6. Bei den Dirnen

Am nächsten Morgen waren die Knechte schon fort, als Boris aufwachte. Er erhob sich von seinem Strohsack, ordnete seine Kleider ein wenig und ging zum Stall, um nach seiner Stute zu sehen. Dort konnte er bestimmt etwas helfen. Zuerst tränkte und fütterte er sein Pferd. Dabei meldete sich sein eigener Magen mit lautem Grummeln. Im Haus gab es sicher Frühstück. Er hatte ja noch Geld.

Boris betrat den Schankraum und setzte sich. Um diese Zeit war noch keine Kundschaft hier Nur die Huren saßen zusammen an einem Tisch und löffelten ihren Brei. Die rote Zoja und Dimitris Dirne waren auch darunter. Manche sahen nicht gerade freundlich zu ihm herüber und der Wirt stellte ihm mürrisch eine Breischüssel hin. Er konnte doch nichts dafür, was passiert war. Das würden wohl beschwerliche zwei Tage werden.

Nach dem Frühstück verschwanden die meisten Weiber nach oben. Die blonde Schönheit ging nach draußen und Zoja räumte den Tisch ab. Boris sah ihr dabei zu und als sie ihn kurz ansah, lächelte er. Verachtete sie ihn jetzt auch? Doch sie erwiderte sein Lächeln und trug die leeren Schüsseln in die Küche hinüber.

Boris hatte fast leer gegessen, nahm sein leeres Gefäß und folgte ihr. An der Küchentür begegneten sie sich: "Wo soll ich die hinstellen?" Zoja nahm sie ihm ab und stellte sie zum anderen Geschirr: "Hier." Boris fragte, den Blick zur Decke gerichtet: "Wie geht es ihr?" Die Rothaarige erwiderte: "Nicht gut. Einige andere kümmern sich um sie. Ich war nicht bei ihr, höre nur was die anderen sagen." Da kam die Blonde mit einem Eimer Wasser in die Küche, goss ihn in einen Topf und hängte ihn über das Feuer. Zoja wies auf sie: "Noruschka versorgt sie."               Eleonora blickte mit ihren blauen Augen zu ihm auf: "Wann kommt Dima wieder?" Boris antwortete: "In spätestens zwei Tagen hat er gesagt. Hoffe ich doch."   Die Blonde legte ihre Hand auf seinen Arm: "Ich weiß, dass Ihr kein schlechter Kerl seid. Die anderen sind wütend auf Eure Freunde."                                                                                                                                                                                             „Das sind nicht meine Freunde. Wir reisen nur zusammen. Ich bekam gestern genauso einen Schrecken wie ihr." Ihre Berührung fuhr ihm durch Mark und Bein und er bekam weiche Knie. Ob er ihr auch einmal in ihre Kammer folgen durfte? Sie war zwar um einiges älter, vielleicht zehn Jahre, aber sie zog ihn in ihren Bann. Boris konnte Dimitri vollkommen verstehen, dass er nur zu ihr wollte. Die Blonde wandte sich an die andere: "Zojenka, geh dich jetzt hübsch machen. Bald kommt Kundschaft." Nora füllte einen Krug mit dem inzwischen warmen Wasser und eine Schüssel Brei: "Ich muss nach oben." Boris machte den Weg frei und ging wieder zum Stall. Dort half er beim Ausmisten.

Gegen Mittag kamen zwei Fuhrwerke mit insgesamt fünf Männern in den Hof gefahren. Boris spannte mit den beiden Stallknechten, die Pferde aus und führte sie in den Stall. Irgendwie war es merkwürdig wieder in der normalen Welt zu sein. Das Leben im Wald gefiel ihm inzwischen besser.

Beim Mittagessen musste Boris mit den Knechten in der Küche essen. Auf dem Weg durch den Schankraum sah er sich nach Zoja und Nora um, aber sie waren nicht hier. Hatten sie bereits Freier? Viel los war ja noch nicht. Die Knechte waren überhaupt nicht gesprächig, aber das lag wohl an Boris Anwesenheit. Nach seinen vorigen Kleidern war er etwas Besseres. Er löffelte seine Schüssel Eintopf und ging dann wieder hinaus. Im Innenhof spielten einige Kleinkinder herum. Bestimmt die Kinder der Huren. Bastarde! Die kleinen Mädchen würden später in die Fußstapfen ihrer Mütter treten müssen und die Jungen vielleicht als Knechte arbeiten. So etwas würde seine Natalia auch bald zur Welt bringen. Auch nicht besser als diese Kleinen hier. Aber was spielte das bei einer Räuberbande für eine Rolle. Boris beobachtete die Kinder und da kam ein etwas älterer Junge zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Er hatte blondes Haar und strahlend blaue Augen. Der könnte Noras Sohn sein.

