August 2014


Das neue Schuljahr begann ziemlich normal. Wie auch den Großteil der letzten acht Jahre meines Lebens sollte ich die kommenden fünf Jahre meiner schulischen Ausbildung widmen. Ich war immer sehr bestrebt, gut zu sein, hatte allerdings immer Angst, irgendwann zu versagen und dann nie wieder gut zu werden. Es war schon nicht leicht für mich, damit fertig zu werden, Schule und Leo unter einen Hut zu bringen. Denn oft bekam ich weniger als sechs Stunden Schlaf, was meiner Konzentrationsfähigkeit sehr zu schaffen machte. Am schlimmsten waren die Tage, an denen ich jede meiner drei Fremdsprachen zu bewältigen hatte: Englisch, Französisch und Spanisch. Leider muss ich sagen, dass ich so das typische Mädchen bin, welches sich lieber mit Sprachen als Naturwissenschaften beschafft. Wirklich, mit Physik, Mathe, Chemie und dem ganzen Mist hatte ich nun wirklich nichts am Hut. Alles, was mich interessierte, war Astronomie, aber bis ich das in der Oberstufe wählen konnte, dauerte es noch ein bisschen. Als das mit Abstand schlimmste Fach aller Zeiten stellte sich Gesellschaftskunde heraus, in dem wir Politik und ach so wichtige Sachen wie den Aufbau der freien Marktwirtschaft behandelten. Ich begriff nicht, was mich das angeht. Und verstehen konnte ich die ganze Sache schon gar nicht. Was bringt mir Politikwissen, wenn die Politik sowieso macht, was sie will? Was bringt mir Wissen über Geschichte, wenn wir trotzdem Kriege führen? Das war so ziemlich das Einzige, worüber ich nicht mal mit Leo sprach. Aber er half mir zum Beispiel in Physik, einem Interessengebiet seinerseits.

Je näher der Herbst jedoch rückte, desto öfter war ich diejenige, die ihm Nachrichten schrieb; diejenige, die um ein Telefonat bat. Einerseits weil er mich in jener Nacht im Juli darum bat; andererseits weil ich das Gefühl hatte, kein Angebot seinerseits zu bekommen. Kontakt fand nur noch statt, wenn ich dafür sorgte. Aber das sollte mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht auffallen.


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