»Endlich Urlaub«, Willow Bennett warf ihre Jacke in die Ecke ... ihre Schuhe trat sie achtlos von den Füßen.

Dann lief sie auf Socken auf den großen, dunkelhaarigen Mann zu, der am Ende des Flurs stand und sie schmunzelnd beobachtete. Sie sprang in seine Arme, schlang ihre um seinen Nacken und die Beine um seine Hüften und küsste ihn sanft.
Einen Moment später löste Willow ihre Lippen von seinen und sah ihm in die dunklen Augen. »Zwei Wochen frei. Was hältst du von einem kleinen Trip irgendwohin?«, fragte die Rothaarige leise. Der Angesprochene, Sebastian Romanescu, setzte seine Freundin vorsichtig auf dem Boden ab und erwiderte: »Sehr gerne, wenn Graf Viktor mir frei gibt.«

Die junge Frau verdrehte die Augen. »Er wird ja wohl ein paar Tage ohne dich auskommen. So hilflos ist er nicht.«

Sie lehnte sich gegen ihren Freund und fuhr schnurrend fort: »Komm schon, lass uns gehen und ihn fragen.« Sebastian schmunzelte und nickte dann: »Das werde ich ... ihn fragen ... aber nicht jetzt.« Die junge Hexe zog einen Schmollmund, was ihr Gegenüber zum Lachen brachte. Er strich seiner Freundin eine Strähne aus ihren grünen Augen, dann beugte er sich zu ihr herunter und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. »Schmoll nicht, ich regel das schon.«


Und Sebastian hielt sein Wort.
Etwa eine halbe Stunde später machte er sich mit einer Kanne Tee und etwas Gebäck auf einem Tablett auf den Weg in die Bibliothek der Villa. Er klopfte leise an die Tür und betrat den Raum. Sein Boss, Graf Viktor Draganesti, saß, in ein Buch vertieft, in der Nähe des Kamins. Als der Butler das Tablett auf dem kleinen Tisch neben dem Sessel des Grafen abstellte, hob dieser den Blick und musterte Sebastian, als habe er gemerkt, dass dieser mit irgendetwas kämpfte. Nach einem Moment des Schweigens, fragte Viktor: »Was hast du auf dem Herzen? Du willst doch etwas von mir.«

Der Angesprochene goss Tee in die Tasse und räusperte sich dann. »Willow kam vorhin mit einem Anliegen zu mir. Sie hat Urlaub und würde gerne ein paar Tage wegfahren ... mit mir.«
Viktor schmunzelte. »Und was ist das Problem?«
»Ich kann Euch doch nicht tagelang alleine lassen, Herr.«
Eine Augenbraue hebend, schüttelte der Graf den Kopf, dann fing er an zu lachen. »Deine Fürsorge in allen Ehren, aber ich bin sehr wohl in der Lage, ein paar Tage ohne dich auszukommen. Ist ja schließlich nicht das erste Mal. Außerdem bin ich mitnichten allein, oder hast du Luca vergessen?«
»Natürlich nicht!«, erwiderte der Butler leise.

»Also ... Nimm deine Freundin und macht euch irgendwo ein paar schöne Tage. Ich gebe euch sogar ein Auto mit … Wir haben ja zum Glück nicht nur eins.«
»Danke, Herr, Willow wird sich freuen.«

Sich leicht verneigend drehte der Butler sich um und verließ die Bibliothek. Graf Viktor sah ihm schmunzelnd hinterher und widmete schließlich seine Aufmerksamkeit wieder seinem Buch.

Willow hatte währenddessen in der Küche auf Sebastian gewartet und als dieser den Raum betrat, sah sie ihn erwartungsvoll an. »Und ...?«

»Du bekommst deinen Urlaub«, erwiderte der Angesprochene lächelnd und seine Freundin fiel ihm um den Hals.

»Ich wusste doch, dass er uns das nicht versaut. Wo wollen wir denn hinfahren? Ich würde ja gerne mal runter von der Insel, aber ich möchte auch gerne an die See.«
»Nun, da wir eins der Autos mitnehmen können, sind wir ziemlich flexibel. Ich war mit Graf Viktor schon an vielen Orten auf der Welt und was mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, ist Holland. Dann wären wir runter von der Insel und es gibt einige Orte am Meer, die sehr schön sind. Da finden wir bestimmt etwas Passendes. Und es wäre nicht so unendlich weit weg, falls ...«

»Falls zu Hause etwas passiert«, vervollständigte Willow den Satz ihres Freundes grinsend. Sebastian strich ihr durch die langen, dunkelroten Haare und nickte: »Du kennst mich. Ich kann nicht so ganz aus meiner Haut.«

Seine Freundin küsste ihn auf die Nasenspitze: »Ich weiß und das ist auch in Ordnung. Holland? Warum nicht! Dann werd ich mal schauen, was ich für uns finde.« Sie klappte den Laptop, den sie schon vorsorglich mit in die Küche gebracht hatte, auf.

»Hotel oder Ferienhaus?«, fragte sie einen Augenblick später und warf einen Blick in Sebastians Richtung. Dieser überlegte kurz, dann erwiderte er: »Ferienhaus wäre eher nach meinem Geschmack. Da hätten wir wohl mehr Ruhe. Oder möchtest du lieber Trubel um dich?«

Die junge Hexe lachte auf: »Nein! Ich hab hier jeden Tag genug Action. Ich sehne mich nach Ruhe, Spaziergängen am Strand, Zeit mit dir ... alleine. Bloß kein Halligalli.«

»Sehr gut, dann sind wir uns ja einig.« Damit waren Sebastians Bedenken, dass seine Freundin irgendwohin wollen würde, wo rund um die Uhr Krach war und Hektik herrschte, auch beseitigt. Immerhin hatte diese Möglichkeit bestanden, da Willow mit ihren 21 Jahren noch sehr jung war ... Er hätte es besser wissen müssen. Zufrieden seufzend machte er sich daran, das Abendessen zuzubereiten, während seine Freundin weiter das Internet nach einer passenden Location und Unterkunft durchsuchte.

