6. Upire sind auch nur Frauen

„Was ist das denn jetzt?“, fragte Owen entgeistert. Ich hatte nur geblinzelt und Rachel war verschwunden, im gleichen Augenblick in dem Owen aufgetaucht war.
Ich sah ihn an. Er sah aus wie ein gerupftes Huhn.
„Was?“
„Sag mal hast du nicht mehr abbekommen als ich?“ Ich runzelte fragend die Stirn und sah in den Spiegel. Fast konnte ich meinen Augen nicht trauen. Ich richtete mich auf. Keine einzige Wunde am ganzen Körper, kein Kratzer, kein Flecken, keine Prellung.
„Scheiße nochmal! Hättest du die Hexe nicht eine Sekunde hinhalten können, bis sie mich auch geflickt hätte?“
„Sie ist weg.“
„Wie Weg?“
„Weg und dort bleibt sie auch.“ Hoffte ich inständig.
„Ego.“ Damit schmiss sich Owen nur mit Boxershorts bekleidet ins Bett. Ich tat es ihm nach. Der Tag war lang genug und sollte endlich enden.
Owen war längst in den tiefsten Träumen, als ich noch wach im Bett lag.
Rachels Worte gingen mir nicht aus dem Kopf. Ich wusste nichts. Dabei war alles immer so klar gewesen. Jetzt schienen meine bekannten Linien zu verschwimmen und das durch nur eine Frau, du zu allem übel auch noch eine Hexe war. Es dauerte lange, bis ich in den Schlaf glitt. Dort angekommen hatte ich einen Traum, den ich tief verdrängen sollte.

Schweißnass wachte ich auf. Ich schluckte schwer bei den Erinnerungen an letzte Nacht. Mein Unterbewusstsein wollte mir etwas sagen, etwas das ich niemals zulassen würde!
Ich stand auf und ging ins Bad. Dort hoffte ich, eine Dusche würde alles wie schon so oft fortwaschen. Doch das tat sie nicht. Noch immer spielten sich die Bilder vor meinem inneren Auge ab. Wie ich im Bett mit meiner Frau lag, sie küsste, wodurch sie ein loderndes Feuer in mir trieb. Ihre weichen Lippen, ihre zarte Haut, die nicht eine Wunde zierte. Ich verlor mich in ihr, bis sie aufstand und zur Tür ging, an Rachel vorbei, ohne einen Blick zurück.
Die beiden lächelten sich an. Danach kam nicht meine Frau zurück ins Bett, sondern Rachel. Es war mir recht gewesen und so hatte ich das mich Rachel getan, was ich so oft mit meiner Frau getan hatte. Ich schluckte schwer, als ich mich im Bad auf die Anrichte lehnte.
Was wollte ich mir selbst damit sagen? Oder manipulierte mich Rachel? Ich wusste es nicht. Ich sah mich im Bad um, um auf andere Gedanken zu kommen. Das Motel war seltsam sauber. Nicht wie die üblichen Absteigen. Was mich zum Grübeln brachte. Ein Motel, das zwanzig Euro die Nacht kostet, durfte nicht so sauber sein, außer ...
Ich schnellte heraus.
Ein Mann stand im Zimmer, er hatte Owen im Würgegriff, an seinem Hals ein Messer.
Ich hob beruhigend die Hände. Der Mann zitterte, was wohl bedeutete er wurde gezwungen. War er einer von ihnen, oder doch nur ein Handlanger?
„Ganz ruhig.“
„Hals Maul Jäger!“ Owens Mine war verzerrt vor Zorn. Genau deswegen arbeitete ich allein!
Meine Hände in der Luft begann ich, mich um ihn herum zu bewegen.
„Ich warne dich Jäger!“
„Ganz ruhig, was verlangt ihr?“ Er lachte.
„Tod. Für die Frauen.“
„Die ihr ermordet habt?“
„Wir haben die nicht ermordet. Wir gaben ihnen Leben einen Sinn!“
„Wer sagt das?“ Ich umkreiste ihn weiter, er hielt mit. Owens Blick war auf mich gerichtet.
Mein Ziel war mein Colt oder mein Messer. Eines von beidem würde ich ihn ins Hirn jagen, wenn es sein musste.
„Mein Meister.“ Ein Diener des Upirs. Hirnlose gebissene Menschen, die dem Willen des Obersten folgen. Mich hätte es nicht gewundert, wenn die ganze Stadt von ihnen übernommen wurde.
