den Gastgeber. Er schlang von hinten die Arme um sie.

Da unterbrach sie ihr Mahl und drehte sich zu ihm um. Magnus leckte ihr das Blut von den Lippen und begann ihr Kleid zu öffnen. Catherine dürstete nach mehr Blut. „Du bekommst mehr. So viel du willst“, sagte er. Magnus streifte ihr den Stoff von den Schultern, küsste ihre freigelegten Brüste und hob die junge Frau schließlich auf seine Arme, nachdem das Kleid zu Boden geglitten war. Er legte sie auf das große Himmelbett und ging dann zu dem Sterblichen, der immer noch wie benebelt dastand. Magnus küsste ihn, was den Menschen erregte und der Vampir riss ihm dabei die Kleider vom Leib. Catherine entsetzte diese Szene. Zwei Männer, die Zärtlichkeiten austauschten, war zu ihrer Zeit etwas Ungeheuerliches, worauf die Todesstrafe stand. Bei den Vampiren anscheinend nicht. Magnus drängte sich an den Mann und biss ihn dann in die Brust. Der Sterbliche stöhnte vor Lust, klammerte sich an den Vampir, der nun von ihm abließ und ihn zum Bett stieß: „Er ist für dich.“ Catherine kroch zu dem starken Mann, ihre Hand glitt über seine Muskeln und senkte dann ihre Zähne in die Wunde an der Brust. Das Saugen steigerte sein Verlangen und er warf sich mit ihr herum. Die Unsterbliche ließ es zu, dass er eindrang, doch es war schwach, gegenüber ihrer eigenen Art. Noch nie hatte ein Mensch sie geliebt. Sie lauschte seinem donnernden Pulsschlag und die Gier erfasste sie abermals. Bei dem bebenden, heißen Körper auf ihr, konnte sie sich nicht mehr zurückhalten und schlug ihre Zähne tief in den Hals des Opfers. Ihre Arme und Beine umklammerten ihn so fest, dass seine Rippen brachen und er sich verzweifelt versuchte zu befreien. Magnus gefiel dieses Schauspiel, es brachte ihn in Stimmung. Er zog sich aus, um sich ebenfalls auf das Bett zu legen. Sein Appetit musste noch gestillt werden und er labte sich am Oberschenkel des Menschen. Viel Leben war nicht mehr in ihm. Catherine hatte ihm schon das meiste geraubt. Magnus spürte nur noch ein leises Pulsieren, das kurz darauf erstarb.

Der Anblick ihres nackten, blutbeschmierten Körpers auf dem Laken, machte den Burgherrn fast verrückt. Ihre kleinen Brüste hoben und senkten sich im Rhythmus ihrer heftigen Atemzüge. Bei jedem lebenden Opfer erwachten ihre Körper wieder kurz zum Leben. Das Herz schlug im Rhythmus des Opfers und die Atmung setzte ein, bis alles nach dem Rauschzustand erstarb. Das machte das Trinken von einem menschlichen Opfer so reizvoll für ihre Spezies. Das Blut war Nahrung und Droge zugleich. Er begann mit Lippen und Händen diesen schönen Leib zu erforschen, während sie sich noch leicht benommen vom Blut unter ihm räkelte. Da wurde er fordernder, wandte sie auf den Bauch und zog sie an den Schenkeln an seine Lenden. Seine Nägel gruben sich dort hinein und hielten sie fest. Diesmal war er sehr heftig. Catherine konnte seine Stärke spüren und es erregte sie noch mehr. Als er fast soweit war, riss er ihren Kopf an den Haaren zurück und verbiss sich in ihrer Kehle. Er ließ erst los, als es vorbei war. Catherine lag erschöpft und blutend neben ihm. Die Wunden begannen sich zu schließen, jedoch noch nicht so schnell, wie bei ihm. Er war auch 400 Jahre älter, als sie. Je älter sie waren, desto schneller ging die Heilung. Magnus lächelte auf sie herab: »Hat es dir gefallen?« Sie nickte nur. Er sprach weiter: „Bleib bei mir, meine Schöne!“ Catherine hatte Bedenken wegen Jonathan. „Er würde es verstehen«, meinte er. „Glaubst du?“ Als Zustimmung küsste sie ihn ausgiebig.

Als Magnus mit Catherine die Treppe herunterkam, sah Jonathan skeptisch zu ihnen hinauf. Seine Angebetete ging zu ihrem Schöpfer hinüber und sprach mit ihm. Magnus sah, wie sie den Kopf schüttelte und hörte, schwach: „Ich kann nicht.“ Daraufhin wandte Jonathan sich enttäuscht ab und verließ den Saal. Catherine schaute ihm betrübt nach. Magnus hatte vorerst gewonnen. Sie blieb bei ihm auf der Burg.

 

Einige Monate später, verließ Catherine überstürzt, Magnus Heim. Er hatte sich in jener Nacht zwei sterbliche, junge Frauen in die Burg geholt, um zu trinken.