Ein einzelner Reiter ritt in den Hof. Der Junge packte schnell seinen vollen Wassereimer, als er ihn her reiten sah und verschwand zum Hintereingang des Frauenhauses. Der etwas beleibtere Freier übergab sein Pferd einem der Stallburschen und ging dann auf das Haus zu. Der Junge schien den Mann schon zu kennen und das war wohl kein angenehmer Bursche. Hoffentlich legte der sich nicht zu Nora oder Zoja. Als dieser an Boris vorbeiging musterte er ihn eingehend und schmunzelte: "Du bist neu hier." Der junge Mann schüttelte den Kopf: "Ich gehöre nicht hierher." Der kräftige Kerl lachte in seinen dunklen Bart und wies auf Boris Knechtskleidung: "Es sieht aber ganz danach aus. Willst du dir ein kleines Zubrot verdienen?" Boris fragte vorsichtig: "Und was müsste ich dafür tun?" Der Fremde legte ihm seine Pranke auf die Schulter und beugte sich leicht vor: "Mir ein wenig gefällig sein." Boris schüttelte den Kopf: "Nein, ich muss jetzt zum Stall." Doch die kräftige Hand auf seiner Schulter, hielt ihn davon ab: "So ein hübsches Kerlchen wie du, versauert doch zwischen all dem Mist. Ich bezahl dich auch gut." Mit der anderen Hand kramte er einige Münzen heraus und hielt sie Boris unter die Nase. Ihm stellten sich alle Haare auf, als ihm allmählich klar wurde auf was das hinauslief. Er dachte nur: 'Und wenn du mir Goldmünzen anbieten würdest. Niemals'  Boris machte sich schon bereit sich zur Wehr zu setzen und schüttelte nun energischer den Kopf. Da stieß ihn der Kerl plötzlich zurück, dass Boris im Staub landete und maulte verärgert: "Ach, scher dich zum Teufel!", und stapfte schließlich ins Haus.

Boris war vor Entsetzen immer sprachlos und saß noch auf dem Boden. Der wollte irgendwelche Dinge mit ihm machen, die normalerweise Mann und Frau miteinander taten. So hatte er das aufgefasst. Wie ging das überhaupt zwischen Männern? Und wen nahm sich der Fremde sonst? Einen der beiden Knechte? Es waren doch sonst keine Männer hier, außer dem Wirt.

Boris rappelte sich schließlich auf, klopfte sich den Staub aus den Kleidern und ging zum Stall. Da schien alles in Ordnung zu sein und er sah nach seinem Pferd. Die Stute wirkte unruhig. Boris betrachtete sie genau und auch das Innere ihrer Box. Da entdeckte er Zehen unter dem Stroh hervorschauen. Neugierig griff er danach und der blonde Junge tauchte daraufhin erschrocken auf: "Bitte verratet mich nicht. Bitte, Herr!"  „Aber warum versteckst du dich?"                                                                                                                                          

„Wegen dem dicken Mann. Der macht schlimme Sachen mit mir. Bitte sagt dem Herrn nichts." Boris nickte: "Gut, du kannst dich hier verstecken."

Da schrie schon der Wirt einen Namen über den Hof: "Petja...Petja. Verdammt, wo steckst der Bengel schon wieder?", und kam nach einiger Zeit zornig in den Stall: "Der kann was erleben. Du Hurensohn, komm raus!" Dann entdeckte er Boris an der Box stehen und sein Pferd streicheln: "Habt Ihr einen blonden Jungen gesehen?"                                                                                                                                                        „Ja, vorhin holte er Wasser und ging ins Haus." Der Wirt eilte wieder hinaus: "Dann versteckt sich das Balg wahrscheinlich bei seiner Mutter." Das alles schockierte Boris noch viel mehr. Nicht nur, dass der Unbekannte es mit Männern trieb, sondern auch noch mit Knaben. Boris sagte: "Da bekommst du großen Ärger, wenn du irgendwann wieder auftauchst."

„Ja, aber besser ne Tracht Prügel, als das andere."