Als ich die Hälfte des Weges hinter mich gebracht hatte, wurde der Mann sichtlich nervös. Kein gutes Zeichen.
Bis ein Pfeifen die Stille zeriss. Der Mann machte große Augen. Dann wurde sein Gesicht bleich, so viel er um.
Owen blickte verwirrt nach hinten und wieder zu mir.
„Was zur Hölle?“ Ich ging hin, um ihn mir genauer anzusehen. Aus seiner Brust ragte eine kleine Spitze hinaus. Ein Holzpfahl durchborte sein Herz.
„Wer?“ Wir sahen beide auf. Ein Loch im Fenster zeigte uns den Schützen. Ein junger Mann mit einem Bogen stand auf der Straße. Sein Grinsen war siegessicher. Ich sah Owen an, der mich genau so entgeistert ansah wie ich ihn. Es war kaum zu glauben, aber ein Frischling hatte uns das Leben gerettet.

Der junge Mann kam hinein. Wir schlossen die Tür und die Gardinen. Niemand sollte den toten Mann sehen, der langsam begann, den Boden mit seinem Blut durchweichte.
„Hey“, sagte der Junge lässig und lehnte sich an die Wand. Sein grinsen hätte ich ihm am liebsten aus dem Gesicht gewischt.
„Wie alt bist du?“, fragte Owen. Der Blick des Junge veränderte sich von einer gespielt coolen Mine zu einem fragenden Bubigesicht. Er dachte wohl, wir würden ihm die Füße Küssen für seine Hilfe.
„Em ... vierundzwanzig. Ist das wichtig?“
„Wie heißt du?“
„Moment mal. Ich hab euch den Arsch gerettet, ich stelle hier die Fragen. Was wollte er bei euch?“
„Antworte ihm“, dränget ich ihn. Er sah mich von oben bis unten an.
„Jasper.“ Er hatte wohl entschieden, dass man uns lieber gehorchen sollte, braver Junge.
Owen spannte sich an. Ihm gefiel es wohl nicht, dass Jasper mehr Respekt vor mir zu haben schien, als vor ihm. Ich legte eine Hand auf Owens Schulter, der dann eine Kehrtwende machte und unsere Sachen packte.
„Du bist Jäger.“
„Jep“, sagte er stolz und hob seinen Bogen. Der Kleine hatte noch viel zu lernen.
„Und ihr seid ...?“
„Länger im Geschäft“, brummte Owen und packte die Tasche auf den Rücken. „Wir müssen.“
Damit gingen wir an dem Jungen vorbei.
„Hey ihr könnt doch nicht einfach stehenlassen, ich habe euch den Arsch gerettet!“ Ich blieb stehen. Owen bedeckte mich mit einem bösen Blick.
„Er hat recht, sie killen ihn.“ Er schnaubte und ging raus.
„Komm!“, rief Owen hinterher, womit ich mich ebenfalls in Bewegung setzte. Der Kleine schaltete schnell. Schnellte uns hinterher in den Jeep. Mit Vollgas ging es aus der Stadt raus. Wir wussten nicht, wie viele es waren, noch wo sie ihren Unterschlupf gefunden hatte.
„Eins zu null“, hauchte Owen und sah hinaus. Der Kleine musterte uns argwöhnisch von hinten.
„Nicht mehr lange“, brummte ich. „Nicht mehr lange.“

Auf einem Rastplatz machten wir halt. Keiner von uns hatte ein Wort gesagt, nun war es so weit. Ich nahm eine Karte von der Umgebung aus der Tasche und ging zur Motorhaube. Dort klappte ich sie auf und sah sie mir an.
„Es muss ein großes Gelände sein, wenn er so viele Bräute hortet.“
„Nur was ist sein Ziel. Eine Arme?“
„Vielleicht ist es einfach ein Irrer.“ Jasper stand neben uns und beobachtete schweigend unser Gespräch.
„Er muss ein Ziel haben. Man hortet nicht so viele Weiber, wenn man kein Ziel hat. Er will Kinder produzieren.“
„Am Laufband?“
„So in der Art.“
„Jungs?“
„Wie lange sind die Weiber trächtig?“, fragte Owen.
„Ein Monat, mal mehr mal weniger.“
„Jungs.“
„Wann gab es das erste Opfer?“ Er wusste es selbst, trotzdem fragte er, es half beim Denken und feststellen.
