Belladonna

Garrett schrie auf, als Allisters scharfe Zähne grob die Haut an seinem Hals zerrissen. Die Knie knickten ihm ein und sein Angreifer ließ ihn einfach auf den Boden sinken, wo er benommen liegen blieb.

Dionysos hatte ihm einst erklärt, dass der Biss eines Vampirs wie der Blick in seinen Spiegel war. Ein Blick in die Seele.

Und Garrett hatte nicht gefallen, was er bei Allister gesehen hatte. Unter der Bosheit, die über Dekaden in ihm geschwelt hatte, war so viel anderes verborgen, was einen schönen, einst so edlen Mann zu einem verbitterten, gierigen und neiderfüllten Monster hatte werden lassen.

Eines, das nun wieder lachte, während er, Garrett, noch immer im Kopf Karussell fuhr.

»Ein köstlicher, frischer Tropfen. Leider nicht mehr unberührt. Das hat er sicher deiner widernatürlichen Gier zu verdanken, oder, Dionysos?«

Der Angesprochene erholte sich schnell von dem Schrecken, Garrett in den Händen dieses Scheusals zu sehen, und richtete einen seiner Säbel, mit denen er zuvor Ghoule und Allisters Handlanger in Schach gehalten hatte, auf ihn.

»Wag' es nicht, so mit mir zu reden«, fauchte er dunkel und seine Augen glühten rot.

Allister zuckte nur mit den Schultern. »Jeder, wie er mag. Wegen mir könntet ihr einander totvögeln. Doch das wäre mir dann doch ein zu leichter, wenn nicht sogar schöner Tod für dich. Nein, nein. Ein Krieger darf nicht im Bett sterben, ist es nicht so? Nein, er lässt sein Leben bei dem Versuch, sein lächerlich dummes und naives Liebchen zu beschützen. Ja, das hat Charme. Wie ein alter Heldenepos vom gefangenen Fräulein, dem edlen Ritter und dem Drachen, der schließlich beide frisst.«

Dionysos knurrte, doch wurde ruhig, als sein Blick auf den von Garrett traf, der bleich und zitternd am feuchten Boden lag. Sein Gesicht war voller Reue, Kummer und Schuld, das Wasser schwamm ihm in den Augen und doch glaubte der Vampir zu wissen, dass diese Angst und diese Tränen ihm galten. Garrett hatte keine Angst um sich selbst. Sondern um die, die ausgezogen waren, um ihn zu beschützen. Dass Garrett das unvergleichliche Talent hatte, gegen jede Vorsichtsmaßnahme, die er, Dionysos, zu treffen vermochte, dennoch in Schwierigkeiten zu geraten, erboste ihn nicht. Es verlieh ihm nur noch mehr den Wunsch, Garrett fest bei sich zu halten.

Und dass Allister es gewagt hatte, das Blut zu kosten, das ihm gehörte, versetzte Dionysos in glühende Wut. Er packte seine Waffe fester.

»Du hast nicht aufgepasst, als dir deine Amme diese Märchen vorlas. Sonst wüsstest du, dass am Ende immer der Drache fällt und der Ritter mit dem Fräulein in den Abend davon reitet.« Er setzte an, auf Allister loszustürmen. Stille herrschte auf dem Platz, als hätten alle Anwesenden beschlossen, den beiden wie bei einer Theateraufführung zuzuhören.

Allister hob seine elegante Waffe, deren Rückstoß Garrett vermutlich die Schulter geprellt hätte, und lächelte nur auf die gleiche nervtötende, charmante und süffisante Art wie immer.

Dionysos zögerte nicht. Eine Waffe, auch eine dieses Kalibers, konnte ihm nichts anhaben. Er musste nur schnell genug sein, um Garrett hier wegzubringen. Dieser kleine Narr!

Der Junge verfolgte seinerseits die gespannte Situation und fühlte sich krank vor Schuld, dass er Dionysos nur Ärger machte. Besorgt sah er, dass Allisters Waffe auf den Kopf Dionysos' gerichtet war und handelte ganz instinktiv. Er wusste, dass Feuerwaffen Vampiren eigentlich nichts ausmachten. Würde Allister also auf ihn zielen, wenn er nicht einen Sinn dahinter sehen würde?

