Auf der Baustelle

Auf der Baustelle würde bald der Tag Einzug halten. Hier wurde auch Samstags gearbeitet. Stillstände waren auf Sonntage beschränkt und selbst an solchen konnte man den einen oder anderen Unternehmer mit seinen Lehrlingen sehen.  Gerade die Kleinstbetriebe, die neben dem Inhaber nur aus ein oder zwei Gesellen und Lehrlingen bestanden, hatten hier die Chance ergriffen, einen Auftrag zu ergattern. Wenn der deutsche Industrielle für etwas bekannt war, dann für promte und vor Allem gute Bezahlung. 
Andrerseits, wer einen versprochenen Termin nicht einhielt, hatte sofort mit Abschlägen zu rechnen. Nicht zuletzt aus diesem Grund, begann  sich gegen sechs Uhr Dreißig auf der Baustelle auch am Wochenende etwas zu regen. 
Mittlerweile war man auch soweit, auf Sicherheit für Leib und Leben zu achten. Es wurde streng darauf geachtet, das zum Beispiel Helme, Schutzbrillen, Gehörschutz und dergleichen auch getragen wurden. Seit es auf einer Baustelle dieses Bauherren vor zwei Jahren zu einem Unfall gekommen war, bei dem ein Bauschlosser auf einem Auge die Sehkraft verloren hatte, wurde die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften strengstens kontrolliert! Der Unfall damals hätte durchaus auch tödlich ausgehen können. Doch das war nicht die größte Sorge der Bauunternehmen! Die Bauarbeiten wurden damals für mehr als eine Woche eingestellt! So etwas kostet eine Menge Geld! Auch das Arbeitsinspektorrat hatte mittlerweile begriffen, dass man mit einer simplen Verwaltungsstrafe kaum einen Bauträger erschrecken konnte. Das waren Peanuts. Baustopp hieß das Zauberwort. Die Angst, Termine nicht halten zu können Pennale zahlen zu müssen, tat den Subunternehmern weh! Auch der Stillstand gemieteter Werkzeugmaschinen oder Geräte kostete unnötig Geld und verzögerte alles...
Auch der Bürgermeister persönlich, selbst Teilhaber einer der größten Baufirmen des Landes hatte sich heute früh die Zeit genommen, auf dem Bau nach dem Rechten zu sehen. Er würde heute noch einmal mit dem Brantner reden. Der sollte seinem Sohn einmal klarmachen, dass er nichts weiter als ein Nestbeschmutzer war! Ein Emporkömmling, der sich auf die falsche Seite geschlagen hatte. Und dann war der Kerl auch noch zu blöd, sich bestechen zu lassen. Das war ja wohl unglaublich! 

Josef drehte sich im Schlaf und grunzte ein paar unverständliche Laute, merkte aber offenbar, dass er nicht alleine war und legte sich wieder so, dass er Sonja von hinten umschlingen konnte. Sonja, die noch immer nicht eingeschlafen war, schmiegte sich in ein Löffelchen zu ihm und nahm seine Hand. Es fühlte sich phantastisch an, in Josefs Armen zu liegen. Es war einfach schön! Sie musste eine Möglichkeit finden... Aber das war völliger Unsinn! Es war zum verzweifeln! Sie spürte seine gleichmäßigen Atemzüge im Rücken. So bei ihm zu liegen, ihn so nah zu spüren, das hatte so etwas Friedliches, Angenehmes, dass sie schließlich doch noch in einen, wenn auch unruhigen,  Schlaf fiel...

Kommentare

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    Wirklich sehr schön beschrieben! :-)

  • Author Portrait

    Gut beschrieben, der Gegensatz zwischen dem Arbeitsalltag draußen (mit all den unschönen Gegebenheiten!) und dem harmonischen Zusammensein des Liebespaars in noch! kuscheliger Geborgenheit... Auch wenn Christina/Mantodea/Sonja aufgewühlt ist...

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