„Vor zwei Monaten ...“
„Jungs!?“
„Was!“, fuhren wir ihn an.
„Da ist ihr Versteck!“ Er schlug mit dem Finger auf die Karte. Verwirrt sahen wir ihn an.
„Zu wie viel Prozent bist du dir sicher?“ Owen traute ihm nicht. Ich war mir noch nicht sicher.
„Hundert. Ich war da.“
„Und du lebst noch?“, lachte Owen. Er glaubte ihm kein Wort.
„Sie haben meine Schwester.“ Nun war es totenstill.
„Wann?“, fragte ich.
„Vor drei Wochen.“ Der Junge konnte unmöglich viel wissen.
„Du weißt, was sie ist?“
„Vampire.“ Er klang nüchtern, trotzdem gelang es ihm nicht, den Schmerz in seinen Augen zu verbergen.
„Upir, um genau zu sein“, verbesserte ihn Owen besserwisserisch. Ich musste ein Schnauben unterdrücken. „Ist sie dem Blutrauch verfallen?“, fragte Owen. Der Junge sah ihn fragend an.
„Dem was?“
„Er ist ein Frischling“, antwortete ich ihm. Er hatte keine Ahnung, wo er reingeraten war. Nun wendete sich Owen ganz dem Jungen zu.
„Ein frischer Upir kann dem Blutrausch verfallen, wenn der Erschaffer sich nicht richtig um sie kümmert. Passiert das werden sie nie wieder zu den Wesen, die sie vorher waren.“
„Sie kann ...?“
„Nein“, unterbrach ich ihn. „Ein Upir ist immer tödlich. Ihren Trieb können sie nicht unterdrücken. Egal ob sie sich erinnern oder nicht.“ Er sah zwischen uns hin und her. „Es ist nur wahrscheinlicher, dass sie sich an ihr Leben davor erinnern. Aber auch sehr selten.
„Ich kann sie retten, meine Schwester. Ich weiß ...“ Owen legte eine Hand auf seine Schulter und brachte ihn so zum Schweigen.
„Wir retten die Lebenden.“ Er schluckte schwer. Es würde schwer werden, aber der Junge musste es akzeptieren. Deine Schwester war tot, wir mussten sie nun nur noch ins Grab bringen. Ob er es so leicht hinnehmen würde, musste sich zeigen. Ich hoffte nur, er würde keine Probleme bereiten.
Bis zum nächsten Morgen blieben wir auf dem Platz. Füllten Weihwasserflaschen in einer Kirsche, sortierten die Ausrüstung und warteten auf die ersten Sonnenstrahlen. Dann ging es los.
Es dauerte nicht lang und wir waren bei unserem Ziel dem Herrenhaus angekommen. Falls das ganze Hochgehen würde, konnten wir hinaus ins Licht. Wenigstens ein fakt der über die Biester stimmte. Sie mieden das Sonnenlicht aus gutem Grund. Ein zugegeben nützlicher Fluch dieser Art von Dämonen.
Wie kamen durch den Wald und hielten Ausschau nach ihren Wächtern, jene wie den Mann vom Vortag. Am Herrenhaus angekommen graute es mir schon. Es musste Hunderte Zimmer haben in denen wohl schon viele Frauen liegen mussten.
Wir Stiegen durch ein Kellerfenster ein. Von unten nach oben war eine saubere Metode um den Rücken freu zu halten. Mit der Machete am Anschlag musste es leise vorwärtsgehen. Zu viel Aufmerksamkeit bedeutete den Tod.
Der Keller wahr leer, weshalb wir uns hinauf begaben. Die Anspannung war zum Greifen nahe. Ich ging vornan, Owen gab mir Deckung und Jasper sorgte für die frei Aussicht nach hinten.
Die Räume waren Alt, Staubgewicht hatte hier lange niemand mehr. Dieses Pack musste sich in irgendeinem Zimmer zusammenraufen. Sollte es so sein, würden wir das Ganze Gebäude in Flammen stecken. Eine weitere Etage höher hörten wir Stimmen. Mein ganzer Körper war zum Zerreißen gespannt. Nur ein Fehler konnte uns nun alles Kosten.
Ich ging weiter bis zu. Zimmer mit den Stimmen. Mädchen unterhielten sich. Ich sah durch den leichten Spalt hinein. Es waren drei Junge Mädchen vor einem Spiegel. Ich wusste, das Jasper treffsicher war, also deutete ich ihm hinein. Ich hoffte, es wäre keine falsche Entscheidung.