Zwei Tage später stand das Reiseziel fest und die beiden packten ihre Koffer in den 1962er Bentley des Grafen.

»Schickt ne SMS, wenn ihr da seid«, sagte Luca, der neben Viktor vor der Tür der Villa stand, und umarmte seine beste Freundin zum Abschied, »habt viel Spaß.«
»Werd ich machen«, erwiderte Willow und kletterte auf den Beifahrersitz des Wagens, während Sebastian sich noch verabschiedete und sich dann hinters Steuer setzte. Er setzte rückwärts aus der Einfahrt und fädelte sich in den ziemlich regen Verkehr ein.

Willow und er hatten entschieden, kurz vor Mittag loszufahren, um dem gröbsten Chaos auf den Straßen Londons aus dem Weg zu gehen. Bei einer Fahrt von mehreren Stunden, war es ohne große Staus doch erheblich angenehmer. Nachts hatten sie aber auch nicht fahren wollen, denn so eine gänzlich unbekannte Strecke fuhr sich doch besser im Hellen.

Nach etwas mehr als anderthalb Stunden Fahrt erreichten sie schließlich den Eurotunnel in Folkstone und durchliefen den Check-in zum Zug nach Frankreich.

Ungefähr 35 Minuten nach Abfahrt des Zuges verließen sie denselben in Coquelles und setzten ihren Weg nach Holland mit dem Auto fort.

Willow hatte ein Ferienhaus in Cadzand, einem Ort in Süd-Holland, gemietet. Von hier war es nicht weit zum Strand und man hatte zu dieser Zeit des Jahres seine Ruhe. Das Häuschen gehörte einem Geschäftspartner von Lucas Onkel Alan und lag am Rand des Dorfes, was noch mal eine ruhige Umgebung garantierte. Außerdem besaß dieser Mann ein Gestüt und verlieh seine Pferde schon mal an Bekannte für Strandritte. Das war es, was Willow unter anderem unbedingt tun wollte in diesem Urlaub: Mit Sebastian am Strand ausreiten. Zum Schwimmen war es jetzt, Mitte Oktober, doch etwas zu kalt, aber um zwei oder drei Stunden auf dem Pferderücken zu verbringen, war das Wetter ideal. Und sie beide liebten Pferde. So hoffte Willow, dass sie ihren Freund für diese Idee genauso begeistern konnte, wie sich selbst. Aber erst einmal mussten sie an ihrem Ziel ankommen.
»Soll ich den Rest der Strecke fahren?«, fragte die Rothaarige und musterte Sebastian von der Seite. Dieser schüttelte den Kopf: »Nein! Du kannst mich gerne die nächsten Tage rumkutschieren, wenn du das unbedingt willst. Da hab ich nichts gegen, aber jetzt fahren wir durch ... ohne Fahrerwechsel.«

»Gut, wie du willst«, entgegnete Willow, rutschte tiefer in den Beifahrersitz und legte ihre Hand auf den Oberschenkel ihres Freundes. Sie schaute aus dem Seitenfenster, an dem die abendliche Landschaft vorbeiflog. Als Sebastian seine Hand auf ihre legte, huschte ein Lächeln über das Gesicht der jungen Frau. Sie war froh um jede Sekunde, die sie zusammen hatten und ihr graute ein wenig vor dem Winter. Anfang Dezember würde Sebastian mit seinem Boss zurück nach Rumänien fliegen, wo dieser ein Schloss besaß, um dort die Wintermonate zu verbringen.

Sie hingegen würde mit Luca in London bleiben, da dieser seine Lehre nicht abbrechen wollte, um mitzugehen. Willow wollte ihren besten Freund dabei unterstützen und nicht alleine lassen. Das bedeutete aber eine monatelange Trennung von Sebastian und in Momenten wie diesem gerade, bezweifelte die junge Hexe, ob ihre Entscheidung bei Luca zu bleiben, wirklich die richtige war.

Die Zeit würde zeigen, inwieweit sie das durchhalten konnte und wollte.

Willow seufzte leise und Sebastian strich über die Hand seiner Freundin. »Was ist los? Was geht dir durch den Kopf?«
»Alles gut. Ich musste nur an Dezember denken und hab mich gefragt, wozu ich das überhaupt mache? Diese Trennung auf Zeit, von dir. Ich bezweifle, dass Luca das durchzieht. Als ob er vier oder fünf Monate ohne Viktor durchhält. Das funktioniert niemals und das wissen wir alle. Dazu kommt, dass er sich nicht gerade toll mit seinem Vater versteht und ob das mit der Ausbildung bei ihm so ne gute Idee ist ... «, die Rothaarige seufzte erneut und wandte den Blick Sebastian zu.

Dieser schwieg einen Moment, dann sagte er: »Hmmm ... Ich weiß es nicht. Das ist etwas, was ich nicht einschätzen kann. Aber sollte es Probleme geben, werden wir eine Lösung finden. Entweder kommt ihr dann nach Rumänien oder wir eben wieder zurück nach England. Wir beide werden sowieso jeden Tag Kontakt haben ... denke ich doch.« Er erwiderte den Blick seiner Freundin für eine Sekunde, bevor er wieder auf die Straße sah.

»Ja, das auf jeden Fall. Nun, wir werden sehen. Jetzt aber genug dazu. Ich will nicht, dass uns das die Laune versaut. Ist ja auch noch ein wenig Zeit bis dahin.«
Damit lehnte sie sich hinüber zu Sebastian und legte den Kopf an seine Schulter.


Zwei Stunden später hatten sie ihr Ziel erreicht.

Sie parkten den Bentley in der Einfahrt ihres, wirklich ziemlich abseits gelegenen, Feriendomizils.

