8. Kapitel

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Das rotierende Blaulicht der polizeilichen Einsatzfahrzeuge und Rettungswagen lockte auch noch zu abendlicher Stunde die Neugierige Nachbarschaft aus ihren Häusern. Man sah ihnen die kleinbürgerliche Spießigkeit schon von weitem an, mit der sie sich, ihre Neugier befriedigend, um den Tatort herum drängten.

Männlein, wie Weiblein standen teils im Schlafrock, nur schnell den Morgenmantel übergeworfen oder den barfen Oberkörper flüchtig mit einem Shirt oder einer Jacke bedeckt, vor der offiziellen Polizeiabsperrung. Sie starrten, partiell diskutierend oder einfach nur mit offenem Mund dastehend, das örtlich geschehene gierig in sich aufsaugend da. Die Vielzahl der vorhandenen Fahrzeuge, verursachte einen regelrechten Verkehrsstau in der kleinen Straße.

Chief Inspector Anthony Doyle war ein Mann der kurzen Wege. Er klemmte sich mit seinem alten Vauxhall auf dem Gehsteig gefährlich dicht an den Zaun heran, direkt vor das Haus mit der Nummer 33. Die Enge zur Einfriedung des Grundstücks, zwang ihn sich regelrecht aus dem Auto zu schrauben.

Sein Assistent Detective Sergeant Rupert Davis empfing den Leiter der Mordkommission und persönlichen Freund am Hauseingang, der gewaltsam von den Kollegen der Fire Brigade geöffnet werden musste.

 »Hallo Tony, ich versteh nicht warum solche Sauereien immer zu Nacht schlafender Zeit passieren müssen«, maulte Sergeant Davis.

»Dich trifft es doch am wenigsten, Rupert. Du bist doch eh eine Nachteule, also beschwer dich nicht«, konterte der Chief Inspector mit leicht süffisanter Mine.

Sein äußeres Erscheinungsbild entsprach nicht unbedingt dem durchschnittlichen Aussehen eines Inspector in seiner Position. Er war sechsundvierzig Jahre alt und ein dunkler Typ. Haare schwarz, exakt in Form geschnitten und mit einem Meter fünfundsiebzig, zählte er nicht gerade zu den Riesen. Das Gesicht des Chief Inspectors war schmal und männlich markant, ein äußerst gepflegter, kurzgehaltener Kinnbart und eine dunkelblaue Schildpatt Brille dominierten darin. Gekleidet war er steht‘s konservativ, korrekt. Er liebte Anzüge mit Einstecktuch, hochwertige Hemden mit Button down Kragen und distinguierte Seidenkrawatten, obendrein traf ihn selten jemand ohne seinen graublauen Homburg an.

»Weißt Du schon genaueres?« wollte der Chief Inspector wissen.

»Sorry, Tony. Ich bin auch gerade gekommen und war noch nicht oben. Es soll wohl im ersten Stock passiert sein, wie mir Police Sergeant Langley gesteckt hat. Er ist vor wenigen Minuten mit einer älteren Dame nach oben gegangen. Die Jungs waren schon hier als ich eintraf und Du bist ja gleich nach mir gekommen«, erklärte Sergeant Davis dem Freund.

Sergeant Rupert Davis, war von Natur aus blondgelockt, hatte ein ovales Gesicht und trug sein Haar nach hinten gekämmt. Entsprechend schlank und hochgewachsen mit einem Meter sechsundachtzig, wirkte der Sergeant schlaksig und leicht ungelenk in seiner Gangart, was ihn fremden gegenüber steif und unsportlich erscheinen lässt. In diesem Punkt hatte sich jedoch schon so manch einer geirrt, denn Mr. Davis war ein exzellenter Sprinter und ein äußerst wendiger Sportler. Mit seinen einunddreißig Jahren, war er ein noch recht junger Kriminalist der, wenn er lächelte nicht nur die Damenwelt verzauberte, sondern mit seinen Wangengrübchen einen noch recht bubenhaften Eindruck vermittelte. Ein Umstand den das weibliche Geschlecht besonders anziehend fand. Der junge Charmeur, für den er sich selbst gern hielt, bevorzugte Stoffhosen, dazu farbig, gemusterte Hemden die er gerne salopp über der Hose trug, was bei ihm einen besonders legeren Eindruck hinterließ und seinen jungenhaften Eindruck unterstrich. Mitunter favorisierte er aber auch einen kompletten Jeans Look, zu dem er gerne ein paar Sneakers aus seiner doch schon beachtlich zu nennenden Sammlung wählte. Sie unterstrichen obendrein seinen zeitlos trendig, urbanen Look. Ein Blouson im Biker-Style, gern wählte er einen in Leder-Optik aus, bildete das I-Tüpfelchen für sein dauerhaft lässiges Outfit.