Schnell wie der Blitz öffnete ich die Tür und Jasper schoss drei Mal. Die Mädchen waren augenblicklich Asche.
Mitleid war hier nicht gefragt. In Jaspers Augen lass man es trotzdem. Er war neu, er musste den Unterschied erst noch lernen. Andererseits hatten wir niemand anderen, also mussten wir mit ihm vorlieb nehmen. Denn er war bereits in diesem Haus gewesen, was uns einen kleinen Vorteil verschaffte.
Wir gingen Weiter. Der Meister musste schlafen, sonst hätte er den Verlust wahrgenommen. Die schlechte Nachricht bei solch starken Neuschöpfungen? Es musste ein Uralter sein, dem wir auf der Spur waren. Übermächtig und stark. Er würde nicht leicht zu erwischen sein.
Weiterhin fanden wir keine Mädchen. Es mussten sehr junge Upirinen gewesen sein, sonst wären sie nun mit den anderen im Tiefschlaf. Wir arbeiteten uns weiter vor, schritt für schritt. Der Schweiß lief in Strömen übers Gesicht. Ich hoffte, sie hätte uns nicht längst gewittert.
In einem großen Saal angekommen fanden wir sie und dazu noch ein gewaltiges Problem. Kerzen erhellten den Raum. Auf einem Thron saß eine schöne Frau, schlafend. Um sie herum, hunderte schlafende Mädchen. Ich hätte am liebsten geflucht. Es waren zu viele für uns drei. Als wären wir ein kleines Boot das gegen einen Tsunami bestehen musste.
Ich deutete auf den Rückwärtsgang, als Jasper an mir vorbei katapultiert wurde. Ich wendete mich in dem Augenblick um als auch ich und Owen hinterherflogen. Ich sah die fauchende rothaarige Frau, die uns in den Saal verfrachtet hatte. Ich stand auf und blickte zum Thron.
„Scheiße“, fluchte ich leise, als alle Blicke auf uns lagen.
„Wir haben besuch.“ Owen, Jasper und ich gingen in Stellung, genau wie besprochen. Rücken an Rücken gingen wir in Position, mein Blick lag dabei auf Miss Oberschnepfe. Wir würden uns raus Boxen bis zum letzten Weib. Mit meiner Waffe geladen und im Anschlag zielte ich auf meinen Feind. Diese lachte höhnisch und kam näher.
„Das wollt ihr doch nicht. Ihr wollt etwas Besseres.“ Ihre Stimme summte durch die Hallen. Verrucht, verführerisch, sie würde alles versuchen, um uns zu brechen, um uns zu ihren Sklaven zu machen. Nun begann der Angstschweiß. Wie alt sie auch war, sie konnte Männer hypnotisieren und ein ungelernter Jäger wie Jasper könnte darauf hineinfallen.
„Hör nicht hin“, sagte Owen zu ihm.
„Aber aber Männer. Wir haben nur auf euch gewartet. Starke Männer, die unsere Körper zum Beben bringen. Zum Schreien und Flehen“, schnurrte sie und ließ die Hüften kreisen. Sie trat immer Näher, bis sie vor meinem Lauf stehen blieb. Sie presste ihn zwischen ihre vollen Busen.
Ich würde ihr Herz nicht verfehlen können, warum ich nicht gleich abdrückte, lag wohl an ihrer preiswürdigen Show, oder an der Tatsache, dass wenn ich abdrückte, die Horde auf uns nieder stürmen würde. Ich sah ihr genau in die Augen, die mich an das grün einer Kiwi erinnerten und auch dessen Intensivität trugen. Sie strahlten von innen heraus.
Upire mochten schöne Wesen sein, was wohl der einzige Bonus für ihre Art darstellte, denn so schön sie auch waren, so tödlich waren sie. Brutal, blutrünstig und Wahnsinnig, wenn es um Blut ging.
Sie legte die Hand um meine Waffe. Ihre dunkelrot lackierten Nägel fuhren leicht über sie. Rauf und runter. Eindeutige Darbietung. Ich musste gestehen, es hätte verführerisch gewirkt, da sie eine bildschöne und durchaus grazile Frau war. Wären da nicht hunderte tote Weiber, die sich auf ihrem Rücken stapelten.
Es war eine gefährlich geladene Situation. Eine falsche Reaktion und es würden hunderte Frauen, wie pfeilspitzen, auf uns zuschießen.
