Ankunft in Riverion

Die untergehende Sonne tauchte den Fluss in feurig rotes Licht und ließ ihn leuchten, wie ein Band aus flüssigem Kupfer. Mitten darauf schaukelte ein kleines Boot in der Strömung, das Segel aus dreckigem Tuch im Wind gebläht. Unter die Schreie der Wasservögel und das Rauschen des Flusses mischten sich das Knarren alter Holzplanken und das Schlagen der Wellen an den Bug.
Der Fischer, welchem der Kahn gehörte, saß am Heck und hielt das Ruder fest mit seinen sehnigen Armen gepackt. Seine Haut war braungebrannt und ledrig. Er hatte die Ärmel seines fleckigen Leinenhemdes nach oben gekrempelt und sich ein Stück Stoff als Schutz vor der Sonne über die Stirn gebunden. Darunter konnte man lockiges, dunkelbraunes Haar erkennen, das an einigen Stellen schon von grauen Strähnen durchzogen war.
Ihm gegenüber saß, zusammengekauert am Bug, ein Mann in einer Rüstung aus gehämmertem Eisen und einer Schärpe aus rotem Tuch. Quer über seine Beine, welche von einer Hose aus grob gesponnenem Flachs mit aufgenähten Metallplättchen bedeckt wurden, hatte er ein Langschwert von beeindruckender Größe gelegt, und unter dem Arm trug er einen offenen Helm. Sein Gesicht war braun gebrannt und er hatte sein schwarzes Haar kurz geschoren. Eine Narbe zog sich quer über sein Gesicht, von der Spitze seines linken Ohres bis zum rechten Mundwinkel. Seine stahlblauen Augen blickten freundlich, aber sie strahlten die Unerbittlichkeit eines erfahrenen Söldners aus.
"Ich bringe uns noch etwas flussabwärts, dort befindet sich eine kleine Insel in Ufernähe an der wir festmachen können."
Die Stimme des Fischers war hart und rau. Es war die Stimme eines Mannes, der es gewohnt war gegen das Heulen heftiger Stürme anzuschreien.
Der Krieger erwiderte nichts darauf, doch er begann sich zu regen und seine Beine nach der langen Fahrt auszustrecken. Er freute sich darauf, nach Riverion zurück zu kehren. In seine Heimat, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, und die jetzt nur noch einen Steinwurf entfernt lag.
Der Fischer holte das Segel ein und das Boot begann seine Fahrt zu verlangsamen. Die Insel von der er gesprochen hatte, kaum mehr als ein Erdhügel der aus dem Wasser ragte, tauchte hinter einer kleinen Landzunge auf. Mit geübter Hand steuerte er das Boot darauf zu, so dass es seitlich am Ufer vorbei zog. Schließlich sprang er über die Reling, watete ans Ufer und machte den Kahn mit einem Seil an einem Baumstumpf fest.
"Da sind wir. Riverion. Das Wasser dort vorn ist flach, dort kommt ihr bis ans andere Ufer, ohne euch den Harnisch nass zu machen. Geht noch etwa 300 Schritt durch das kleine Eichenwäldchen dort am Ufer und ihr werdet die Straße finden."
Darauf sprang der Söldner ebenfalls von Bord und landete mit einem Platschen im Knietiefen Uferwasser. Nachdem er an Land gewatet war, drückte er dem Fischer ein paar Münzen aus einem Lederbeutel in die Hand, welchen er am Gürtel trug, und sagte: "Danke für die Überfahrt. Aegor schütze euch."
"Aegors Schutz hin oder her. Auf den Fluss treibt mich heute nichts mehr. Da hinten zieht ein böser Sturm auf." Er deutete nach Süden, wo sich bedrohliche Wolkenberge am Himmel auftürmten.
"Ich weiß ja nicht, wie eilig ihr's habt, aber bis zum nächsten Dorf ist es mindestens ein halber Tagesmarsch und ich hab in meinem Boot ein gutes Zelt und etwas Trockenfisch zu liegen. Warum leistet ihr mir nicht über Nacht Gesellschaft? Und wenn der Sturm morgen vorüber ist, gehen wir beide unserer Wege."
Der Söldner überlegte einen Moment, dann willigte er ein: "Gut, gegen etwas Gesellschaft habe ich nichts einzuwenden."
Der Fischer grinste und streckte ihm die Hand hin: "Ich bin Fibius. Fischer und Fährmann, zu euren Diensten."
Der andere ergriff seine Hand und stellte sich ebenfalls vor. "Alexus, fahrender Krieger. Zu euren Diensten."
"Also Alexus, was macht ihr hier in Riverion?" fragte Fibius, während er die Vorräte aus seinem Boot holte.
"Ich stamme von hier. Aus einem Vorort der Kaiserstadt genau genommen. Aber ich hatte Arbeit drüben in Sonnweite."
"Sonnweite, ja da gibt es für einen Söldner sicher immer was zu tun." lachte er.
Alexus erwiderte: "Mehr als genug. Wenn das Kaiserreich nicht gerade krieg gegen die Reiche im Osten führt, dann schlagen sich die Fürsten gegenseitig die Köpfe ein oder werfen einen Bauernaufstand nieder."
"Ihr habt dort sicher einiges erlebt, seid viel rum gekommen, was?" Fibius war jetzt damit beschäftigt das Zelt aufzurichten, das aus ein paar stabilen Ästen und grob gegerbten Fällen bestand. Nachdem er damit fertig war, setzte er sich und teilte den Trockenfisch zwischen sich und Alexus auf.
"Die Nacht ist noch jung und ich bin in der Stimmung für eine Geschichte. Warum erzählt ihr mir nicht etwas von euren Reisen? Was tut sich im Osten?"
Alexus blieb eine Weile stumm und blickte auf seine Füße. Dann begann er zu erzählen.

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