Abreise

Vivien trug ihr Gepäck in ihr Auto, als die Stimme ihrer besten Freundin aus dem kleinen Haus rief, in dem die zwei seit etwa 4 Monaten wohnten: "Vivi komm mal her!"
Sie tat wie ihr geheißen und schlenderte in ihr Wohnzimmer, in dem Sissil auf dem dunkelroten Ledersofa saß und sich ein Interview mit Debrah im Fernsehen ansah.
Vivien setzte sich zu ihr.
Schon wenn sie diesen Namen hörte könnte sie würgen.
In dem Moment erklang wieder die falsche Stimme ihrer Konkurrentin im Raum: "Ich denke wir alle wissen, dass ich viel besser als die Shining Night's bin! Wurde auch langsam Zeit, dass sie das einsehen."
Vivien stieg sofort das Blut in den Kopf. Sie hasste dieses Mädchen.
Sissil, die von den beiden Freundinnen die ruhige und gefasste war, legte ihr den Arm um die Schulter. Sofort traf sie die altbekannte Kühle ihrer Freundin.

"Mach dir keinen Kopf! Lass sie einfach reden! Wir machen jetzt erst mal unseren Abschluss und dann sehen wir, wie wir ihr das Handwerk legen!"
Natürlich durften sie sich jetzt nicht aufregen.
"Ja... aber... sie ist so...!" Vivien fand kein Wort, was Debrah's auch nur annähernd beschreiben könnte.
"Ich weiß!" Sissil's Stimme wahr gelassen und wirkte besänftigend auf sie.
"Ach Sisi, wie ich mich freue endlich mal nicht's mit all dem Trubel zu tun zu haben."
Sissil nahm die Fernbedienung und brachte ihren Feind damit zum Schweigen.
"Komm, die Koffer sind ja jetzt alle im Auto."

Vor einem Monat hatte ihr Manager beschlossen ihrer Bitte zu folgen. Beide wollten endlich ihren Abschluss machen, den sie wegen ihrer Tour verschieben mussten. Er hatte dafür gesorgt, dass sie an einem Gymnasium in Ruhe arbeiten konnten, ohne dass jemand wusste wer sie waren.
Das Gute war, dass sie sich nicht mal sonderlich verändern mussten. Bei ihren Konzerten trugen sie immer eine Maske über die Augen und die Kleider die sie auf der Bühne trugen, würden sie niemals in der Öffentlichkeit tagen.

Bei Interviews durften sie auch immer ihre Masken tragen. Sie bestanden aus vielen kleinen Ranken, die hier und da sogar kunstvolle, kleine Flammen warfen. Sissil ihre war dunkelrot, während Vivi ihrer, aus einer Mischung aus rot und lila bestand.

Als die Beiden das Haus verließen, schloss Sissil hinter ihnen ab und legte den Schlüssel unter die Fußmatte, so wie es mit dem Vermieter abgemacht war. In ein paar Minuten würde er hier auflaufen und das Haus abnehmen. Zum Glück hatten sie in der kurzen Zeit hier nicht viel gemacht, sodass sie nicht viel machen mussten, um das Haus wieder schön aussehen zu lassen.

Auf dem Weg zum Auto, was im Übrigen ein großer schwarzer Audi war, schaute sie sich noch mal um. Auch wenn sie nicht lange hier gewohnt hatten, würde sie es dennoch vermissen.

Vivien saß bereits im Auto, als Sissil dazu stieß. Man hatte ihnen einen Fahrer besorgt, auch wenn sie beide schon ihren vorläufigen Führerschein hatten. Die Fahrt war lang und niemand wollte, dass die Beiden völlig übermüdet ankamen.

So kam es, dass sie auf der Rückbank rumlungerten und ihrer Musik im Radio lauschten. Während Sissil eifrig in ihrem Notizbuch kritzelte, schaute Vivi gedankenverloren aus dem Fenstern. Noch immer war sie nicht vollständig abgeregt. Auch mit ihrer wirklich bemerkenswerten Art, Leute zu besänftigen, konnte Sissil nicht all ihre Wut vernichten. Tief in ihr schlummerte immer ein brodelnder Vulkan, der nur bei einem kleinen Reiz ausbrechen konnte.
Jeder wusste, dass Vivien bei jeder Kleinigkeit wütend wurde. Genauso wie sie wussten, dass nur Sissil den Vulkan vom überlaufen abhalten konnte.
Sie hoffte nur, dass es an der neuen Schule nicht allzu viele Komplikationen geben würde, sodass sie ihre dunkle Seite nicht zeigen musste.