Die strahlend blonde Frau vor mir legte den Kopf schief. Ihre verführerisch roten Lippen zeugten mir ein leichtes Lächeln. Sie erinnerte mich an ein Pin-up. Volle Lippen, kurvige Hüften und ihr äußerst lasziver Blick, der mich auszuziehen schien. Allein das Innere ihre Augen verrieten mir ihr wahres Alter. Doch nur wenn man genau hinsah.
Ihre freie Hand entblößte ihre pralle Brust. Strich über ihre Mitte, stöhnte. Dann fuhr ihre Hand hinab, zwischen ihre Beine. Ihr Blick sprach von rohem heißen Sex. Sie würde es wollen. Sie alle würden es wollen. Denn dann hatten sie was wie wollen. Nachwuchs und Blut.
„Du bist besonders Jäger.“ Ihre Hand wanderte die Waffe entlang, über meine Finger und meinen Arm.
„Die Leier hab ich hinter mir.“ Was hatten diese Frauen nur!
Ich wollte sie erschießen. Es ekelte mich an, ihre Berührung zu spüren, doch es wäre der falsche Schritt und nicht nur mein Tod. Es würde uns alle das Leben kosten. Sie atmete schwer, wodurch sich ihre Brust stark hob und senkte.
Ich schluckte schwer. Mein Puls beschleunigte sich und der Schweiß lief mir die Stirn hinab. Sie war nicht erregend, nicht im geringsten reizte dieses tote Miststück die Region zwischen meinen Beinen. Es war der nahe Tod, der mich schwitzen ließ.
Mit ihren mentalen Kräften konnte sie mir nichts anhaben, auch wenn ihr Geist stark war. Meiner war es auch. Ich hatte Jahre an Training absolviert, genau wie Owen um genau dem zu entgehen, wo jeder normale Mensch dran scheiterte.
„Du könntest es sein. Unsere Erlösung.“
„Hunter“, warnte Owen, der bemerkte, dass sich die Lage zuspitze.
Die Weiber waren auf dem Vormarsch. Eine schöner als die andere, mit einem verführerischen Lächeln auf den Lippen, sich entblößend und stöhnend, auf dem Weg uns das Blut zu nehmen.
„Lass los und liebe mich. Liebe mich, wie du es nie getan hast. Nimm mich, Liebster“, flüsterte sie und stöhne auf. Hätte ich es nicht besser gewusst, musste ich in einem Porno gelandet sein. Zu viele stöhnenden Stimmen erfüllten den Raum.
Ihre Augen waren nun mehr Schlitze. Mein Hirn versuchte sich einen Weg du graben, wohlgemerkt durch eine Steinmauer mit einem Löffel. Ich brauchte Zeit.
Die Schnallen hinter der Meisterin lockten mit viel Bein, Andeutungen, Wimmern und einem Finger in der Spalte. Meine Kiefer pressten sich zusammen. Ihre Hände fuhren weiter, über meine Haut.
Jasper ließ langsam die Armbrust sinken.
„Jasper!“, fuhren ihn Owen und ich gleichzeitig an.
„Sie ... Mein ...“
„Nein“, wenn wir ihn verloren, war es aus. Wenn es das nicht längst war. Die Bitch vor mir grinste.
„Gib auf und werde mein. Sei mein Mann, mein Geliebter, der Vater unserer Kinder“, schnurrte sie. Mir wurde fast übel. Reinrassige Upire gab es nur selten, warum diese Frau eine Arme aufstellte, war mir schleierhaft. Irgendwas großes musste vorgehen, was wir drei aufhalten mussten ... Um jeden Preis.
„Scheiß Idee“, dann schoss ich. Die nächsten Sekunden waren wie ein Sturm der Scheiße, der auf uns niederbrach. Sofort erfüllte die Halle ein ohrenbetäubendes Kriechen. Die Weiber Stürzten los. Ich ließ keine Zeit und schoss weiter. Owen tat es mir nach. Auch Jasper war durch den Schuss zu sich gekommen.
Die Welle stürzte immer näher. Es schien kein Ende zu nehmen. Mein Herz raste und ich schloss innerlich mit mir ab. Tief im Inneren, hoffte ich sie wiederzusehen. Ich hoffte vereint mit ihr zu sein, ob es nun einen Himmel gab oder nicht.