Dieses hübsche Häuschen aus rotem Backstein wurde von hohen Hecken und Bäumen umgeben. Vor dem Gebäude befand sich eine große Rasenfläche, an der Seite ein Weg, wo man auch das Auto abstellen konnte und hinter dem Haus ein kleiner Garten.
Sebastian öffnete den Kofferraum, um das Gepäck herauszuholen, während Willow zu der, mit dem Eigentümer vereinbarten, Stelle am Haus ging, wo dieser die Schlüssel deponiert hatte. Dann lief sie zurück und nahm ihrem Freund ihre Reisetasche ab.

»Ich kann meinen Kram alleine tragen. Aber danke«, grinste sie ihn an und machte sich wieder auf den Weg zurück zum Haus. Sebastian sah ihr schmunzelnd hinterher, nahm das restliche Gepäck und folgte ihr dann.


Willow schloss die Eingangstüre auf und sie betraten das Gebäude.

Nachdem sie ihre Sachen in dem kleinen Flur abgestellt und ihre Jacken an der Garderobe aufgehängt hatten, sahen sie sich erst einmal die weiteren Räumlichkeiten an. Vom Flur aus führte rechts eine Tür zu einem Gäste-WC, geradeaus ging es in ein großes Wohnzimmer.

Der Raum war schlicht, aber gemütlich eingerichtet und der Blickfang war ein wuchtiger, gemauerter Kamin, in dem schon ein wärmendes Feuer brannte.

»Nice«, schnurrte Willow und fachte das Feuer mit einer Handbewegung noch etwas mehr an. Sebastian blieb hinter seiner Freundin stehen, legte die Arme um sie und zog sie an sich.

»Steck uns nicht in Brand«, flüsterte er ihr ins Ohr, musste aber dabei grinsen, denn er wusste, dass Willow ihre Fähigkeiten als Hexe perfekt beherrschte.

»Das hatte ich nicht vor«, erwiderte die Rothaarige lachend und lehnte sich an ihn.


Nachdem sie eine Weile dort gestanden hatten, lösten sie sich voneinander und erkundeten den Rest ihrer Unterkunft.

Im unteren Bereich des Hauses gab es noch eine große Küche im amerikanischen Stil mit einem, für Holland typischen, Gasherd. Im oberen Stockwerk befanden sich ein größeres und ein kleineres Schlafzimmer sowie ein Bad mit Dusche und Wanne.

»Dann sollten wir wohl mal die Sachen raufholen«, meinte Sebastian, nachdem sie ihre Besichtigung abgeschlossen hatten. Willow nickte: »Und dann geh ich erst mal duschen.«

Damit stiegen sie die schmale Holztreppe wieder hinunter, holten ihr Gepäck und brachten es dann rauf ins Schlafzimmer.

»Auspacken können wir eigentlich auch morgen noch«, meinte die Rothaarige und holte sich ein paar saubere Klamotten aus ihrer Reisetasche.
Sebastian schmunzelte. »Geh du unter die Dusche, ich mach das hier schon«, damit fing er an, seine Sachen in den großen Eichenschlafzimmerschrank zu räumen. Willow beobachtete ihn einen Moment lächelnd. Er konnte eben nicht so wirklich aus seiner Haut. Während die junge Hexe ihrem Freund zusah, wie er ihrer beider Klamotten aus Koffer und Tasche räumte, entledigte sie sich Stück für Stück ihrer Kleidung, die sie über den einzigen Stuhl im Zimmer legte und verschwand dann im Bad.


Sebastian hörte das Rauschen des Wassers und hielt einen Moment inne. So gerne er jetzt zusammen mit seiner Freundin unter der Dusche stehen würde, die Sachen mussten in den Schrank. Aber musste das wirklich jetzt sein? Eigentlich nicht! Er hatte Urlaub und niemand verlangte, dass er das jetzt sofort und auf der Stelle erledigte. Niemand ... Außer er selbst.

Leise seufzte er und legte einen von Willows Pullovern in den Schrank.

Sebastian tat sich manchmal schwer, von seinen Gewohnheiten abzulassen und aus seiner Haut herauszugehen, das wusste er selbst, aber daran etwas zu ändern war nicht einfach.

Einen Augenblick blieb er unschlüssig stehen, dann ging ein Ruck durch seinen Körper. Er entledigte er sich seiner Kleidung und öffnete die Tür zum Bad ...


Willow stand unter der Dusche und genoss das heiße Wasser, das auf ihren Körper herunter prasselte. Die Anreise war anstrengend gewesen, auch wenn sie nicht hatte fahren müssen. Ihre Schultern und ihr Rücken waren mal wieder völlig verkrampft. Sie stützte sich mit den Händen an der Wand der Duschkabine ab und ließ das Wasser über die schmerzenden Körperpartien laufen. Vielleicht konnte sie Sebastian später dazu animieren, sie zu massieren. Das konnte er nämlich verdammt gut. Allein die Vorstellung bescherte der jungen Frau eine Gänsehaut am ganzen Körper.

Vollkommen in diesen Gedanken versunken, zuckte Willow leicht zusammen, als sich zwei Arme um sie legten. Ohne sich umzudrehen, sagte sie: »Da hast du dich aber beeilt mit dem Einräumen.«
»Das kann warten«, brummelte Sebastian an ihrem Ohr und küsste dann den Nacken seiner Freundin, »wir haben Urlaub und ich werde versuchen, abzuschalten und diesen auch zu genießen.«

Langsam drehte Willow sich in seiner Umarmung zu ihm um und sah in seine dunklen Augen. »Ich werde dir gerne dabei helfen«, sagte sie leise und ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich etwas Duschgel nahm und dieses in den Händen aufschäumte. Dann seifte sie ihr Gegenüber langsam ein. Beginnend an seinen Schultern, arbeitete sie sich Stück für Stück an seinem Körper nach unten. Leise seufzend lehnte Sebastian sich gegen die Wand und schloss die Augen.
Nachdem die Rothaarige ihn von Kopf bis Fuß gründlich eingeseift hatte, nahm sie die Brause und spülte den Schaum ab. Dabei folgte sie mit der Zunge dem abperlenden Wasser auf seinem Körper. Als sie seinen Bauchnabel umkreiste, sich an seiner Haut festsaugte und sanft daran knabberte, stöhnte der Ältere leise auf. »Mach mich doch wahnsinnig«, murmelte er und strich seiner Freundin durch die langen Haare.
Diese grinste und küsste sich langsam weiter nach unten.


