Animalrider (35)

Schliesslich tauchten die ersten ziemlich heruntergekommenen Häuser und Trailer der Pine Ridge Reservation auf. „Menschenwürdige Unterkünfte in den Reservationen sind eine dringende Notwendigkeit“, sprach William. „Viele Leute wohnen in überfüllten Trailern, die aus billigem Material bestehen. Die Häuser sind ebenfalls oft überfüllt und weisen an allen Ecke und Enden Mängel auf. Es werden deshalb ständig neue, erschwingliche Hauskonstruktionen getestet. Dabei werden vor allem organische Materialien wie Holz, Lehm Hanf etc. verwendet. Vor einiger Zeit wurde das erste, sogenannte Hanf- Haus gebaut. Der Hanf lässt sich gut von den Lakota selbst anbauen. Es gibt jetzt schon mehrere Öko- Häuser hier. Langfristiges Ziel ist es ein richtiges Dorf mit allen nötigen Einrichtungen zu bauen. Doch es geht alles immer recht zähflüssig voran, da wir eben mit vielen Problemen zu kämpfen und auch unter Geldmangel zu leiden haben. Dazu kommt, dass mein Volk auch bildungsmässig immer etwas hintendrein hinkt, weil wir einfach zu wenige Ressourcen für ein gutes Schulsystem haben. Unsere Kinder auf eine weisse Schule zu schicken ist auch nicht immer so einfach, weil es dort immer noch Anfeindungen und Rassismus gibt.“ „Weisse Feder geht aber auch auf eine weisse Schule.“ „Ja und sie hat sich zum Glück schon gut dort eingelebt. Sie ist ein sehr intelligentes, wissbegieriges Mädchen. Ich glaube, dass sie einst ziemlich weltgewandt werden wird und für uns mal viel erreichen kann. Gerade wurde ja auch eine Frau zur Präsidentin der Oglala Sioux. Warum soll meine Enkelin es nicht auch schaffen? Jedenfalls versuche ich stets optimistisch zu sein. Es gilt einfach aus dem was man hat, dass Bester zu machen. Es hilft bestimmt nichts, wenn mein Volk sich dem Alkohol hingibt und resigniert. Wir waren einst ein stolzes Volk und wir werden es wieder schaffen, wenn ein neuer Morgen die Welt erhellt. Die Animal Rider sind Teil dieses neuen Morgens.

Nun komm aber, ich zeige dir mein bescheidenes Heim. Es hat nicht viel zu bieten. Wir haben nicht mal warmes Wasser und die schrottreife Heizung fällt regelmässig aus. Doch wir haben ja viele Decken, in die wir uns einwickeln können.“

 12. Kapitel

Endlich, endlich ist es so weit! Kangi und ich werden morgen weggehen. Das Land ist grösser geworden und wir haben genug Platz, uns neu anzusiedeln. Ich bin wirklich glücklich darüber, auch wenn ich es niemals gedacht hätte. Doch seit diese Unstimmigkeiten begonnen haben, ist es hier nicht mehr lebenswert für uns. Der Grosse Rat, tut zwar was er kann, doch die Widerstände werden immer grösser. Viele Tiere und auch Sternkinder, wollen nicht mehr auf den Rat hören. Sie wollen nichts mehr wissen, von den alten Lehren. Viele von ihnen haben uns schon verlassen. Das Volk der Pumas, das der Luchse und auch das der Schlangen, machte sich schon zum Gehen bereit. Ebenso einige Sternkinder, so wie sie es angekündigt hatten. Sie alle wollen ihren eigenen Weg nun suchen, in dieser neuen Welt. Es ist schön hier und doch… kann ich mich noch gar nicht so richtig daran erfreuen, weil dies Zwietracht, die Anfeindungen, denen wir und vor allem Kai die vergangenen Monde ausgeliefert waren, beinahe unerträglich gewesen sind. Auch unsere Liebe wurde auf eine harte Probe gestellt. So ganz dasselbe ist es zwischen uns nicht mehr, seit all diesen Vorfällen. Wie haben uns irgendwie voneinander entfernt. Kangi ist immer mehr in sich gekehrt. Ich weiss, dass er unerträglich leiden muss und ich will sein Leiden nicht noch verstärken, aber… ich weiss nicht genau, wie es zwischen uns weitergehen wird. Meine Liebe zu ihm ist immer noch sehr stark, doch… etwas… ist einfach doch anders. Mein Herz blutet deswegen sehr. Ich hadere sehr mit unserem Schicksal, das muss ich zugeben. Ich hadere damit, dass wir ausgestossen werden aus der Gemeinschaft, die doch schon so ewige Zeiten unser zu Hause ist. Es zerdrückt mir beinahe das Herz, beim Gedanken Grauer Wolf und all die andren, die mir so lieb und teuer sind, für immer zu verlassen. Es wird kein Zurück mehr geben. Doch ich will auch Kai nicht allein lassen. Er ist mir trotz allem wichtiger, als alles andere. Ohne ihn könnte ich mir ein Leben niemals vorstellen. Auch wenn er mir gerade so weit weg erscheint, so fremd manchmal. Grosser Geist, bitte hilf mir!