Nur Zentimeter vor uns erstarrte plötzlich die Situation. Die Biester blieben versteinert stehen, als wäre die Zeit eingefroren. Ich sah mich verwirrt um. Owen und Jasper sahen genau so entsetzt aus, wie ich. Schweißüberströmt, das Gesicht bleich vor Anspannung, Angst und Entsetzen.
„Was zur Hölle?“
„Singel-Männer. Typisch. Wo findet man euch? Natürlich im Hurenhaus.“ Ich sah um die Horde herum. An den Großen verhüllten Fenstern stand Rachel. Mit einem breiten Grinsen, locker an die Wand gelehnt, verführerisch wie immer. Nie war ich erleichterter gewesen, sie zu sehen. Ohne mich beherrschen zu können, ging ich zu ihr und riss sie an mich. Sie quietschte, als ich meine Lippen auf die ihren presste.
„Von wegen da ist nix“, hörte ich von hinten und realisierte erst meine Reaktion. Dafür würden ich aber ganz besonders sie büßen.
Langsam ließ ich von ihr ab. Das breite Grinsen versicherte mich meiner kommenden Qualen.
„Sag ich doch“, flüsterte sie. Ich schnaubte und wendete mich ab. Jasper stand mit fragendem Blick verloren im Raum. Owen musterte mich, ich hatte mühe mit der Situation mitzuhalten.
„Also kannst weiter gehen?“, fragte Rachel, als im gleichen Moment die Oberste schwankend aufstand. Der Schuss hatte sie nicht so sehr getroffen, wie ich gehofft hatte, obwohl der Schuss mitten in die Brust ging.
Ich sah Rachel an, die genau so fraglos aussah wie ich.
„Verdammte Scheiße!“, brüllte die Blondine und wendete sich um. Die Wand an erstarrten Weibern schien sie noch mehr zur Weißglut zu treiben.
„Wie lang hält die Starre?“
„Bis man sie berührt.“ Das tollwütige Weib kam mit glühenden Augen um die Menge herumgestürmt.
„Was hast du getan!?“, fauchte sie Rachel an. Ich platzierte mich vor ihr. Ich spürte, wie sie die Hand auf meinen Rücken legte. Dann setzte ich mich in Bewegung. Ich steckte die Waffe zurück in den Halfter und zog meine Machete. Owen tat es mir nach. Wir gingen in Deckung und kreisten sie ein.
„Ihr dummen Menschen! Ich werde euch zerreißen!“ Sie bretterte los. Auf den einen Mann, dem sie die Schuld gab.
Mir.
Bei mir angekommen, wich ich ihr gerade noch aus und verpasste ihr einen Schlag in die Rippen. Blitzschnell wendete sie sich um und verpasste mir einen Schlag ins Gesicht. Owen rammte ihr ein Messer in die Rippen und sie schrie auf. Ich rüttelte mich auf und wollte die Machete folgen lassen, doch sie entging dieser haarscharf. Eine ordentliche Prügelei entstand, in die sich auch Jasper einmischen wollte. Sie trat um sich, erwischte ihn und er flog im hohen Bogen davon. Ich konnte gerade noch sehen, wie er die Welle von Frauen umnietete.
„Scheiße.“ Damit bekam ich einen Schlag in die Magengrube. Wurde gepackt und hätte beinah ihre Zähne gespürt. Hätte ich nicht meinen Colt gezogen und diesen, statt meinen Hals in ihren Mund gesteckt. Ich schoss und sprengte ihren Hinterkopf. Sie viel zurück.
Im nächsten Augenblick durfte ich mich um drei Furien kümmern. Owen und Jasper waren ebenfalls beschäftigt genau wie Rachel. Sie schlug sich gut.
Für eine Hexe ...
„Rachel!“, schrie ich und deutete auf die Vorhänge. Sie begriff sofort. Mit einer Druckwelle hielt sie sich die Biester vom Leib, hob die Hand und riss mit einem Mal alle Vorhänge im Saal hinab.
Schreie zerrissen das Chaos. Sie versuchten alle zufliehen. Rachel ließ sie nicht und verschloss alle Türen, die sich durch einen Bann nicht mal durch die übernatürliche Stärke der Biester rührten. Flammen explodierten wie Bomben, Asche verteilte sich überall im Raum, regnete auf alles nieder, durch die Luft und uns. Ich hielt schützend den Ärmel vor den Mund. So schnell, wie es passierte, hörte das Chaos auch wieder auf. Übrig blieb Asche, aus der die Lebenden als Sieger hervorgingen.

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