Nach 6 Stunden Fahrt, war es draußen bereits dunkel geworden. Der Wagen hielt quietschend vor einem großen weißen Haus, was fast schon als Villa gelten konnte. Das ganze Gelände war von einen weißen Palisadenzaun umgeben und vom Eingangstor zur Treppe, führte ein gepflasterter Weg. Zu Beiden Seiten wuchsen wunderschöne Blumen in jeder erdenklichen Farbe. Das Graß sah aus als wäre es mit einer Nagelschäre geschnitten worden und es gab sogar 2 Apfelbäume, an denen bereits die dunkelroten Früchte zu sehen waren.
Auch wenn die ganze Straße im Schatten lag, war dieses Haus hell erleuchtet. Überall waren Bodenlaternen versteckt, die dem ganzen etwas magisches verlieh.

Erstaunt von der Schönheit waren Beide aus dem Wagen gestiegen und standen nun mitten im Garten. Ihr Fahrer schleppte ihre Koffer nach drinnen und verabschiedete sich höflich.
"Vielen Dank für die Mühe!" sagte Sissil, während Vivien sich schon in das Haus begab.
Schnell folgte auch Sissil.

Im Eingangsbereich fanden sie einen großen Schuhschrank, sowie eine Reihe von silbernen Kleiderhacken. Zwei weitere Bögen führten rechts von ihnen in weitere Räume und auf der anderen Seite führte eine Wendeltreppe in den zweiten Stock.

Zuerst begutachteten sie die Küche, die hinter dem ersten Bogen zu finden war. Alles war schneeweiß bis auf die Arbeitsblatten, die in einem hellen matten grau gehalten waren.
"Man ist die groß." staunte Vivi.
"Na du wirst sie ja nie nutzen, Pizzafresser!" Sissil lachte und ihre Freundin streckte ihr gekonnt die Zunge heraus.
An der Wand die mit dem nächsten Zimmer verbunden war, hatte man ein Loch über der Anrichte gelassen, sodass man schon von hier in das geräumige Wohnzimmer sehen konnte.

Vivien verlies sofort die Küche und machte es sich auf dem großen schwarzen Sofa gemütlich.
Bis auf die Sitzgelegenheiten und den Fernseher war auch hier alles in Weiß gehalten.
"Ich fühl mich wie in einem Krankenhaus...! murrte Vivi leise vor sich hin.
"Ach komm schon. So schlimm ist es gar nicht und es zeugt von Reinlichkeit."
"Du redest wie meine Mutter. Ich bin froh, dass unsere Eltern nicht auch hier wohnen."
Sissil ignorierte diesen Ausspruch und schaute sich um. Außer dem Sofa gab es noch zwei weitere Sessel die um einen Glastisch herum standen. Darunter lag ein großer, flauschiger, weißer Teppich. An der Wand, zu der das Sofa zeigte hing ein gigantischer Flachbildschirm.
Vivi hatte offenbar ihren Blick bemerkt.
"Ich glaube nicht, dass ich Debrah's Bratze heute nochmal sehen kann!"
Sissil grinste: "Schon klar!" und schaute wissend zu ihrer Freundin.

An der Wand wo sich der Eingang befand, fand man eine Schrankwand vor, die hier und da mit Büchern zugestellt war. Durch die Glasscheiben sah sie, das Manuel, ihr Manager, ein paar Bilder ihrer Familien dort aufgestellt hatte.

"Hey Sisi, es ist spät und morgen müssen wir früh raus. Manuel hat uns keine Zeit gelassen uns einzuleben... Komm und leg dich hin, du kannst auch noch morgen das Haus erkunden. Es läuft ja nicht weg!"
Vivien gähnte genüsslich und kullerte sich in einer Sofaecke zusammen.
Langsam tappte auch Sissil zu ihr und legte sich neben ihre beste Freundin.
"Gute Nacht Süße." murmelte sie noch, dann schlief sie ein.

 

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media