Boris wurde neugierig, weil er das nicht kannte: "Kommt dieser Mann oft?" Der Junge blieb im Stroh liegen: "Nein, nur manchmal. Aber dann muss ich zu ihm in eine Kammer gehen. Ich versteckte mich jedes Mal, aber der Herr hat mich meistens gefunden." Armer Kerl, dachte Boris. Wie alt mag das Bürschchen sein? Zehn Jahre oder so.

„Diesmal wird er dich nicht finden. Ich passe auf." Dann fragte er den Jungen: "Sag mal, wie heißt denn deine Mutter?" Der Knabe erwiderte: "Nora."   Boris lächelte: "Das habe ich mir schon gedacht. Du siehst ihr sehr ähnlich. Weiß sie, was du manchmal tun musst?" Entsetzt schüttelte der Junge den Kopf: "Bitte sagt ihr nichts." Boris wandte sich zum Gehen: "Ich glaube, es gibt Arbeit für mich. Lass dich nicht erwischen."

Die anderen Knechte kamen und Boris spannte mit ihnen wieder die Pferde der zwei Fuhrwerke an.

Nachdem diese abgefahren waren, erschien der beleibte Bärtige im Stall. „Mach mein Pferd fertig", herrschte er Boris an. Dieser nahm dem noch gesattelten Tier das Halfter ab und legte ihm das Zaumzeug an. Die Blicke des Kerls machten ihn nervös. Solange er die Riemen schloss, bemerkte er den anderen dicht hinter sich. Die große Hand griff an sein Hinterteil: "Du bist wirklich ein leckeres Bürschchen." An Boris erstarrte alles. Für einen Moment war er unfähig sich zu bewegen. Mit einem Ruck riss der Mann ihm die Hose vom Hintern, umklammerte mit einem Arm Boris Hüften und mit der anderen Hand nestelte er an seinem Hosenlatz herum. Der Bursche erwachte aus seiner Starre und versuchte sich aus der Umklammerung heraus zu winden, aber der Kerl war stärker. Boris trat ihm gegen die Schienbeine: "Lasst mich los!" Doch der Dicke hielt ihn immer noch fest, presste seinen Steifen an Boris Hinterbacke. Wenn der Bursche ihn nur zwischen den Beinen treffen würde, aber er hatte ja noch seine Hände. Als der geile Bock nicht von ihm abließ, griff Boris mit einer Hand nach hinten, erwischte die Latte des anderen und krallte sich mit aller Kraft hinein. Der Grobian jaulte auf vor Schmerz, lockerte endlich den umklammernden Arm und Boris konnte sich herauswinden und schnell verschwinden. Im Wegrennen zog er seine Hose wieder hoch und hörte die Flüche des Bärtigen ihm hinterher hallen.

Erst im hintersten Winkel des Hofes hielt Boris an und verbarg sich keuchend. Der Schreck saß ihm in den Knochen. Der Kerl wollte tatsächlich über ihn herfallen. Da konnte er Noras Sohn vollkommen verstehen, dass er sich immer versteckte. Boris war vermutlich fast doppelt so alt, wie der Junge und hatte schon wenig Chancen gegen den Dicken gehabt. Hoffentlich ließ der sich nicht so schnell wieder sehen. Schon im Interesse des Jungen. Morgen würde ohnehin Dimitri zurück kommen und dann war er hier weg. Wie es wohl Natalia ging? Machte sie sich immer noch Sorgen um ihn? Er wollte bald zurück zu ihr.

Nach einiger Zeit schlich er vorsichtig in die Nähe des Stalles zurück, um zu sehen ob der Burschenschänder endlich verschwunden war. Zum Glück war er nirgends mehr und die weitere Arbeit lenkte Boris von der Erinnerung an das aufwühlende Erlebnis ab.

Zum Abendessen ging er wieder mit den Knechten in die Küche. Der Schankraum war ordentlich voll und Boris entdeckte im Vorbeigehen Zoja. Sie hatte ihr lockiges, rotes Haar hochgesteckt und er betrachtete ihren weißen, schlanken Hals. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als ihre Blicke sich trafen und er erwiderte es. Nora saß mit drei Kolleginnen an einem Tisch bei einigen Männern und schenkte ihrem Nebenmann Bier nach. Der hatte den Arm um ihre Taille gelegt und würde ihr später sicher in ihre Kammer folgen. Das wurmte ihn.

