7. Dezember

Gestresst sortiere Draco seine Unterlagen. Es war Sonntag, der zweite Advent, und er saß an seinem Schreibtisch und bereitete Unterrichtsstunden vor. Niemals hätte er gedacht, dass der Beruf als Professor so anstrengend und arbeitsintensiv sein könnte. Er empfand nachträglich sehr viel Respekt vor seinen Professoren in Hogwarts, die allesamt nicht nur unterrichtet hatten, sondern als Lehrer in einem Internat auch noch rund um die Uhr eine Art Erzieher sein mussten. Ihm reichten die Stunden, die er vor der Klasse stehen musste, vollkommen aus.

Seufzend legte er die Papiere beiseite. Wenn er an irgendeinem Tag der Woche die Gelegenheit bekommen hätte, privat mit Miss Bennet zu sprechen, hätte er für heute gewiss ein Date arrangiert. Es wäre eine willkommene Abwechslung, zumal er zu seiner eigenen Schande gestehen musste, dass er schon seit Monaten keine Frau mehr ausgeführt hatte. Und jetzt, da sich endlich wieder die Möglichkeit dazu geboten hatte, musste ausgerechnet Hermine Granger aufkreuzen und ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Sicher, sie hatte sich am Vortag als umgänglicher als erwartet herausgestellt, trotzdem hätte er es bevorzugt, wenn sie nicht dagewesen wäre. Irgendetwas in ihm sagte ihm, dass sie auch künftige Flirtversuche seinerseits zu verhinden wissen würde. Vielleicht sollte er einfach versuchen, Miss Bennet abseits vom Unterricht anzusprechen, so dass sich gar keine Chance ergab, dass Granger es verhindern konnte? Gewiss würde es ihm gelingen, im Unterricht ein neutrales Gesicht zu wahren und so zu tun, als habe er aufgegeben!

oOoOoOo

Zufrieden ließ Hermine sich in den Stuhl an dem großen Tisch im Fuchsbau sinken. Es tat gut, nach so langer Zeit mal wieder in der Geborgenheit der Familie Weasley baden zu können. Der zweite Advent war traditionell als großes Festessen für die ganze Familie und die besten Freunde von Ron und seinen Geschwistern vorgesehen, und wenn sie ehrlich zu sich war, hatte sie sich schon seit langem darauf gefreut.

"Schön, dass du uns dieses Jahr Gesellschaft leistest, Hermine!", meinte George mit einem neckischen Glitzern in den Augen: "Letztes Jahr hattest du ja anscheinend Besseres zu tun!"

"Ich war gar nicht im Land!", verteidigte sie sich: "Ich war gerade in Frankreich bei einer sehr netten Familie, die darauf bestanden hat, dass ich das Fest mit ihnen feiere. Ich hatte gar keine Möglichkeit, den zweiten Advent mit euch zu feiern."

"Genau", stimmte Bill grinsend zu: "Weil es ja auch völlig unmöglich gewesen wäre, für einen Tag herzuapparieren, richtig?"

"Hört auf, Hermine zu ärgern!", erklang da die strenge Stimme von Molly Weasley: "Sie ist heute hier und das ist alles, was zählt. Ich jedenfalls freue mich außerordentlich, dass du heute da bist, meine Liebe. Ich hoffe sehr, dass dir meine Ente schmecken wird!"

"Aber gewiss doch, Molly, bisher hat mir alles geschmeckt, was ich jemals bei dir gegessen habe!"

"Schleimerin!", hustete Ron hinter vorgehaltener Hand, doch natürlich hatte Hermine neben ihm das gehört. Lachend stieß sie ihm in die Seite: "Du bist doch sonst der größte Fan von ihrer Kochkünste! Und wenn sie nicht so gut kochen könnte, wärst du vermutlich nie so ein Vielfraß geworden!"

Lautes Lachen erklang an der Tafel, während Ron ein wenig rot wurde und Hermine gespielt böse anschaute. Sie war glücklich, dass der kurze romantische Zwischenfall vor zwei Jahren ihre Freundschaft nie belastet hatte und sie nach all der Zeit noch genauso unbeschwert mit ihrem besten Freund scherzen konnte wie in Hogwarts. Es war beinahe wieder wie früher, als sie alle noch jung waren und die Sorgen eines erwachsenen, arbeitenden Menschen noch nicht kannten.

"Nun erzähl aber mal, Hermine!", wandte sich Harry ihr zu, während Molly in der Küche die letzten Handgriffe anlegte: "Du machst jetzt diese Ausbildung im Ministerium. Wie läuft es da?"

"An sich ist das eine sehr gute Sache und ich habe das Gefühl, wirklich was zu lernen", sagte sie langsam: "Wenn da nur ... der eine Professor in der Berufsschule nicht wäre."

"Oh", machte Harry und zog schuldbewusst die Schultern hoch: "Du meinst Malfoy?"

"Du weißt davon?", hakte Hermine entrüstet nach und als Harry nickte, setzte sie hinzu: "Wieso hast du das nicht erzählt?"

"Naja, ich wusste ja nicht, dass du dieses Vorbereitungsjahr wirklich machen willst. Und als du dann angefangen hast, habe ich nicht mehr dran gedacht, dass du da auf Malfoy stoßen würdest."

"Und woher wusstest du davon?", erkundigte sich Ron überrascht: "Du hast doch damit gar nichts am Hut?"

"Um ehrlich zu sein ... habe ich ihm quasi den Job verschafft", gab Harry zu: "Ich hatte das Gefühl, mich irgendwie bei ihm und seiner Mutter bedanken zu müssen. Ihr wisst schon. Sie hat mich nicht verraten während der Schlacht. Und ... naja, ich hab Malfoy immer im Verdacht gehabt, dass er nur Böses will und tut. Ich hatte zwar Recht, dass er hinter den Vorfällen im sechsten Jahr stand, aber ich wusste nicht, dass er dazu gezwungen worden war. Ich dachte mir, wenn ich im Ministerium ein gutes Wort für ihn einlege und ihm damit einen Job verschaffen kann, dann sind wir quitt."

"Mensch, Harry!", rief Hermine erfreut aus: "Du bist ja richtig erwachsen geworden! Ich geb zwar zu, dass ich darauf verzichten könnte, jetzt die Schülerin von Professor Malfoy sein zu müssen, aber ich stimme dir zu: Er hat die Chance auf ein normales Leben verdient!"

In diesem Moment kam Molly aus der Küche, vor sich in der Luft die Ente und verschiedenste Gemüsesorten als Beilage schweben, und schnell waren Malfoy und die Vergangenheit vergessen. Hermine genoss die lockere, familiäre Atmosphäre am Tisch, aß, so viel sie konnte, und war einfach zufrieden damit, dass sie so gute Freunde hatte, dass bald Weihnachten war, und im Moment alles so gut und entspannt lief.

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