Ohne nachzudenken, packte er die Hand Allisters, zog mit all seinem Gewicht daran und der Schuss, den der Vampir auf Dionysos abgegeben hatte, verfehlte sein Ziel, schlug in den matschigen Kopf eines Ghouls ein und streckte diesen nieder.

»Garrett!«, brüllte Dionysos und auch Allister drehte sich eine Sekunde zu ihm um, das ansehnliche Gesicht verzerrt, die kräftigen schwarzen Augenbrauen über dunkelrot glühenden Augen zusammengezogen.

»Du kleiner Scheißkerl!«, grollte er. Ein weiterer Schuss krachte durch die nächtliche Stille und Garretts Schreien hallte über den Platz. Blut sickerte in den durchlöcherten Stoff seiner Jeans und färbte ihn am Schienbein in tiefes Rot.

Leben kam in die erstarrten Ghoule, als sich der Geruch verbreitete, und auch die hungrigen Vampire, denen Allister das Jagen verboten hatte, wurden unruhig.

Dionysos' Gefährten, die das Geschehen ebenso gebannt verfolgt hatten, hielten nun die Ghoule davon ab, von allen Seiten auf den angeschossenen Garrett zuzugehen. Die Vampire Allisters wagten es aus Furcht vor ihrem Herrn nicht.

Garrett hielt sich das Knie, als könnte er den Schmerz der Schusswunde dadurch abmildern. Er schrie nicht mehr, weinte auch nicht, doch sein Atem ging schwer und stoßartig, als könnte er das Leid wegatmen.

Dionysos, den es unerträglich quälte, ihn so zu sehen, funkelte Allister an. Dieser empfand eine beinahe perverse Freude an dem Unheil, das er angerichtet hatte.

»Ich habe es dir prophezeit, richtig? Sein Leid macht dich krank, habe ich Recht?«

»Du bist es, der mich krank macht, Saltire! Hätte ich all das vorausgeahnt, hätte ich dich damals in London schon zur Hölle geschickt!«

Allister lachte. »Stattdessen hast du diese Stadt und dieses Bürschchen hier hergeschenkt, als wären es Ameisen in einer Glasfarm.« Er wandte sich an Garrett. »Wie ich es sagte. Wenn du jemanden hassen willst, jemandem die Verantwortung geben willst für alles, dann deinem verehrten Dionysos hier. Er hat den Stein erst ins Rollen gebracht, der dich und alle ins Unglück stürzte.«

Garretts durch die Zähne hervorgepresstes »Fick' dich« kommentierte er mit einem heiteren Lachen.

Dionysos knurrte hingegen. »Ich trage die Verantwortung, das ist mir sehr bewusst. Und ich werde meine Schuld bis auf den letzten Penny begleichen. Angefangen bei dir! Dir schulde ich den Tod!«

»Ich freue mich darauf«, entgegnete Allister und als Dionysos erneut vorschoss, hob er die Waffe und ein dritter Schuss krachte durch die Luft.

Es schlug hart gegen Dionysos' Schulter, was ihn stoppte und stehenbleiben ließ. Garretts Mund war aufgerissen und die Augen voller Tränen. Vor Schreck hatte er sich etwas seines eigenen Blutes an das Kinn geschmiert. Auch Dionysos' Kampfgefährten waren erschrocken, wollten sich aber bereits wieder entspannen. Eine 9mm 357er Magnum war nicht groß genug, um einem Vampir ernsthaft zu schaden.

»Dein Ernst, Allister? Mit diesem Kinderspielzeug willst du mir kommen?«

»Abwarten«, antwortete der andere nur, was alle aufhorchen ließ.

Die Angst griff erneut nach Garrett, der den Schmerz in seinem Bein darüber beinahe vergessen hatte.

»Dionysos«, flüsterte er und zog so die geliebten, rötlichen Augen auf sich. Der Vampir lächelte und Garrett wollte schon erleichtert aufatmen, als alle Farbe aus Dionysos' Gesicht wich, er sich an die Schulter packte und schwer auf seinem Säbel aufstützte. Sein Atem kam rasselnd und kalter Schweiß brach ihm aus.

»Du... hinterhältiger Schweinehund...«, presste er mühsam hervor.

»Glaubst du, ich benutze eine Handfeuerwaffe, wenn ich dich damit nicht aufhalten kann, mein Lieber? Fühlt sich gut an, oder?«

Dionysos wankte bedenklich. Garrett liefen nun doch wieder die Tränen über die Wangen und verschmierten seine blutigen Fingerspuren, und Allisters Handlanger hielten Jack, Phil und Anouk davon ab, zu Dionysos zu gelangen.

