Barrieren

»Seit wann bist du so stur? Rede mit ihm!« Anouk stemmte die Hände in die Hüften und funkelte Dionysos an. Der stand am Fenster und beobachtete Garrett, der immer und immer wieder die Axt warf. Er war in den zwei Wochen Training richtig gut geworden, jeder seiner Würfe wäre ein tödlicher Treffer.

»Du weißt nichts über mich, Anouk. Ich bin nicht stur, ich bin konsequent.«

»Worin?!«

Dionysos seufzte und wandte seinen Blick von dem Jungen draußen ab. »Wenn die Ferien anfangen, wird Garrett die Stadt verlassen. Vielleicht haben wir Allister bis dahin aus seinem Versteck gelockt und erledigt, doch seine Vampire werden bleiben. Ihr könnt aufbrechen, wenn der Schweinehund am Kirchturm baumelt, doch ich werde bleiben und meine Stadt säubern. Ich habe es Garrett versprochen. Deswegen ist es vermutlich besser, wenn...« Er sah die junge Frau nicht an. Anouk lachte spöttisch.

»Das hast du dir ja fein ausgedacht! Erst machst du ihn verliebt in dich und dann erst beschließt du, dass ihr nicht zusammen sein könnt?! Das ist nicht konsequent, das ist egoistisch und feige. Ich bewundere dich, aber das ist falsch. Es lässt dich wie ein Arschloch dastehen.«

Der Vampir zuckte nur mit den Schultern. Was Anouk ihm vorwarf, waren keine neuen Gedanken für ihn. Die kleine Stimme in seinem Kopf tat dies jede Nacht aufs Neue, wenn er auf dem alten Sofa kauerte, in den leeren Kamin starrte und auf Garretts unruhigen Schlaf lauschte.

Anouk schien zu glauben, dass das alles so einfach wäre. Dass er und Garrett einander liebten und bis ans Ende ihrer Tage glücklich gemeinsam in den Sonnenuntergang ritten. Doch das zeigte ihm nur, dass Anouk noch nie einen menschlichen Partner hatte, seit sie ein Vampir war. 'Bis ans Ende ihrer Tage' bedeutete nämlich konkret Garretts Ende! Er würde eines Tages gehen, ob Dionysos das nun wollte oder nicht. Während Dionysos weiterleben würde mit der Gewissheit, wieder jemanden verloren zu haben. Wie er Lachlan verloren hatte... wie er die wenigen anderen Menschen, die er einst liebte, verloren hatte. Ob durch die Zeit oder die Umstände, er würde wieder verlieren. Wieder allein sein mit einem weiteren Loch in seiner Seele. War es da nicht besser, es ganz bleiben zu lassen? Wenn er sich nicht öffnete, konnte ihn niemand verletzen.

Dass er Garrett so nah an sich herangelassen hatte, war nun nicht mehr zu ändern. Doch er war jung, er würde bald in London leben, eine neue Welt und auch eine neue Liebe finden.

Und er selbst...? Er würde den Wald wieder zu seinem Refugium machen und in den Frieden zurückkehren. Anouks Worte trafen ihn daher nicht so hart, wie sie sich das vermutlich erhofft hatte.

»Angesichts der Aufgabe, die vor uns liegt, spielt es nicht die geringste Rolle, was du von mir persönlich hältst. Ich erwarte von dir lediglich Loyalität für Garrett. Ansonsten darfst du mich gern mit Genuss hassen.«

Anouk lächelte leicht. »Ich hasse dich nicht. Ich bedauere dich. Du hast so viel Angst, die Liebe anzunehmen, die dir angeboten wird. Anstatt auf Allister zu pfeifen und mit Garrett zu gehen, stößt du ihn weg und stürzt dich in den Kampf. Ich wette, dir wäre es sogar recht, in diesem zu sterben.«

Wieder zuckte Dionysos nur die Schultern. »Der Tod ist kein schlechter Lohn, wenn es die Sache wert ist, findest du nicht? Aber was frage ich. Du bist jung. Leb' meine 700 Jahre, dann verstehst du mich.«

Anouk schüttelte den Kopf und seufzte. »Jetzt klingst du wie ein Opa und nicht wie der Junge, dessen Gesicht du trägst.«

»Ich fühle mich auch wie ein Greis«, murmelte Dionysos und blickte wieder aus dem Fenster. »Manchmal wünschte ich, ich wäre nicht ich. Nicht Dionysos. Nur Henry. Ein normaler Mann. Dann wäre ich keine Gefahr für andere. Keine Gefahr für Garrett...«

»Dann könntet ihr zusammen sein?«

Die Stimme des Vampirs war nur ein Flüstern, als er mit »Ja« antwortete. Anouk lächelte, legte ihm einen Augenblick lang die Hand auf die Schulter und ließ ihn dann allein.

