8. Meins, meins, meins!


Kathy weinte sich eine Welle die Augen aus. Ich redete ihr gut zu und wir beschlossen, dass sie über Nacht blieb. Durch das viele weinen, war sie schnell sehr müde geworden, weshalb sie seit einer halben Stunde wie ein Stein auf der Couch schlief.
Um ihr die Ruhe zu gönnen, ging ich mit einem Glas Wein hinab zum See. Über den Steg, zu der Stelle, wo ich vor Stunden noch, nach Herzenslust geschrien hatte. Ich musste grinsen, ich spürte ihn. Jeder seiner Bewegungen hatte Erinnerungen hinterlassen. Süße, verheißungsvolle Erinnerungen.
Es würde kein Ende haben, er würde wiederkommen. Sicherer war ich nie gewesen. Sein Ausdruck, sein Verhalten, alles sprach dafür. Außerdem war ich mal wieder ein böses Mädchen gewesen. Auf die schlimmste Art, die es überhaupt gab, ich hatte sie niedergemacht, ihn niedergemacht und zum Teil vielleicht auch Unwahrheiten erzählt. Denn auch wenn er wie ein Bulle über mich herfiel, war es nicht gerade schlecht. Allein deswegen würde er wiederkommen, um mir den hinter zu versohlen.
Ich grinste bei dem Gedanken, wie ich mich selbst darstellte. So gerissen und biestig. Andererseits machte ich mir nichts vor. Ich wollte, dass er kam, wollte das ich ihn auf eine weise fesselte, die ich nicht verstand.
Noch nicht.
Es war mir eben erst klar geworden. Dieser Mann schlief nicht einfach mit einer Frau. Eine X-beliebige, würde kaum solch eine Tortur mitmachen. Wie er erkannt hatte, dass ich solch eine Frau war, war mir schleierhaft. Doch ich tat es, ich wanderte auf diesem schmalen Grad in Richtung Wahnsinn und Lust. Ich hatte es selbst nicht bemerkt, dass mich solch ein Zusammenspiel erfüllen konnte. Doch nun schien es mir verlockend und neu, was ein Kribbeln in der Magengegend auslöste, die sonst immer vor Angst schrie.
Ich blickte auf das ruhige Wasser. Solang ich ihm einen Grund liefern würde, würde er zurückkehren. Naivität spielte dabei keine Rolle. Ich hatte den Ausdruck in seinen Augen gesehen. Zuerst hatte ich es nicht deuten können, doch jetzt.
Er wollte mich, nur mich. Es hätte mir auffallen müssen, als er mich das zweite Mal genommen hatte. Der Mann wollte eine Frau besitzen, ganz und gar. Wollte das sie nach seinen Regeln spielt. Ein Spiel, das in zwei Richtungen ließ. Ein Spiel, das ich genau so gut beherrschen konnte wie er.
Ich nahm einen großen Schluck Wein. Wollte ich das es ihm leidtat, sicher. Wollte ich mit ihm spielen, auf jeden Fall! Eines wollte ich jedoch mehr als alles andere. Ich wollte das dieser Mann mir gehört.
Ganz und gar.

Ich war so in Gedanken, dass ich das Tier nicht sah, was sich nur wenige Meter von mir am Anfang des Stegs geschlichen hatte. Ich blickte zurück, als sich ein Schatten in meinem Augenwinkel bewegte. Mit erstaunen erblickte ich einen Wolf.
Er stand nur da und sah mich an. Genau, wie ich es mit ihm tat. Hätte ich Angst haben sollen? Er machte mir keine. Nicht so wie er dort stand und mich fixierte. Er wirkte gelassen und ruhig. Nicht mal Neugier lag in seinen animalischen Augen.
Wölfe waren nicht ungewöhnlich in dieser Gegend, dennoch sah man sie nie so nah in Wohngegenden. Ein Verhalten, das zum Problem werden konnte. Zu viele Menschen wurde hysterisch, wenn sie einen Wilden Wolf in ihrer Straße vorfanden. Zurecht, denn genau so schön, wie diese Tiere waren, waren sie auch tödlich.
