7: Kae

Ich streckte mich, während ich meinen Schlafplatz ansteuerte.
„Gibt das Flittchen schon auf?“, rief Adrian mir hinterher. „Ja, das tut es. Du kannst es jetzt sein Leben lang damit aufziehen“, rief ich durch ein Gähnen zurück.
Super, ich wurde endlich mal müde. Ich sah an mir herunter und entschied mich, mich aus der Skinnyjeans und dem restlichen Outfit zu schälen, um mir etwas Bequemeres anzuziehen. Da fiel mir dann leider glatt wieder ein, dass ich in dieser Stadt keine anderen Klamotten außer die vom Chef bereitgelegten, in der Sporttasche direkt neben der Couch besaß. Das bedeutete auch: ich besaß nichts anderes als zwei dunkle Skinnyjeans, zwei weite schwarze Shirts, eine genauso schwarze Sweatjacke, Sport-BH, passende Höschen und ein Paar rote Chucks.
Das war mein ganzes Eigentum. Ich würde selbstverständlich, wenn ich meinen ersten Unterhalt bekam, einkaufen gehen, aber die Tage musste ich damit auskommen. Wie schön, dass ich nicht mal Shorts besaß, um die in Kombination mit einem der Shirts als Pyjama zu nutzen. Ich hätte auch Adrian fragen können, ob er eine Boxershorts für mich gehabt hätte, aber dann schlief ich doch lieber im Slip als in den Boxern eines Egozentrikers.
Adrian stieß sich von der Tür weg und bewegte sich weiter in den Raum – er guckte sich in dem Loft um, womöglich weil er nicht wusste was er machen sollte. Dann blieb sein Blick an mir kleben, an mir, wie ich dabei war mich aus der Jeans zu befreien. Wie ich es liebte, dabei beobachtet zu werden meine Hacken aus der Hose zu zwängen. Diese engen Röhrendinger auszuziehen war echt eine Kunst für sich.
„Nichts Besseres zu tun als zu glotzen?“, fauchte ich. Adrians Lippen umspielten ein Grinsen – wie oft ich das schon zu Gesicht bekommen hatte, obwohl ich ihn nicht mal mehr als einen Tag kannte. „Ich genieße die Stripshow“, witzelte er.
Ein unglaublich guter Witz, er hätte Stand-Up Comedian werden sollen.
Als ich mich letztendlich von meiner Hose befreit hatte und meine Jacke ans Kopfende des Sofas warf, stand ich mit nichts mehr als meinem Shirt und Slip bekleidet, etwa 2 Meter entfernt von Adrian, da. Er bewegte sich immer noch nicht von seiner Stelle, gesagt hatte er ebenfalls nichts.
Ich sah an mir herunter. Mein Körper war übersät von Narben, Wunden, Kampfspuren, blauen Flecken. Ich kämpfte und trainierte oft, gerade vom letzten Kampf hatte ich viel mitgenommen, was sich auch sehen ließ. Kein Wunder dass Adrian abstreitete, mit mir ins Bett zu wollen. Wer wollte schon mit so einem massakrierten Etwas vögeln?
Mein Blick schweifte über meinen Körper. Ich betrachtete meine Arme und Oberschenkel genau – auf ihnen ruhten die einzigen Narben, die nicht von einem Kampf oder anderem Menschen stammten. Diese geraden, dünnen, länglichen Narben…
„Also, wenn es dir nichts ausmacht, ich hau mich noch mal aufs Ohr.“ Adrian hatte, welch Wunder, auch mal wieder etwas gesagt. Etwas, dass mich echt erfreute. Gott sei dank, er würde sich endlich hinlegen und die Fresse halten. „Mach nur“, stimmte ich ihm zu und strich über meine Unterarme.
„Ach, und übrigens.“ Adrian hielt kurz inne. „Diese Emo-Frisur steht dir nicht.“
Bitte was? Emo-Frisur? Ich hatte einen schrägen Pony, klar, aber Emo?
Mit seinem letzten Satz hatte Adrian sich auch schon wieder in sein majestätisches Bett gelegt, dass meiner Meinung nach viel zu groß für ihn war, und genüsslich ausgeatmet.
Emo. Pffh.
Ich schüttelte den Kopf und legte mich ebenfalls hin, wohl hoffend ich könnte endlich mal ein Auge, wenn auch nur eins, zumachen. Und das geschah, ich konnte nach dieser ewigen Zeit doch noch den Weg ins Traumreich finden. In dem Wissen, dass am nächsten Tag Wochenende wäre und ich nicht in die Organisation musste. Oh, ich liebte das Gefühl.

Ich wurde durch ein unangenehmes Bimmeln aus dem Schlaf gerissen. Es hörte nicht auf, der durchdringliche Ton ging immer weiter. Ich griff mein Kissen und hielt es mir schützend über den Kopf, doch kurz darauf wurde es mir schon weggerissen.
„Was zur..?!“, fing ich an doch beendete ganz schnell, als mir der schlaftrunkene Adrian zubrüllte, ich solle an mein Handy gehen.
„Was? Was laberst du, ich…“, begann ich wieder, doch Adrian fiel mir ins Wort. „Dieses gottverdammte Scheißtelefon klingelt schon seit gefühlt einer Stunde!“, fluchte er und hielt mir mein Handy unter die Nase. Das war eigentlich untertrieben, er drückte es mir förmlich ins Gesicht.
Und, Tatsache, es war mein Handy. Was man am Morgen nicht alles ausblendet. Oder das, was man als Morgen bezeichnen kann. Es war schon fas 15 Uhr, bemerkte ich als ich das Display anschaltete, nachdem das Handy aufgehört hatte zu klingeln.
Adrian stöhnte genervt, sichtlich genervt, und lief zur Küche. Er holte sich eine Dose Bier aus dem Kühlschrank und öffnete sie.
Es interessierte mich wirklich, wovon sich der Typ ernährte. So einen heißen, muskulösen und perfekt definierten Körper kriegte man nicht einfach so, da gehörte auch irgendeine Art von besonderer Ernährung dazu. Welche das bei ihm war, ließ mich im Dunkeln.
Ich schaute wieder auf mein Display, abgesehen von der Uhrzeit stand da nämlich eine Benachrichtigung – 6 verpasste Anrufe. Von wem? Unterdrückte Nummer. Toll, dann konnte ich mir den Rückruf ja sparen.
Ich sah zu Adrian, der in der Küche an seinem Bier nippte. Wie gern hätte ich auch eins gehabt, aber Monsieur Schönling wollte von seinem ‚Nahrungsgut’ ja nichts abgeben. Ich hoffte stark, er würde mich diesmal aus der Wohnung lassen, damit ich verdammt noch mal frühstücken konnte.

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