9: Kae

„Kann… ich dein Shampoo benutzen?“, stammelte ich. Es war mir unangenehm, das zu fragen. Erstens hatte ich Adrian zuvor nicht gerade nett behandelt, zweitens kam das unglaublich komisch rüber. Aber als ich mich unter die Dusche gestellt hatte fiel mir mal wieder ein, dass sich mein Eigentum auf ein paar Stücke Kleidung begrenzte, was hieß dass sich auch kein Shampoo oder Duschgel darunter befand.
Adrian lächelte verschmitzt. „Stört es dich dann nicht, wenn du nach mir riechst?“, säuselte er. Oh, er hatte mal wieder mächtig Spaß daran mich aufzuziehen.
Meine Haare klebten nass an meinen Schultern, Wasser tropfte auf den Boden. „Du musst am Ende mit mir einkaufen gehen. Ob ich da nach dir oder nach Blut, Schweiß und Dreck rieche ist nicht mein Problem“, schilderte ich. Adrian runzelte die Stirn und sah an mir auf und ab. Ob er über meine Frage oder mein momentanes Aussehen nachdachte, verriet sein Gesichtsausdruck. Er dachte eindeutig über mein Aussehen nach.
Dieses dämliche, versaute Grinsen. Sobald wir nach draußen kämen würde ich ihn direkt vor den Bus schubsen.
Nachdem er anscheinend lange genug auf meine spärliche Bekleidung, oder besser gesagt auf meine Brüste gestarrt hatte, antwortete er mir. „Gut, benutz es. Aber du riechst dann wirklich nach mir“, bedingte er und wand sich von mir ab. „Es wird mich schon nicht umbringen.“
„Dass gerade du das sagst.“ Er drehte seinen Kopf noch mal zu mir, wieder mit dem Grinsen dass mich langsam in den Wahnsinn trieb, auf wahrlich negative Art und Weise.
Also, wenn er irgendeine Spezialtechnik bei Frauen mit denen er schlief verwendete, um sie zu verführen, hatte er sie bei mir nicht mal ansatzweise eingesetzt. Alles was ich an ihm fand war der trainierte Körper – von charakteristischen Eigenschaften ließ er nicht gerade seine Schokoladenseite blicken. Aber was erwartete man auch, vermutlich brachte er die Weiber mit einem aufgesetzten Lächeln und absolut gespieltem Charme um den Verstand. Denn wenn das, was er mir präsentierte, sein wahres Ich war, konnte er von einer echten Beziehung nur träumen. Wenn er jemals etwas wie das in Betracht ziehen sollte, wahrscheinlich war er mit seinem Singledasein ganz zufrieden.
Ich verschwand wieder ins Bad, unter die warme Dusche. Ich öffnete Adrians Shampooflasche und roch daran. Es roch wirklich nach ihm, es war genau der Geruch der mir immer in die Nase stieg wenn er vor mir stand oder an mir vorbei lief. Ätzend.
Unbehaglich massierte ich den Schaum in mein Haar und verteilte ihn auf meiner Haut. Die noch nicht verheilten Wunden darauf brannten wie Feuer, der Schaum machte das Ganze noch schlimmer. Ich kniff die Augen zusammen und wartete, bis der Schmerz abebbte, damit ich wieder einigermaßen entspannt weiter duschen konnte. Nichts da, die offenen Schrammen und Schnitte meinten es nicht gut mit mir, das Ziehen und Brennen wurde heftiger. Ich schloss den Wasserzugang und tappte aus der Dusche. Mein Handtuch von davor behielt seine leichte Nässe, doch ich wählte kein anderes aus. Zum abtrocknen war es schließlich noch im Stande.
Nachdem ich mich angezogen hatte entfernte ich mich vom Badezimmer, schnüffelnd an meinen Haaren, die nach Männerduft rochen. Ich musste mir dringend ein eigenes Shampoo besorgen.
Adrian erhob sich von der Couch, auf der er sich niedergelassen hatte und stellte sich vor mich. Wie schon öfter fiel mir auf, wie groß er war. Ich gegen ihn wirkte fast schon kleinwüchsig.
„Gehen wir dann mal?“, fragte er, die Hände in die Hosentaschen seiner dunklen Jeans gesteckt. Ich schlängelte mich an ihm vorbei und schlüpfte in meine Schuhe. „Jepp. Kann losgehen“, bestätigte ich und blies mir eine nasse Strähne aus dem Gesicht. Meinen Pony hatte ich zu einem Seitenscheitel gekämmt, nicht, weil mir Adrian gesagt hatte meine Frisur würde mir nicht stehen, sondern eher wegen dem tropfenden Zustand. Oder vielleicht auch doch. Oder nicht. Nein, ganz sicher nicht.