Ich wendete mich nicht zu ihm, behielt ihn jedoch weiter im Blick. Er sollte sich nicht gestört fühlen, genau so wenig, wie ich mich nicht durch seine Anwesenheit gestört fühlte. Im Gegenteil. Ich fand es aufregend und erfrischen. Einen Wolf hatte ich noch nie so nah erblicken dürfen, ohne ein eisernes Gitter, das ihn einpferchte.
Sein Kopf senkte sich langsam, er beobachtete mich, wollte wissen, wie ich reagiere. Ich tat nicht, sah ihn nur an. Seine tief grünen Augen fixierten mich, dann tat er einen Schritt nah vorn. Weswegen ich mich zu ihm wendete. Doch Angst, jagte er mir immer noch nicht ein. Es war fast wie ein Spiel, ein Spiel mit der Gefahr, dass ich bereits zwei Mal gespielt hatte.
Ich kam nicht umhin, seien Größe zu bewundern. Er war fast gewaltig. Ich schätzte, dass er mir fast bis zur Brust reichte. Was wohl nicht übertrieben schien, angesichts seines großen Kopfes. So ein riesiges Tier hatte ich selten gesehen, besonders nicht in Gefangenschaft, was wohl hieß das er im Überfluss und Sicherheit lebte.
Sein braunes Fell glänzte im letzten Abendlicht. Was noch noch bezaubernder in seiner Spieglung des Wassers wirkte. Seiner imposanten Art imponierte mir, gab es ein schöneres Tier als dieses? In dem Augenblick gab es keines, nur den Wolf. So ruhig und dennoch gewaltig.
Als er sich nicht zu rühren schien, hob ich ihm das Glas entgegen und trank es aus. Als hätte dies ihm genügt, löste er sich von meinem Anblick und lief weiter, das Ufer entlang und schließlich in die Geborgenheit des Waldes zurück.
„Guter Junge“, hauchte ich in den Wind und machte mich auf den Weg hinein.

Um neun lag ich nach dem letzten Rundgang im Haus im Bett. Früher als sonst. Andererseits war ich am Ende meiner Kräfte und ziemlich angetrunken. Das Drama, der Wein, der Sex und der Streit zollten ihren Tribut.
Wie lange hatte ich schon nicht mehr geschlafen? Fast zwei Tage? Unwillkürlich dachte ich erneut an die vergangenen Stunden, auch wenn mein Kopf glühte, es hielt ihn nicht davon ab, sich in das Wirrwarr meines Lebens zu stürzen. Es viel mir auf, dass ich so viel Adrenalin, zuletzt vor Jahren gespürt hatte. Ein Zustand, der mich seltsam lebendig fühlen ließ. Es verblüffte mich schon fast, wie eine einzige Seele, alles verändern konnte. War ich doch gefangen gewesen in einem monotonen Leben, erschien es mir nun bunt und farbenfroh.
Doch sollte es so sein? Der Kerl war nicht gut für mich, es war mir bewusst. Dennoch konnte ich den Gedanken nicht ertragen, dieses gefährliche Spiel mit Samuel nicht weiterführen zu können. Selten waren die schlechten Dinge, nicht auch die interessantesten.
Ich würde bei Kathy nicht erwähnen, was ich mit Samuel vorhatte. Es würde mein kleines Geheimnis bleiben, fürs Erste. Bis ich wusste, wo wir standen. Die Hoffnung, dass es was Richtiges werden könnte, hatte ich nicht. Dafür war der Mann an sich zu Wild, fast wie der Wolf am See. Roh, wild und ungezügelt. Meinen Spaß würde ich trotzdem haben, bis ich zurück in mein gemütliches Leben, ohne Samuel zurückkehren konnte. Zumindest für eine kurze Weile, dann konnte ich immer noch an den Zukunftsplänen verzweifeln und mich nach einem Mann wie Veit sehnen.
