Agentin Skovic

Er war angetrunken und bekam sowieso keinen hoch, aber es machte ihm Spaß mich zu schlagen. Er liebte das Geräusch schallender Ohrfeigen und er schrie: "Weine du Hure! Warum weinst du nicht! Ich will Tränen sehn du verkommenes Luder!" Er schlug wieder und wieder zu und ich lachte ihn aus, fragte ihn ob er keinen Schwanz mehr hätte. Es machte ihn rasend. Er holte sein Messer raus, und begann mich damit zu ritzen. Mit einer Hand hielt er meine Hände zurück, mit der Anderen verletzte er mich. Immer darauf bedacht, mich nicht wirklich zu entstellen, denn dann hätte er nicht mehr an mir verdient. Als er mich zum Spiegel zerren wollte, gelang es mir, ihm ein Bein zu stellen. Er fiel in sein eigenes Messer. Aber wer glaubt dir das? Er blutete stark. Ich rief die Polizei und die Rettung aber es war zu spät. Er verblutete noch bevor die Rettung kam in Anwesenheit der Polizisten, die seltsamerweise anständig zu mir waren. Auch der Richter wollte mich wohl nicht als Mörderin im Gefängnis sehen. Er hatte etwas Anderes mit mir vor. Ich konnte mir eine Verurteilung ersparen, wenn ich für mein Vaterland in den Geheimdienst eintrete und meine Schuld im Dienste Russlands abtrug. Ich wurde ausgebildet, aber nicht auf die Art, wie ihr das im Kino seht. Ich war und bin keine Agentin im Sinne von Nikita oder James Bond. Ich hatte zwar Nahkampfausbildung und sogar Dienst an der Waffe, aber nur zu Defensivzwecken. Man ist in diesem Job niemals Aggressor. Man verteidigt sich im Notfall, versucht aber, diesen von vornherein zu vermeiden! Ich sollte gar nicht in potentielle Gefahrenbereiche entsandt werden. Eigentlich wurde ich in diese Gegend geschickt, um über die Wirtschaftliche Situation nach Hause zu berichten. Mein Agentenvater brachte mich hierher und blieb etwa ein halbes Jahr, um mich in mein Resort einzuführen. Danach trieb ich ein wenig Wirtschaftsspionage. Mein stärkster Einsatz war, das Original eines deutschen Patents bereits im Grosshandel mit russischen Plagiaten zu untermischen, um Zweifel an der Qualität desselben zu erzeugen und somit dem Hersteller zu schaden, bis er sein Unternehmen an eine russische Gesellschaft verkaufte. Völlig unspektakulär. Es gibt natürlich auch schärfere Agenten, wie Kremer. Der lebt in Deutschland und spielt tatsächlich ein Wenig James Bond. Es ist aber nicht so, das so ein Agent die Lizenz zum Töten hat. Vielmehr ist er dazu angehalten, möglichst unauffällig ohne Verluste zu agieren. Es sei denn, er wird mit einem Mordauftrag losgeschickt, aber das machen die Amis und die Juden genauso. Allerdings sollte man so einen Menschen nicht provozieren, Peter, denn er hätte Möglichkeiten genug, sich schadlos zu halten, wenn er dich töten will. deshalb würde er es auch tun. Die Ausbildung, die diese Jungs haben, ist aggressiver, als meine. Um solchen Agenten, wenn sie durch ihre aggressive Ausbildung über die Stränge schlagen, Einhalt zu gebieten, setzt man Schläfer wie mich ein. Da ich meine Schuld für mein Vaterland abgetragen hatte, konnte ich den Dienst quittieren und brauchte nichts dergleichen mehr zu tun. Ich hatte mich entschlossen hier zu bleiben und wurde mit einem Dienstgrad und einer Befehlsgewalt ausgestattet, die mir erlaubt, eventuell in unseren Breiten laufende Einsätze zu beobachten und aus dem Ruder gelaufene Einsätze zu deeskalieren. Es gab seit Jahren keine geheimdienstlichen Aktivitäten mehr. Deshalb hatte ich schon jahrelang keine Verbindung mehr  zu Moskau, doch heute war ich sehr froh, das mein Passwort immer noch Gültigkeit hatte. Leonhard, Ich hatte immer geglaubt in Peter verliebt zu sein, weil er mir damals als Einziger mit Respekt begegnete, obwohl er keinen Zweifel daran lies, dass er mich nicht mochte. In seiner Gegenwart traute sich keiner, mich respektlos zu behandeln. deshalb träumte ich immer davon, einmal seine Frau zu werden. Als dann Ricarda den Schauplatz betrat, war aus dem Single Peter ein unerreichbarer, verliebter Peter geworden. Mein Traum war zerplatzt wie eine Seifenblase! Das öffnete mir die Augen und ich konnte endlich weinen. Nach über zwanzig Jahren liefen wieder Tränen über meine Wangen und gleichzeitig wurde mir klar, dass ich den Mann, den ich liebe, in Wirklichkeit schon lange gefunden hatte.  Nun bin ich Ricarda eigentlich zu Dank verpflichtet, hat sie doch unbewusst dazu beigetragen, mir die Augen zu öffnen. Es ist nicht leicht diese Dinge einfach auszusprechen, als seien sie ganz normal. Ich liebe dich wirklich Leonhard aber ich kann von dir nicht verlangen, jeden Tag neben einer Hure einzuschlafen, die ihren Peiniger auf dem Gewissen hat. Ich kann nur hoffen, dass du mich immer noch willst...

Kommentare

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    Sehr interessant mehr von Irina zu erfahren, eine spannende doch natürlich auch traurige Geschichte! 5/5 wie immer :-)

  • Author Portrait

    Kompliment, wie ergreifend du Irinas tragisches Schicksal erzählst. Es geht wirklich unter die Haut und lässt mich als Leser wirklich mit ihr mitleiden. Ich würde dir gerne nochmal fünf Sterne geben, wenn das ginge ;-)

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Feenstaub

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