Animalrider (38)

Sie hatte einen wundervollen Traum. Sie war wieder ein Adler, diesmal aber richtig, nicht nur ein Gast in seinem Körper. Sie flog durch ein wunderschönes Gebiet, alles leuchtete im Sonnenlicht, wirkte irgendwie magisch und verzaubert. Der Himmel schimmerte türkisblau es war Sommer, die Prärie unter ihr wirkte fruchtbar und voller Leben, nicht so karg und struppig wie in Winter. Sie sah unter sich eine Büffelherde die sich friedlich grasend fortbewegte. Das Mädchen breitete seine Schwingen aus und ritt auf dem lauen Wind, der hier oben wehte. Sie hatte ein ganz besonderes Ziel: Ein mächtiger Berg, dessen Spitze seltsam hell in der Sonne glitzerte. Tatsächlich erblickte sie als sie näher kam einen leuchtenden Edelstein, dessen reflektierender Schein sich auf die schartigen Berghänge ergoss. Der Edelstein hatte die Form eines Auges, irgendwie erinnerte dies Nathalie an das Auge Gottes, dass sie auch schon an Kirchen gesehen hatte. Sie flog direkt darauf zu, immer näher, immer näher kam sie und plötzlich veränderte sich der Edelstein, zu einem nebelartigen immer noch augenförmigen Gebilde, wohinter sie die Sterne leuchten sah.

Sie flog weiter und weiter, durchstiess den Nebel und dann… fand sie sich im Weltall wieder! Alles war still und schwarz hier, nur einige Sterne leuchteten ihr noch. Erstaunt sah sie sich um, die Stille und Einsamkeit hier, berührte sie irgendwie seltsam und sie überlegte wohin sie sich wenden sollte. In diesem Augenblick sah sie vor sich eine dunkle, vogelförmige Silhouette auftauchen. Sie hob sich kaum ab vom Hintergrund und flog direkt auf sie zu. Es war eine mächtige Krähe, so gross, wie sie selbst. „Komm mit mir!“ vernahm sie ihre Stimme tief in ihrem Inneren „Ich zeige dir wo alle Geheimnisse liegen!“ Und… in diesem Moment wurde Nathalie eins mit der Krähe…!

Die junge Frau schreckte auf und stellte fest, dass sie wohl eingeschlafen war. Der Wind war nun noch viel kälter geworden und durchdrang jetzt auch die warme Decke, die sie um sich gelegt hatte. Frösteln verschränkte sie die Arme und floh ins Warme. Sie war noch ganz durcheinander von dem besonderen Traum, irgendwie wähnte sie sich noch immer als Teil dieser seltsamen Welt, die sie darin erblickt hatte. Und die Krähe, was hatte es nur mit dieser Krähe auf sich?

Sie musste Morgen unbedingt ihren Mentor fragen und ihm alles berichten! Doch nun war sie sehr müde. Sie liess sich ins Bett fallen, wickelte die Bettdecke eng um sich und schlief noch angekleidet ein.