Immerhin wollte ich einen Ehemann der, der mich akzeptiert und mir nicht für jeden Unsinn, den Arsch versohlen wollte. Einen, der mich liebte und dem mein Glück genau so wichtig war, wie seines.
Sam war definitiv nicht solch ein Typ, würde er wohl nie sein. Ein Typ, mit dem man Kinder haben kann, ein Leben aufbauen und ... Kinder haben kann! Süße, kleine ... Sams. Mit dem Gedanken schlief ich ein.

Ein außerordentlich schrilles Klingeln riss mich aus dem besinnungslosen Schlaf. Ich verfluchte das Höllending und schmiss es von der Ablage, es verstummte bei dem Aufprall mit dem Boden. Mit dem Kopf ins Kissen gepresst, murmelte ich vor mich hin. Trauerte dem schönen Traum hinterher, aus dem ich unsanft gerissen wurde. Er hatte aus so vielen unartigen Dingen bestanden, die ich langsam zu vergessen begann. Ich grummelte unwillig.
„Piep, Piep!“, imitierte eine weibliche Stimme. „Guten Morgen.“ Ich richtete mich komplett zerzaust auf. Meine Haare waren überall, nur nicht wo sie sein sollten. Mit den Händen richtete ich das Gröbste.
„Morgen.“
„Ausgeschlafen?“ Sie flitschte gegen den lockeren Dutt, der mir an der Stirn hing. Er sauste zurück. Was ein schmerzhaftes Ziehen an meiner Kopfhaut hinterließ. Ich öffnete ihn und setzte mich hin.
„Geht das?“, fragte ich krächzend. Sie war im Gegensatz zu mir immer schon ein Frühaufsteher gewesen.
„Ich habe Frühstück gemacht.“ freudig schälte ich mich aus der Decke und sprang auf.
„Worauf warten wir!“ Kathys Frühstück war legendär und deswegen gab es keine Zeit zu verlieren! Sie strahlte als Reaktion auf meine Antwort, worauf wir dann hinabgingen und und an den Tisch setzten. Ich schnappte mir kurz mein Handy und ging die Benachrichtigungen durch. Es war Sonntag, der einzige freie Tag, dennoch trafen sich Mark und ich oft um Dinge zu erledigen, die immer wieder zurückgekehrt hatten. Doch heute nicht. Ob er noch Sauer war? Ein Duft stieg mir in die Nase, weshalb ich das Handy fallen ließ.
„Kathy ... Wahnsinn. Vielen Danke.“ Der Tisch war reichlich gedeckt. Frische Beeren, Brötchen, mehr Aufschnitt, als ich in drei Wochen essen konnte und jede menge Gemüse. Da das Zeug nicht von mir stammte, musste sie einkaufen gewesen sein. Was bei meinem Wohnort einer Herausforderung glich, die sie also nur für mich in kauf genommen hatte. Breit grinsend lächelte ich sie an, ihr schien es bereits besser zu gehen. Auf ihrem Gesicht breitete sich wieder ein leichtes Schmunzeln aus, das sie immer und überall trug und sie gleichzeitig so wunderschön machte.
„Ich dachte eigentlich, dass wir essen gehen.“ Ich sah sie an, sie zog eine Schnute.
„Ist dir mein essen nicht gut genug?“ Natürlich war es das. Sie wollte nur nicht raus und riskieren jemandem zu begegnen. Ich würde sogar drauf wetten, das sie extra in der nächsten Stadt einkaufen gewesen war. Einfache taktig um allen aus dem Weg zu gehen. Besonders wenn man eine Freundin hatte, die so weit draußen wohnte, dass sie nie jemand finden würde. Wo konnte man sich sonst besser verstecken, als im Nirgendwo?
„Du kannst belieben, solang du willst“, versicherte ich ihr. Sie schloss die Augen und nickte. Es schien ihr gutzutun, also wieso nicht. „Vorausgesetzt du machst Frühstück.“ Sie lachte auf, natürlich würde sie das tun, selbst, wenn ich es nicht gesagt hätte. Ich zwinkerte ihr zu und setzte mich. Sie streckte mir die Zunge raus und tat es mir nach.