Wir gingen die Straße entlang, immer wieder schlug mir eiskalter Wind ins Gesicht und ich war mir sicher, meine Wangen hatten sich deswegen schon gerötet. Ich verschränkte die Arme und zog meine Schultern hoch, ich hatte nicht mehr als meine Jacke übergezogen, da ich ja wie schon bemerkt nichts anderes hätte anziehen können.
Verflucht, ich zitterte schon. Adrian neben mir ignorierte das völlig, es ließ ihn wortwörtlich kalt. Oder besser gesagt nicht, er rannte im Hoodie rum und zeigte nicht ein Anzeichen dafür, dass ihm kalt wäre. Was für ein Immunsystem besaß der denn?
Am Supermarkt angekommen war ich erleichtert zu merken, dass sie heizten. Wenn ich in ein noch kälteres Gebäude hätte marschieren müssen, wäre ich schnurstracks wieder zurück in die Wohnung gegangen. In der war es zwar auch kühl, allerdings weniger als draußen. So langsam verstand ich auch, warum Adrian so wenig heizte. Vermutlich bemerkte er die Kälte nicht mal. Mir war dabei durchgängig kalt, der einzige warme Moment in den letzten 24 Stunden war unter der Dusche. Oha, eine schwere Zeit kam auf mich zu.
Ich griff mir einen Korb für die Sachen, die wir in Begriff waren einzukaufen.
„Was brauchen wir alles?“, fragte ich Adrian, der hinter mir stand. „Keine Ahnung, du bist die Frau im Haushalt“, antwortete er desinteressiert und guckte sich um. Bis vor ein paar Stunden sollte ich meinen Kack noch selbst kaufen, jetzt sollte ich auf einmal seinen Kack kaufen. Seine Meinung konnte er ja schnell ändern.
„Also, nach dem, was ich im Kühlschrank gesehen habe, brauchst du auf jeden Fall irgendwas Essbares“, merkte ich an. Ich setzte mich in Bewegung und steuerte auf die Kühlregale zu. „Und was isst du so?“ Ich drehte mich um und wartete auf eine Antwort. „Normalerweise Fleisch“, murmelte er. Er hatte seine Hände wieder in den Hosentaschen versenkt und stand inmitten der Regale. „Fleisch, und sonst?“
Er überlegte. Ging der Typ denn nie einkaufen? Außer Fleisch müsste man, dachte ich, auch etwas anderes zu sich nehmen. Ich zweifelte immer mehr daran, je den Ernärungsplan dieses Kerls zu ergründen.
„Salat esse ich auch.“ Na toll. Das war ja mal ne Antwort.
Ich bemühte mich gar nicht erst zu fragen, welche Art von Salat er aß. Es gab so unwahrscheinlich viel und wenn ich ihn fragte, grübelte er bis Morgen hier rum.
Ich seufzte. „Adrian, weißt du? Ich koche uns was. Wenn du mir nicht sagen kannst was du isst musst du halt das essen, was ich esse“, sagte ich. Adrian neigte den Kopf und runzelte die Stirn. „Ich habe dir gesagt was ich esse, Fleisch und Salat. Reicht das nicht?“
Ich gab auf, mit so jemandem zu diskutieren machte keinen Sinn. Dann verschwand ich zwischen den Regalen und ließ Adrian an seinem Platz zurück.

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