Immer noch mit geschlossenen Augen an die Wand der Duschkabine gelehnt, genoss Sebastian jede Berührung Willows. Sie wusste genau, welche Knöpfe sie drücken musste, um ihn um den Verstand zu bringen. Als sie nun an der Haut in seiner Leistengegend zu saugen begann, war es mit seiner Beherrschung am Ende. Er beugte sich ein Stück zu ihr hinunter und zog sie dann zu sich hoch.

Sein Atem ging schneller und seine Augen funkelten, als er Willow leidenschaftlich küsste, sie dann mit dem Gesicht zur Wand drehte und sich an sie drängte ...



Am nächsten Morgen wurde Sebastian durch den Duft von frischem Kaffee geweckt. Willow saß neben ihm auf der Bettkante, vor sich ein Tablett mit zwei Tassen, Brötchen, Wurst, Käse, Eiern, Butter sowie Marmelade.

Erstaunt rieb Sebastian sich die Augen, war doch eigentlich er derjenige, der sich um das leibliche Wohl der anderen kümmerte.
Als hätte Willow seine Gedanken erraten, lächelte sie und sagte: »Ich konnte nicht mehr schlafen und da dachte ich, ich könnte uns ein paar Sachen einkaufen. Ich wollte dich aber nicht wecken und außerdem opferst du dich jeden Tag für andere auf. Jetzt bist du mal der, der verwöhnt wird. Genieß es einfach.«
Sie strich ihrem Freund eine lange Ponysträhne aus dem Gesicht und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.


Nachdem sie gefrühstückt hatten, räumte Willow alles weg, während Sebastian im Bad verschwand. Sie hatten sich vorgenommen, ein wenig durch das Städtchen zu spazieren, um sich die Beine zu vertreten und sich umzuschauen. So verließen sie kurz darauf das Haus und begannen ihre Erkundungstour.

Sie liefen durch die Straßen des Ortes, der zu dieser Zeit des Jahres zum Glück relativ touristenfrei war.

Zur Hauptsaison wäre ein so entspanntes Herumspazieren sicherlich nicht möglich gewesen.

Das niederländische Dorf war sehr malerisch und Willow, die zum ersten Mal in Holland war, zum ersten Mal überhaupt die Insel verlassen hatte, war begeistert von dem landestypischen Charme.

Die Straßen des Ortes waren aus rötlichem Kopfsteinpflaster und es reihten sich hübsche Häuschen aneinander, die meist aus, ebenfalls rötlichem oder rot-braunem, Backstein gebaut worden waren. Alle paar Meter stand eine Laterne aus dunkelgrünem Gusseisen ... keine dieser modernen Lampen ohne Seele, sondern historisch aus eckigem Glas und Metall.

Die junge Hexe liebte solche Orte, die lediglich aus ein paar hundert Einwohnern bestanden, und zog diese jeder Großstadt vor. Selbst in London fühlte sie sich oft verloren, obwohl sie schon seit ihrem fünften Lebensjahr dort lebte.
Sich bei Sebastian unterhakend, fragte sie: »Was hältst du davon, wenn wir uns das Auto nehmen und ans Meer rüber fahren?«

Der Angesprochene nickte: »Ja, das können wir tun. Die Möglichkeit, den Ort weiter zu erkunden, haben wir auch später noch.«

Somit machten sie sich auf, den Bentley zu holen und kurz darauf waren sie auf dem Weg.

Sie parkten an der Strandpromenade und spazierten einen schmalen Weg hinauf, der über die Dünen, welche den Ort vom Wasser trennten, führte. Bevor sie allerdings den Strand erreichten, blieb Sebastian stehen, zog sich Schuhe und Socken aus und krempelte die Beine seiner Hose hoch. Seine Freundin beobachtete ihn grinsend und fragte sich, ob er allen Ernstes vorhatte, bei den Temperaturen ins Wasser zu gehen, wenn auch nur maximal bis unter die Knie, oder ob er einfach nur generell seine Sachen vor dem doch ziemlich feuchten Sand schützen wollte. Willow selbst schlug lediglich die Hosenbeine ihrer Jeans um, die Schuhe konnten schon etwas Dreck und Feuchtigkeit ab. Sie waren aber auch nicht mal halb so teuer wie die ihres Freundes, dessen Arbeitgeber sehr darauf achtete, dass sein Butler auch in seiner Freizeit geschniegelt und gebügelt war.

Diesen Umstand begrüßte auch Willow sehr, denn sie mochte keine ungepflegten Menschen in ihrer Nähe.

Die Schuhe in einer Hand haltend, ergriff Sebastian mit der anderen die seiner Freundin. Langsam schlenderten sie den Weg weiter hinauf, der nach ein paar Metern oben auf der Düne endete und ein Stück weiter wieder herunter führte. Sie gingen diesen langsam hinunter und blieben am Ende erst mal stehen. Die junge Frau ließ einen Moment ihren Blick schweifen. Am Strand war einiges los, was bei dem schönen Wetter aber zu erwarten gewesen war.

Ein paar Erwachsene ließen mit ihren Kindern Drachen steigen, andere liefen mit ihren Hunden am etwa 15 Meter entfernten Wasser entlang. Eine Gruppe Reiter passierte die beiden im Schritt und Willow sah ihnen mit sehnsuchtsvollem Blick hinterher. Am Strand entlang reiten ... Das stand auch noch auf ihrem Zettel der Sachen, die sie mit Sebastian in diesem Urlaub machen wollte. Aber zuerst einmal wollte sie mit ihm hier einfach nur spazieren gehen.