Obwohl sie Dionysos' Misere traurig fand, schmunzelte sie ein wenig. Männer waren alle gleich. Er konnte nicht einmal sich selbst eingestehen, dass Garrett mehr als nur sein Mündel war, das er beschützen wollte.

Sie hatte Dionysos wegen dem Jungen zwar noch nie in glühender Leidenschaft entflammen sehen, doch sie wusste, wie heiß die Wut in ihm brodelte angesichts all der Dinge, die Garrett in den letzten Jahren ertragen musste. Und ihr war nicht entgangen, dass die beiden einander sehr nahe gekommen waren. Dionysos war mitnichten ein so kalter, englischer Fisch, wie er vorgab, zu sein. Er war nach wie vor Ire und das lebendige und leidenschaftliche Wesen dieses Menschenschlages steckte auch in ihm.

Anouk bedauerte, dass sein Leben ihm das ungezwungene Lachen genommen hatte und wünschte ihm Frieden. Und wo konnte er die Freude am Leben besser wiederfinden als in dieser modernen Zeit? Wo die Menschen aufgeklärt und frei waren, wo die Gräuel der großen Kriege verblasst waren, wo Männer wie Dionysos offen zu ihrer Liebe stehen konnten.

Scharmützel und Auseinandersetzungen zwischen Vampiren würde es auch in Zukunft noch geben, doch es zwang ihn niemand, sich diesen anzuschließen. Heute brauchten Vampire keine Futterreservoirs mehr, wo man sein Blut von Blutbanken erwerben konnte.

Ihm stand ganz Europa, wenn nicht sogar die ganze Welt offen, das Leben neu zu entdecken.

Und es gab hier diesen einen Menschen, der ihn brauchte. Warum verschloss er sich so dagegen?

Anouk seufzte stumm. Vermutlich hing das tatsächlich mit seinem Alter zusammen. Denn das junge Gesicht mochte über den alten Geist hinwegtäuschen, doch die 700 Jahre Erfahrungen und Erinnerungen konnte es nicht verdecken.

 

Erschöpft, verschwitzt und mit schmerzendem Rücken trottete Garrett in der Dämmerung in die kleine Hütte. Dionysos saß in einer Ecke und schärfte einen seiner Säbel, während Jack sein »Schmuckstück«, die alte Doppelläufige, mit einem Wattestäbchen ölte. Argwöhnisch starrte der Junge auf den Lauf des Gewehrs. Jack merkte es und lachte.

»Nicht geladen, Kumpel.«

Dennoch vorsichtig schlich Garrett an dem Texaner vorbei in Richtung Badezimmer.

»Ich geh' duschen«, verkündete er, als würde sein Geruch diese Notwendigkeit nicht bereits erahnen lassen. Dionysos nickte nur, während Jack erneut lachte.

»Das solltest du. Nicht mal meine Rinder stinken so penetrant wie du. War ein gutes Training, hm?«

Garrett machte ein zustimmendes Geräusch und fing Dionysos' Blick auf. Irgendetwas darin berührte ihn ganz tief und er floh regelrecht ins Badezimmer. Keuchend, sich über die Augen wischend, lehnte er an der Tür. Er schmeckte Salz auf seinen Lippen, wusste aber nicht, ob es Tränen waren oder nur sein Schweiß.

Warum tat er das? Redete nur mit ihm, um ihn zu kritisieren, doch verfolgte ihn ständig mit diesen Blicken. Was zum Teufel wollte er eigentlich? Gereizt riss sich Garrett seine schweißnasse Kleidung runter, bevor er merkte, dass er gar keine Wechselsachen mitgenommen hatte.

»Ah, scheiß' drauf!«, fluchte er und stieg unter den heißen Wasserstrahl.