In der Küche aß er dann hungrig Brot und Wurst und dachte abermals an sein Zuhause im Wald. Ritten sie morgen dorthin zurück, oder räuberten sie noch weiter? Da erschien Zoja im Raum, kam zum Tisch und schnitt sich ein Stück Brot vom Laib. Sie jammerte: "Ich habe solchen Hunger." Er bot ihr noch ein Stück seiner Wurst an: "Hier, nimm!" Sie lächelte dankbar und biss davon ab. Den Rest Wurst und Brot verschlang sie hastig: "Ich muss wieder raus, bevor der Herr es merkt." Boris nickte nur und schon war sie wieder verschwunden. Doch ihr Duft hing noch in der Luft. Sie hatte sich mit irgendetwas Duftigem eingerieben oder ihr Haar. Nora roch bestimmt auch so gut. Gestern hatte er bei beiden gar nicht darauf geachtet.

In der Nacht drückte Boris die Blase und er kroch von seinem Strohsack und schlurfte müde zur Tür. Im Halbschlaf pinkelte er vor den Schuppen, in dem die Knechte und er schliefen. Als er sich wieder niedergelegt hatte, hörte er leises Ächzen im Raum. Nach längerem Lauschen war er sich sicher, dass es hier zwei miteinander trieben. Möglichst unauffällig sah er zu den anderen und bei einem der Knechte bewegte sich Etwas unter der Decke. Kurz darauf hörte er Geflüster und wurde neugierig welche Hure sich hergeschlichen hatte. Nach den Küssen, die er hörte, war es wohl kein reiner Liebesdienst. Langsam dämmerte Boris wieder in den Schlaf.

Gegen Morgen wachte er nochmal auf und sah, wie der Knecht die dunkelhaarige Frau neben sich weckte: "Es wird bald Tag. Du musst gehen." Verschlafen richtete sie sich auf und fuhr durch ihre zerzausten Haare: "Ich geh ja schon." Er setzte sich ebenfalls auf und gab ihr einen innigen Kuss: "Lass dich nicht von ihm erwischen."

„Nein, die anderen decken mich." Sie küssten sich nochmal und dann huschte die Dunkelhaarige hinaus. Waren die beiden ein Paar?

Während des Tages sah Boris immer wieder sehnsüchtig zum Hoftor, ob endlich Dimitri kommen würde. Wurde er aufgehalten? Einerseits wollte Boris in den Wald zurück und andererseits wollte er in der Nähe von Nora bleiben. Jedes Mal wenn er sie erblickte, musste er sie anstarren. Sie war so schön, viel zu schade für diesen Ort hier. Doch Chancen hatte er vermutlich keine bei ihr. Nur als Freier. Als er gerade einem Mann sein Pferd übergeben hatte, kam sie auf ihn zu. Sein Herz begann schneller zu schlagen und er war gespannt, was sie von ihm wollte. Sie blieb kurz vor ihm stehen und fragte: "Meint Ihr Dima kommt heute noch?" Es tat Boris weh, dass sie so sehnsüchtig auf den Hauptmann wartete: "Er sagte es. Aber ich bin nicht sicher." Als sie sich schon abwenden wollte, fiel Boris ein, was er sagen könnte und so fragte er: "Ist Petja eigentlich wieder aufgetaucht?" Sie starrte ihn mit ihren stahlblauen Augen an: "Wisst Ihr wo er ist?" Boris schüttelte den Kopf: "Nein, ich bekam nur mit, wie der Wirt ihn suchte und eine Weile vorher hatte ich mit Petja gesprochen. Er war bei den anderen Kindern im Hof." Nora senkte betrübt das Haupt: "Bestimmt hat er wieder was angestellt. Der Herr war sehr wütend." Boris hätte ihr den wahren Grund gern gesagt, aber der Junge hatte es nicht gewollt, dass seine Mutter davon erfährt. Also verschwieg er es. „Er kommt sicher wieder." Sie nickte: "Ich hoffe es." Boris weiter: "Und wie geht es der Verletzten inzwischen?" Nora sah zum Haus: "Besser. Aber es dauert Wochen, bis alles verheilt ist und sie wieder arbeiten kann. Dima muss für ihre Verluste aufkommen. Er scheint sehr reich zu sein." Boris erwiderte: "Wie man es nimmt." Nora berührte mit ihren Fingern seinen Arm und abermals durchfuhr es ihn, wie einen Feuerstoß: "Ihr kennt ihn gut, oder?" Boris Knie fühlten sich weich an und er stammelte: "Scho...n."