In einem Schlafgemach vergnügte er sich mit ihnen. Eine trank er aus, bis sie tot war und mit der anderen wollte er sich vereinen. Dabei ging er so unbeherrscht vor, dass er sie schwer verletzte. Sie blutete aus den Wunden seiner Zähne und ihre Hüfte war gebrochen. Halbtot ließ er sie auf dem Bett liegen, um das Blut auf seiner Haut abzuwaschen. Später wollte er beide Frauen beseitigen. Falls die andere bei seiner Rückkehr noch nicht tot war, würde er das erledigen. Nachdem er sich gesäubert und angekleidet hatte, kehrte er mit einem großen Sack zurück. Damit würde er die Leichen in die Highlands schleppen und vergraben. Als er das Zimmer betrat, sah er das gebrochene Genick der einen und wusste, dass Catherine hier gewesen war. Was würde sie nur von ihm denken, als sie das sah? Ihn beschlich ein sehr mulmiges Gefühl, als er seine Gefährtin nicht spürte. Wo war sie hin?

Er nahm den Sack mit den Leichen, vergrub sie und suchte dann Catherine. Er fand sie endlich auf einem Hügel im Gras sitzen und in den Himmel starren: „Ach, hier bist du. Ich habe dich gesucht.“ Er setzte neben ihr auf, aber Catherine sah ihn nicht an. „Warum?“, fragte sie.

„Ich machte mir Sorgen, wo du noch hin bist um diese Zeit. Es wird bald Tag.“ Catherine wandte nun ihr Gesicht ihm zu: „Warum, Magnus?“ Sie musterte ihn gespannt, aber er lächelte nur beschwichtigend: „Komm, Liebste!“ Und streckte die Hand aus. Sie schüttelte den Kopf: „Nein, ich kann nicht mehr zurück. Ich werde nie ihre Augen vergessen. Warum tust du so etwas?“ Magnus ärgerte sich über seine Unvorsichtigkeit und wollte Catherine nicht verlieren. Er versuchte zu verharmlosen: „Denk nicht darüber nach. Was sind sie schon? Getier gegen uns.“

Sie entgegnete leise: „Ja, Getier das leidet. Ich kann dich nicht verstehen, Magnus. Es ist wohl besser, wenn wir uns trennen.“

Dieser Satz traf ihn wie ein schmerzhafter Schlag. Das durfte doch alles nicht sein. Verzweiflung machte sich in seinem Kopf breit. Ungläubig fragte er: „Wegen einer Sterblichen?“ Sie sah ihn mit stechenden Augen an und zischte: „Du verstehst nichts! Es geht nicht um sie. Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der solche Dinge tut. Jedes Mal würde ich diese Szene vor mir sehen.“ Magnus strich zärtlich über ihr Haar: „Bitte komm zurück. Ich liebe dich doch. Ich werde es nie wieder tun, wenn du das willst.“ Catherine erhob sich: „Du begreifst es nicht. Ich kann nicht zurück. Ich kann nicht mehr mit dir zusammen liegen. Dein Körper ist besudelt.“ Sie machte eine kurze Pause und fragte dann: „Sag mir nur noch eins. Werden wir alle so?“ Magnus Züge verhärteten sich. Ihm wurde klar, dass er sie verloren hatte. „Manche. Jonathan ist anders und du auch.“ Dann wandte er sich enttäuscht und gekränkt ab und strebte in den Nachthimmel hinauf.

Er hoffte einige Nächte lang, dass seine Liebste zurückkehren würde, aber dann stellte er fest, dass sie zu Jonathan gegangen war und wieder bei ihm lebte. Das versetzte ihm einen tiefen Stich ins Herz und er überlegte fieberhaft, wie er sie zurückerobern könnte.

Als sie jagen musste, lauerte er ihr auf und bezirzte sie, nachdem sie getrunken hatte. Catherine ließ sich darauf ein und sie erlebten eine wundervolle Nacht. Er bemerkte, dass sie ihn insgeheim noch liebte, aber sie kam mit seinem grausamen Wesen nicht zurecht und hatte ihn deshalb verlassen. Manchmal sah er sie von seinem höchsten Turm aus, regungslos auf einem Hügel sitzen. Ihr blondes Haar, wehte im Wind und sie starrte gedankenverloren zur Burg. So saß sie oft eine Weile da, ohne eine Regung. Es entsprach der Natur der Unsterblichen, wie eine Statue zu erstarren, wenn sie in ihre Gedankenwelt abdrifteten. Magnus beobachtete sie wehmütig und dachte an die schöne Zeit zurück, die er mit ihr erlebt hatte. Leise seufzte er: „Ach, Catherine. Ich liebe dich. Komm zurück zu mir.“

Monate vergingen, in denen er ihr immer wieder beiwohnte, aber sie ließ sich nicht erweichen Jonathan zu verlassen. Magnus schmerzte es umso mehr, weil er wusste, dass sie ihn eigentlich liebte und nur aus ihren Prinzipien nicht zurückkam. Es machte keinen Sinn sich länger zu grämen. Er genoss ab nun, einfach ihre gemeinsamen Nächte, die, seiner Meinung nach, viel zu selten waren.