»Ich bin der Spielereien für heute müßig. Ich weiß wohl, es wäre ein Leichtes, dir jetzt den Garaus zu machen, doch das hat keine Ehre. Und du hast noch nicht genug gelitten. Wenn du diese Nacht überlebst, genieße den Gedanken daran, dass ich dein Liebchen in meiner Gewalt habe. Vielleicht bediene ich mich seiner Reize. Man soll ja immer neugierig auf Neues bleiben. Vielleicht komme ich auf den Geschmack. So viele Möglichkeiten...«

Allisters Lächeln hatte alle Süffisanz verloren, sondern erinnerte an den Teufel. Es war ihm ernst mit seiner Drohung und auch, wenn er den Jungen niemals anrühren würde, wusste er doch, dass Dionysos' Verstand ihn mit diesen Bildern quälen würde.

»Wehe... du rührst ihn... an!«, keuchte der geschwächte Dionysos und verzog das Gesicht vor Schmerz.

»Jaja, ich weiß. Dann bringst du mich um. Das Lied hatten wir schon. Sieht ganz so aus, als gewinne diesen Akt der Drache und zieht mit dem Fräulein von dannen.« Allister lachte heiter, als wäre alles ein absurdes Spiel.

»Du... bleib... agh.« Dionysos gab einen vernehmlichen Schmerzenslaut von sich und ließ den Säbel klirrend fallen. Er sank auf die Knie und blickte in Garretts Gesicht, bevor seine Augen schwarz wurden und er der Länge nach auf dem feuchten Asphalt aufschlug.

Seine Gefährten verdoppelten ihre Anstrengungen, an den Vampiren vorbeizukommen, und Garrett schrie auf, als der selbe Lakai, der ihn hergetragen hatte, ihn wieder aufhob und über die Schulter warf.

»Henry! Nein... nein, verdammt, lass mich runter, du Gorilla!« Garrett strampelte und versuchte, sich dem Griff zu entziehen. Rotz und Wasser verschmierten sein Gesicht.

Das war alles seine Schuld und nun sollte er nicht einmal zu ihm können? Was war mit ihm geschehen? Was war mit der Kugel, dass Dionysos einfach zusammengebrochen war? Er selbst war doch auch bei Bewusstsein. Er musste zu ihm. Wenn er nun starb?

Der Junge strampelte weiter, hämmerte auf den Rücken des Vampirs ein und rief nach Dionysos, der weiß wie ein Laken da im feuchten Schmutz der Straße lag und sich nicht rührte.

Garrett erstarrte, als der kalte Lauf der Waffe sein Kinn berührte. Er blickte in Allisters dunkle Augen.

»Mein lieber Garrett. So herzerwärmend deine Bemühungen auch sind, sie ermüden mich allmählich. Zwingst du mich, erneut Gebrauch von meiner Waffe zu machen, wirst du nicht mehr aufwachen. Im Gegensatz zu Dionysos bist du nicht unsterblich. Und der tut mir sicher nicht den Gefallen, an simplem Belladonna zu verrecken.« Allister lachte und wandte sich noch einmal auf den Platz um. Die Handvoll seiner Leute würden Dionysos' Kampfgefährten lange genug aufhalten und dann hatten diese andere Sorgen, nämlich ihren verwundeten Anführer versorgen. Die würden ihn garantiert nicht bewusstlos liegen lassen, so kurz vor Sonnenaufgang, angeschossen, blutend, paralysiert, und ihn den Menschen preisgeben.

Auch wenn sie pflichtgemäß gern ihrem holden Liebchen nacheilen würden.

Wie sie dem Jungen nachriefen, lächerlich. Selbst wenn er nicht von starken Händen gehalten werden würde, würde seine Beinwunde eine Flucht zu Fuß für ihn unmöglich machen.

Zumindest gegenwärtig führte er das Spiel an und das stimmte Allister sehr zufrieden.

 

»Garrett!«, rief Anouk, während sie einen Ghoul ummähte. Tatenlos mussten sie zusehen, wie dieser Scheißkerl Allister erst den Jungen anschoss, dann Dionysos außer Gefecht setzte und sich dann mit Garrett aus dem Staub machte.