Der Wind war ziemlich stark und rau. Er spielte mit Willows hüftlangen Haaren, die sie locker zu einem Zopf gebunden trug und die Herbstsonne zauberte verschiedene Lichtreflexe in die roten Locken. Sebastian beobachtete dieses Farbenspiel einen Moment lang fasziniert, dann fragte er leise: »Sollen wir dann mal runter zum Wasser gehen?«
Mit leuchtenden Augen sah seine Freundin zu ihm hoch ... sie fühlte sich wie ein Kind in einem Süßigkeitenladen.

»Ja, lass uns weitergehen«, erwiderte sie, »warum hat mir nur nie einer gesagt, wie schön es am Meer ist? Allein diese reine, klare Luft. Es ist toll.« Damit stellte sie sich auf die Zehenspitzen und küsste ihren Freund, der sie an sich zog.

»Ja, es hat schon etwas Besonderes«, bestätigte er sie, nachdem sie sich wieder voneinander gelöst hatten, »Ich mag die See auch sehr gerne. Ich habe keine Ahnung, warum man es dir bisher vorenthalten hat. Von mir aus können wir in Zukunft gerne öfter mal einen Ausflug hierher machen. Na ja, vielleicht nicht unbedingt nach Holland, aber in England gibt es ja genug Möglichkeiten, mal ein Wochenende am Meer zu verbringen.« Er schwieg einen Moment, dann fuhr er schmunzelnd fort: »Zumal Graf Viktor einen Landsitz in Norfolk hat. Das wäre die ideale Location für einen Kurzurlaub.«

Willow nickte lächelnd: »Ich werde es im Hinterkopf behalten.«

Dann nahm sie seine Hand wieder und zog ihn hinter sich her Richtung Wasser.


Bestimmt zwei Stunden blieben sie am Strand, spazierten durch den Sand, beobachteten die anderen Menschen, die Hunde, die trotz der Kälte im Wasser herumtollten, die Möwen über dem Meer, die vom Wind dahingetragen wurden.

Irgendwann hatte Willow sogar ihre Schuhe nebst Socken ausgezogen und war vorsichtig mit den Füßen ins Wasser gegangen.

Sebastian hatte sie schmunzelnd beobachtet. Er spürte, wie sehr seine Freundin die Zeit hier genoss und er war froh darum. Sie hatte außerhalb ihres Urlaubs genug um die Ohren und sich diese Auszeit redlich verdient. Es war gut gewesen, sie und sich selbst einmal komplett aus dem Alltagstrott zu entführen. Das hier war Entspannung pur, einfach abschalten und an nichts denken, nur die Zeit miteinander genießen. Das hatten sie beide wirklich nötig gehabt.


Nach einer Weile setzten sie sich auf eine Bank am Rand des Strandes. Willow trocknete sich die Füße mit ihren Socken ab und schlüpfte barfuß wieder in ihre Schuhe. Dann lehnte sie sich an Sebastians Schulter, der seinerseits seine Kleidung auch wieder gerichtet hatte, und dieser legte den Arm um sie. So saßen sie eine Zeit lang dort, die Blicke auf die Wellen gerichtet, die auf dem Strand aufschlugen, über den Sand leckten und sich dann wieder zurückzogen.
»Am liebsten würde ich gar nicht mehr hier weg. Ich bin froh, dass wir hierher gefahren sind. Ich liebe es. Ich liebe dich«, murmelte Willow leise und legte die Arme um Sebastian, sah zu ihm auf.

Dieser strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, küsste sanft ihre Stirn und erwiderte ebenso leise: »Und ich liebe dich.«


Am frühen Nachmittag kehrten die beiden in ein Restaurant auf der Strandpromenade zu einem leicht verspäteten Mittagessen ein, dann machten sie sich langsam auf den Rückweg zum Auto. Als sie durch die Straßen des Badeortes fuhren, fiel Willow das Schild eines Reiterhofs auf.
»Fahr doch bitte mal diesen Hinweistafeln nach. Das könnte der Stall des Geschäftspartners von Lucas Onkel sein«, bat sie Sebastian und dieser folgte den Schildern.

Der Stall, den sie nach kurzer Zeit erreichten, lag außerhalb des Städtchens und sehr idyllisch inmitten von einigen Wiesen und in der Nähe eines kleinen Wäldchens.

Das musste der Hof des Mannes sein, von dem Alan Summerson gesprochen hatte und den Willow kontaktieren sollte, falls sie Pferde für einen Ausritt ausleihen wollten.
»Halt bitte mal an.« Die Rothaarige nahm ihr Handy und wählte die Nummer, die Lucas Onkel ihr gegeben hatte, um sich zu vergewissern, dass sie auch richtig waren. Wie sich herausstellte, handelte es sich tatsächlich um das Gestüt von Jan van den Broek. Willow telefonierte kurz mit ihm und machte einen Termin für den nächsten Tag aus, damit sie sich den Stall und die Pferde ansehen und gegebenenfalls einen Ausritt machen konnten, wenn das Wetter mitspielte.

Sebastian, der dem Gespräch schweigend gelauscht hatte, fragte: »Also können wir dann jetzt nach Hause fahren? Oder hast du noch irgendetwas vor?«

Sich gähnend im Sitz ausstreckend, erwiderte Willow: »Lass uns heim fahren. Morgen schauen wir uns das Gestüt an und wenn das Wetter passt ...«

«... Machen wir einen schönen Strandausritt«, ergänzte Sebastian grinsend. Es war zwar schon eine Weile her, dass er auf einem Pferd gesessen hatte, aber er liebte diese edlen Tiere und freute sich über die Gelegenheit, mal wieder auf den Rücken eines solchen zu steigen.

Die junge Hexe gähnte erneut. »Warum bin ich denn jetzt so kaputt?«

»Das liegt an der Luft. Die macht einen müde. Wir sind ja bald da, dann kannst du dich etwas hinlegen.«

»Hmmm«, war die gemurmelte Antwort seiner Freundin, die sich auf dem Beifahrersitz zusammengerollt hatte und als sie zehn Minuten später ihr Feriendomizil erreichten, war sie fest eingeschlafen.

Sebastian parkte den Bentley in der Einfahrt, dann stieg er aus, ging um den Wagen herum, öffnete die Beifahrertür und hob seine Freundin vorsichtig aus dem Sitz.