Ich musste an Sam denken. Den Kathys Anwesenheit sicherlich fernhalten würde. Meine Kiefer pressten sich aufeinander. Ich musste zugeben, ich hatte vergangenen Abend ordentlich einem im Tee. Plötzlich machte mein genialer Plan, weniger Sinn. Auch meine kolossalen Feststellungen waren nun nicht mehr so genial wie vergangenen Abend. Also wieso sollte der Mann nicht über meine Sticheleien stehen und einfach zur Nächsten wandern? Wieos sich den Stress antun? Wieso sollte er gerade zu mir kommen? Plötzlich war ich wieder so unsicher wie hilflos. Als hätte ich in der Gefühlswelt Hitzewallungen, sicher und unsicher, im stetigen Wechsel. Ich hasste es!
Wir frühstückten gemütlich, redeten über vergangene Zeiten und amüsierten uns herrlich. Immer wieder lachten wir laut über Dinge, die wir fabriziert hatten. Männer, die wir getroffen hatten. Fehler, die wir begangen hatten. Wodurch wir einige Stunden vergessen konnten, was uns auf der Seele lag.
Gegen Mittag Riefen wir Abby und Donna an. Sie kamen vorbei. Donna grinste über beide Ohren, natürlich machte es ihr nichts aus, benutzt zu werden, falls das überhaupt geschehen war. Sie war ein Flitschen, mit Leib und Seele. Es gab Menschen, die diesen Weg bevorzugten und sie war ziemlich glücklich damit. Etwas was ich durchaus respektierte.
Abby war etwas betrübt. Was sich recht schnell erledigte, als wir alle vier in Fahrt kamen. Wie immer, setzten wir uns auf die Veranda, tranken gemütlich Wein und plauderten über alles Mögliche und lästerten über alle anderen. Der Wein tat den größten Teil, in Windeseile lachten wir mit Tränen in den Augen. Eine der schönsten Nebenwirkung, wenn man mit diesen Damen zusammen war.
„Also“, begann Donna. Kathy räusperte sich. Wir wussten, was nun kam. Es war stets das Gleiche, wenn Donna in diesem Ton begann. Nur diesmal wussten wir alle, welches spezielle Thema sie anscheinenden würde.
„Konnte nur er wie ein Gott Ficken, oder hatten wir alle solch ein Vergnügen?“ Ich blickte zu meinen Seiten. Kathy sah auf den See und Abby zu Boden. Sie schämten sich. Da die anderen beiden Donnas Blick nicht erwiderten, sah Donna zu mir. Ich konnte das Grinsen nicht zurückhalten, was ihren noch mehr entfachte.
„Du Luder! Wirklich? Und er war gut!“ Sie kreischte und schmiss fast das Glas um.
„Ist ja gut!“, rettete ich das Glas lachend.
„Und?“, fragte sie mich quietschend. Man hörte an ihrem Ton, dass sie es gerade von mir nicht erwartet hätte.
„Es war Hart.“
„Hart?“
„Na Hart, fest muss ich da noch ins Detail gehen? Halt anders.“
„Anders?“ Ich war es gewohnt, dass sie mir ins Wort viel oder diese sogar wiederholte.
„Zum schrien.“
„Was!? Erzähl!“, kreischte sie. Neugier flackerte in den Augen der Mädels auf.
„Passt auf.“ Ich lehnte mich vor, was die Mädels mir nachmachten. „Samuel macht es einem nicht leicht. Im Gegenteil. Auf seine ganz eignende perverse Art bringt er einem dazu zu tun, was er will.“ Anders wusste ich es nicht zu erklären.
„Gefällt mir“, kicherte Donna. „Und weiter?“
„Sagen wir, das Finale besteht aus einem lauten Schrei, drunter kommt man nie raus.“ Donna lachte lautstark. Abby war es, die mir genau zugehört hatte.
