Animalrider (41)

Er stand plötzlich auf einer Klippe weit oben, unter ihm rauschte die wilde See. Und da war noch jemand bei ihm, ein wunderschönes Mädchen, das ihm sehr ähnlich sah. Sein Herz klopfte heftig, als er sie erkannte. Es war Nathalie damals vor unendlich langer Zeit. Sie kam auf ihn zu und umarmte ihn. Trauer, jedoch tiefe Zuneigung lag in ihren dunklen Augen und sie flüsterte: „Nun, sind wir also ganz allein auf uns gestellt. Was sollen wir nur tun Kai?“ Marc wollte ihr antworten, doch er konnte es irgendwie nicht. Er hielt sie einfach fest, fühlte ihren weichen Körper, ihren wundervollen Duft, ihre Liebe und ihren Schmerz und dieser Schmerz wurde zu seinem Schmerz. Dann jedoch, spürte er erneut plötzlich einen stechenden Schmerz in seinem Bein! Er schaute hinunter und in diesem Moment, betrachtete er wieder alles von Aussen. Er sah sich selbst als Kangi, wie er sein Bein festhielt. Er schrie und blickte entsetzt auf eine braune Schlange zu seinen Füssen. Es war eine gefährliche Giftschlange, er kannte sie. Man nannte sie Braunhaut und sie war der Sohn von Schwarzer Zahn gewesen, den er umgebracht hatte. Kangi taumelte und alles verschwamm vor seinen Augen. Er versuchte sich zu bewegen, doch irgendwie fiel es ihm unendlich schwer, er spürte wie die Lähmung mehr und mehr seinen Körper befiel. Diese Lähmung war das Zeichen dafür, dass er verloren war. Er würde sterben. Er taumelte und versuchte sich von der Schlange in Sicherheit zu bringen, doch diese zischte laut und biss immer und immer wieder zu. „Nein Kai! Nein!!“ hörte er Suna schreien. Doch auf einmal tauchten noch mehr Schlangen auf und diese umkreisten die junge Frau. Sie versuchte mit einem Satz zu ihrem Liebsten zu gelangen, der immer weniger Herr seines Körpers war und Braunhaut stiess immer und immer wieder zu. Blut quoll aus vielen Duzend Wunden und Suna schrie noch verzweifelter. Marc beobachtete dieses Schauspiel und es lief ihm eiskalt den Rücken hinunter. Die Schlangen trieben sein altes Ich immer weiter auf den Abgrund zu, ebenso auch Nathalies altes Ich. Und dann… verlor Kangi den Halt und stürzte über die hohe Klippe hinunter. „Warum!“ schrie Suna „Warum hast du das getan Braunhaut? Warum musstest du ihn töten?“ „Das weisst du ganz genau“, zischte nun die Schlange voller Verachtung. „Er hat meinen Vater ermordet.“ „Aber… dein Vater wollte ihn doch zuerst töten!“ „Das sagte Kangi, aber ich glaubte ihm niemals. Nun hat er seine Strafe erhalten und du wirst ihm in Kürze folgen.“ Suna liess sich auf die Knie fallen und schluchzte laut. Sie streckte ihre Hand nach Kangi aus, der irgendwo da unten lag. So viele Schlangenbisse von einer Braunschlange konnte er niemals überleben. „Kangi nein, nein, nein!“ Marc war zutiefst bewegt und es kamen ihm selbst die Tränen, doch es war mehr das Leid, welches seine einstige Liebste empfand, das ihn so durchschüttelte, als sein eigenes, damaliges Schicksal. Er wollte zu ihr laufen, doch es ging nicht. Und… die Schlangen krochen näher und näher an das Mädchen heran… Dann jedoch, passierte etwas, dass Marc einen verzweifelten Schrei entrang. Das alte Ich von Nathalie stürzte sich einfach mit einem Sprung hinunter in den Abgrund. Nein! Nein!!“ Er konnte sich nun wieder bewegen und lief ohne auf die Schlangen zu achten, zum Klippenrand. Und was er dann sah, liess sein Herz einen plötzlichen Freudensprung machen. Suna war hinunter auf eine kleine Plattform gesprungen, die ein Stück unter dem Klippenrand lag und hatte sich so vor den Schlangen in Sicherheit gebracht. Die Schlangen konnten ihr dorthin nicht folgen und Braunhaut zischte voll unbändiger Wut: „Du wirst uns niemals entkommen, irgendwann finden wir dich und dann wirst du Kangi in den Tod folgen.“ Das Mädchen schaute hinauf, wilde Entschlossenheit lag in ihrem Blick und sie sprach: „so einfach werde ich es euch nicht machen. Ihr werden noch büssen für das was ihr Kai angetan habt. Ihr seid hinterhältig und eine Schande für den Schlangenstamm. Ich verachte euch!“ Mit diesen Worten kletterte Suna geschickt über die Felsen davon und brachte sich weiter und weiter ausser Reichweite der bösartigen Schlangen. Und… in diesem Moment erklang wieder die Stimme der mächtigen Regenbogenschlange und diese sprach zu Marc: „Es ist jetzt genug. Es wird Zeit, dass du zurückkehrst…“