»Spar' dir den Atem, Süße. Der Kleine steht heute auf der Speisekarte. Den kannst du getrost abschreiben!«, grinste ein widerlicher Blutsauger ihr frech ins Gesicht. In der nächsten Sekunde krachte der Holm einer Schrotflinte mit einem fürchterlichen Krachen gegen seinen Kopf und brachte ihn zu Fall. Der Mann mit der Flinte, der blonde Jack, starrte ihn böse an.

»Das bleibt abzuwarten, Hackfresse. Wir schreiben unsere Freunde nicht so ab, wie Allister es tut. Der weint dir keine Träne nach. Täte ich auch nicht, du bist hässlich wie der Arsch einer Kuh!« Jack erledigte den Vampir und sah sich dann um.

Geschlagene Ghoule und eine Handvoll Vampire, die offenbar als Nachhut von Allister geopfert worden waren, damit er sich in Ruhe aus dem Staub machen konnte. Sie hatten ganze Arbeit geleistet.

Sein Blick und der von Anouk lagen auf Phil, dem Pfarrer, der neben Dionysos am Boden hockte und dessen Wunde begutachtete.

»Was ist mit ihm? Tot kann er nicht sein...« Er wäre zu Erde zerfallen, das wussten sie alle.

»Nein, er lebt. Gerade noch so. Wir müssen ihn in die Hütte bringen. Und er braucht Blut. Jede Menge Blut. Im Krankenhaus gibt es unkonservierte Frischblutkonserven. Du, Anouk, besorgst davon so viele, wie du kriegen kannst.«

Das Mädchen nickte und brach ohne weiteres Nachfragen in Richtung Krankenhaus auf, während Jack seinen bewusstlosen Freund huckepack nahm.

»Was hat der perfide Kerl mit ihm gemacht?«

Phil nahm Dionysos' rasiermesserscharfe Säbel vom Boden und blickte grimmig. Sein jugendliches Gesicht wirkte ernster als sonst.

»Sein Blut riecht nach Belladonna. Allister muss die Kugeln darin getränkt haben. Deswegen fiel der Ghoul tot um, als er getroffen wurde und deswegen zeigte Garrett keine weiteren Symptome. Dionysos wird einige harte Stunden vor sich haben.«

Jack knurrte. »Garrett auch. Ich hoffe nur, ihm geschieht nichts und Allister tut ihm nicht wirklich das an, was er angedeutet hat. Er hat uns matt gesetzt. Er weiß genau, dass einer von uns Will betreuen muss und dass wir zu zweit keine Chance gegen den Rest seiner Sippe und ihn haben.«

»Offenbar weiß er doch, was er tut. Er hat der Schlange den Kopf abgeschlagen und wir müssen warten, dass er nachwächst. Verdammt!«

Zügig und mit einem schlechten Gewissen dem verschleppten Freund gegenüber eilten die beiden Vampire mit ihrem bewusstlosen Kameraden in den Wald zurück.

Der Himmel über dem Talkessel wurde bereits grau und erste Autos waren auf den Straßen zu hören.

Jack murrte. »Ich frage mich manchmal, ob diese Kleinstadtleute wirklich nicht mitbekommen, was hier geschieht oder ob sie es absichtlich übersehen.«

Phil schnaubte verhalten lachend. »Wenn in Norfolk irgendwo ein Schuss fällt, bewegen sich die Gardinen, aber zu sehen bekommt man niemanden. Neugierig sind sie alle, aber niemand will sich in Gefahr begeben. Und wer kann es ihnen verübeln? Etwas Böses hängt über dieser Stadt und wir können von Glück sprechen, dass ihm erst vier Menschen zum Opfer gefallen sind. Vier Leben zu viel.«

Jack nickte. »In Texas sind Schüsse so alltäglich wie ein Amen in der Kirche und gehören fast zum guten Ton. Ich hatte immer gehofft, England wäre anders.«

»Ist es, mein Freund. Hier sind die Waffengesetze viel strenger, illegaler Waffenbesitz eine schwere Straftat und es reicht nicht, 18 zu sein, um sich eine zu kaufen.«

»Das ist gut so«, Jack rieb sich nachdenklich die Brust in der Nähe seines Herzens, »auch wenn ich einer Pistole verdanke, dass ich heute noch lebe.«

Sie erreichten unbehelligt den Wald und Dionysos' Hütte, die leer und dunkel da lag. In der der Junge, der törichte, eigentlich hatte warten sollen.