 

Jack hingegen lugte unter seinem Cowboyhut zu Dionysos hinüber, der scheinbar teilnahmslos mit der Waffe hantierte. Doch der Texaner konnte sehen, dass seine Gedanken ganz woanders waren.

»Ich kann für eine Weile spazieren gehen, wenn du möchtest...«

»Warum sollte ich das wollen?«

»Dann könntest du... zu ihm gehen und dich entschuldigen oder aussprechen. Das hält man ja nicht aus, Mann!«

»Keine Ahnung, was du meinst«, entgegnete Dionysos spröde und sah seinen Freund nicht an. Jack schob den Hut in den Nacken und runzelte missbilligend die Stirn.

»Ach nein? Letzten Freitag wart ihr beiden noch so dicke, da hätte kein Blatt zwischen euch gepasst. Jede Nacht habe ich euch im Schlafzimmer reden hören, über alles und nichts. Irgendwas ist in der Nacht der Beerdigung vorgefallen und wie ich dich kenne, geht das auf deine Kappe. Du kannst nämlich echt 'n tierisches Rindvieh sein. Weißt du immer noch nicht, was ich meine?«

Dionysos hielt den Blick auf die schimmernde Klinge gesenkt und murmelte etwas.

»Hä?«, machte Jack theatralisch. »Red' deutlich, Junge, ich bin ein bisschen harthörig.« Er formte mit der Hand einen Trichter um sein linkes Ohr und imitierte die Stimme eines alten Mannes.

»Ich habe gesagt, er hält mich für seinen Freund. Oder zumindest sein Vater tut es.«

Jack zog eine Braue hoch und lachte auf. »Mal unter uns Klosterschwestern, Will: Eigentlich bist du das doch. Garrett sieht nicht aus wie jemand, der aus Langeweile mit 'nem Kerl in die Kiste hüpft.«

Dionysos schüttelte den Kopf und zog die Stirn kraus. Verstand ihn denn niemand?

»Das ist es doch auch gar nicht!«

»Sondern?«

Dionysos war es leid, diese Gedanken wieder und wieder durchzukauen und seufzte müde. »Ich weiß nicht, was es ist...«

»Mit euch?«

»Ja. Ich kann es nicht greifen.«

»Dann lass' es. Lass' es zu dir kommen. Wenn du etwas erzwingst, wirst du scheitern. Wozu musst du denn so genau wissen, was es ist? Ändert es etwas, wenn du dem Gefühl einen Namen geben kannst? Wird es dadurch besser, als es jetzt ist? Meinst du, deine guten Absichten vergolden sich, wenn du weißt, dass du aus Liebe handelst? Du hast schon viele Dinge aus Liebe getan, ohne dass du es so betiteln musstest. Du hast mir damals das Leben gerettet, du riskierst hier deinen Frieden und dein Leben für Garrett, du hast ihm Trost gegeben nach dem Tod seiner Mutter, hast keine ruhige Minute mehr, seit er zu trainieren begonnen hat. Wie viele Beweise brauchst du noch? Wenn du immer noch glaubst, dass das nicht aus Liebe geschieht, war der letzte Schlag auf deinen Kopf zu hart.«

Dionysos erhob sich und blickte aus dem Fenster in die Dunkelheit, vorbei an seinem blassen Spiegelbild.

»Er fragte mich, was das zwischen uns wäre und ich konnte ihm diese Frage nicht beantworten.«

Jack seufzte. »Gestern, als ihr einander so angefaucht habt und du in den Wald verschwunden bist, erzählte ich ihm von Amerika. Und dass du nicht leichtfertig liebst. Ich Kitschkopf verglich es mit kostbaren Edelsteinen, doch wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist eigentlich Garrett der Edelstein, den du unbedingt willst. Doch du weißt nicht, wie du ihn bekommen kannst. Deswegen weißt du nicht, was du auf seine Frage antworten sollst. Obwohl du Trottel den Stein doch schon längst in den Händen hältst. Er fragt dich, ob du ihn haben willst. Du musst nur noch Ja sagen.«

»Und dann? Er geht nach London, wird erwachsen, leben, alt werden - und sterben.«

Jack zog ungläubig eine Braue hoch. Wollte sein alter Kumpel ihn gerade verkohlen? Garrett war noch ein halbes Kind und er machte sich jetzt schon Gedanken um dessen Tod? Es konnte nicht einmal einer sagen, ob sie am Ende der Woche nicht alle tot wären, aber davon mal abgesehen? Liebte Will diesen Jungen so sehr, dass die Aussicht, ihn wieder zu verlieren, so schrecklich war, dass er es gar nicht erst versuchen wollte?