Am nächsten Tag, war es sehr kalt im Zimmer. Nathalie stand auf und ging schlotternd zum Fenster. Die Welt um sie war ganz weiss! Es hatte tatsächlich über Nacht geschneit, also hatte sie Recht gehabt. Sie glaubte sowieso ihre Sinne seien in ihrer Zeit in Amerika seltsam geschärft worden. Hatte das wohl damit zu tun, dass sie immer mehr zur Animalriderin wurde? Sie zuckte zusammen, denn es klopfte an die Tür. Zum Glück war sie schon angekleidet. Sie fuhr kurz mit ihrer Hand durch das lange Haar und öffnete dann die Tür. Wandernder Bär stand dort mit einem alten Heiz Radiator, den man im Zimmer anschliessen konnte. „Ich dachte, du frierst vielleicht“, meinte er väterlich „mit dem kleinen Ofen hier wird dir gleich wärmer. Wir werden ein Feuer im Kamin machen, sobald wir das Holz geholt haben. Dieser Wintereinbruch überraschte uns alle. Aber es hat schon etwas nach Schnee gerochen.“ „Vielen Dank!“ sprach Nathalie berührt und nahm den Radiator entgegen. „Ja, ich habe den Schnee auch gerochen. Meine Nase ist irgendwie besser geworden seit ich hier bin…“ Wandernder Bär wollte etwas erwidern, doch da rief von unten eine Stimme: „Hej Will, habe hier noch das Holz, hilfst du mir kurz!“ Der Angesprochene warf Nathalie einen entschuldigenden Blick zu und ging dann hinunter ins Wohnzimmer. Die junge Frau ärgerte sich irgendwie, sie konnte es nicht erwarten ihrem Mentor alles zu erzählen was sie letzte Nacht erlebt hatte und nun wurde er wieder zu so banalen Pflichten gerufen, wie Feuerholz hereintragen. „Obwohl“, korrigierte sie sich selbst sogleich „so banal ist das nun auch wieder nicht, immerhin ist es eisig kalt hier und es wird höchste Zeit zu heizen!“ Sie stellte den kleinen Radiator mitten ins Zimmer und steckte ihn bei der nächsten Steckdose ein. Sie stellte ihn auf die höchste Stufe und unter leisem Knarren begann er sich aufzuheizen. Wohltuende Wärme breitete sich sogleich aus. Nathalie sah auf einmal diese Wärme als orangen Schimmer der von dem Gerät ausging. Sie blinzelte ungläubig doch dann sah sie nichts mehr. „Was war das nur? Wurde langsam etwas seltsam das alles. Sie fühlte sich auf einmal wie Spiderman der, nachdem er von einer gen- manipulierten Spinne gebissen worden war, neue ungewöhnliche Kräfte entwickelt hatte. Aber das war doch alles Blödsinn! Sie hatte sich das sicher nur eingebildet, oder es war eine optische Täuschung gewesen…


14. Kapitel


Während Nathalie gemütlich in ihrem Bett geschlafen hatte, war die Nacht für Marc alles andere als gemütlich. Auch er war von dem plötzlichen Wintereinbruch kalt erwischt worden. Gerade noch war er relativ leicht bekleidet am Bach gesessen und hatte meditiert, als der Schnee auf einmal kam. Und mit ihm die beissende Kälte. Er flüchtete sogleich in die Höhle, als der Schnee in rauen Mengen zu fallen begann. Zum Glück hatte er Decken, ein Fell und Feuermaterialien dabei. Mit klammen Fingern begann er ein Feuer vorzubereiten und entzündete es. Dies war gar nicht so einfach, denn eisige Winde und Schneegestöber drangen weit in die Höhle vor. Wenigstens blieb es ganz hinten trocken. Marc fluchte, als sein 4. Streichholz durch den Wind ausging. Er stellte sich mit dem Rücken gegen den Höhleneingang und versuchte so das Feuer abzuschirmen. Das Streichholz brannte nun zwar, doch das Holz wollte ewig lange kein Feuer fangen. Endlich nach ca. einer halben Stunde, hatte er es geschafft. Die eisige Biese drang immer mehr in die Höhle vor und trug mit sich den Schnee. Wenn nur das Feuer endlich richtig anfing zu brennen! Schliesslich entschied Marc, eine einfache Holzkonstruktion mit den Decken zu machen, die ihn und das Feuer abschirmte. Er war handwerklich geschickt und die Konstruktion stand bald. Sie war jedoch sehr niedrig und er musste sich hineinlegen. Das Feuer wurde ebenfalls von der Konstruktion geschützt und er flackerte nun nicht mehr so unruhig. Marc zitterte vor Kälte, zog alle Kleider und Jacken an, schlüpfte in den Schlafsack und wickelte sich in das Fell. Die Decken hielten zwar den Wind etwas ab, aber die Kälte nur bedingt. Doch zum Glück brannte nun das Feuer und seine Wärme sammelte sich etwas in dem kleinen Schlupf. Dennoch war es eine unangenehme Situation. Marc überlegte, ob er seinen Mentor rufen sollte und fragte sich irgendwie auch, warum dieser nicht schon aufgetaucht war. Vielleicht wollte er ihn testen, sehen ob er aufgab, oder sich zu helfen wusste. Nein, Marc würde nicht so schnell aufgeben, das lag nicht in seiner Natur! Eine Nacht würde er jetzt wohl noch durchstehen, dann konnte er Snakeman immer noch rufen. Vielleicht hielt er es auch etwas länger aus, wenn das Feuer munter genug brannte. Nur an schlafen war wohl nicht so wirklich zu denken, denn er durfte das Feuer nicht ausgehen lassen.