Diese brummelte etwas Unverständliches, als er sie ins Haus trug und schließlich auf das Sofa im Wohnzimmer legte.

Er deckte sie mit einer Wolldecke zu und entzündete erst mal das Feuer im Kamin neu, bevor er ging, um das Auto abzuschließen.

Die Sonne war mittlerweile hinter dichten Wolken verschwunden. Der Wind war merklich aufgefrischt und wirbelte einige bunte Blätter über den Rasen. Sebastian war froh, dass sie wieder zu Hause waren, denn es sah verdammt nach Regen aus. Er hoffte, dass der morgige Tag wieder sonnig und trocken werden würde, damit Willows Strandritt, auf den sie sich so freute, nicht ins Wasser fiel. Leise seufzend kehrte er wieder ins Haus zurück und hatte gerade die Tür hinter sich geschlossen, als der erste Blitz über den Himmel zuckte.


Leise, um Willow nicht zu wecken, durchquerte Sebastian den kleinen Flur und das Wohnzimmer. Er blieb an dem großen Terrassenfenster stehen und beobachtete das Schauspiel am Himmel, wo ein Blitz den nächsten zu jagen schien ... dazwischen grollte der Donner. Das Gewitter befand sich unmittelbar über ihnen.

Mittlerweile hatte Regen eingesetzt und prasselte in dicken Tropfen auf die Veranda und den Garten herunter. Die hohen Bäume, die das Grundstück umgaben, bogen sich unter dem fast orkanartigen Wind und Sebastian konnte sie förmlich ächzen hören.

»Wow, wenn das so bleibt, dann wird das morgen aber nix mit dem Strandritt.« Das Unwetter hatte Willow geweckt, die sich nun, die Augen reibend, vor Sebastian stellte und aus dem Fenster sah. Dieser machte einen Schritt nach vorne, legte die Arme um seine Freundin und zog sie an sich.
»Wenn nicht morgen, dann halt einen anderen Tag. Wir sind ja noch etwas hier und es wird ja wohl nicht die ganze Zeit so bleiben.«
Sich an ihn lehnend, meinte Willow mit einem Lächeln: »Ich denke auch, dass es sich bis morgen gelegt hat. Falls nicht, dann bleiben wir eben im Bett.«
»Verlockende Vorstellung. Da sollten wir mal ernsthaft drüber reden.«

»Das war so klar. Vergiss es, Meister.«

Sebastian drückte seiner Freundin einen Kuss in den Nacken und brummelte: »Na ja ... wir können es ja zumindest in Betracht ziehen.« Damit hob er Willow hoch und trug sie rauf ins Schlafzimmer, während draußen das Unwetter immer heftiger tobte.

Am nächsten Tag hatte das Gewitter sich verzogen und die Sonne strahlte aus einem wolkenlosen Himmel auf das Ferienhäuschen der beiden. Es war schon zehn, als Willow aus dem Bett sprang, kurz im Bad verschwand und dann die Treppe hinunter lief. Sebastian erwartete sie schon ungeduldig im Wohnzimmer, wo er den Tisch für ein verspätetes Frühstück gedeckt hatte.
»Guten Morgen, Langschläferin.«
»Na, wenn du mich so beanspruchst«, gab diese schmunzelnd zurück, »irgendwann muss ich ja auch mal schlafen.« Sie ging auf ihren Freund zu, der in dem Sessel am Kamin saß, setzte sich rittlings auf seinen Schoß und legte die Arme um seinen Nacken.
»Guten Morgen«, sagte sie leise und drückte ihm einen Kuss auf den Mund, »wie ich sehe, hast du Frühstück gemacht.«
»Ich hätte dich jetzt geweckt.«
»Aber ob wir dann zum frühstücken gekommen wären?«, sagte Willow und strich ihm eine lange Strähne aus den Augen, »lass uns was essen und dann verschwinden. Das Wetter ist ja bilderbuchmäßig.«
Damit standen sie auf und gingen hinüber zum Frühstückstisch.


Eine Stunden später machten sie sich auf den Weg zum Van den Broek-Gestüt, wo sie vom Stallbesitzer höchstpersönlich empfangen wurden. Jan van den Broek war ein sympathischer, dunkelhaariger Mann mit freundlichen, dunkelblauen Augen.

Während Willow munter drauflos plapperte, übte sich Sebastian eher in vornehmer Zurückhaltung. Die junge Frau hatte den Gestütsbesitzer schon zwei, drei Mal auf dem Summerson-Anwesen in Reading getroffen, wenn er ihren Boss besucht hatte. Höflich und charmant, wie Willow ihn in Erinnerung hatte, führte der Holländer seine Gäste persönlich auf dem Gelände herum. Er zeigte ihnen die Stallungen und natürlich die Pferde und schmunzelte amüsiert über die euphorische Art der jungen Hexe.
»Also diese beiden Tiere kann ich Ihnen zur Verfügung stellen«, sagte er schließlich und blieb an einer kleinen Wiese stehen, wo eine dunkelbraune Quarter Stute und ein Friesenwallach grasten. Als sie die Menschen am Zaun wahrnahmen, kamen die beiden Tiere zu ihnen hinübergetrottet.

»Darf ich?«, Willow sah den Stallbesitzer fragend an und dieser nickte lachend: »Natürlich! Sie kennen sich ja mit Pferden aus.«

Die junge Frau kletterte in den Auslauf und streichelte die überaus gepflegten Tiere. »Ich nehme dann wohl die Stute und lass dir den Friesen, der ist größer. Es sei denn, du willst deine Beine unter dem Bauch des Stütchens zusammenknoten«, sagte sie dann grinsend zu Sebastian, der lachend den Kopf schüttelte. »Nein, das muss nicht sein. Sonst fällst du noch vor Lachen vom Pferd und das kann ich nicht verantworten.«

Er streichelte dem Friesen über seinen pechschwarzen Hals.