»Ja, und du bist Peter Pan, bleibst für immer ein Junge und hast deinen Spaß. Doch so funktioniert das nicht! Wäre es nicht besser, ein paar schöne Jahre, Jahrzehnte zu haben als die vage Vorstellung, wie es gewesen sein könnte? Und außerdem weißt du, wie man einen Menschen verwandelt...«

Dionysos verzog nur die Lippen.

»Und was London angeht - was hält dich hier, wenn er weg ist? Schnapp' dir den Kater und zieh auch dorthin. Du hast genug Geld, um da nochmal anzufangen.«

Der Vampir am Fenster seufzte und wandte sich von der Scheibe ab. Jack meinte es gut. Und er hatte Recht. Ein Menschenleben mit jemandem, den man liebte, war besser als gar nichts, doch er kam sich schäbig und unehrlich vor. Er wollte Garrett sagen, dass er ihn liebte, doch er konnte es nicht. Wann immer es ihn überkam, dieses Gefühl, wollte er es an sich binden, sich vergewissern, dass es wirklich Liebe war, doch es schlüpfte durch seine kalten Finger, schien ihn zu verhöhnen und war fern wie der blasse Sonnenschein. Als wollte etwas verhindern, dass der Sünder Erlösung in der Liebe fand. Doch weniger als das hatte Garrett nicht verdient.

Wann hatte sich das so verändert? Wann hatte er begonnen, so zu denken? Wann wurde aus dem langhaarigen Herumtreiber mit der Kamera sein persönlicher heiliger Gral?

»Lass uns dieses Thema vertagen, bis wir Allister aus dem Weg geräumt haben. Mir gelüstet danach, ihn am Kirchturm hängen zu sehen und...« Die Badezimmertür öffnete sich und Garrett schob sich, in ein Handtuch gewickelt, hindurch. Dionysos konnte ein sanftes Lächeln bei seinem Anblick nicht unterdrücken. »... jemand anders hier will auch noch seine Rache.«

Die Blicke von Garrett und Dionysos trafen sich und für einen Moment war alles wie immer. Jack grinste nur und widmete sich wieder seinem »Schmuckstück«.

 

Garrett wälzte sich in dem Himmelbett umher. Nikodemus, der auf dem Kissen schlief, schnurrte leise. Ein angenehmes Geräusch, doch der Junge konnte dennoch nicht schlafen. Dabei fühlte er jeden Knochen in seinem Leib. Er forderte seinem Körper alles ab, Jack lobte ihn unablässig, er hatte Anouk bei einem Sparring-Stockkampf besiegt und der stille Phil hatte ihn sogar mit seinem kostbaren Präzisionsgewehr, das er in einem Geigenkoffer transportierte, auf einige Tontauben schießen lassen. Dionysos hielt sich, seit er ihn angepflaumt hatte, komplett aus dem Training heraus. Redete kaum mit ihm, beobachtete ihn stumm, berührte ihn nicht, schlief im Wohnzimmer. Garrett seufzte.

Das würde ihn noch wahnsinnig machen. Seine Wut oder was es war, war längst abgeflaut. Er vermisste Dionysos. Seinen warmen, würzigen Duft, den leisen Atem in der Dunkelheit neben sich, seine Nähe. Stumm lag der Junge unter der voluminösen Bettdecke und lauschte in die Nacht. Das Schnurren des Katers war verstummt, er war wohl tief eingeschlafen, und auch sonst war es ruhig. Einige Grillen machten ein leises Zirpkonzert, was Garrett schon aus Gewohnheit kaum mehr hörte, es knackte im Gebälk.

Jack, Anouk und Phil waren in der Stadt. Phil bewachte die Friedhöfe, während die anderen Ghoule jagten. Es kam Garrett komisch vor, dass der arrogante Allister sich so ruhig verhielt. Phil nannte es »Panthersprung«. Der Feind holte zum Schlag aus.