„Nie?“ Ich blickte Abby an, die die Augenbrauen hochzog. „Wie meinst du das, nie?“
„Würdet ihr es wieder tun, wenn euch die Möglichkeit geboten wird?“ Abby und Kathy sahen sich an. Donna zuckte nur mit den Schultern, sie hielt nichts von double-stands.
„Schon möglich“, brabbelte Donna. „Hast dun denn?
„Ich glaube ...“, fing Abby an.
„Ich ...“, begann Kathy. Doch beide konnten nicht zu Ende sprechen.
„Natürlich würden wir!“, antwortete schließlich Donna für sie.
„Heißest das, du hast die Möglichkeit?“ Wurde ich von Abby gefragt. Da die Katze bereits aus dem Sack war, entschloss ich mich reinen Tisch zu machen.
„Er war bereits hier.“
„Hier?“, kreischten die Drei fassungslos im Chor. Mit aufgerissenen Augen blickten sie mich an. Ich lehnte mich zurück.
„Ich war genau so überrascht wie ihr, nachdem er mein Meeting gesprengt hat und ich wutentbrannt von Mark freigestellt wurde, war er plötzlich hier in meinem Wohnzimmer. Eingebrochen.“
„Ich fass es nicht. Das sind Kriminelle“ Kathy sah ins Wohnzimmer, als könnte sie es sehen.
„Ich war wütend und voller Frust, doch irgendwie kam ich nicht dazu dem Luft zu machen, stattdessen ...“
„Ja?“ Donna grinste über beide Ohren.
„Trieben wir es an einem Pfahl des Stegs im Wasser.“ Ich deutete auf den See.
Donna applaudierte, kreischte los. Die anderen beiden starrten mich nur fassungslos an.
„Was meist du bedeutet das?“, fragte Abby. Ich hatte keine Ahnung, gestern Abend hätte ich es ihr noch Sagen können, doch nun. Ich hatte wirklich keine Ahnung. Ob er mich wollte? Ob ich nur eine Spielerei war?
„Ich weiß nicht. Das Einzige was ich weiß, ist das er wieder kommen wird. Es wäre ja nicht das erste Mal.“ Sie sahen zum See. Ob sie sich das Specktakel vorstellten? Ich hoffte nicht, bei Donna wusste ich es. Es war an ihrem fetten Grinsen abzulesen.
„Glaubst du, er hat ...“
„Sich verknallte? Oh bitte nicht, nein“, antwortete ich Kathy.
„Bullshit es ist roher dreckiger Sex, wenn ihr mich fragt“, warf Donna ein. Ich musste ihr recht geben. Es war abwegig. Es war das reine Verlangen, was ihn trieb.
„Einfach nur Sex“, stimmte ich Donna zu.
„Und das ist o.k?“ Abby hatte recht, war es das?
„Für den Moment“, sagte ich geistesabwesend und blickte hinab. Ja für den Moment war es das. Falls es so weit kam und er nicht längst das nächste Opfer auswählte.
„Viel Spaß!“ Donna ließ die Begeisterung nicht mehr los. „Ich wünschte, ich hätte so viel Glück gehabt!“
„Sag mal, welcher Typ besteigt eigentlich sowas wie dich?“ Abby klang belustigt und sah zu Donna. Sie neckte sie, doch Donna fühlte sich nur bestätigt und richtete sich die perfekte Frisur. Ihr nachtschwarzes Haar glänzte im schwachen Licht der Lampe. Sie war bildschön und erinnerte mich stets an ein Pin up der Vergangenheit. Sie konnte es sich leisten den Männern die Sinne zu verdrehen, im Gegensatz zu mir. Ich war für gewöhnlich die Langweiligste der Runde. An mir gab es rein gar nichts besonderes. Außer wohl meine Fähigkeit zu schrien ...
„Kennst du überhaupt seinen Namen?“, fragte ich neugierig.
„Hugh. Hugh Hefner.“ Kathy zwinkerte.