»Gut, dann sag ich dem Stallburschen, er soll die beiden für Sie striegeln und satteln.«

Während Sebastian nickte, wagte Willow einen kleinen Einwand: »Aber, das können wir doch ...« Doch Jan van den Broek unterbrach sie mit einer Handbewegung und rief nach einem seiner Angestellten. Kurz darauf erschien ein hellblonder, junger Mann, der die beiden Pferde aus dem Auslauf holte und mit hinüber zum Stall nahm, nachdem sein Boss ihm entsprechende Anweisungen gegeben hatte.

Van den Broek wandte sich nun an Willow: »Ich weiß, dass Sie genug Ahnung von Pferden haben, um sich um alles selbst zu kümmern, aber wenn ich das einreißen lasse, dann ist Tom, mein Angestellter, bald arbeitslos.«

Die Rothaarige nickte, wenn auch etwas unwillig, dann folgten die drei dem blonden Stallburschen.

Während Tom die Tiere für den Ausritt fertig machte, was hieß, dass er sie striegelte, ihre Hufe säuberte und sie schließlich sattelte, klärten Sebastian und Willow den finanziellen Aspekt mit dem Gestütsbesitzer und eine Dreiviertelstunde später waren die beiden mit den Pferden auf dem Weg.


Das schöne Wetter schien sich zu halten, nur der Wind wehte ziemlich heftig über den Sand, als sie Seite an Seite den Strand entlang ritten.

»Warum haben wir das eigentlich noch nie zu Hause gemacht? Wir sind zwar nicht direkt am Meer, aber rund um das Summerson-Gestüt kann man doch bestimmt auch sehr gut ausreiten, oder irre ich mich da?« Sebastian trieb sein Pferd dicht neben das seiner Freundin und griff nach ihrer Hand.

»Keine Ahnung, warum wir das noch nicht getan haben, aber das können wir ja ändern. Das Gestüt hat ein wunderschönes Ausreitgelände, wir sollten das wirklich im Hinterkopf behalten.« Willow strich mit dem Daumen über Sebastians Finger und ließ leise seufzend den Blick hinüber zum Meer schweifen.
Dann huschte ein Lächeln über das Gesicht der jungen Hexe. Sie ließ die Hand ihres Freundes los und trieb ihr Pferd im leichten Trab aufs Wasser zu. Sich im Sattel umdrehend rief sie: »Komm schon.«

Sebastian sah ihr einen Moment hinterher, dann gab er dem Friesen den Kopf frei und folgte seiner Freundin im gestreckten Galopp, die nun ihrerseits das Stütchen laufen ließ. Als sie das Wasser erreichten, nahmen sie ein wenig das Tempo raus, aber selbst im wesentlich langsameren Trab, spritzte das kalte Nass noch über Pferde und Reiter.
»Gott, das ist eisig«, quietschte Willow und hielt die Stute an.

Leise lachend schüttelte Sebastian den Kopf: »Was hast du erwartet? Es ist Oktober. War das Wasser gestern wärmer?«

Willow hob eine Augenbraue und sah ihn an. »Ach wirklich? Keine Ahnung, ich fand es gerade kälter.« Dann fing sie an zu grinsen, trieb ihr Pferd neben das ihres Freundes und nahm wieder seine Hand.

Die Tiere liefen gelöst Seite an Seite unter ihnen und schnaubten hier und da ganz entspannt. Selbst der Wind, der noch um einiges mehr aufgefrischt war, machte sie nicht nervös und das war bei Pferden ja nicht selten der Fall. Nachdem sie ein paar Minuten im Schritt den Strand entlang geritten waren, meinte Sebastian: »Lass uns ein kleines Wettrennen machen. Bis zu dem Leuchtturm da vorne.« Damit deutete er auf das hohe, schmale Gebäude ein paar hundert Meter vor ihnen.

Willow nickte, doch bevor sie etwas erwidern konnte, donnerte der Friese davon. Schmunzelnd ließ sich ihr Pferd in einen ruhigen Galopp fallen und folgte den beiden. Obwohl die Stute beileibe nicht langsam war, kam es der jungen Hexe vor, als bewegten sie sich auf der Stelle, so ein Tempo gab Sebastian vor. Es machte den Eindruck, als würden er und der mächtige Rappe unter ihm über den Strand fliegen. Als Willow endlich auch unterhalb des Leuchtturmes ankam, erwartete Sebastian sie schon grinsend, neben seinem Pferd stehend. »Wo bleibst du denn?«
»Na, so schnell wie ihr zwei unterwegs wart, hatte ich ja keine Chance«, lachend sprang Willow vom Rücken der Stute, »lass uns ein bisschen zu Fuß weitergehen, bis die Pferde sich etwas beruhigt haben.« Sie ergriff seine Hand und nebeneinander gingen sie langsam den Weg zurück, den sie gerade noch im vollen Tempo herunter galoppiert waren ... die Pferde liefen an ihrer Seite.
Sebastian hatte sich bereits nach ein paar Metern aus Willows Griff befreit, stattdessen seinen Arm um sie gelegt und sie an sich gezogen. Ein Kribbeln hatte sich in ihm ausgebreitet, als seine Freundin ihrerseits den Arm um ihn geschlungen hatte und ihre Finger über seine Seite streichen ließ.

»Wenn du so weitermachst, dann verschwinde ich mit dir gleich da hinten in den Dünen.« Sebastian warf ihr einen Seitenblick zu, den sie kichernd erwiderte: »Das ist viel zu kalt und nass.«
»Na ja, gegen die Kälte kann man was tun. Aber gut, warten wir, bis wir wieder zu Hause sind,« damit zog er sie noch enger an sich.