„Hat er ein Weib?" Er zögerte kurz. Olga war zwar nicht mit ihm verheiratet, aber es zählte schon.       „Ja."                                                                                                                                                                                                     „Und Kinder?", fragte sie weiter. „Nein, nicht das ich wüsste." Nora wandte sich nickend ab und kehrte ins Haus zurück. Boris blickte ihr sehnsüchtig nach. Auf ihre schöngeformte Taille und den Hintern, der sich schwach unter dem anliegendem Rock abzeichnete. Mit einem tiefen Seufzer ging er in den Stall. Wo könnte Petja stecken? War er geflohen? Bei Boris Stute war er nicht. Vielleicht auf dem Heuboden. Boris stieg die Leiter hinauf und sah sich um. Leise rief er: "Petja, bist du da? Nora macht sich Sorgen." Er erhielt keine Antwort und so stieg er wieder hinab. Vermutlich hatte sich der Junge an einem anderen Ort versteckt. Da hörte er eine Männerstimme rufen: "Borja! Jungchen, wo bist du?"Boris eilte in den Hof. Dimitri! Er lief freudestrahlend zum Pferd des Hauptmanns und nahm die Zügel. Dimitri saß ab und meinte mit einem Grinsen: "Hast du dich schon eingelebt?" Boris erwiderte: "Ich geh lieber in den Wald zurück." Der Hauptmann holte ein Säckchen aus den Satteltaschen und flüsterte: "Das müsste dem Wirt reichen. Pack schon mal deine Sachen und zieh diese Gesindelumpen aus. Dann kommst du in den Schankraum und kannst dir nochmal ein Mädchen nehmen."

„Wo sind die anderen?" Dimitri erwiderte: "Am Lagerplatz und saufen. Da richten sie schon kein Unheil an." Boris freute sich sehr, dass es bald zurück ging und er sich nochmal vergnügen durfte. Diese Belohnung hatte er sich für sein Ausharren hier auch verdient, fand er.

Schnell schlüpfte er in die besseren Kleider und betrat das Hurenhaus. Dimitri war nicht zu sehen. So setzte sich Boris schon mal an einen freien Tisch und wartete. Vermutlich war der Hauptmann beim Wirt und gab ihm das Geld. Zoja entdeckte Boris und setzte sich zu ihm: "Nun geht Ihr wieder, nicht? Euer Freund ist gekommen." Sie legte ihre Finger auf seinen Arm und strich über den Stoff: "Das steht Euch viel besser." Boris lächelte: "Ja, wir reiten nachher weg. Vielleicht komme ich mal wieder." Sie stand kurz auf und brachte ihm ein Bier: "Trinkt noch etwas", und drängte sich nah an ihn. Zoja war ja ganz hübsch und lieb, aber er wollte viel lieber mit Nora zusammen sitzen. Die war sicher oben. Dann kam endlich Dimitri mit zufriedener Miene an den Tisch. Der Wirt und er wurden anscheinend einig.

Zoja brachte auch ihm ein Bier und setzte sich wieder zu Boris. Da fragte Dimitri: "Weißt du, ob Nora bald Zeit hat?" Die Rothaarige nickte: "Sie müsste bald runterkommen." Er sah schmunzelnd von ihr zu Boris: "Borja, was machst du für ein Gesicht? Alles ist wieder gut." Er packte die Schulter des Jungen und schüttelte ihn ein wenig. Der Jüngere zwang sich zu einem Lächeln und nickte. Er war enttäuscht, dass Dimitri nachher zu Nora gehen würde. Die erwartete ihn sowieso schon sehnsüchtig. Dimitri stieß mit ihm an und sie tranken einige Züge. Dann nahm Boris eben mit Zoja Vorlieb. Mit ihr war es ganz schön gewesen. Vor allem, als sie seinen Lümmel in den Mund genommen hatte. Das sollte sie nachher nochmal machen. Sie schien ohnehin ganz erpicht darauf zu sein, mit ihm nach oben zu verschwinden. So wie sie an ihm klebte, wie eine Klette und ihre Hand auf seinen Schenkel legte. Boris fasste ebenfalls auf ihren Schenkel und Zoja ergriff schmunzelnd seine Hand, raffte ihren Rock in der Mitte hoch und führte sie zwischen ihre Beine. Boris tastete nach ihrem krausen Haar. Als er schließlich seinen Finger in ihr hatte und ihre Feuchte fühlte, beulte sich sofort seine Hose aus. Dimitri bemerkte das Gefummel unter dem Tisch und grinste nur.