„Freunde. Natürlich kenne ich seinen Namen.“ Wir warteten, nichts kam. Ihre Lippen wurden schmaler, während bei uns das Grinsen wuchs. Als nichts kam, begannen wir zu lachen. Es war so typisch für sie. Anders wie sonst konnte ich sie nun verstehen. Ich selbst hatte Samuels Namen erst beim zweiten Treffen erfahren.
„Moment! Ich weiß es! Wirklich!“, versuchte sie sich zu retten.
„Mani! Das war es!“
„Oh Gott.“ Kathy kicherte bei dem Namen.
„Noch mal Glück gehabt Ditchi.“ Ich zwinkerte ihr zu.
„Danke.“
„Ich hab gehört, Alex und du -“, begann Abby vorsichtig und unterbrach. Ihre Augenbrauen gingen fragend hinauf.
„Was soll sein?“ Meine gingen hinab.
„Ihr standet Nase an Nase. Kathy meinte, du hast sie fast angegriffen.“
„Ich?“ Ich war ihr Näher gekommen, doch angegriffen? Alex hätte mir eine gescheuert.
„Weißt du nicht, wie du aussahst? Du wirktest wie eine Furie, nein, wie ein fauchender Tiger der zum Sprung anlegt.“ Kathy sah mich verwundert an.
„Ich dachte, Alex würde mir eine runterhauen.“
„Oh nein, es sah aus, als würdest du ihr jeden Moment den Hals umdrehen. Ich glaube, deswegen ist sie auch geflohen. Eine Sekunde länger und du hättest sie geköpft. Ich hatte bereits Angst, dass ich den Krankenwagen rufen müsste.“ Ich schnappte nach Luft. Bei Gelegenheit sollte ich mir über meine Außenwirkung Gedanken machen.
„Die Schnepfe hat es auch verdient.“ Abby sah wütend aus.
„Allerdings“, fauchte Donna, Kathy sah ebenfalls erzürnt aus. Donna war es egal, ob man sie benutzte. Was man mit uns machte, war ihr nicht egal. Sie hätte Alex auf jeden Fall die Augen ausgekratzt. Was mir ein Grinsen entfachte bei der Vorstellung.
„Alex ist ein Miststück. Aber ich glaube sie agiert nur unter dem Befehl von jemand anderem.“
„Wie meinst du?“ Donna zog die Augenbrauen zusammen.
„Meine Lieben, ich weiß ihr wollt es nicht wahrhaben, aber Alex ist eine Lesbe und daher denke ich. Gleich und Gleich gesellt sich gern.“
„Sie ist ein Lockvogel.“ Kathy lehnte sich tief in den Stuhl, drehte nachdenklich ihr dunkelblondes Haar um den Finger.
„Schlaue Kathy“, neckte Abby sie.
„Wer kommt besser an das Vertrauen einer Mädeltruppe, als eine andere Frau? Ich würde darauf wetten, dass wir nicht die Einzigen sind, denen das passiert ist. Abgesehen davon, dass es so offensichtlich war.“
„Was für Wichser.“ Donna klang wütend.
„Wie kann man nur so etwas tun?“ Abby war bestürzt.
„Notgeil“, sagte Kathy giftig. Diese Typen hatten bei ihnen auf jeden Fall eine Narbe hinterlassen. Ich sinnierte, wie ich jetzt zu Samuel stehen würde, wäre er nicht erneut aufgetaucht. Konnte ich überhaupt sagen, wie ich zu ihm stand? Stand ich überhaupt irgendwie zu ihm!?
Ich musste an den Kuss denken. Wenn es ihn nicht gegeben hätte ...
„Kann man da nichts machen?“ Donna sah mich an.
„Was willst du da machen? Es war einvernehmlich.“
„Ich meine, ihnen einen auf den Arsch zu geben. Du hast die besten Chancen, ich meine, wenn er wieder kommt.“
„Ich blicke nicht durch.“ Da konnte ich Abby nur recht geben, was genau wollte sie andeuten?