Eine halbe Stunde spazierten sie so über den Strand, dann blieben sie stehen und Willow sagte: »Wir müssen mal langsam sehen, dass wir die Pferde zurückbringen.«

»Ich weiß.« Sebastian packte seine Freundin an der Hüfte und hob sie auf ihr Pferd. Willow lachte leise und strich ihm durch die Haare, zupfte zärtlich an seiner langen Ponysträhne. »Danke! Ich hatte schon überlegt, wie ich hier wieder rauf komme. Das mach ich nämlich nicht so gerne ohne Aufsteighilfe. Ist nicht so gesund für den Pferderücken.«
»Ich weiß, aber da muss der Dicke hier jetzt durch«, damit schwang Sebastian sich auf den Rücken des Friesen und im Schritt machten sie sich auf den Weg zum Stall...


Nachdem sie die Pferde abgegeben hatten und wieder an ihrem Auto standen, fragte Willow: »Und was machen wir jetzt?«

»Ich würde schon noch gerne etwas hier am Meer bleiben, aber ich denke, es wäre besser, wenn wir uns auf den Heimweg machen«, erwiderte ihr Freund leise und sah hinauf zum Himmel, wo sich immer wieder graue Wolken vor die Sonne schoben, »Wir sollten sehen, dass wir trocken nach Hause kommen. Was meinst du?«

Willow hob den Blick und nickte dann. »Ich denke, du hast Recht. Außerdem bin ich ziemlich durchgefroren und hab vor allem kalte Füße. Diese blöden Reitstiefel halten eben nicht warm, auch nicht mit zwei Paar Socken.«
»Gut, dann lass uns verschwinden.« Damit schloss Sebastian den Bentley auf und sie machten sich auf den Heimweg.

Kaum hatten sie das kleine Ferienhaus erreicht, als die ersten Tropfen aus dem mittlerweile dunkelgrau verhangenen Himmel fielen und als sie das Gebäude betraten, schüttete es bereits wie aus Eimern.
»Ich würde mal sagen: Glück gehabt.« Lachend schüttelte Willow ihre dunkelrote Mähne, ging ins Wohnzimmer und entfachte das Feuer im Kamin, während Sebastian sie schmunzelnd beobachtete. Sie spürte seinen Blick und drehte sich um: »Was? Wozu hat man eine Gabe, wenn man sie nicht benutzen darf?«

»Manche würden es einen Fluch nennen.«
»Papperlapapp! Feuer zu beherrschen ist kein Fluch. Wer so was sagt, ist nur neidisch«, Willow ging auf ihren Freund zu, blieb vor ihm stehen, »Und was tun wir jetzt?«

Sebastian sah in ihre smaragdgrünen Augen, strich dann eine Strähne aus ihrem Gesicht, hob sie wortlos hoch und trug sie die Treppe hinauf. Im Schlafzimmer ließ er Willow wieder runter und diese wiederholte ihre Frage, auf die er aber wieder nur mit einem Schmunzeln und Schweigen reagierte.

»Anscheinend hast du die Sprache verloren, aber das macht nichts«, grinsend schob sie ihn Richtung Bett, »Setzen!«

Nachdem er ihrem Befehl Folge geleistet hatte, knöpfte sie ihm sein Hemd auf, streifte es ihm über seine Schultern und machte sich dann am Gürtel seiner Hose zu schaffen. Sebastian ließ sich rückwärts auf die Matratze fallen und ließ seine Freundin gewähren. Als sie ihn schließlich seiner Kleidung entledigt hatte, tat sie dasselbe mit ihren Sachen und kletterte zu ihm auf das Bett. Sie fing an, seinen Körper mit Küssen zu bedecken, beginnend an seinem Hals, sich dann langsam nach unten vorarbeitend. Sebastian seufzte und fuhr ihr durch die langen Locken, während sie mit ihrer Zunge seinen Bauchnabel umspielte und zwischendurch immer wieder an seiner Haut knabberte, wohl wissend, dass ihn das verrückt machte. Das leise Stöhnen, welches ihm dabei entwich, bestätigte sie. Als sie sich allerdings weiter nach unten küssen wollte, packte er sie urplötzlich, zog sie sanft nach oben und im nächsten Moment fand sie sich unter ihm wieder. Seine Stimme klang heiser, als er sagte: »Keine Spielchen heute.«

»Ganz wie du willst, Love«, erwiderte Willow schmunzelnd und sah ihm in die braunen Augen, die vor Erregung fast schwarz waren.

Dann schlang sie die Arme um seinen Nacken und küsste ihn fordernd, während er sich an sie drängte. Als er in sie eindrang, stöhnte sie leise auf und schlang die Beine um seine Hüften, so dass sie zu einer Einheit verschmolzen ...


Am nächsten Morgen wurde Willow noch vor ihrem Wecker wach und obwohl sie die Nacht kaum geschlafen hatte, war sie topfit. Sebastian schnarchte noch leise in die Kissen und so ließ die Rothaarige ihn schlafen und joggte ins Dorf, um Brötchen zu besorgen. Als sie wieder zu Hause ankam, hörte sie in der oberen Etage Wasser rauschen ... Sebastian war also mittlerweile auf. Da die junge Hexe sich später ein Bad gönnen wollte, deckte sie den Frühstückstisch und während der Kaffee lief, schlang sie sich eine Decke um die Schultern und trat hinaus auf die Terrasse. Die Sonne schien durch die schon fast kahlen Bäume und ihre Strahlen trafen Willows Gesicht, die einen Moment die Augen schloss und die Wärme genoss.
»Hier bist du. Guten Morgen«, Sebastians dunkle Stimme holte sie wieder in die Realität zurück. Er legte von hinten die Arme um sie und sie lehnte sich an ihn.

»Guten Morgen! Kaffee müsste gleich durch sein«, erwiderte Willow leise und seufzte dann, »noch zwei Tage und dann müssen wir wieder zurück.«

»Ja, aber ich verspreche dir, dass das nicht unser letzter Urlaub gewesen ist«, damit küsste Sebastian den Nacken seiner Freundin und zog sie noch näher an sich.

Schweigend standen sie eine Weile da und beobachteten, wie der Wind die bunten Herbstblätter hochwirbelte, die überall auf dem Rasen lagen, bevor sie sich schließlich aus ihrer Umarmung lösten und Hand in Hand ins Haus zurückkehrten ...!



ENDE!




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