15. Kapitel

Ich weiss nicht warum ich überhaupt noch in dieses Buch schreibe, ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr. Ich habe alles verloren. Kangi, mein Liebster, ich habe ihn zerschellt unten an der Klippe gefunden und ihn so gut es mir möglich war würdig bestattet. Ich kann noch immer nicht glauben, dass so etwas Schreckliches geschehen ist. Was soll ich ganz alleine machen, ständig verfolgt von den hinterlistigen Schlangen, die mit meinen Liebsten einfach entrissen haben. Ich fühle mich so leer, so ausgelaugt, würde am liebsten nur noch schlafen. Ich kann nichts essen und nichts trinken. Immer wieder kommen mir die Tränen und dann weine ich weine einfach nur die ganze Zeit. Doch die Tränen bringen mir auch nicht wirklich Erleichterung, das war sonst immer so. Ich glaube schon bald keine Tränen mehr zu haben. Ich bin so verloren, so allein, schon so weit weg von meinem einstigen zu Hause. Die Welt ist so ganz anders geworden, seit der Flut. Viele Tiere und auch Menschen wandeln umher, erfüllt von Hunger und Durst. So wie ich. Überall lauern Gefahren. Gerade wurde ich beinahe von einem Wolf getötet, der wahnsinnig vor Hunger war. Ich habe ihn besiegen können, nun liegt er tot vor mir in der kleinen Höhle und ich weiss nicht was ich mit ihm machen soll. Ich habe so schrecklichen Hunger, soll ich ihn vielleicht versuchen zu essen? Aber ich kann doch kein Mitglied meines Stammes essen. Nun bin ich hier und habe mein Gelübde gebrochen, niemals ein anderes Geschöpf zu töten. Von essen ganz zu schweigen. Ich ass niemals Fleisch, aber es sieht beinahe so aus, als würde ich es tun müssen, um zu überleben. Trotz des Hungers kostet mich das schreckliche Überwindung. In der neuen Welt hat es kaum etwas Anderes, dass ich essen kann. Ich versuchte schon Fische zu fangen, doch ich erwische sie einfach nicht. Damals in der alten Welt, hatte es so viele kleine Teiche, in denen es hunderte von Fischen hatte, die man mit blossen Händen, oder dem Speer fangen konnte. Doch im weiten Meer hier, ist das kaum möglich. Ich muss einfach schauen, ob ich etwas anderes finde. Vielleicht Muscheln, oder anderes Getier das essbar ist? Ja, ich muss es versuchen. Ich muss, aber… ich fühle mich so schrecklich schwach und krank, schon das Schreiben strengt mich an, dabei ist mir Schreiben sonst doch immer so leicht gefallen. Ich glaube, seit Kai starb, ist ein Teil von mir auch gestorben. Ich fühle mich so schwach so unendlich schwach! Ich muss schlafen, ja ich muss schlafen, vielleicht werde ich nicht mehr erwachen. Doch was spielt es für eine Rolle. Möge Wakan Tanka sich meiner gnädig erweisen!

 

 

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