Verdenken konnten sie ihm jedoch nicht, das Haus verlassen zu haben. Kein Mann wurde gern wie ein Kind behandelt und zurückgelassen, und auch, wenn Dionysos das nur tat, um Garrett zu beschützen, kratzte es doch sicher an seinem Mannesstolz.

Behutsam legte Jack Dionysos auf das Bett und ging frisches Wasser und Handtücher holen, während Phil den Bewusstlosen geschickt aus Mantel und Hemd befreite. Die Kleidungsstücke waren durchtränkt von Blut und kaltem Schweiß.

»Breite das Tuch unter ihm aus und hol mir Verbandszeug. Wir werden es brauchen, wenn Anouk mit dem Blut kommt.«

Die beiden Vampire wuschen den Verletzten und Phil hatte gerade mit einer Pinzette die Kugel aus der Schulter entfernt, als Anouk außer Atem in die Hütte eilte, eine Tasche mit einem guten Dutzend Blutbeutel bei sich.

»Ich musste einen Wachmann niederschlagen. Der arme Kerl«, bedauerte sie und händigte dem heilkundigen Phil die Konserven aus.

»So viele Konserven. Erst Garrett, jetzt er. Das fällt bestimmt allmählich auf. Der Constabler und sein Handlanger suchen ja auch immer noch nach dem vermeintlichen Serienkiller...«

Die anderen beiden nickten und sahen dabei zu, wie der Pfarrer geschickt einen Aderlass an Dionysos' rechter Armbeuge anlegte. Ein merkwürdiger Geruch breitete sich aus, als das in der Dämmerung schwarz wirkende Blut in den bereitstehenden Eimer tröpfelte.

»Belladonna«, murmelte Anouk und schürzte die Lippen. »Wie hinterhältig.«

Der Extrakt, gewonnen aus der im Volksmund Tollkirsche genannten Pflanze, deren Beeren starke Halluzinationen hervorrufen konnten, war eines der wenigen Dinge, die einen Vampir von den Füßen holen konnten. War die Dosis stark genug, konnte auch ein Unsterblicher dadurch den Tod finden.

Doch Allister wollte Dionysos nicht töten. Noch nicht! Er hatte ihm scheußliche Bilder in den Kopf gesetzt, was er Garrett antun wollte, und ihn dann, um den Effekt zu verstärken, mit dem Halluzinogen vergiftet, das gleichzeitig seinen Körper lähmte und Lavaströme durch seine Adern schickte.

Phil hängte eine der Frischblutkonserven auf und legte einen zweiten Zugang an Dionysos' linkem Arm, um das verseuchte Blut nach und nach auszuwaschen.

»Ich übernehme die erste Wache. Ruht euch aus, wir müssen Kräfte sammeln. Wir können Garrett unter keinen Umständen in Allisters Gewalt lassen. Nicht auszudenken, was er ihm antut.« Phils Stimme klang matt und er nahm auf der Aussteuertruhe platz. Die anderen nickten mit bedrückten Gesichtern.

Dieser Tag war bereits jetzt ein Fiasko. Sie hatten ihren Schützling verloren und der Mächtigste von ihnen lag im Alptraumdelirium darnieder.

Optimistisch betrachtet musste es nun wieder bergauf gehen. Immerhin waren sie alle noch am Leben. Irgendwie.

Dionysos bewegte sich das erste Mal, seit Jack ihn von der Straße gesammelt hatte. Er wandte fiebrig den Kopf hin und her und seine Gesichtszüge zuckten im Alptraum.

»Garrett...«, murmelte er undeutlich, doch vernehmlich.

Die drei anderen Vampire seufzten, als wäre dieses Gestammel eine Mahnung an alle.

»Nehmt euch eine Mütze voll Schlaf«, sagte der Pfarrer abschließend und die anderen taten wie geheißen.

Kommentare

  • Author Portrait

    Nach wie vor genieße ich deinen Schreibstil und die Art, wie du einen am Ende zappeln lässt. Wobei das hier harmloser ist, da wir nur wissen, dass Garrett von Allistar mitgenommen wurde, nicht aber, was genau er mit ihm anstellt. Freue mich auf das nächste Kapitel :)

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