 

1295

Eines Abends stand auf einmal ein uralter, fremder Unsterblicher im Kaminzimmer vor Magnus. Der Burgherr spürte seine Macht sofort und der andere sagte nur zu ihm: „Ich fordere dich zum Duell. Du darfst den Ort für den Kampf wählen“ Magnus nahm an, dass der Fremde es auf sein Revier abgesehen hatte, da er hier in der Gegend das Beste besaß. Er hatte den anderen noch niemals vorher gesehen und fragte: „Darf ich Euren Namen erfahren, wenn wir uns schon duellieren sollen?“ Der Fremde nickte: „Verzeiht. Ich bin Dominicus. Wo werden wir in zwei Nächten aufeinandertreffen?“ Magnus dachte kurz nach: „Nördlich der Burg. Da wo es keine Siedlungen mehr gibt.“

Dann war er wieder allein und erst jetzt wurde ihm klar, was das bedeutete. Er würde sterben. Der andere war um ein Vielfaches stärker und Magnus würde gnadenlos unterliegen. Er musste schon das göttliche Alter erreicht haben, nach seiner Aura zu urteilen. Magnus erwog möglicherweise die Flucht, aber in seinem Innern widerstrebte ihm solch ein Verhalten. Er war schließlich als Krieger aufgewachsen und nun erfüllte sich letztendlich sein Schicksal. Es hatte ihn in seiner Unsterblichkeit eingeholt. Aber er haderte mit sich und wollte dieses Schicksal doch nicht annehmen. Er konnte sich einfach nicht zu diesem Kampf stellen, seine Unsterblichkeit für die Ehre opfern. Das wäre, wie Selbstmord. Da fiel ihm der Komaschlaf ein, in den seine Art gehen konnte. So würde Magnus nächste Nacht soweit wegfliegen, wie er konnte und wenn er sich dann im Koma befand, konnte der andere ihn nicht mehr finden. Seine Schwingungen würden genauso ruhen, wie sein Körper und sein Bewusstsein würde enden.

 

In der nächsten Nacht brach er sofort nach seinem Erwachen auf und strebte in südöstliche Richtung. So schnell wie er konnte, glitt er durch die Lüfte aus Furcht, der andere könnte ihn verfolgen und finden. Als er gegen Morgen ein Gebirge erreichte, suchte er sich dort einen Unterschlupf für den Tag.

In den darauffolgenden Nächten bereitete er nun seinen Todesschlaf vor. Er fand eine tiefe Höhle und begann, aus dem weichen Kalkstein einen groben Sarkophag zu zimmern. Magnus hatte irgendwo Hammer und Meißel gestohlen und dank seiner übernatürlichen Kräfte, kam er zügig voran.

Schließlich war der Steinbehälter fertig und nun kam der eigentliche Schritt. Er musste sich ausbluten lassen, um ins Koma fallen zu können. Dazu würde er seinen Dolch nehmen. Doch bevor er sich zur Ruhe legte, zerschlug er noch viel Gestein am Höhleneingang, damit die Felsbrocken die Höhle verschlossen, und der erste Teil des Ganges zugeschüttet wurde. Nun gab es kein Zurück mehr.

Magnus zog sich nackt aus, versteckte seine Kleider in einer Felsspalte und hockte sich neben seinen Sarkophag. Den Dolch setzte er an seinem Knöchel an und schlitzte sich nun, der Länge nach, die Hauptader an der Wade auf. Genauso verfuhr er mit seinem anderen Bein. Als Unsterblicher spürte er keinen Schmerz, aber die Wunden kribbelten stark. Da die Heilung schon langsam begann, musste er sehr tief in sein Fleisch schneiden, um viel Blut zu verlieren. Unter seinen Beinen bildete sich schnell eine große Blutlache.

Nun stand er auf und stieg in den Steinsarg, bevor er noch viel schwächer wurde. Er schob den Deckel fast vollständig zu und blieb noch sitzen. Er streckte einen Arm über den Rand hinaus und schlitzte nun dort die Hauptarterie auf. Danach schnell den anderen. Sein Blut lief an den Seitenwänden des Sarkophags hinab auf den staubigen Höhlenboden. Die Schwäche kam immer stärker über ihn. Es war ähnlich, wie vor dem Einschlafen. Die Glieder fühlten sich an wie aus Blei und er fühlte regelrecht, wie mit dem Blut seine Kraft ausströmte. Wie lange würde er hier sein? Würde ihn jemand finden? Schließlich sackte er auf den Grund des Sarges und schloss mit seinem Willen noch den Spalt, den er offengelassen hatte. Das restliche Blut in seinem Leib quoll nun langsam heraus. Magnus empfand diese Kraftlosigkeit als immer unangenehmer und hoffte, dass er nun bald sein Bewusstsein verlor. Nach einiger Zeit geschah es und es wurde Nacht um ihn.

 

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