Doch als klappernde Schritte auf der Treppe zu hören waren, wandte er sich herum. Boris sah Nora herunter kommen und ein Strahlen breitete sich auf ihrem Antlitz aus, als sie Dimitri erblickte. Der Jüngere war neidisch auf die Zuneigung, die sie dem Hauptmann entgegen brachte. Sofort kam sie an den Tisch und setzte sich neben Dimitri. Boris wurde verlegen, weil er immer noch seinen Finger in Zoja stecken hatte und sie ihre Hand in seiner Hose. Wie sie seinen Steifen rieb, machte ihn immer lüsterner. Doch Dimitri und Nora achteten nicht mehr auf das junge Pärchen. Sie waren zu sehr mit sich beschäftigt. Zoja flüsterte Boris ins Ohr: "Kommt. Gehen wir hoch, sonst vergießt Ihr Euren Samen noch unter dem Tisch." Er nickte erregt und folgte ihr.

Diesmal waren die beiden schon leidenschaftlicher zugange. Zoja gab alles, um Boris zu gefallen und er genoss es sehr. Nach ihrer Liebelei lagen sie beieinander, die junge Frau hatte ihren Kopf auf seine Brust gelegt und fuhr mit den Fingern über seine Haut. Boris streichelte entspannt ihren weißen Rücken. Er fand diese Porzellanhaut immer noch faszinierend. Nur an den Armen hatte sie solche dichten Sommersprossen wie auf den Wangen und der Nase. Sie ließ einen zufriedenen Seufzer fahren. „Bedauerlich, dass Ihr gehen müsst." Boris erwiderte: "Ich komme wieder. Nur ich weiß nicht, wann." Er ließ ihre feuerroten Haarsträhnen durch seine Finger gleiten: "Aber ich bin ja noch da." Sie sah lächelnd zu ihm auf und begann seine Brust zu küssen: "Dann solltet Ihr diese Zeit nutzen." Er grinste. Beim weiteren Liebesspiel drückte Zoja ihre hellen Lippen auf seine. Boris war ein wenig verdutzt, weil diese Sonja das damals nicht gewollt hatte. Aber ihn störte es nicht, Zoja zu küssen und so ließ er sich darauf ein.

Boris verbrachte fast die ganze Nacht bei Zoja. Irgendwann waren er und sie eingeschlafen. Ein gedämpftes Klopfen an der Tür und die Nennung seines Namens weckten ihn. Es war Dimitris Stimme: "Borja, komm. Wir brechen auf." Der Jüngere richtete sich im Bett auf und sah auf Zoja hinab. Sollte er sie wecken? Leise zog er sich an, holte seine letzten Rubel aus dem Beutel, legte die Münzen in ihre Hand und bog ihre Finger darum. Dann trat er zur Tür, blieb im offenen Spalt nochmal stehen und warf einen Blick auf sie. Dimitri wartete vor der Tür: "Na, dir fällt der Abschied schwer." Boris zuckte die Achseln: "Eher ihr." Der Hauptmann lächelte: "Kein Wunder! Du bist ein schneidiger Bursche. Das mögen die Weiber."

Im Hof war alles ruhig. Sie führten ihre Pferde aus dem Stall und wollten gerade aufsitzen, da rannte ein Junge auf sie zu. Boris rief: "Petja, wo warst du? Nora sorgt sich um dich." Der Junge sagte ganz außer Atem: "Bitte nehmt mich mit. Ich kann nicht mehr hierbleiben." Er sah Boris und Dimitri flehend an. Die Männer wechselten ratlose Blicke. Dann schüttelte der Hauptmann den Kopf: "Du kannst nicht mit uns kommen. Das geht nicht. Aber wer passt dann auf deine Mutter auf, wenn du fort bist?" Der Kleine schluchzte und zeigte auf Boris:" Er weiß, was mir blüht, wenn ich hierbleibe." Dimitri blickte seinen Jüngsten fragend an.

„Ich habe mitbekommen, dass er einem bestimmten Mann gefällig sein muss. Deswegen hat er sich versteckt. Diesmal hat der Wirt ihn nicht gefunden." Dimitri sagte zu Petja: "Mein Junge, ich würde dich schon mitnehmen, aber wir haben einen Auftrag zu erledigen und da kannst du uns nicht begleiten. Es tut mir leid." Er kramte in seiner Satteltasche und gab dem Kleinen ein Messer: "Damit kannst du dich wehren und hier hast du noch etwas Geld." Petja wischte seine Tränen von den Backen, betrachtete ehrfürchtig das Messer und die Münzen und bedankte sich überschwänglich.


 

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