Die Leute von der Spurensicherung hatten am Tatort längst ihre Arbeit aufgenommen, so blieb den beiden Ermittlungsbeamten der Anblick des hängenden Joseph Cameron erspart. Sein Leichnam, der noch immer auf dem Teppichboden lag, hinterließ trotz allem einen nicht gerade appetitlichen Eindruck. Der nach dem Tod verzerrte Gesichtsausdruck, hatte sich zwischenzeitlich entspannt und momentan sah es aus als würde er schlafen. Wären da nicht, diese immer noch leicht unnatürliche Hautverfärbung, sowie das rund um den Hals verlaufende Würge Male des inzwischen entfernten Stricks und die bis auf die Knochen zerfetzten Handgelenke, die die Kabelbinder mit einem blutig brutalen Touch hinterlassen hatten. Sie waren das Abbild einer gewalttätigen Atmosphäre, die vor nicht allzu langer Zeit hier noch den Raum beherrscht hatte.  

»Können Sie mich ins Bild setzen?« fragte Chief Inspector Anthony Doyle, seinen Homburg jetzt in der Hand haltend, einen Police Constabler, der ihm gerade über den Weg lief.

»Entschuldigung Sir, aber Police Sergeant Langley ist der Leiter hier. Er steht dort drüben am Tisch. Er wird sie instruieren«, sagte der angesprochene und wies mit der Hand zum Fenster.

Doyle und Davis wandten sich ab und gingen hinüber zum Sergeant, der sich mit der älteren Dame unterhielt, die, von der Davis vorhin gesprochen hatte.

Am Boden kauerte der Polizeiarzt und kümmerte sich rührend um Mias Kater.

 »Guten Abend Doc«, grüßten Doyle und Davis den Polizeiarzt. Die drei kannten sich gut.

»Hallo Ihr Beiden. Hat noch mal Glück gehabt, der Lümmel. In ein paar Tagen ist er wieder der Alte«, sagte der Polizeiarzt, zeigte auf seinen immer noch benommenen Patienten und lächelte von unten herauf.

»Man muss auch mal Glück haben. Wir sprechen uns gleich noch, Phil«, antwortete der Chief Inspector.

Der Police Sergeant unterbrach das Gespräch mit der Dame als er die zwei Kollegen von der Mordkommission auf sich zukommen sah.

»Guten Abend, die Herren. Ich bin Police Sergeant Mortimer Langley und war zusammen mit meinen Kollegen als erster vor Ort.«

»Freut mich, Sergeant Langley. Ich bin Chief Inspector Anthony Doyle und das ist mein Kollege Sergeant Rupert Davis, vielleicht setzen Sie uns vorab ins Bild«, forderte der Chief Inspector den Police Sergeant auf.

»Sehr gern, Sir. Also, nachdem wir vor Ort waren und augenscheinlich feststellen mussten, dass Türen und Fenster  verschlossen waren aber der Verdacht eines Verbrechens oder eines Suizids vorlag, habe ich die Kollegen von der Fire Brigade rufen lassen. Allerdings mussten wir nach dem öffnen feststellen, dass jede Hilfe zu spät kam. Der Mann, sein Name ist Joseph Cameron, wurde erhängt. Wir, beziehungsweise der Polizeiarzt konnte nur noch den Tod des Mannes diagnostizieren…«

»Wer hat Sie benachrichtigt, wenn, wie laut Ihrer Aussage Türen und Fenster verschlossen waren?« fragte Sergeant Davis dazwischen.

»Darauf wollte ich gerade kommen. Das hier ist Mrs Diana Abbot«, stellte er die Dame mit der er bereits geredet hatte vor. »Sie wohnt genau gegenüber und es hat den Anschein, dass sie den Mord beobachtet hat aber das kann sie ihnen ja gleich selbst erzählen«, beendete der Police Sergeant seinen Bericht.

»Ich danke Ihnen, Sergeant Langley. Sorgen Sie bitte mit Ihren Leuten weiterhin dafür, dass Schaulustige ferngehalten werden und Unbefugte den Tatort nicht betreten. Das wär‘s fürs erste. Wir danken Ihnen, Sergeant!«

»Ich glaube, es ist das Beste, wenn Du dir die ältere Lady vornimmst und ich mich erst mal mit dem Doc unterhalte, Rupert«, verteilte Anthony Doyle die Rollen.

»Geht klar, Tony! Mal hören was die Dame uns mitzuteilen hat«, erwiderte er mit einem hoffnungsvollen Lächeln.

»Hallo Phil, kannst Du uns schon etwas über den Zeitpunkt des Todes sagen«, fragte der Inspector, seinen langjährigen Freund und Kollegen Doktor Philipp Shelby.

»Ist alles noch recht frisch, Tony. Ich würde sagen, da es noch keinerlei Anzeichen von rigor mortis gibt und sich bislang nur einige wenige Livores abzeichnen, ist der post mortem vor einer knappen Stunde eingetreten. Kann aber, da es recht warm hier im Zimmer ist, kann aber ohne weiteres um eine halbe Stunde differieren. Das wird die Obduktion zeigen.«

Im Erdgeschoss erhoben sich Stimmen.

»Danke, Phil. Wir sehen uns spätestens morgen«,

»Schon recht, Tony.«

Die Stimmen wurden Lauter, ins besonders stach eine weibliche Stimme hervor. Inspector Doyle ging ihr entgegen und sah eine aufgebrachte junge Frau die Treppe herauf kommen.

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