Langsam wurde ihm wärmer und wärmer. Er ass ein wenig von seinem Proviant und trank aus der Feldflasche, die er mit frischem Bachwasser gefüllt hatte. Eigentlich fehlte es ihm ja an nichts, nur der Gedanke nicht schlafen zu dürfen gab ihm zu denken, denn er war doch recht müde. Er versuchte sich etwas abzulenken, indem er alles was ihm die letzte Zeit widerfahren war nochmals revuepassieren zu lassen. Er dachte über all die seltsamen Erlebnisse nach, die er mit den Totemtieren und auch realen Tieren erlebt hatte. Und… er dachte an Nathalie. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie ihm ferner war als jemals zuvor. Sie schien ihre Energie von ihm abgezogen zu haben. Er fühlte das einfach und irgendwie machte es ihn traurig und auch wütend auf sich selbst. Warum war er nicht klüger gewesen? Warum hatte er sie so behandelt? Was war es, dass es ihm so schwer machte eine Bindung zu andren Menschen einzugehen? Was machte es ihm so schwer Vertrauen zu fassen? Was war es, dass ihn so ruhelos machte? Er hatte es noch nicht herausgefunden. Etwas fehlte ihm noch, um zur nötigen Erkenntnis zu gelangen… er war müde… so müde… aber er durfte nicht einschlafen, sollte er doch seinen Mentor rufen? Nein! Er wollte das nicht. Er wollte nicht aufgeben… nicht aufgeben… und dann fielen ihm doch die Augen zu und er schlief ein.

Die junge Klapperschlange, hatte ganz helle Haut, heller als andere ihrer Art. Sie war eierschalenfarbig, mit leicht gelblicher Zeichnung (eine Albinoschlange). Irgendwie hatte sie es bisher versäumt, sich einen Ort für die Winterruhe zu suchen, weil es bisher noch immer so warm gewesen war. Doch nun war der Winter ganz plötzlich da und sie musste einen Unterschlupf suchen. Wärme strömte aus einer Öffnung im Fels und sie kroch darauf zu. Der Schnee war eiskalt, sie konnte sich nur langsam fortbewegen. Wenn sie nicht bald an die Wärme kam, war sie zum Tode verurteilt. So kroch sie und kroch sie immer weiter, bis sie zu der Öffnung kam, aus der ein sanftes, goldenes Licht floss. Sie sah es zwar nicht, aber spürte es und sie kroch weiter und weiter. Eine Höhle öffnete sich vor ihr und sie schlängelte sich hinein. Die Wärme kam von da hinten und sie kroch weiter. Dort brannte ein Feuer, doch ihre Sehnsucht nach Wärme war grösser, als die Angst vor den Flammen. Neben dem Feuer lag ein Mensch, ein Mensch, der ein seltsames Zeichen auf sich trug, dass ihn als Freund aller Tiere auszeichnete, doch… da war noch etwas Anderes, etwas dass die Schlange dazu veranlasste innezuhalten. Ein Freund aller Tiere ja, doch… ob auch der Schlangen? Irgendwie klebte Blut an seinen Händen, Blut ihrer Ahnen… auf seiner Seele. Dennoch… es war so schön warm hier und sie kroch hinein in den kleinen Unterschlupf in dem der Mensch lag. Er schlief und bedeutete gerade keine Gefahr. Seine Wärme half der Schlange ihre Körpertemperatur wieder etwas zu erhöhen und sie fühlte sich gleich besser. Das flackernde Feuer tat sein Übriges. Die Schlange ringelte sich zusammen und bereitete sich auf ihre Winterruhe vor…

 

Kommentare

  • Author Portrait

    Das klingt nun nicht gerade kuschelig... ;-)

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Feenstaub

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