6: Adrian

„Pardon, ich verführe keine minderjährigen Mädchen“, entgegnete ich Kaes Sarkasmus. Sie lachte. „Minderjährig? Ich bin 22.“
Ich hob die Augenbrauen. 22? Für ihr Alter sah sie verdammt jung aus. Nicht, dass es ihr an Weiblichkeit fehlen würde, sie hatte mehr Kurven als so manch andere 22 Jährige.
„Abgesehen davon wärst du der Letzte mit dem ich schlafen würde“, stellte sie fest. Sie stand immer noch in unmittelbarer Nähe von mir, ich konnte fast schon ihre Körperwärme fühlen. Sie wartete weiter, dass ich ihr den Weg freigeben würde, damit sie die Wohnung verlassen könnte. Aber das würde nicht passieren, ich hatte, verdammt noch mal, Spaß daran sie zu nerven.
„Ziehst du jetzt endlich mal ab, oder hast du vor mir bis zum Nachmittag hier die Laufbahn zu blockieren?“, fuhr sie mich an, die Arme verschränkt. Oh ja, und wie ich das vorhatte.
„Hör mir mal zu. Du kennst mich nicht mal und trotzdem behandelst du mich wie das letzte Arschloch. Wie wär’s, wenn wir uns beide erstmal kennen lernen?“, fragte ich.
Ich konnte sie womöglich genauso wenig ausstehen wie sie mich, das lag aber wohl eher an der Art, mit der sie mir entgegen kam. „Und dann? Meinst du, du bekommst mich damit besser ins Bett?“, japste sie theatralisch. Kae ging also schon davon aus, ich wollte sie nageln? Das war ja wohl ein weit entfernter Traum für sie.
„Du glaubst, das würde ich wollen? Wovon gehst du denn aus, wer du bist?“, lachte ich. Kae neigte den Kopf seitlich und betrachtete meine Reaktion. „Ich gehe davon aus, eine Frau die mit einem schlechten Lover in einer Wohnung zusammengepfercht wurde zu sein.“
Schlechter Lover?
„Wie kommst du jetzt auf die Idee, ich wäre schlecht?“, gab ich von mir. „Du schläfst mit Frauen nicht mehr als eine Nacht. Wenn sie einen guten Eindruck von dir gehabt hätten, bekämst du doch mehr als eine Nacht, nicht? Demnach denke ich, dass du einen schlechten Eindruck hinterlässt.“ Kae lehnte sich ein wenig nach hinten, weg von mir. Ich überlegte, ob es das wert war, mit ihr zu diskutieren, wie gut ich im Bett war. Natürlich war ich gut, ich war der Beste, keine Frage. Aber Kae sah nicht so aus, als ob sie mir glauben würde.
Ich steckte zwei Daumen in meine Boxer und hob mein Kinn. „Und warum krallst du daran fest, ich wäre ein unangenehmer Mensch? Schließlich war ich so gütig dich vom Krankenzimmer ins Büro zu tragen“, unterstellte ich ihr. Kae rollte mit den Augen und erwiderte: „Adrian. Es war dein Job, dein Auftrag, mich am Leben zu halten. Und dass du ein unangenehmer Mensch bist, liegt daran dass du nicht gerade Rücksicht auf die Gefühle von so einigen Frauen nimmst. Den meisten, wenn nicht sogar allen“, begründete sie. Ich lehnte mich zurück, an die Tür die ich Kae weiterhin versperrte.
„Aber, ich muss sagen: Kae, ich habe von dir auch viel gehört.“ Kae sah mich finster an. „Was denn beispielsweise?“, fragte sie, deutlich schlecht gelaunt. Es machte mir immer mehr Spaß, ihre Laune in den Abgrund zu stürzen.
„Was ich alles gehört habe? Nun…“, begann ich, „…zum Beispiel dass du die größte Schlampe deiner früheren Einheit warst. Dass du dich schon durch die halbe Welt gevögelt hast, dass du es mit so ziemlich jedem treibst. Und, entspricht das der Wahrheit?“
Ich beugte mich zu ihr hervor. Sie lächelte. „Nein, nicht ganz. Ich treibe es nicht mit jedem. Ich suche mir jemanden aus, der mir gefällt, oder von dem ich gehört habe, er wäre gut. Der Rest könnte schon stimmen, aber ich habe auf Gerüchte über mich noch nie wirklich geachtet“, berichtete sie, weiter lächelnd.
Sie lächelte nicht herzlich, eher schelmisch. „Aber…“, sagte sie, „…dafür suche ich mir dann wenigstens Männer aus, die auch nur einen One-Night-Stand wollen, und nicht eine ganze Ewigkeit.“
Es stimmte also, sie war ein Flittchen. Ein heftiges Flittchen sogar, und sie stand direkt vor mir. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich sie mir direkt schnappen können. Aber das war nicht der Fall, ich hätte genauso in eine Bar gehen können, und es wären wahrscheinlich gleich drei Frauen auf mich zugekommen, von der ich mir eine hätte aussuchen können. Wenn nicht sogar alle auf einmal.
Ich begann zu grinsen, bei dem Gedanken daran.
Kae seufzte angenervt. „Weißt du was, vergiss es. Du kannst an der Tür gerne weiter stehen bleiben, ich hab keinen Bock mehr.“, sagte sie, während sie sich auf den Weg zurück auf die Couch machte.

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