Dionysos war in der Hütte geblieben, um Wache zu halten - doch geredet hatten sie nicht. Nachdem Garrett aus der Dusche kam, hatten sie gegessen und er hatte sich hingelegt. Wie lange war das her? Stunden, und er konnte nicht einschlafen!

Ein Geräusch ließ ihn aufhorchen. Es klang wie ein jammerndes Hundebaby. Er schlug die Decke zurück und stand auf. Er verzichtete darauf, sich etwas überzuziehen und spähte, nur in Shorts, durch die Tür in die Küche.

Da! Da war es schon wieder. Tiefer jetzt, brummiger. Weniger wie ein Tier, mehr wie jemand, der schlecht träumte. Garrett wandte sich ins Wohnzimmer und sah im matten Licht einer altertümlichen Öllampe Dionysos auf dem Sofa liegen. Er war zu groß dafür, sein linkes Bein stand auf dem Boden, sein rechtes war angewinkelt und stand auf dem Polster. Sein linker Arm hing schlaff herunter, während der rechte halb sein Gesicht bedeckte. Er schlief, doch träumte anscheinend lebhaft.

Wieder machte er ein wimmerndes Geräusch und es wurde Garrett schwer ums Herz. Quälten seine Erinnerungen ihn so sehr? Aber er hatte doch die Nächte bei ihm ganz ruhig geschlafen.

Die Lippen des Jungen kräuselten sich leicht. Gut zu wissen, dass die Trennung der Schlafplätze nicht nur ihm zu schaffen machte. Leise ging er auf den Schlafenden zu und vor ihm in die Hocke. Er lächelte, als Dionysos den Arm sinken ließ. Wie schön er selbst im Schlaf noch war! Sein Duft war so wie immer, warm, würzig, frisch. Nach Seife, frischer Luft und aromatischen Kräutern.

Dionysos zuckte und murmelte etwas, in einer Sprache, die Garrett nicht verstand. Hatten die Iren im 13. Jahrhundert nicht Gälisch gesprochen? Er hatte ihn noch nie danach gefragt.

Sanft legte er ihm eine Hand auf die Stirn, während er mit der anderen vorsichtig an seiner Schulter rüttelte.

»Hey Henry, wach auf...«, murmelte er. Er wollte nicht zu grob in Dionysos' Traumwelt einbrechen. In der nächsten Sekunde allerdings wünschte er sich, er hätte es gar nicht getan. Dionysos riss die - glutroten und feurig leuchtenden - Augen auf, erfasste ihn und knurrte wie ein Wolf. Tief und kehlig. Garrett wollte zurückweichen, da hatte der Vampir sich schon auf ihn geworfen. Mit starken Armen umklammerte er den Jungen und diamanthell blitzten seine Fänge im Schein der Funzel auf. Bevor Garrett auch nur die Gelegenheit hatte, Angst zu bekommen, schlug Dionysos diese Mordwerkzeuge in die weiche Haut an dessen Hals.

Der Junge stöhnte erschrocken auf und in der nächsten Sekunde war sein Kopf mit Watte gefüllt. Emotionen, Empfindungen, Gefühle umrauschten ihn. Er spürte etwas anderes neben sich, etwas mächtiges, düsteres - und einsames. Die Seele des Vampirs war seiner eigenen so nah, dass er sie hätte berühren können, wenn er nur die Hand ausgestreckt hätte. Er spürte Dionysos' Einsamkeit, seine Wut, seine Angst, seine Schuld, doch da war auch Liebe, Freundschaft... und noch etwas ganz anderes!

Garrett konnte die Erektion heiß an seiner Hüfte spüren und glaubte, sich aufkeuchen zu hören, als der Vampir das bisschen Stoff, das ihre Leiber trennte, entfernte. Er schrie auf, teils aus Schmerz, teils aus Lust, als Dionysos Besitz von seinem Körper ergriff, während er weiter mit köstlicher Intensität an der Halswunde saugte. Dieser Akt hatte nichts zärtliches, war rohe, entfesselte Leidenschaft und die Wellen des unerhört sinnlichen Schmerzes wechselten sich mit heißen Schüben der Lust ab.

Garrett schrie erneut auf, als er einen heftigen Höhepunkt erreichte und ohnmächtig in Dionysos' Armen zusammensackte.

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