Ich muss nun aufhören zu schreiben, denn ich muss unsere Reise vorbereiten…

… Meine Hände zittern, während ich das hier niederschreibe. Es ist noch nicht viel Zeit verstrichen, seit meiner letzten Eintrag und ich weiss eigentlich gar nicht, warum ich das alles überhaupt noch weiterführe. Für was und vor allem… für wen? Ich dachte, dass es vielleicht einst für die Kinder und Kindeskinder von Kai und mir, von Nutzen sein würde… doch nun… ich kann es beinahe nicht schreiben, denn Tränen laufen mir in Strömen über meine Wangen und benetzen das Blatt, auf das ich schreibe. Diese Tränen werden immer und ewig auf ihm zurückbleiben und vielleicht wird irgendwann jemand es doch mal lesen und sich meines Kummers dadurch gewahr werden. Die Ereignisse haben sich überschlagen die letzten Tage. Kai und ich wollten uns auf den Weg in unser neues, gemeinsames Leben machen, doch… es kam ganz anders, als wir dachten. Nein! Es ist nicht so, dass wir selbst uns getrennt haben, nein! Kai wurde mir auf schrecklichste Weise entrissen, gerade eben und… ich schreibe das hier nur, damit ich nicht dem Wahnsinn anheimfalle. Dem Wahnsinn scheinen auf jeden Fall einige des Schlangenklans verfallen zu sein. Besonders Braunhaut. Ich hätte niemals gedacht, dass er zu solcher Bosheit fähig wäre. Doch wir hätte ihm niemals trauen dürfen. Er wollte Rache für seinen Vater und diese Rache, hat er nun genommen.

Kangi wurde vor kurzem freigelassen, nachdem er so endlos viele Tage eingesperrt gewesen ist, für etwas, das vermutlich nur Notwehr gewesen ist, denn er sagte mir das und ich glaubte ihm, ich hatte immer Vertrauen zu ihm. Kangi mag vieles sein, aber bestimmt kein Lügner! Braunhaut jedoch und einiger seines Gefolges sind die schrecklichsten Lügner. Sie sagten uns und dem Rat, dass sie sich dessen Entscheidung beugen würden, Kangi nicht zu töten. Dabei haben sie die ganze Zeit darauf hingearbeitet meinen Liebsten zu vernichten. Das ist ihnen nun gelungen… ich… kann beinahe nicht weiterschreiben. Mein Kummer ist gerade so gross, dass mir die Freude am Leben abhanden gekommen ist. Am liebsten würde ich mich hinlegen und einfach nie mehr aufstehen. Ich würde gerne sterben, denn ich glaube im Tode fände ich vielleicht Erlösung. Ich stehe hier auf der Klippe und schaue hinab ins brodelnde Wasser der See. Dort unten liegt Kais Körper irgendwo… er ist vermutlich an einen Felsen zerschellt. Ich… will zum Rat laufen, ihm alles erzählen, doch wir sind schon zu weit von zu Hause entfernt. Ich… bin so allein. Braunhaut hat es geschickt angestellt. Er und seine Getreuen haben noch vor uns die alte Gemeinschaft verlassen. Doch sie haben sich in der Nähe dieser Klippe eingenistet und… die ganze Zeit auf uns gelauert. Sie wussten, wir würden hier vorbeikommen und… als wir hier rasteten, haben… sie uns überfallen. Es war Braunhaut mit noch zwei Duzend anderen Schlagen. Sie… haben uns bis an den Rand der Klippe gedrängt und… dann… hat Braunhaut Kangi gebissen. Braunhauts Gift ist sehr stark und… Kangi… fiel die Klippe hinunter. Er… hatte keine Chance.

Braunhaut und die andern Schlangen hätten auch mich getötet, doch ich konnte mich retten, indem ich hinunter auf ein Felsplateau sprang, das sich ein Stück unterhalb des Klippenrandes befand. Von dort, konnte ich hinüber auf ein paar andere Felsen klettern und mich in Sicherheit vor den Schlangen bringen, welche es nicht wagten mir zu folgen. Nun… bin ich zwar ausser Griffweiter der Schlagen, doch… mein Geliebter ist nicht wieder aufgetaucht. Ich will hinunterklettern, so weit ich kann und ihn suchen. Das Meer ist so wild und ungezähmt, seine Wellen schlagen hoch hinauf, ihre Gischt erreicht mich bereits und ich weiss wirklich nicht, wie ich diese brodelnde Tiefe nach Kai absuchen soll…

Kommentare

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    Oooh... :-(

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