7. Kapitel

Die nächsten Tage wechselten wir kein einziges Wort. Isoke sehnte sich nach Catalinas manipulativer Anwesenheit, während ich erstmals seine gequälten Blicke bemerkte, die er ihr, wann immer sie unser Verließ betrat, zuwarf. Zuvor hatte ich in ihnen Angst oder Hass gedeutet, heute sah ich die bedingungslose Liebe und Ergebenheit darin. Wie konnte ein Mensch nur solche Gefühle in seinen Opfern auslösen? Welches Mittel hatte sie gefunden, um den Verstand derart zu verdrehen und zu brechen?

Mein Entschluss der düsteren Zelle zu entkommen wurde mit jedem vergehenden Tag stärker, doch wie sollte dies gelingen? Mein Wille mochte stark sein, aber auch er änderte nichts am unbiegsamen Stahl der mich von der Freiheit trennte. Selbst wenn die Gitter und die schwere Metallluke mein einziges Hindernis gewesen wären, hätte ich nicht fliehen können. Dazu kam, dass ich nicht wusste wie „Catalinas Reich“ aussah, ob ich mich im Keller eines Hauses mitten in der Stadt, oder in einer verlassenen Lagerhalle, weit ab von jeglicher Zivilisation befand. Isoke konnte ich nicht fragen, der Narr war zu sehr in Catalinas Netz gefangen, um meine Pläne zu unterstützen. Vermutlich würde er sie sogar vereiteln, so wie er es bereits bei Egon getan hatte.
Ich warf einen schrägen Blick zu meinem ehemaligen Freund hinüber. Noch immer kochte der Zorn in mir hoch, wann immer ich an Isokes Taten dachte. Was er Egon angetan und wie viel er mir verschwiegen hatte. Isoke saß mit abwesenden Zügen an die Kellerwand gelehnt und hatte den Blick auf die Metallluke gerichtete. Vermutlich zählte er die Sekunden, bis seine Liebste zurückkam.

Ich seufzte tief und schüttelte den Kopf. Ihn zu ignorieren würde allerdings auch nicht bei der Flucht helfen, ich brauchte seine Erfahrung. „Isoke“, sprach ich mit harter Stimme und fixierte ihn mit zornigem Blick. Isoke sah verwundert auf und runzelte bei meinem Ausdruck die Stirn.
„Du bist noch immer wütend“; stellte er tonlos fest und legte den Kopf schräg.
Ich verdrehte ungläubig die Augen. „Dachtest du, ich würde vergessen was du Egon angetan hast? Oder mir?“, fragte ich halb belustigt. Das Ausmaß von Isokes Wahnsinn war beinahe größer als ich vermutet hatte. „Natürlich bin zornig, du hast ihn ermordet und mich im Glauben gelassen, dass du all die Zeit Opfer ihrer Gewalt wärst.“
„Ich habe ihn nicht ermordet.“
„Was du auch immer getan hast, er ist tot und du hast es verursacht“, fauchte ich ihn an. Vielleicht wäre es doch keine schlechte Idee ihn zu ignorieren.

„Was willst du von mir hören, Jad? Das es mir leid tut? Das tut es. Ich wollte ihn nicht verletzten, nur von der Flucht abhalten, die ich bis heute nicht verstehe. Er hat sie geliebt, verehrt, vergöttert! Und dennoch wollte er sie im Stich lassen. Ich verstehe nicht wie er ihr das Herz brechen konnte.“
„Als ob dieses Monster ein Herz hätte“, schnaubte ich abfällig und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du wirst es verstehen“, murmelte Isoke leise und knete nachdenklich die langen Finger, „Ich war wie du und nun sieh mich an.“ Ich erwiderte seinen Blick und erschauderte bei der Gewissheit in seinen Augen. Ich wusste nicht was Catalina ihm oder Egon angetan hatte, aber was auch immer geschehen sollte, verlieben würde ich mich sicher nicht in die kaltblütige Hexe.
„Ich bin kein Stück wie du“, spuckte ich aus und wandte mich wieder den Fugen und Rissen der Steinmauer zu.
Isoke lachte leise, „Wir sind alle gleich, Jad. Du wirst sie lieben und ihr vertrauen, ob du willst oder nicht.“
„Und was ist mit Catalina? Liebt sie dich?“ fragte ich giftig.
„Sie vertraut mir, aber ihre Art zu lieben unterscheidet sich von der unseren. Ihr Herz wurde zu oft verwundet, um sich erneut zu öffnen, doch mit der Zeit werde ich es heilen.“
„Du sprichst von einer Zukunft mit der Frau, die dich wie einen Hund in ihren Zwinger sperrt. Ich weiß nicht wie tief sie ihre Krallen, um deinen Verstand geschlossen hat, doch ich hoffe du bemerkst wie verrückt du dich anhörst.“ Ich konnte mich nicht davon abhalten erneut auf Isoke einzureden; dem Wahnsinn mit Vernunft zu begegnen.
Isoke sah nicht von seinen Fingern auf, während er antwortete: „Ich weiß, dass ich das Gleiche auch mal gesagt habe, aber was spielt das für eine Rolle? Sie vertraut mir und ich ihr. Die Zeit wird unser Schicksal lüften.“

Ich gab es auf, er war zu tief in ihrer Falle gefangen, dennoch stahl sich ein leises Lächeln auf meine Lippen. Für Isoke mochte es zu spät sein, doch mich hatten seine Worte auf eine Idee gebracht.

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