„Leute nicht so begriffsstutzig! Manipulier den Kerl, zeig ihm, was ne Hacke ist. Mach einen auf Troublemaker, treib einen Keil zwischen diese Typen. Mach einen auf Bitch. Ich meine, wenn du ihn erst am Hacken hast, frisst er dir aus der Hand und dann zerschmetterst du ihn und sie werden sehen, wie es ist, wenn man sich mit einer richtigen Frau anlegt. Abgesehen davon, dass sie sicherlich ordentlich Dreck am Stecken haben.“
„Du willst mich verarschen?“ Glaubte sie, ich sei Wonder Woman!? Wie sollte ich einen Typ so um den Finger wickeln? Vergangene Nacht hätte ich ihr sicherlich zugestimmt, doch mit klarem verstand wusste jeder von ihnen, das ich so nicht war. Ich konnte den man nichts vorspielen und ihn dann zerschmettern.
„Ich meine, diese Typen brauchen einen Denkzettel. Ein Rüttler. Sie sind zu kalt, zu berechnend. Ich glaube, dass sie irgendwelche Scheiße am laufen haben. Habt ihr nicht auch ihn gesehen?“
„Du musst schon genauer werden, denn es gab mehrere ihns.“ Abby und Kathy schienen sich rauszuhalten.
„Den Eisengel.“ Nun wusste ich, wen sie meinte. Ja das war er, ein Eisengel. Klar, berechnend, gefährlich. Ein Grund mehr, um nicht mit ihnen zu spielen.
„Der Typ auf dem Gerüst.“
„Ganz genau“, bestätigte sie mich.
„Kreativ.“
„Danke.“ Ich blickte auf den See. Selbst jetzt, lief mir ein schauer über den Rücken, wenn ich an ihn dachte. Donna hatte recht, der Mann war tödlich. Alles an ihm hatte nach gewallt geschrien. Also wieso sollte ich mich mit ihnen anlegen? Weiter als ich es sowieso schon getan hatte.
„Das ist keine gute Idee.“ Kathy sah zu mir herüber.
„Ich glaube, deine Kreativität geht mit dir durch Donna“, befürchtete Abby und Donna zuckten mit den Schultern.
„Ich denke, dass er der Anführer dieser Trupps ist“, spekulierte Donna.
„Würde mich nicht wundern.“ Ich sah die Mädels wieder an.
„Ich meine nicht, dass du dich in die Schusslinie bringen sollst. Doch etwas Trouble hat noch nie geschadet. Einfach ein klitzekleiner Denkzettel. Ein gebrochenes Herz oder Ähnliches. Das würde schon reichen.“
„Ein gebrochenes Herz?“ Abby klang belustigt, als wäre es nicht möglich. Ich selbst konnte mir kaum vorstellen, das Samuel überhaupt ein Herz besaß.
„Wie soll ich das bitte schaffen?“
„Wieso sollt er immer wieder kommen, Need? Lust und Verlangen ist die eine Sache, doch wieso sollte man es sich auf diese komplizierte Art holen, wenn es viel einfacher ginge?“ Sie hatte recht. Wieso? Hatte ich es ihm wirklich schwer gemacht? Wohl kaum. Er hatte mich die letzten beiden Male mehr in der Hand gehabt, als ich ihn. Donna bemerkte meinen Blick.
„Need, du hast seine Matratze in den Dreck geworfen und ihm gezeigt, was du von seinem Sex hältst.“ So hatte ich es noch nicht gesehen. Es war ein klares Zeichen gewesen. So weit hatte ich es nicht gedeutet.
„Da ist was dran, und außerdem ...“ Sie blickten mich alle an. „Samuel küsst nicht gern.“
„Und?“ Donna runzelte die Stirn.
„Beim letzten Mal stellte ich ihm ein Ultimatum. Ein Kuss für seine Erleichterung.“
„Und du meinst, deswegen kommt er wieder?“ Kathy legte den Kopf leicht schief.
„Er will sie und wird alles tun, um sie zu bekommen, da bin ich mir sicher.“ Wir blickten zu Donna, ihr Mundwinkel hatte eine Spitzes hinterhältiges Grinsen angenommen.
„Alles nur eine Frage der Zeit“, murmelte ich.

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