7. Kapitel

Er lag in einem kleinen Zimmer auf der Intensivstation. Schon bei seiner Ankunft war es dort unglaublich warm gewesen. Wahrscheinlich hoffte man dadurch, ihn aus seiner Starre erlösen zu können. Doch bisher hatte es nichts gebracht. Nun lag er in dem Bett und starrte die Decke an. Victor dachte nach. Trotz der Kälte, die seinen Körper umfasste, schätzte er die Raumtemperatur auf 27 Grad. Eigentlich war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er auftauen würde. Das dachte sich bestimmt auch der Arzt. Aber stimmte das? Würde er nach ein paar Stunden wieder auftauen und herumlaufen, als sei nichts passiert? Als der Zugang gelegt worden war, hatte er nicht viel gespürt. Die Kälte war zu allgegenwärtig, sodass er nichts anderes fühlte. Er musste an die ganzen Termine denken, die er nun verpasste. „Hoffentlich hat mein Chef von diesem Ereignis gehört und kann nun selbst die Termine wahrnehmen“, dachte er sich. Er konnte sich diese Starre überhaupt nicht erklären. Sie glich einer Lähmung, nur dass die meisten seiner Sinne noch voll einsatzfähig waren.

Es war bereits Mittag geworden, als die Tür aufging und der Arzt wieder das Zimmer betrat. „Mein Assistent meinte, dass die Körpertemperatur bei 5 Grad minus liegt“, murmelte er vor sich hin. Er schien nicht bemerkt zu haben, dass außer Victor niemand in dem Zimmer war. „Also müssen wir schnellstmöglich versuchen, ihn wieder auf Normaltemperatur zu bringen. Auch wenn das ziemlich unwahrscheinlich ist. Aber wir haben nur noch diese eine Hoffnung.“ Der Arzt hatte scheinbar einen Entschluss gefasst, denn er drehte sich gleich darauf um und verließ das Zimmer. Wenige Minuten später kam er mit seinem Assistenten und einem Heizstrahler wieder. Gemeinsam richteten sie die Wärmequelle auf das Bett, in dem Victor lag. „Bleiben Sie hier. Die Körpertemperatur muss sich jetzt schnell wieder normalisieren. Messen Sie alle zehn Minuten. Und wenn sich etwas tut, sagen Sie mir Bescheid“, wies der Arzt an und verschwand.

Die Zeit verging und immer wieder maß der Assistent Victors Körpertemperatur. Doch jedes Mal nach dem Ablesen machte der Assistent ein ratloses Gesicht. Als schließlich eine Stunde vergangen war und sich der Gesichtsausdruck des Assistenten nicht geändert hatte, ging er aus dem Raum und kam kurze Zeit später mit dem Arzt Joseph Greidt wieder. „Die Temperatur von Herrn Sander ist die ganze Zeit über konstant geblieben“, sagte der Assistent gerade, als sie durch die Tür traten. Der Arzt machte einen etwas traurigen Eindruck. „Dann müssen wir wohl den Gerichtsmediziner rufen“, sagte er und trat neben das Bett. Dann stellte er die lebenserhaltenden Geräte ab.

Kommentare

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    Interessante Geschichte und toller Schreibstil. Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt ;-)

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    Bin sehr gespannt wie es weiter geht! Gefällt mir gut!

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Feenstaub

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